Gray | Constellation - In ferne Welten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten

Reihe: Die Constellation-Reihe

Gray Constellation - In ferne Welten

Spannende Romantasy mit Tiefgang
Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-641-19395-9
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Spannende Romantasy mit Tiefgang

E-Book, Deutsch, Band 2, 464 Seiten

Reihe: Die Constellation-Reihe

ISBN: 978-3-641-19395-9
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Einst wollten sie sich töten. Jetzt wollen sie füreinander sterben.

Noemi ist ohne Abel auf ihren Planeten zurückgekehrt. Er, der so viel mehr ist als nur eine künstliche Intelligenz, soll ein freies Leben führen. Am anderen Ende des Weltraums wagt Abel kaum zu träumen, Noemi wiederzusehen. Doch das geschieht schneller als vermutet. Abels Schöpfer Burton Mansfield hat ihn aufgespürt und schickt ihm eine Botschaft: Noemi befindet sich in seiner Gewalt, und Abel hat vierundzwanzig Stunden, nach London zu kommen, sonst stirbt Noemi. Um seine große Liebe zu retten, folgt Abel dem Ruf seines skrupellosen Schöpfers. Doch dessen Tochter hat einen noch perfideren Plan …

Die »New York Times«-Bestsellerautorin Claudia Gray machte sich einen Namen mit ihren Young-Adult-Romanen wie der Evernight-Serie (auf Deutsch erschienen bei Penhaligon und Blanvalet). Bevor Claudia Gray sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Anwältin, Journalistin und DJ. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für Filmklassiker, die Stile vergangener Epochen und Architektur. Heute lebt sie in New Orleans mit ihrem Mann und einigen Hunden.
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1

Hocherhobenen Hauptes, den Helm unter den Arm geklemmt, geht Noemi Vidal zwischen den beiden langen Reihen Sternenjägern im Hangar hindurch. Sie winkt ihren Kameraden nicht zu, wie sie es früher getan hat – bis vor sechs Monaten.

Nun würde niemand ihren Gruß erwidern.

Kinn hoch, Schultern gerade, ermahnt sie sich und sucht Trost in dem vertrauten Geruch nach Schmieröl und Ozon, im Zischen der Schweißbrenner und im Poltern von Stiefeln auf Beton. Wenn du willst, dass sie dich wieder als Kameradin akzeptieren, dann benimm dich wie eine. Du kneifst nicht vor den Geschützen der Mechs, also wirst du auch jetzt nicht kneifen.

Doch die Kampf-Mechs der Erde zielen nur auf den Körper. Dafür hat Noemi die Schutzschilde ihres Sternenjägers. Die Ablehnung ihrer Staffelmitglieder zielt aufs Herz und dafür wurde noch kein Schutz erfunden.

»Vidal!« Captain Baz eilt mit ausgreifenden Schritten durch den Hangar, einen Datenleser in der Hand. Sie trägt ihre Uniform mit dem dunkel gemusterten Kopftuch und lächelt, das erste Lächeln, das Noemi an diesem Tag sieht. »Wir schicken Sie heute auf Nahbereichs-Patrouille.«

»Ja, Ma’am. Captain, könnte ich vielleicht …«

Baz kommt auf Noemi zu. »Ja, Lieutenant?«

»Ich wollte fragen …« Noemi holt tief Luft. »Sie haben mich schon seit Monaten nicht mehr für die Tor-Patrouille eingeteilt. Ich würde sehr gern bald mal wieder eine Schicht dort übernehmen.«

»Tor-Patrouillen zählen zu den gefährlichsten Einsätzen«, sagt Baz sachlich, während sie ihren Datenleser überfliegt. Jeder auf Genesis weiß, dass das Tor die Verbindung zur Erde und zu den anderen Kolonie-Welten im Planetenring darstellt. Es stabilisiert den Eingang zu einem Wurmloch und ermöglicht blitzschnelle Reisen durch die Galaxie. Aber es macht auch den Krieg möglich, der Genesis verwüstet. »Die meisten Piloten wären froh, wenn sie nicht so weit wegmüssten.«

»Ich bin bereit, mich der Gefahr auszusetzen.« Mehr als bereit – inzwischen sehnt sich Noemi fast schon verzweifelt danach. Genesis zu beschützen verleiht ihrem Leben Sinn. Seit Monaten, seit ihrer Rückkehr, wurde ihr nicht mehr gestattet, wirklich etwas für die Verteidigung ihrer Welt zu tun.

