Grauer | Sommerküsse auf Fehmarn | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Lübbe

Grauer Sommerküsse auf Fehmarn

Roman
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7325-7822-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 303 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7325-7822-1
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein unerwarteter Millionengewinn, ein kleines Café am Strand und zwei Herzen im Glück - erfrischend wie eine Brise am Strand

18 richtige Antworten reichen Evie, um in der Quizshow von Detlef Straub eine Million Euro zu gewinnen. Während sie selbst ihr Glück noch nicht recht fassen kann, wissen ihre Freunde bereits genau, wie sie das Geld anlegen kann. Völlig entnervt flüchtet Evie nach Fehmarn. Auf der idyllischen Ostseeinsel genießt sie die Ruhe und die Natur und findet rasch einen neuen Lieblingsplatz: ein kleines Café am Strand. Dessen attraktiver Besitzer ahnt nichts von ihrem Gewinn, könnte ihre Hilfe aber dringend brauchen. Spontan packt Evie mit an. Gelingt es ihr, neben den Herzen ihrer Kunden auch Alex' Herz zu erobern?



Sandra Grauer wurde 1983 im Ruhrgebiet geboren. Schreiben, Lesen und in fremde Welten einzutauchen war schon immer ihre Leidenschaft. In Heidelberg studierte sie Sprach- und Übersetzungswissenschaften; später absolvierte sie ein fachjournalistisches Fernstudium und ein Volontariat in einer PR-Agentur. Mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Sohn lebt sie inzwischen wieder im Ruhrgebiet.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 2


50 Euro

Redensartlich verhält sich jemand wie ein Elefant im

a) Teeladen

b) Süßwarenladen

c) Porzellanladen

d) Krämerladen

Ich liebe Elefanten.
Vielleicht sollte ich eine Patenschaft übernehmen, wenn ich ein bisschen Geld gewinne.

»Markus!« Voller Inbrunst fiel ich meinem Freund um den Hals. Markus war leicht überrascht, so viel Überschwang war er sonst nicht von mir gewohnt, aber ich freute mich dermaßen, ihn zu sehen. Endlich jemand, der mir zuhören und mich nach meinen Wünschen fragen würde.

»Hey, Evie.« Er löste meine Arme von seinem Körper und griff nach meinen Händen. »Ich hab schon gehört, du hast die Million geholt. Herzlichen Glückwunsch! Und du sagst immer, ich sei schlauer als du. Wer weiß, ob mir das gelungen wäre.«

»Du kennst ja die Fragen noch nicht. Hättest du gewusst, wer 1912 die Universal Studios gründete?«

»Carl Laemmle«, antwortete Markus, ehe ich ihm auch nur eine Auswahlmöglichkeit geben konnte. »2012 waren die Zeitungen voll von ihm.«

Ich musste grinsen. »Das habe ich Detlef auch gesagt.«

Markus grinste zurück. »Ich bin sehr gespannt auf die Aufzeichnung. Sicher machst du einen kompetenten Eindruck. Hast du dir schon überlegt, wie du das Geld anlegen willst?«

Ich führte ihn den Flur entlang zum Wohnzimmer. Bisher hatte ich deutlich weniger Geld als meine Eltern zur Verfügung gehabt, trotzdem fühlte ich mich in meiner Wohnung viel wohler als in meinem Elternhaus. Hier konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Farben, Bilder, Möbel – alles konnte ich so auswählen, wie es mir gefiel. Das war mir vor meinem Auszug nicht vergönnt gewesen. Noch heute erinnere ich mich mit Schaudern an meinen ersten Versuch, selbst über die Gestaltung meines Zimmers zu bestimmen. Damals war ich sechzehn gewesen, hatte total auf Rot gestanden und unbedingt eine Wand in meiner Lieblingsfarbe streichen wollen. Kein kräftiges Alarmrot, sondern eher ein dezentes Kirschrot. Ein knapper Kommentar meiner Mutter hatte gereicht, um mir die Vorfreude zu nehmen: »Rot? Bist du sicher, Liebes? Versteh mich nicht falsch, ich mag Rot, aber dein Zimmer sieht nachher aus wie ein Freudenhaus.« Am Ende war die Wand weiß geblieben. Langweilig, aber dafür unverfänglich.

