E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Gray Zeugin am Abgrund
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-95576-184-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romantic Suspense
E-Book, Deutsch, 192 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-95576-184-4
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lauren hat einen kaltblütigen Mord beobachtet, und als einzige Zeugin ist ihre Aussage von unschätzbarem Wert. Aber bis zur Verhandlung, die den Mafiaboss Giovessi für immer hinter Gitter bringen soll, vergehen noch Monate, in denen Lauren sich in größter Lebensgefahr befindet, mundtot gemacht zu werden. Man betraut FBI-Agent Sam Rawlins persönlich mit ihrer Sicherheit, und er fliegt sie aus - doch die Mafia ist schneller. Über den verschneiten Rocky Mountains stürzt das sabotierte Flugzeug ab. Für Sam und Lauren beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben und eine dramatische Flucht vor Giovessis Schergen.
Ginna Gray wuchs in einer sehr fantasievollen und kreativen Familie in Texas auf. Erst mit zwölf Jahren erkannte sie, dass es nicht selbstverständlich war, wie leicht es ihr fiel, sich Geschichten auszudenken. Schon ihre Lehrer erkannten ihr Talent und Ginna war sich sehr früh sicher, dass sie Schriftstellerin werden wollte. Trotzdem schlug sie zunächst eine andere Richtung ein. Nach ihrer frühen Hochzeit, die recht bald nach der Geburt ihrer ersten Tochter scheiterte, musste sich Ginna darauf konzentrieren, ihr Kind und sich zu versorgen. In Abendkursen am College nach der Arbeit besuchte sie das College, um sich fortzubilden. Deshalb blieb ihr nur noch wenig Zeit zum Schreiben. Erst nach sieben Jahren traf sie den Mann ihres Lebens und heiratete ihn ein Jahr danach. Der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind wurde erst weitere neun Jahre später erfüllt, als die beiden die Hoffnung bereits fast aufgegeben hatten. Ginna Grays zweite Tochter wurde geboren. Jetzt hatte sie die Möglichkeit, sich voll und ganz ihrer Mutterrolle zu widmen. Anders, als nach der Geburt ihrer ersten Tochter, war sie nun nicht mehr allein und konnte sich auf die Unterstützung ihres Ehemanns verlassen. In dieser Zeit begann sie wieder zu schreiben, versuchte jedoch nicht einmal, ihr Werk zu veröffentlichen.
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1. KAPITEL
Zwei Schüsse, die in unmittelbarer Nähe der Tür abgefeuert wurden, ließen Lauren Brownley den Kopf hochreißen.
Ihre Augen waren weit aufgerissen, ihr Gesicht war kreidebleich. Bislang hatte sie Schüsse nur im Fernsehen oder im Kino gehört, aber sie erkannte das Geräusch sofort, und sie fühlte, wie ihr eine Gänsehaut über den Rücken lief.
Ihr erster Gedanke galt der Flucht. Sie drehte den Wasserhahn zu und sah sich nach einer Möglichkeit um, aus der Damentoilette zu entkommen. Aber von dem hoch oben eingebauten Fenster abgesehen, das zur Gasse hinter dem Gebäude hin lag, gab es keinen Fluchtweg.
Vorn in der Lounge schrie jemand vor Schmerzen auf. Lauren fühlte, wie sich ihr die Haare sträubten. Sie starrte auf die Tür und umklammerte mit nassen Händen den Unterschrank hinter ihr. Es war nach Ladenschluss. Von ihrem Boss Carlo Giovessi abgesehen, der sich vor zehn Minuten in sein Büro zurückgezogen hatte, sollte der Club Classico eigentlich leer sein.
Großer Gott, war er etwa einem Einbrecher über den Weg gelaufen? Wenn ja, wer hatte dann den Schuss abgegeben?
Nachdem sie sich noch einmal in aller Eile umgesehen hatte, schluckte Lauren und schlich auf dem gefliesten Boden leise bis zur Tür. Sie wollte sie öffnen, zog aber im letzten Moment die Hand zurück. Ihr Herz raste, als ihr bewusst wurde, welchen Fehler sie um ein Haar begangen hätte. Wenn der Einbrecher noch immer da draußen war und eine Waffe hatte, dann wollte sie ihn ganz sicher nicht auf sich aufmerksam machen.
Als das Stöhnen draußen in der Lounge auf einmal lauter wurde, machte sie das Licht aus. Sie wartete einen Moment in der Dunkelheit, presste die Lippen aufeinander und öffnete dann vorsichtig die Tür einen Spaltbreit.
