E-Book, Deutsch, 236 Seiten
Grathwohl Die verborgenen Rätsel Griechenlands
4. Auflage 2013
ISBN: 978-3-7322-1347-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf Spurensuche im alten Griechenland - reloaded
E-Book, Deutsch, 236 Seiten
ISBN: 978-3-7322-1347-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bernd Grathwohl wurde am 25.6.1972 in Spaichingen geboren und ist in Süddeutschland aufgewachsen. Von Beruf ist er Ausbildungsleiter in Elektronik und IT-Berufen. Schon als Kind wuchs sein Interesse an Archäologie, welches er seit den neunziger Jahren auf über dreizehn Griechenlandreisen ausweitete. Diese Reisen und das Studium vieler Bücher zum Thema Archäologie, vor Allem aber die unerklärlichen Rätsel der Vergangenheit inspirierten ihn letztlich zum Schreiben von Büchern. Sein Forschungsschwerpunkt liegt gebietsmäßig im historischen Griechenland, technisch in der Satellitenbildforschung, deren Vermessung und Berechnung. Er programmiert Tabellen zur Ermittlung von Entfernungen und Geometrien selbst.
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Kapitel 1:
Linien über Griechenland
Wie komme ich darauf?
Ich wurde erstmals in Erich von Dänikens Buch über Griechenland „Im Namen von Zeus“ (1) darauf aufmerksam. Er beschreibt ein Phänomen, dass nahezu alle Tempelstätten in geometrischen Verbindungen zueinander stehen.
Da ist von 3-Tempel-Linien (3 Stätten auf einer Geraden) die Rede, von gleichschenkligen Dreiecken, bei denen die Tempel die Eckpunkte bilden (man könnte auch sagen, sie liegen auf Kreisbögen um eine Stätte). Weiter wird von gleichen Abständen zwischen verschiedenen Kultstätten berichtet und so weiter.
Es klang für mich unglaublich, schon allein deshalb, weil viele der Verbindungen über hunderte, ja sogar tausende Kilometer über hohe Berge und das Meer bestehen. Ich kenne das bergige Griechenland gut, du siehst nie was hinter dem nächsten Berg liegt. Zudem scheint eine spezielle geometrische Größe eine große Rolle zu spielen: Der Goldene Schnitt. Schauen wir einmal auf die Definition des Goldenen Schnitts:
Erstaunlich ist hier schon einmal die zweite lateinische Benennung „ Schnitt“. Alte Erinnerungen an die Herkunft dieser nicht ganz einfachen Geometrie? Ich werde gleich aufzeigen, dass sich diese Gleichung wie ein roter Faden durch die griechische Landschaft zieht. Wir merken uns vorerst, dass der größere Abschnitt einer Strecke ca. 62% und der kleinere ca. 38% beträgt.
Ich war fasziniert von dieser Geschichte, und begann vor Jahren, die beschriebenen Formen in eine Touristenkarte einzuzeichnen. Es funktionierte, obgleich die Genauigkeit sehr zu wünschen übrig ließ, so dass man auch mal die eine Stätte verfehlte und eine andere traf. Eins war mir trotzdem klar, den Zufall konnte ich ausschließen, denn selbst für jeden Mathematik-Laien war erkennbar, dass es zu viele Treffer gab. Schnell merkte ich, dass das richtig Spaß machte, und viele Versuche mit dem Zirkel brachten weitere, nicht in meiner Referenz aufgeführte Treffer. Das ging mir die ganzen Jahre nicht aus dem Kopf. Für dieses Buch nahm ich die „Fährte“ wieder auf, aber dieses Mal mit professioneller Unterstützung: Eine interaktive und für jedermann zugänglicher virtueller Erdkugel aus Satellitenfotos auf dem PC (Danke für diese Erfindung!!).
Das Beste daran sind die Messtools, mit denen man Luftlinien recht genau vermessen kann. Die Messungen berücksichtigen übrigens die Erdkrümmung. Ich begann mit den bereits aus meiner Referenz (1) bekannten Formen und konnte diese zum Großteil bestätigen, ein paar davon waren aber auch fehlerhaft. Teilweise sind Orte vertauscht worden, eventuell durch Übertragungsfehler. Andere Fehler wurden vermutlich durch die geringere Genauigkeit von Karten gegenüber dem Computersystem verursacht. Ich habe zwar keine Genauigkeitsangaben für die von mir verwendete Software gefunden, bin aber für alle nun folgenden Entfernungen von einer maximalen Abweichung von +/- 2% ausgegangen. Mittlerweile besitze ich eine selbst programmierte Software, die sämtliche Entfernungen zwischen den Orten errechnen kann und somit zusätzliche Sicherheit schafft. Damit sind in Sekunden hunderttausende von Messungen möglich. Damit wurden alle in Google Earth genommenen Maße verifizierbar. Alle ungenaueren Werte wurden nicht in die Betrachtung dieses Kapitels einbezogen, damit der Zufall weitestgehend ausgeschlossen wird. Im Übrigen gehe ich bei allen Messungen in den Ausgrabungsstätten aus, und nicht etwa vom Mittelpunkt oder dem größten Tempel. Weshalb, das kläre ich im vierten Kapitel auf, da möchte ich um Geduld bitten. Ich ließ mich durch die wenigen entdeckten Ungenauigkeiten meiner Vorgänger nicht beirren, denn Treffer gibt es immer noch mehr als genug. Je länger man daran forscht, desto mehr lässt sich entdecken. Des Weiteren habe ich ein Computerprogramm erschaffen, was mir gleiche Entfernungen um einen Ort (gleichschenklige Dreiecke) liefert. Mehrere tausend gleichschenklige Dreiecke galt es zu bewerten. Wegen der großen Anzahl an Verbindungen möchte ich nun erst einmal die erstaunlichsten bereits bekannten und auch neu entdeckten herausgreifen und vorstellen.
