E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Reihe: Star Wars
Gray Star Wars: Leia, Prinzessin von Alderaan
Neuauflage 2017
ISBN: 978-3-7367-9992-9
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Journey to Star Wars: Die letzten Jedi
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Reihe: Star Wars
ISBN: 978-3-7367-9992-9
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der erste Band er JOURNEY TO STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI-Reihe! Bevor im Dezember mit Star Wars: Die letzten Jedi ein neues Kapitel der Sternen- Saga geöffnet wird, ist in diesem spannenden Roman von Claudia Gray (Star Wars: Lost Stars) die Lebensgeschichte einer der beliebtesten Charaktere des Star Wars-Universums nachzulesen. EPISODE VIII - AB DEZEMBER WELTWEIT IM KINO!
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Der Tag des Thronanspruchs war schon vor Monaten angekündigt worden. Gäste von Welten aus der ganzen Galaxis waren bereits eingetroffen, und die köstlichen Düfte des vorbereiteten Banketts zogen durch die Gänge des Palastes. Das Wetter allerdings wollte nicht mit den Plänen für die Festlichkeiten kooperieren – dunkle Wolken hingen schwer und tief über der Stadt Aldera und drohten jeden Moment mit einem Regenguss –, doch auf gewisse Weise vermittelte selbst das bevorstehende Gewitter ein Gefühl von Erhabenheit und Dramatik.
Es war die perfekte Kulisse für eine Prinzessin, um ihr Recht auf die Krone von Alderaan geltend zu machen.
„Au!“ Leia verzog das Gesicht. „Das ziept.“
„Und es wird noch mehr ziepen“, versprach WA-2V, Leias persönliche Begleitdroidin. Ihre bläulichen Metallfinger flochten rasch einen letzten Zopf in die aufwendige traditionelle Frisur. „Gerade heute müsst Ihr einfach umwerfend aussehen.“
„Das sagst du doch jeden Tag.“ Als kleines Mädchen wollte Leia ihre Haare immer nur zu einem Pferdeschwanz binden. Ihre Eltern hatten gesagt, sie könne tun, was ihr gefiel. Doch 2V war standhaft geblieben. Ihre Programmierung gebot ihr, die Prinzessin stets prachtvoll zu präsentieren, und dagegen konnte nicht einmal die etwas tun.
„Es gilt ja auch für jeden Tag“, beharrte 2V, rollte den Zopf zu einer Schlaufe und steckte ihn fest. „Bei besonderen Anlässen liegen die Maßstäbe nur noch ein wenig höher!“
Leia verspürte ein leichtes Grummeln im Bauch, ein Anzeichen ihrer Nervosität und Spannung gleichermaßen. Dies war der größte Tag in ihrem Leben, jedenfalls seit ihrem ersten Namenstag. Damals waren ihre Eltern mit ihr im Thronsaal erschienen und hatten sie zu ihrer Tochter erklärt, per Adoption und aus Liebe …
Sie schüttelte den Gedanken ab. Damals hatte sie nichts weiter tun müssen, als das Baby in den Armen ihrer Mutter zu sein. Diesmal musste sie für sich selbst einstehen.
Sobald die Frisur fertig war, schlüpfte Leia dankbar in die Kleidung, auf die sie sich mit 2V geeinigt hatte – ein schlichtes weißes Kleid für sie, auffälliger Silberschmuck für 2V. Just als sie in ihre Seidenschuhe schlüpfte, ertönte aus dem Thronsaal die Orchesterfanfare und hallte durch die Palastflure. Es war ein Gefühl, als klopften ihre Eltern persönlich an die Tür.