Heute strotzten meine Wände nur so vor Farben und Mustertapeten. Und, ja, eine Wand des Wohnzimmers war kirschrot. Meine Mutter sagte immer, sie fühle sich in meiner Wohnung wie auf einem türkischen Basar, weil es hier so bunt und voll war, denn auch die Sofakissen und die Deko sorgten für Farbakzente. Ich aber liebte es, und ich hatte auch mit neuem Kontostand nicht vor, das zu ändern.

Markus und ich kuschelten uns auf das blau-weiß gestreifte Sofa. »Ich weiß noch nicht genau«, sagte ich. »Das waren bisher bloß Überlegungen.«

»Lass hören«, forderte Markus mich auf.

Ich zögerte nicht länger. »Eine Weltreise wäre doch ganz schön, findest du nicht? Wann werde ich sonst noch mal die Gelegenheit dazu haben? Jetzt hätte ich die Zeit und vor allem das Geld. Ich muss nicht wirklich einmal um die ganze Welt reisen, aber es gäbe da schon ein paar Länder, die ich mir unbedingt ansehen will. Schweden zum Beispiel.«

Markus ließ sich nicht anmerken, was er von meinem Plan hielt. »Und weiter?«

»Nun ja, ich habe sicher mal erwähnt, dass ich schon lange von einem eigenen Café träume. Das ist meine Chance, mir diesen Traum endlich zu erfüllen.« Markus spannte sich an, als wolle er seine Sitzposition verändern. »Ich bin mir aber unsicher. Ich meine, ein eigenes Café bedeutet auch ein großes Risiko. Ich könnte es vermasseln und was dann?«

Markus atmete aus. »Ganz genau. Versteh mich nicht falsch, Evie, das ist dein Gewinn, aber ich würde an deiner Stelle nicht alles auf den Kopf hauen. Willst du dir nicht ein finanzielles Polster für die Zukunft aufbauen? Ich würde …« Er verstummte, weil mein Handy klingelte.

Seufzend stand ich auf. »Bin sofort zurück.« Das war bestimmt meine Mutter, die noch einen armen Verwandten aufgetan hatte. Hatte sich Cousine Beatrice nicht schon lange eine Brustvergrößerung gewünscht? Doch die Nummer auf meinem Handy hatte ich zuvor noch nie gesehen. Hoffentlich niemand vom Fernsehsender oder ein Lokaljournalist, der ein Interview wollte. »Evie Sommer?«, meldete ich mich vorsichtig.

»Hallo, Frau Sommer. Wie schön, dass ich Sie gleich erreiche. Die guten Neuigkeiten haben sich bereits wie ein Lauffeuer in Bad Buchau verbreitet, und ich wollte Ihnen persönlich zu Ihrem Gewinn gratulieren. Einfach großartig.«

»Ähm, danke schön.« Wer zum Geier war das? Nicht nur die Nummer war mir unbekannt, auch die Stimme.

»Entschuldigen Sie bitte, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Wie unhöflich und unprofessionell. Ich hoffe, Sie verzeihen mir. Steiger, mein Name. Ich bin der Filialleiter der Gemeinschaftsbank, bei der Sie und Ihre Familie seit jeher Ihre Konten haben. Für Ihre Treue möchte ich mich bei dieser Gelegenheit einmal ganz herzlich bedanken.«

»Ähm, gern. Das ist doch selbstverständlich«, antwortete ich, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte. Was wollte der Filialleiter von mir?

»Ich möchte Sie gar nicht lange aufhalten, Sie feiern sicher groß Ihren Sieg. Ich wollte Sie nur zu einem persönlichen Gespräch in die Bank einladen. Sicher wollen Sie zumindest einen Teil Ihres neu gewonnenen Vermögens in Fonds und Aktien investieren, wofür wir genau der richtige Ansprechpartner sind. Sehr gern stellen wir Ihnen ein individuelles Konzept zusammen. Momentan können Sie zum Beispiel noch deutlich riskanter spekulieren als in dreißig Jahren. Das wird selbstverständlich alles berücksichtigt, ebenso Ihre eigenen Vorstellungen.«