Welche drei antiken Orte würden ihnen als Erste einfallen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es sich um die Folgenden handelt:
Das Delphi-Athen-Olympia-Dreieck
Es ist schon erstaunlich, dass genau diese drei Berühmtheiten in einer Korrelation stehen: Einem exakten gleichschenkligen Dreieck (Abbildung 1).
Die Katheten Delphi-Olympia und Delphi-Akropolis in Athen messen jeweils exakt 121 km. Ich fragte mich sofort, ob ich nun gerade die Genauigkeit der Software mit den Abmessungen der alten Griechen bestätigt hatte oder umgekehrt: die Software beweist, dass die alten Griechen extrem genau messen konnten, über Berge, Täler und sogar das Meer!
Abbildung 1: Delphi-Athen-Olympia im Dreiecksverhältnis
Doch dies ist längst nicht alles, was hier sichtbar wird. Sie können es selbst sehen: Auf der Hypotenuse des Dreiecks liegt neben Olympia ein weiterer Austragungsort olympischer Spiele1 mit einem wichtigen Heiligtum: Nemea. Die Katheten entsprechen sogar mit etwas gutem Willen dem größeren Teil des goldenen Schnitts der 188km langen Hypotenuse: Das Verhältnis beträgt 64% und weicht somit nur um 2,2% ab. Es geht aber noch weiter. Für die folgenden Verbindungen brauchen wir neue Linien (Abbildung 2).
Teilen wir das Dreieck in zwei Hälften, und verlängern wir diese Linie (nach Süden verlaufende gelbe Linie) geht diese durch Argos. In diesem Punkt unterscheide ich mich übrigens von meiner Quelle, die Nemea angegeben hatte. Auf Touristenkarten könnte man zu diesem Schluss durchaus kommen. Dass stattdessen Argos auf der Linie liegt, wird noch durch zusätzliche Geometrie bestätigt. Wenn ich die Katheten in der Mitte teile (rot) und eine Linie im rechten Winkel zu diesem Punkt zeichne, schneiden sich diese genau in Argos. Die Stadt steht also im Schnittpunkt Linien, und bildet somit im Umkehrschluss auch den Kreismittelpunkt von Olympia, Athen und Delphi, was gleichsam die Bedeutung dieser Stadt auf die Ebene der drei Großen oder gar darüber stellt.
Tatsächlich gilt Argos mit über 5000 Jahren als die älteste dauernd besiedelte Stadt Europas. Sie war Hauptstadt mit Königssitz und ging in diverse Epen ein, auch in Jene von Homer, ich werde später noch einmal detaillierter auf Argos zurückkommen.
Verfolgen wir die Mittellinie des Dreiecks weiter in Richtung Süden, treffen wir auf weitere alte, aber etwas unbekanntere Stätten. Zunächst auf Anthini und am Ende auf Pavlopetri. In Anthini sind heute, völlig unbeschildert, die Reste der Athene gewidmeten Tempelanlage noch in der Neuzeit von Schäfern benutzt worden. Allerdings verwehrten mir leicht aggressiv wirkende, freilaufende Hunde weitere Einblicke. Rund um den Hügel sind mykenische polygonale Mauern zu finden. In Pavlopetri finden derzeit Ausgrabungen statt, die komplett unter Wasser stehen. Pavlopetri scheint dem ansteigenden Wasserspiegel zum Opfer gefallen zu sein.
Abbildung 2: Weitere Verbindungen zeigen auf Argos im Mittelpunkt, Tyrins, Anthini und Pavlopetri
Abbildung 3: Reste der Anlage von Anthini 2019
Wenn wir die westliche der beiden roten Linien noch weiter über Argos hinaus verlängern, haben wir erneut einen Treffer: Tyrins, bekannt durch seine „Zyklopenmauer“ mit riesigen verbauten...




