Gray | Pakt mit dem Feind | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Gray Pakt mit dem Feind


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-187-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-95576-187-5
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Über Nacht steht Elizabeth Stanton vor dem finanziellen Ruin: Ihr Exmann hat sie um ihr Erbe, die Firma, das Haus gebracht. Nur ihr guter Name in der High Society von Houston ist Elizabeth geblieben - und auf den hat es ein anderer Mann abgesehen. Max Riordan, charismatischer Selfmade- Millionär, macht ihr ein unmoralisches Angebot: Er will den drohenden Bankrott abwenden, wenn Elizabeth ihn heiratet und ihm Zugang zu den oberen Zehntausend von Houston verschafft. Die Rettung - oder ein Pakt mit dem Teufel? Während der Flitterwochen voller Leidenschaft scheint die Antwort klar. Bis ein erster Mordanschlag Elizabeth in Todesangst versetzt ...



Ginna Gray wuchs in einer sehr fantasievollen und kreativen Familie in Texas auf. Erst mit zwölf Jahren erkannte sie, dass es nicht selbstverständlich war, wie leicht es ihr fiel, sich Geschichten auszudenken. Schon ihre Lehrer erkannten ihr Talent und Ginna war sich sehr früh sicher, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Trotzdem schlug sie zunächst eine andere Richtung ein. Nach ihrer frühen Hochzeit, die recht bald nach der Geburt ihrer ersten Tochter scheiterte, musste sich Ginna darauf konzentrieren, ihr Kind und sich zu versorgen. In Abendkursen am College nach der Arbeit besuchte sie das College, um sich fortzubilden. Deshalb blieb ihr nur noch wenig Zeit zum Schreiben. Erst nach sieben Jahren traf sie den Mann ihres Lebens und heiratete ihn ein Jahr danach. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind wurde erst weitere neun Jahre später erfüllt, als die beiden die Hoffnung bereits fast aufgegeben hatten. Ginna Grays zweite Tochter wurde geboren. Jetzt hatte sie die Möglichkeit, sich voll und ganz ihrer Mutterrolle zu widmen. Anders, als nach der Geburt ihrer ersten Tochter, war sie nun nicht mehr allein und konnte sich auf die Unterstützung ihres Ehemanns verlassen. In dieser Zeit begann sie wieder zu schreiben, versuchte jedoch nicht einmal, ihr Werk zu veröffentlichen.

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1. KAPITEL


Was sie brauchte, war ein Wunder. Und zwar schnell.

Elizabeth Stanton saß in Houston am Schreibtisch ihres Arbeitszimmers. Das Herrenhaus aus grauem Stein stand zwischen riesigen Eichen und Kiefern in dem exklusiven Stadtteil River Oaks. Wer hier wohnte, gehörte zum alteingesessenen Geldadel der Stadt.

Ihr Vater, ihr Großvater und alle Männer früherer Generationen der Familie Stanton bis zurück in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts hatten an diesem Mahagonischreibtisch gearbeitet.

Bei einer Körpergröße von etwas über einem Meter sechzig und einer zierlichen Figur wirkte Elizabeth hinter dem massiven Möbelstück winzig. In dem abgewetzten Ledersessel, der davorstand, versank sie geradezu.

Wahrscheinlich wäre ihr das ganz passend vorgekommen, wenn sie darüber nachgedacht hätte. Im Augenblick fühlte sie sich tatsächlich klein und hilflos und wusste nicht, wohin sie sich wenden sollte.

Elizabeth hielt den Bericht in der Hand, den ihr der Bankier vor weniger als einer Stunde übergeben hatte. Sie musterte die Zahlen, als ob sie sich auf wundersame Weise verwandeln würden, wenn sie nur lange genug daraufstarrte.

Nach einer Weile seufzte sie, senkte ihren Kopf und stützte die Stirn in die Hände. Sie musste sich den Tatsachen stellen: Sie war pleite. Oder so gut wie pleite. Was in Gottes Namen sollte sie nur tun?

“Verdammt sollst du sein, Edward Culpepper. Zur Hölle mit dir!”, fluchte sie durch zusammengebissene Zähne.

Plötzlich sprang Elizabeth so abrupt auf, dass ihr Sessel in die Mahagonianrichte hinter ihr krachte. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte sie sich Sorgen darüber gemacht, das Familienerbstück beschädigt zu haben, aber jetzt war sie so aufgeregt, dass sie es kaum bemerkte.

Ruhelos ging sie auf dem Perserteppich auf und ab. Nachdem sie einige Male ziellos im Kreis gelaufen war, blieb sie mit verschränkten Armen vor den gläsernen Terrassentüren stehen. Gedankenverloren strich sie über ihre smaragdgrüne Satinbluse und blickte auf den Rasen hinaus.