Oh Gott, was sollte ich nur dazu sagen? Ich hatte doch keine Ahnung von Fonds und Aktien. Ich räusperte mich und versuchte, halbwegs kompetent zu klingen. »Das hört sich sehr vielversprechend an, vielen Dank für Ihren Anruf, Herr Steiger, aber das ist alles noch sehr neu für mich. Wenn es in Ordnung ist, würde ich das Ganze gern ein wenig sacken lassen und mich dann bezüglich eines Termins noch einmal bei Ihnen melden.«

»Aber natürlich, liebe Frau Sommer«, antwortete der Filialleiter enthusiastisch. »Alles nach Ihren Wünschen. Ich freue mich schon auf Ihren Anruf. Dann genießen Sie Ihre Party, und bestellen Sie bitte Ihrer Familie viele Grüße.«

Verwirrt legte ich auf und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

»Deine Mutter?«, fragte Markus.

Ich schüttelte den Kopf. »Der Filialleiter der Bank, Steiger oder so ähnlich. Er hat von Fonds und Aktien gesprochen.«

Markus lehnte sich nach vorne. Er war gut aussehend – nahezu perfekt gebaut, immer frisch rasiert und gut duftend, dazu blond und diese herrlich braunen Augen –, und er war auch gelassen, vernünftig und vor allem verständnisvoll. Äußerlich und auf andere wirkte er meist perfekt, aber das war er nicht. Auch Markus hatte seine Macken, zum Beispiel legte er für meinen Geschmack viel zu viel Wert auf Prestige, aber das war ein anderes Thema. »Das wollte ich dir auch schon vorschlagen. Du solltest unbedingt den Großteil des Geldes gewinnbringend anlegen. Wer weiß, wie viel Rente wir mal bekommen, vor allem du mit deinem Job als Barista. Heute ist es wichtiger denn je, an die Zukunft zu denken.«

Ich nickte. Sicher war die Zukunft wichtig. Wenn ich doppelt so alt war wie jetzt, wollte ich es gut haben und nicht in Mülleimern nach Pfandflaschen suchen müssen. Aber ich war genügsam, und ich verspürte auch den Wunsch, jetzt zu leben. Was brachte mir das ganze Geld in fünfunddreißig Jahren, wenn ich vielleicht gar nicht so alt werden würde? Meine Großmutter war an Krebs gestorben, als ich zwölf Jahre alt gewesen war – mit gerade einmal einundsechzig Jahren. Ihr Lebensmotto trug ich seitdem im Herzen: Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter. Das war keine Ausrede, um unvernünftig sein zu können, aber es steckte auch ein Körnchen Wahrheit darin, oder etwa nicht?

Mein Handy klingelte erneut. Ich nahm es vom Wohnzimmertisch, wo ich es gerade erst hingelegt hatte. Meine Mutter. Kurz erwog ich, den Anruf zu ignorieren, aber ich wusste aus Erfahrung, dass diese Strategie nicht funktionierte. Sie würde es immer wieder versuchen, also brachte ich es lieber gleich hinter mich. »Ja?«

»Evie, hier ist deine Mutter.«

Ich schmunzelte. Würde sie eines Tages noch lernen, dass ich es auf dem Display sehen konnte, wenn sie anrief? »Weiß ich doch. Was gibt’s, Mama?«

»Dein Vater und ich haben noch mal über das Gespräch mit Frau Wölfle nachgedacht. Ganz unrecht hat sie nicht. Das Haus zu renovieren wäre eine Wertsteigerung. Wenn Henrik und du es mal erbt, könntet ihr es viel teurer verkaufen, sollte keiner von euch hier wohnen wollen. Auch wenn wir natürlich hoffen, dass es im Besitz der Familie bleibt.«

»Ich weiß«, wiederholte ich und verkniff mir die Bemerkung, dass sehr wahrscheinlich eine weitere Renovierung nötig sein würde, bis Henrik und ich das Haus eines Tages erben würden, denn ich hatte nicht vor, meine Mutter so früh zu verlieren, wie sie ihre Mutter verloren hatte.

»Sehr gut. Weißt du, nachdem Frau Wölfle diesen Vorschlag gemacht hat, ist es fast unmöglich, das Haus nicht zu renovieren. Versteh mich nicht falsch, Evie, das ist dein Gewinn, und dein Vater und ich wollen bestimmt keine Ansprüche an dich stellen. Aber stell dir nur mal vor, was die Leute im Ort sagen würden. Es sähe so aus, als wäre dir deine eigene Familie nicht...



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