Lauren hielt den Atem an. Sie sah drei Männer, die auf der Tanzfläche in der Nähe des Klaviers standen. Zwei von ihnen war sie im Club gelegentlich begegnet, ohne zu wissen, um wen es sich handelte. Der dritte Mann -- der die Waffe in der Hand hielt -- war Carlo.
Vor ihm auf dem Boden kauerte ein weiterer Mann, der mit beiden Händen seine blutigen Beine festhielt. Lauren musste fast würgen, als ihr klar wurde, dass man ihm offenbar beide Kniescheiben zerschossen hatte.
Der Mann rollte laut stöhnend zur Seite, so dass sie sein Gesicht sehen konnte. Überrascht erkannte sie, dass es sich um Frank Pappano handelte!
Als sie vor zwei Monaten zum ersten Mal in der Lounge Klavier gespielt hatte, war Frank ihr als ein Geschäftspartner von Carlo vorgestellt worden. Seitdem hatte sie ihn oft im Club gesehen, ohne ihn näher kennen zu lernen -- nicht dass sie das überhaupt gewollt hätte.
Frank war deutlich jünger als Carlo, etwa Mitte dreißig, und zumindest dann attraktiv, wenn man auf dunkle Typen stand. Er hatte einige Male versucht, mit ihr zu flirten, aber sie hatte so getan, als würde sie es nicht bemerken. Frank hatte etwas Kaltes und Seelenloses an sich, was ihr eine Gänsehaut bereitete.
Trotzdem hatte er es nicht verdient, angeschossen zu werden. Sie konnte nicht fassen, dass Carlo so etwas getan hatte.
Lauren ließ den Kopf gegen den Türrahmen sinken und schloss die Augen. O Gott, wie dumm sie doch gewesen war. Sie hatte in den Zeitungen die Anschuldigungen gelesen, sie wusste, was die Leute redeten, und seit sie im Club Classico arbeitete, hatte sie immer wieder die zwielichtigen Gestalten bemerkt, die in Carlos Büro ein und aus gingen. Aber sie hatte vor allem die Augen verschlossen. Ich habe den Kopf in den Sand gesteckt, dachte sie voller Abscheu über ihr eigenes Verhalten.
Tief in ihrem Inneren hatte sie durchaus ein gewisses Unbehagen gespürt, aber sie hatte sich geweigert, diesem Gefühl auf den Grund zu gehen. Nach allem, was Carlo für sie getan hatte, kam sie sich wie eine Verräterin vor, wenn sie dieses Misstrauen verspürte.
Sieh dir doch an, wohin dich dein Wegsehen gebracht hat!
O Gott, sie konnte es nicht fassen.
“Du hast auf mich geschossen! Jesus Christus, Carlo! Warum denn bloß? Ahhhh, verdammt, meine Knie! Meine Knie!”
Carlo Giovessis weiße Strähne und das markante Gesicht verliehen ihm das Erscheinungsbild eines würdevollen Patriarchen, sogar dann, wenn er sich amüsierte, was sein schwaches Lächeln noch beängstigender wirken ließ. “Spiel keine Spielchen mit mir, Frank. Du weißt genau, warum. Du hast mich bestohlen, und das kann ich nicht durchgehen lassen.”
Ohne den Blick von Frank zu nehmen, schnippte Carlo mit den Fingern. Einer der anderen Männer reichte ihm ein quadratisches, in Plastikfolie gewickeltes Päckchen. Er öffnete es, griff hinein und ließ weißes Pulver auf Frank herabrieseln. “Diese letzte Lieferung, die du für mich abgeholt hast, besteht fast nur aus Puderzucker.” Er wog das Päckchen spielerisch in der Hand und schürzte die Lippen. “Zu schade, dass du gierig geworden bist. Es hätte vielleicht geklappt, wenn du es nicht so übertrieben hättest. Das war dumm von dir, Frank.”
Seine Miene änderte sich schlagartig, und er trat mit Wucht gegen Franks Bein. Der Schrei, den Frank ausstieß, sorgte dafür, dass sich Laurens Nackenhaare abermals sträubten.
“Du kleiner Dreckskerl”, zischte Carlo. “Hast du wirklich geglaubt, du könntest dir die Hälfte von meinem Kokain unter den Nagel reißen, ohne dass ich das merke?”
“Nein, Carlo, ich habe nichts gestreckt! Ich schwöre es bei Gott, Mann! Es … es muss einer von diesen verdammten Lieferanten gemacht haben! Das sind diejenigen, die dich bescheißen. Nicht ich. Du weißt doch, dass ich das niemals machen würde! Ahhhh, Jesus, meine Knie!”
“Ich bin bald mit meiner Geduld am Ende, Frank. Und deine Zeit ist auch bald abgelaufen.”
Auch in dem dämmerigen Licht konnte Lauren sehen, dass Franks Gesicht schneeweiß war.