Zu dieser Jahreszeit gab es nicht viel zu sehen. Vor ein paar Wochen, Ende Oktober, war einer der berüchtigten texanischen “blauen Nordwinde” über Houston hinweggefegt. Innerhalb von nur einer Stunde waren die Temperaturen von schwülen 35 Grad fast bis auf den Gefrierpunkt gefallen. Seither hatte eine Kaltfront nach der anderen die Region heimgesucht.

Draußen zerrte ein stürmischer Wind an den Bäumen und wirbelte Blätter und Kiefernnadeln über den Rasen. Das Gras war durch die Kälte strohig geworden. Die Beete, die in verspielten Schmetterlings- und Arabeskenformen angelegt waren, versanken im Winterschlaf. Fast alle Pflanzen zeigten bereits kahle Zweige, und auch die Oleanderhecke um das Anwesen hatte ihr saftiges Sommergrün eingebüßt.

Für die kommende Nacht wurde starker Frost erwartet, und Dooley Baines, Elizabeths Gärtner und Hausmeister, kämpfte gerade gegen den Wind an, um die empfindlichen Pflanzen abzudecken.

Dooley und seine Frau Gladys, Köchin und Haushälterin in einem, arbeiteten schon so lange Elizabeth denken konnte in dem Haus in Houston. Sie hatten ihr gesamtes Eheleben in dem geräumigen Apartment über der Garage verbracht. Dort hatten sie ihre beiden Kinder großgezogen und mit der Hilfe von Elizabeths Vater zum College geschickt. Die beiden konnten mit Fug und Recht erwarten, hier weiter ihrer Arbeit nachzugehen, solange es ihnen möglich war.

Elizabeth beobachtete Dooley, wie er sich um seinen geliebten Garten kümmerte. Sein Rücken war gebeugt von der jahrelangen Arbeit in gebückter Körperhaltung. Glücklicherweise hatte er keine Ahnung, dass seine Arbeitgeberin und mit ihr seine gesicherte Existenz kurz vor dem Ruin standen.

Elizabeths Besitz in Houston umfasste, ebenso wie der ihrer meisten Nachbarn, mehrere Morgen Land. Über den oberen Rand der Hecke hinweg konnte sie das Schieferdach der Whittingtons durch die kahlen Zweige hindurch erkennen.

Mimi Whittington war ihre engste Vertraute. Sie gehörte zu der Handvoll Freunden, von denen Elizabeth wusste, dass sie ihr sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten beistehen würden.

Und im Augenblick waren die Zeiten ohne Zweifel schlecht.

Es schien fast, als hätte Elizabeth sie mit der Kraft ihrer Gedanken herbeigezaubert, denn genau in diesem Augenblick trat Mimi durch die Lücke in der Hecke zwischen den beiden Häusern und ging auf die Terrasse zu.

Diese Lücke war der einzige Makel an dem Garten, der ansonsten wie gemalt wirkte, und Dooley fühlte sich durch sie in seiner persönlichen Ehre gekränkt. Weil sich Mimi und Elizabeth immer wieder durch die Hecke gezwängt hatten, war im Laufe der Jahre ein Durchlass entstanden. Lange hatte sich Dooley darüber aufgeregt und mit den Freundinnen geschimpft. Am Ende hatte er aufgegeben und das Loch in der Hecke zu einem schmalen Torbogen geformt. Den Trampelpfad im Rasen hatte er gepflastert, um das tägliche Kommen und Gehen wenigstens in geordnete Bahnen zu lenken.

Elizabeth musste lächeln, als sie Mimi beobachtete. Ihre Freundin trippelte mit Pfennigabsätzen den Pfad entlang, während sie den knöchellangen Zobelmantel eng um die Schultern zog. Typisch Mimi, sich für einen Nachmittagsbesuch in Pelz zu werfen!

Unter dem Mantel erspähte Elizabeth hautenge schwarze Leggings und ein weites Hemd mit wilden Mustern in Lila, Gold und Schwarz. Das blonde Haar der Freundin war vom Wind völlig zerzaust.

Mimi rief Dooley etwas zu und hob grüßend die Hand. Dann schaute sie zum Haus herüber, sah Elizabeth an der Tür ihres Arbeitszimmers stehen, lächelte und winkte auch ihr zu.

Elizabeth öffnete die Tür, als Mimi die Terrasse erreichte. Ihre Freundin stürmte ins Arbeitszimmer und brachte einen eisigen Luftzug und eine Wolke Chanelduft mit.