„Eines noch!“, bat 2V. Sie rollte auf der kleinen Kugel, die ihren Fuß bildete, zum Schrank, dann schwang sie herum und kehrte mit einem silbernen Haarreif zurück, den sie so geschickt zwischen die Zöpfe der Prinzessin schob, dass der Perlanhänger mitten auf Leias Stirn zu liegen kam. „Ja. Ja, das ist es. Ihr seht absolut atemberaubend aus! Ich wirke wirklich Wunder.“
Leia schüttelte belustigt den Kopf. „Vielen Dank!“
Ohne diesen leisen Spott auch nur zu bemerken, scheuchte 2V ihren Schützling zur Tür. „Beeilung! Alle warten schon.“
„Ohne mich können sie ja schlecht anfangen, Zwovau.“ Trotzdem hob Leia den Saum ihres Kleides und eilte auf den Korridor hinaus. Sie wollte nicht zu spät kommen. Jene Prinzen und Prinzessinnen, die bisher ihren Anspruch auf den Thron erhoben hatten, waren bisweilen gezwungen gewesen, sich den Weg durch den Saal zu erkämpfen. Das Ganze war gedacht als ein Moment, um Stärke und Führungskraft zu demonstrieren – und nicht um allen zu zeigen, dass man nicht einmal in der Lage war, pünktlich zu sein.
Der königliche Palast von Alderaan war das Werk von über einem Jahrtausend. Die hiesige Monarchie ergab sich ganz in den Dienst an ihrem Volk, weshalb man nie hohe, trutzige Türme mit spitzen Dächern errichtet hatte, um damit die Landschaft zu dominieren. Stattdessen baute man im Abstand einiger Jahrzehnte immer neue Trakte an und schuf so ein sich ausweitendes Labyrinth, in dem moderne Datenzentren und Holokammern neben alten, aus Stein gehauenen Räumen existierten. Leia kannte jeden Gang und jede Tür – als Kind hatte es ihr großen Spaß gemacht, auch die düstersten und abgelegensten Winkel zu erkunden. Vielleicht, so glaubte sie, war sie seit Hunderten von Jahren die Einzige, die jemals jeden einzelnen Raum des Palasts gefunden hatte.
Zum Glück kannte sie die Abkürzung durch die alte Waffenkammer. So erreichte sie die Vorhalle des Thronsaals mehr als nur rechtzeitig. Die königlichen Wachen lächelten, als sie Leia sahen, und sie grinste zurück, während sie den Umhang ihres Kleides zurechtzog. Dem größeren Wächter flüsterte sie zu: „Wie geht es dem Baby?“
„Schläft nachts schon durch“, antwortete er. Leia klatschte lautlos Applaus, und er zog beinahe schamhaft den Kopf ein.
Genau genommen wusste sie nicht viel über Babys, abgesehen davon, dass Eltern sehr stolz auf sie waren, obwohl die Kleinen nachts jedermann wach hielten. Aber wenn der Wächter sich freute, ein müdes Baby zu haben, dann freute sie sich eben mit ihm.
„Wir auf Alderaan können uns glücklich schätzen“, hatte ihr Vater einmal gesagt, als sie in der Bibliothek am Kamin gesessen hatten. „Wir werden von unserem Volk geliebt. Wir können auf seine Loyalität zählen. Das liegt daran, dass auch wir das Volk lieben und ihm gegenüber loyal sind. Sollten wir je aufhören, unsere Mitmenschen wertzuschätzen – vom höchsten Lord bis hin zum einfachsten Arbeiter –, würden wir diese Loyalität verlieren. Wir würden es verdienen, sie zu verlieren.“
Das Rascheln des Vorhangs an der Tür riss Leia zurück ins Hier und Jetzt. Schnell ging sie zu der Wand, an der das Rhindonschwert hing und nahm es in die Hand. Sie hatte ein paarmal damit geübt, doch das Gewicht der Waffe überraschte sie jedes Mal wieder.
Position: Mitte der Türöffnung. Schwert: beide Hände am Griff, Arme dicht am Körper, die Klinge nach oben gerichtet. Die Rede …
Ich kann die Rede, sagte sie sich. Ich kann sie ganz bestimmt. Ich habe nur gerade einen Aussetzer, aber sie fällt mir ganz sicher wieder ein, wenn ich vor Hunderten von Leuten stehe …
Der Vorhang wurde zur Seite gezogen. Strahlendes Licht fiel auf sie, getönt durch riesige Buntglasscheiben. Zweihundert Gäste drehten sich gleichzeitig um. Alle standen sie beiderseits eines blau-goldenen Teppichs, der schnurgerade durch den Saal auf die goldenen Throne zu verlief, wo Breha und Bail Organa saßen.