“Ich tue dir einen Gefallen. Du weißt, dass ich mir mit solchen Dingen nicht mehr die Finger schmutzig mache. Aber das hier … das ist etwas Persönliches. Deinetwegen habe ich beschlossen, es selbst zu erledigen. So viel bin ich dir schuldig.”
Frank hörte auf zu stöhnen und begann um Gnade zu wimmern. “Jesus, Carlo, es tut mir Leid. Es tut mir Leid, Mann. Bitte. Bring mich bitte nicht um.”
“Du hast viele Jahre für mich gearbeitet, Frank. Ich habe dich von der Straße geholt, als du noch ein Kind warst. Ich habe dich ausgebildet. Jesus Christus, ich habe dich wie einen Sohn behandelt, du verdammter Drecksack.”
“Bitte, Carlo, töte mich nicht. Bitte! Bitte, Mann! Ich flehe dich an! Es wird nie wieder vorkommen! Ich schwöre es bei Gott! Ich werde alles für dich tun, alles. Aber bring mich bitte nicht um!” Er wälzte sich auf dem Boden und umklammerte seine Knie. Sein schmerzverzerrtes Gesicht war schweißnass. “O mein Gott, o mein Gott!”
“Hör schon auf, Frank. Du warst bereits ein toter Mann, als du mich zum ersten Mal bestohlen hast. Die Frage ist jetzt nur, wann und wie du sterben wirst. Du hast es selbst in der Hand. Wenn du mir sagst, wo mein Eigentum ist, mache ich mit dir kurzen Prozess. Wenn du Zeit schinden willst, dann wirst du mich schon bald anflehen, damit ich deinem jämmerlichen Leben ein Ende setze.”
“O Mann, hör doch bitte mal zu …”
“Du hast nur diese beiden Möglichkeiten, Franco”, sagte Carlo mit Eiseskälte. “Und ich warne dich. Wenn du mich anlügst, werde ich deine Familie auch umbringen. Das möchte ich wirklich nicht. Du weißt ja, wie sehr mir Maria und Frank und Mario, deine Kleinen, am Herzen liegen. Es ist immer eine hässliche Sache, Frauen und Kinder zu töten, aber du weißt, dass ich nie leere Drohungen mache.”
Er beugte sich vor und lächelte. “Wenn du also nicht willst, dass deiner hübschen kleinen Frau und deinen beiden Söhnen etwas zustößt, dann solltest du mit der Wahrheit herausrücken. Also, Frank, du hast drei Sekunden. Entweder sagst du mir, wo mein Eigentum ist, oder die nächste Kugel zerfetzt dir deine Eier.”
Lauren sah ungläubig und voller Entsetzen mit an, was sich vor ihren Augen abspielte. Frank zitterte und murmelte etwas, bekreuzigte sich und holte dann tief Luft. “Es ist … in einem Lagerhaus … Patton und East Third.”
Er hatte kaum ausgesprochen, als ein weiterer Schuss durch den Club peitschte und ein hässliches Loch in seine Stirn riss.
Obwohl Lauren gewusst hatte, dass der Schuss fallen würde, zuckte sie zusammen und schnappte nach Luft, noch bevor sie ihre Hände auf den Mund hatte pressen können.
Frank zuckte noch einmal, dann sackte er auf dem Boden zusammen. Wie erstarrt sah Lauren auf den Toten und spürte, wie sie von dem Drang erfüllt wurde, sich zu übergeben. Aus dem abscheulichen Loch in der Stirn quoll Blut.
“Was war das?” Carlo sah sich in der Lounge um, bis sein Blick erst an der Tür zur Herrentoilette, dann am Eingang zur Damentoilette hängen blieb.
Lauren machte einen Schritt nach hinten in die Dunkelheit, während das Entsetzen sie packte. Sie war soeben Zeugin eines kaltblütigen Mordes geworden! Sie musste hier raus! Und zwar sofort, bevor sie sie fanden.
Sie sah zum Fenster, durch das der schwache Schein einer Straßenlampe am Ende der Gasse drang. Selbst wenn sie es schaffen sollte, durch dieses Fenster zu klettern, würde sie nicht schnell genug sein, um Carlo und dessen Leuten zu entkommen. Panik stieg in ihr auf, aber sie kämpfte dagegen an. Es musste einen Ausweg geben. Denk nach, ermahnte sie sich. Denk nach!
“Was war was? Ich hab nichts gehört, Boss.”
“Standen noch irgendwelche Wagen auf dem Parkplatz, als ihr hergekommen seid?”
“Keine Ahnung. Ich und Tony, wir haben Frank durch den Hintereingang reingebracht, so wie Sie es uns gesagt...