“Oh Mann, oh Mann, oh Mann! Da draußen wird’s aber kalt”, rief sie in der gedehnten Sprechweise des östlichen Texas und schauderte demonstrativ. “Ich hab mir doch glatt den Hintern abgefroren, nur weil ich schnell hier rübergerannt bin. Ich schwör bei Gott, uns trennen nur noch zehn Meter vom Nordpol.”

Sie schlüpfte aus ihrem Zobelmantel und warf ihn so nachlässig über einen der Sessel vor dem Kamin, als sei der Pelz nur ein alter Lumpen. Dann fuhr sie sich mit beiden Händen durch ihr kurz geschnittenes platinblondes Haar, dass die goldenen Armreife nur so klirrten. “Hiermit erkläre ich feierlich, dass der Wind meine Frisur völlig zerstört hat. Und dabei bin ich heute Morgen nach der Tanzstunde zu Mr. André gegangen. Wenn der arme Mann mich jetzt sehen könnte, würde er einen Wutanfall bekommen.”

Elizabeth unterdrückte ein Lächeln. Fast hätte sie gefragt, woran der Stylist hätte merken sollen, dass Mimis Haarpracht durcheinandergeraten war. Momentan trug die Freundin eine kunstvoll verstrubbelte Frisur, die in alle Richtungen abstand. Man wusste nie, welchen Stil und welche Haarfarbe Mimi nächste Woche vorführen würde.

“Übrigens, glaub ja nicht, dass du unsere Tanzstunde ungestraft versäumt hast – du mit deinen geschäftlichen Gründen! Morgen früh werde ich dich fertigmachen.”

Elizabeth rollte die Augen. “Das hab ich mir schon gedacht. Du alte Sklaventreiberin!”, fügte sie mit gespieltem Verdruss hinzu.

Seit Elizabeths neuntem Lebensjahr, also seit inzwischen dreiundzwanzig Jahren, gab die Freundin ihr Tanzstunden. Mimis verstorbener Ehemann hatte ihr dafür eigens im Dachgeschoss ein Studio eingerichtet. Die meisten Leute hielten Mimi für träge und verwöhnt, und sie genoss es, diesen Eindruck zu erwecken. Nur wenige wussten über die frühmorgendlichen anstrengenden Tanzstunden Bescheid, die sich zu einem Fitnesstraining für die Freundinnen entwickelt hatten.

“Fit halten muss man sich ja, und Tanzen macht viel mehr Spaß als die Quälerei im Fitnessstudio”, beharrte Mimi.

Fröstelnd hielt die Freundin nun die Hände über die fröhlich züngelnden Flammen im Kamin. Ihre künstlichen Fingernägel waren lang und scharlachrot, und jeden Finger, sogar die Daumen, schmückten Ringe. Bei der geringsten Kopfbewegung schaukelten und glitzerten die langen Diamantohrringe, die beinahe ihre Schultern berührten.

“Mmh, das fühlt sich göttlich an”, schnurrte Mimi und drehte sich, um ihren Rücken zu wärmen. Sie rieb sich mit beiden Händen über den Po und sah Elizabeth an. “Also? Wie ist das Treffen mit Walter und John gelaufen? Bitte, bitte, sag mir, dass John einen Weg gefunden hat, dein Geld wieder zurückzubekommen und diese betrügerische falsche Schlange ins Gefängnis zu schicken, wo sie hingehört.”

Dass sie ihretwegen so zornig war, zauberte ein schwaches Lächeln auf Elizabeths Lippen. Obwohl Mimi zehn Jahre älter war als sie, waren die beiden Freundinnen, seit sie sich das erste Mal getroffen hatten.

Mimi behauptete, sie wären schon in ihren früheren Leben befreundet gewesen, und es sei ihre Bestimmung, einander für immer zur Seite zu stehen.

Ihre Freundschaft verwirrte die meisten Leute in ihrem Bekanntenkreis. Mimi und Elizabeth waren so verschieden, wie zwei Frauen nur sein konnten.

Elizabeth wirkte ruhig und hatte ein eher zurückhaltendes Wesen.

Frech, grell, auffallend, unberechenbar – das waren dagegen nur einige der Worte, mit denen man Mimi beschreiben konnte. Sie selbst gab bereitwillig zu, dass all dies und noch mehr auf sie zutraf. Die ungewöhnliche Frau besaß ein Herz aus Gold und einen etwas derben Sinn für Humor – außerdem die finanziellen Mittel, das zu tun, was ihr gefiel. Sie scherte sich nicht um Konventionen, und wem das...



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