Baz braucht einige Sekunden, bevor sie antwortet. »Hören Sie, der Tag wird kommen, okay? Wir müssen es langsam angehen.«

Captain Baz ist auf ihrer Seite und das tut Noemi gut. Aber es bedeutet nicht, dass ihre Vorgesetzte recht hat. Mit gesenkter Stimme sagt Noemi: »Die anderen werden mir erst wieder vertrauen, wenn ich die volle Leistung bringe.«

Baz überlegt. »Vielleicht.« Nachdem sie noch kurz das Für und Wider abgewogen hat, nickt sie. »Versuchen wir’s.« Laut ruft sie: »Ganaraj, O’Farrell, Sie nehmen heute Vidal mit! Rauf mit euch, Leute – die Gamma-Schicht kommt gleich nach Hause.«

Die beiden anderen Piloten starren vom anderen Ende des Hangars zu Noemi herüber, doch sie geht geradewegs zu ihrem Sternenjäger.

Es gibt nur einen Weg für sie, sich Respekt zu verschaffen: Schritt für Schritt, Flug um Flug.

Hab Geduld, ermahnt sie sich. Bald werden sie dich wieder so mögen wie früher.

Das dürfte nicht allzu schwer sein. Schließlich mochten sie sie noch nie besonders.

Zehn Prozent der Zeit sind Tor-Patrouillen die schlimmsten, angsteinflößendsten Einsätze überhaupt. In unregelmäßigen, nicht vorhersehbaren Abständen schickt die Erde Damokles-Schiffe voller Kampf-Mechs – Queen- und Charlie-Modelle, die darauf programmiert sind, zu töten. In den letzten fünf Jahren haben sie Genesis’ antiquierte Verteidigungsflotte stark dezimiert; mit jeder verlorenen Schlacht rückt der Tag näher, an dem Kampf-Mechs auf Genesis landen, einen Bodenkrieg entfachen und Noemis Planeten erobern werden, damit die Erde ihn ausbeuten kann. Bei einem Gefecht muss so schnell wie möglich Alarm ausgelöst werden. Die patrouillierenden Sternenjäger sollen Damokles-Schiffe sofort angreifen, ohne auf Verstärkung zu warten. Die meisten Piloten überleben das nicht.

Die anderen neunzig Prozent der Zeit jedoch sind Tor-Patrouillen todlangweilig.

Auf dem Pilotensitz ihres Sternenjägers zieht Noemi ihre Kreise um den äußeren Bereich des Tors; Arun Ganaraj und Deirdre O’Farrell gehen näher ran. Auch Noemi ist nahe genug, um dieses monströse Ding am Himmel zu beobachten; ein gewaltiger silberner Ring, dessen illuminierte Segmente im Dunkel des Weltalls leuchten. Trümmerteile aus dem Krieg kreisen in seinem Orbit, von winzigen Metallsplittern bis hin zu Brocken, größer als ihr Sternenjäger.

Zwischen all diesen Trümmern blieb ein ganzes Schiff dreißig Jahre lang verborgen, bis Noemi es entdeckte. In seinem Innern fand sie –

»Seht ihr das?« Ganarajs Stimme ertönt aus dem Lautsprecher, gerade als Noemis Sichtschirm das Tor detaillierter zeigt. Der schwache Schimmer im Zentrum des Rings wirkt unheilvoll trüb – wie ein Teich, der sich gerade mit einer Eisschicht überzieht.

»Ja, ich seh’s«, erwidert Noemi.

»Vielleicht ist es auch gar nichts.« Ganaraj klingt, als versuchte er sich selbst zu überzeugen. »Es muss nicht immer bedeuten, dass was durchkommt.«

»Meistens ist gar nichts«, stimmt Noemi ihm zu, während sie das Bild näher heranzoomt und ihre Geschütze gefechtsklar macht. Teile alter Wracks und Schrapnelle aus vergangenen Schlachten erschaffen oft die Illusion eintretender Objekte. Doch selbst der kleinste Hinweis auf einen Eindringling reicht aus, um Noemi in Alarmbereitschaft zu versetzen.

»Oder es könnte ein Haufen Mechs sein, die Hackfleisch aus uns machen wollen.« O’Farrell klingt fröhlich, so fröhlich, dass ihr Sarkasmus unverkennbar ist. »Aber du möchtest sicher ein Kaffeekränzchen mit ihnen abhalten und sie dann wieder heimschicken, Vidal, oder?«

»Hör auf damit, O’Farrell«, zischt Noemi.

»Na ja, so bist du doch, oder? Du hast Mechs ja sooo lieb, dass du Genesis lieber Krieg und Tod aussetzt, als so einen verdammten Metallhaufen in die Luft zu jagen –«

Ganaraj schaltet sich ein. »Könnten wir uns bitte alle wieder auf das Tor konzentrieren?«

»Das tu ich die ganze Zeit«, entgegnet Noemi. Allerdings brennen ihre Wangen und das Blut pocht ihr zornig in den Schläfen. Sie kann damit umgehen, wenn sie auf ihr herumhacken, aber nicht, wenn sie abfällig über Abel reden.