Leia schritt voran, das Schwert hoch erhoben. Donner grollte leise, und sie war dankbar für die Beleuchtungsdroiden, die Licht durch die Fenster projizierten, sonst wäre es im Saal nämlich nahezu stockfinster gewesen. Sie hatte das alles zwar geübt, glaubte jedoch nicht, dass sie es auch mit geschlossenen Augen geschafft hätte.
Ich weiß nicht, vielleicht wäre es ja leichter, wenn ich nicht sehen könnte, wie mich die Gäste alle anstarren. Leia hatte ihr ganzes Leben damit zugebracht, vor großen Mengen aufzutreten, doch heute würde man ihre Stimme zum ersten Mal in offizieller Funktion hören, nämlich als die der zukünftigen Königin.
Breha Organa trug ein Kleid aus bronzener Seide, das Haar hatte sie zu Zöpfen geflochten, die zu einer Turmfrisur aufgesteckt und mit Perlenketten durchwebt waren. Neben ihr saß Bail Organa in der traditionellen langen Jacke des Vizekönigs. Die Krone hatte man aus dem Museum geholt und auf eine Marmorsäule gesetzt, die von einem eigenen Beleuchtungsdroiden illuminiert wurde. Ihre Eltern, fand Leia, sahen heute noch majestätischer aus als sonst. Beinahe bedrohlich. Hatten sie etwa Spaß an dieser Scharade?
Leia glaubte, dass sie Spaß daran hätte haben können, wenn ihre Eltern weniger Leute dazu eingeladen hätten. Normalerweise wären nur eine Handvoll Außenweltler dabei gewesen, doch diesmal hatte ihr Vater viele seiner diplomatischen Verbündeten aus dem Imperialen Senat hergebeten – Tynnra Pamlo von Taris, Cinderon Malpe von Derella sowie Winmey Lenz und Mon Mothma von Chandrila. Mon Mothmas Lächeln wurde breiter, als Leia an ihnen vorbeikam. Vielleicht war es als Ermutigung gedacht.
Solange sie nur nicht fand, dass Leia süß aussah. Am Tag des Thronanspruchs ging es nicht darum, ein reizendes kleines Kind zu sein. Heute ging es um das Erwachsenwerden.
Als sie die Stirnseite des Thronsaals erreichte und nur ein paar Meter vor ihren Eltern stehen blieb, rief Breha den ersten Satz der Zeremonie: „Wer ist da? Wer stört die Königin auf ihrem Thron der Macht?“
„Ich bin es, Leia Organa, Prinzessin von Alderaan.“ In der Tat war ihr der Text aufs Stichwort wieder eingefallen. „Ich komme zu Euch, um Euch anerkennen und verkünden zu hören, dass ich an diesem Tag mein sechzehntes Lebensjahr erreicht habe.“
Die Bitte um Verkündigung war eine schlichte Ergänzung des Rituals, die nur benutzt wurde, wenn das älteste Kind des Königs oder der Königin adoptiert war. Leia war vor drei oder vier Tagen sechzehn geworden. Ihren genauen Geburtstag kannte sie nicht, und er war ihr eigentlich auch egal. Sie war an ihrem Namenstag eine Prinzessin von Alderaan geworden, und die Wiederkehr dieses Tages feierten sie.
„Wir erkennen an, dass du volljährig bist“, sagte Bail. Nur die kleinen Fältchen in seinen Augenwinkeln verrieten das Lächeln, das er mühsam zu verbergen suchte. „Doch warum trittst du bewaffnet vor unseren Thron?“
„Ich komme, um mein Recht auf die Krone zu beanspruchen.“ Leia kniete sich in einer geschmeidigen Bewegung hin und hielt das Schwert mit einer Hand in die Höhe. Ferner Donner grollte und ließ den Boden sacht...