Als sie vor sechs Monaten dieses Schiff entdeckte, entdeckte sie auch einen Mech darin: das Modell Eins A von Mansfield Cybernetics, das Herzensprojekt des einzigartigen Burton Mansfield und den höchstentwickelten Mech, der jemals geschaffen wurde.

Das Modell Eins A nennt sich selbst lieber Abel.

Zuerst sah Noemi nichts anderes in ihm als alle anderen Genesisbewohner: eine seelenlose Maschine in Menschengestalt. Als einen Feind, der ihr noch von Nutzen sein konnte, bevor sie ihn vernichtete. Er sollte das Werkzeug sein, mit dem sie das Genesis-Tor in die Luft jagen wollte – wodurch Genesis für immer von der Erde abgeschottet und der Krieg im Bruchteil einer Sekunde gewonnen gewesen wäre.

Das Tor in die Luft zu jagen, hätte jedoch bedeutet, mit ihm auch Abel zu vernichten, und am Ende ihrer Reise durch die Kolonie-Welten des Planetenrings wusste Noemi, dass Abel viel mehr war als eine Maschine. Sie hätte ihn genauso wenig für die Zerstörung des Tors töten können, wie sie ein Kind auf dem Altar hätte opfern können.

Gott hat das schon einmal gefordert, flüstern ihr die Lektionen aus dem Katechismusunterricht ins Ohr. Es fällt ihr inzwischen leichter, diese Stimme zu ignorieren. Womöglich zu leicht …

Auf der Konsole ihres Sternenjägers blinken rote Lämpchen. Noemis Hände verkrampfen sich, als sie das Signal erkennt. »Da kommt was durch.«

Inzwischen melden ihnen ihre Sensoren alle dasselbe. »Bestätigt«, sagt Ganaraj, seine Stimme verrät Angst. »Aber es ist kein Damokles.«

»Ein Aufklärer«, mutmaßt O’Farrell. »Um Informationen zu sammeln, bevor die Queens und Charlies anrücken.«

»Seit wann setzen Mechs Aufklärer ein?« Noemi zoomt das eindringende Schiff noch näher heran.

Nein. Kein Schiff. Etwas anderes.

Das Metallobjekt besitzt ein kleines kugelförmiges Zentrum, von dem in alle Richtungen meterlange feine Spitzen ausgehen. »Es sieht aus wie ein Stern«, flüstert Noemi bei sich. So hatte sie sich Sterne als Kind vorgestellt, hübsch und schimmernd, nicht riesig und voller zerstörerischer Kraft. Das hübsche Äußere macht das Ding noch verdächtiger.

»Ist das eine Bombe?«, fragt Ganaraj.

Noemi weiß, dass das nicht der Fall ist. Sie kann nicht sagen, warum, aber sie weiß es. So was nennt man wohl Intuition.

O’Farrell liefert konkretere Informationen: »Scans auf Sprengstoff negativ.«

Wieder schimmert das Tor und ein weiterer Stern bricht durch. Dann noch einer. Während Noemi zusieht, werden es immer mehr und mehr, bis die Sensoren eine endgültige Anzahl von einhundertzwanzig melden. Sie rasen als leuchtende und zugleich furchterregende Sternenkonstellation Richtung Genesis.

»Informieren wir die Kommandozentrale und bleiben wir an ihnen dran«, befiehlt Ganaraj. Er wurde neun Wochen früher als Noemi zum Lieutenant befördert. »Sobald wir grünes Licht...


Gray, Claudia
Die »New York Times«-Bestsellerautorin Claudia Gray machte sich einen Namen mit ihren Young-Adult-Romanen wie der Evernight-Serie (auf Deutsch erschienen bei Penhaligon und Blanvalet). Bevor Claudia Gray sich ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie als Anwältin, Journalistin und DJ. Seit ihrer Kindheit interessiert sie sich für Filmklassiker, die Stile vergangener Epochen und Architektur. Heute lebt sie in New Orleans mit ihrem Mann und einigen Hunden.

Prummer-Lehmair, Christa
Christa Prummer-Lehmair lebt in München und übersetzt seit fünfundzwanzig Jahren Belletristik, Sachbücher und Jugendliteratur aus dem Englischen. Sie liebt Literatur, Kunst, Musik und hat mit Büchern die Welt bereist.

Horn, Heide
Heide Horn, geboren in Oberfranken, hat durch eine Brieffreundschaft in Australien eine zweite sprachliche Heimat gefunden. Als Mitglied im Kollektiv Druck-Reif übersetzt sie seit über fünfundzwanzig Jahren Romane und Biografien aus dem Englischen.



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