E-Book, Deutsch, Band 2136, 144 Seiten
Reihe: Julia
Green Bittersüßer Schmerz der Sehnsucht
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-0078-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2136, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-0078-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Corretti! Valentina zittert vor Wut, wann immer der Name der sizilianischen Familie fällt. Die schöne Köchin ist überzeugt, dass der verwegene Gio Corretti ihren Bruder vor Jahren in den Tod gerissen hat, und nun steht ihr Catering-Service vor dem Ruin, weil dessen Tante ihre Rechnung nicht bezahlt. Valentinas letzte Rettung ist der Auftrag für das legendäre Pferderennen von Syrakus - das ausgerechnet Gio veranstaltet. Mit aller Kraft bezwingt Valentina ihren Stolz und nimmt den Job an. Doch hat sie auch die Kraft, die verbotene Sehnsucht zu bezwingen, die sie für Gio empfindet?
Abby Green wurde in London geboren, wuchs aber in Dublin auf, da ihre Mutter unbändiges Heimweh nach ihrer irischen Heimat verspürte. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu Büchern: Von Enid Blyton bis zu George Orwell - sie las alles, was ihr gefiel. Ihre Sommerferien verbrachte sie oft bei ihrer Großmutter in Kerry, und hier bekam sie auch ihre erste Romance novel in die Finger. Doch bis sie ihre erste eigene Lovestory zu Papier brachte, vergingen einige Jahre: Sie studierte, begann in der Filmbranche zu arbeiten, aber vergaß nie ihren eigentlichen Traum: Irgendwann einmal selbst zu schreiben! Zweimal schickte sie ihre Manuskripte an Mills & Boon, zweimal wurde sie abgelehnt. Doch 2006 war es endlich soweit: Ihre erste Romance wurde veröffentlicht. Abbys Tipp: Niemals seinen Traum aufgeben! Der einzige Unterschied zwischen einem unveröffentlichen und einem veröffentlichten Autor ist - Beharrlichkeit!
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1. KAPITEL
Ich müsste in diesem Sarg liegen, nicht mein unverwüstlicher, bester Freund …
Giacomo Corretti stand im Schatten einer großen Pinie und verfolgte mit brennendem Blick, wie der Sarg, nur wenige Meter von seinem Versteck entfernt, in die Erde hinuntergelassen wurde. Sein Herz lag wie ein Eisklumpen in seiner Brust. Mit jeder Sekunde, die verstrich, breitete sich die Kälte in seinem ganzen Körper aus, bis er völlig taub war.
Für ihn ein willkommenes Gefühl, auch wenn er sich einen Feigling schimpfte.
Die kleine Gruppe von Menschen rückte noch näher zusammen, während der Priester die Aussegnungsworte sprach. Gepeinigt schaute Gio zum strahlend blauen Himmel empor. Es dürfte nicht so warm und sonnig sein, schoss es ihm durch den Kopf. Und die See sollte nicht in der Frühlingssonne schillern und glänzen.
Verzweifelt sehnte er sich einen Sturm apokalyptischen Ausmaßes herbei, mit schwarzen Wolken, die den Himmel verdunkelten, grollendem Donner und vernichtenden Blitzen, die ihn treffen und ins Jenseits befördern würden.
Das leise Schluchzen von Marios Mutter, die sich schwer auf den Arm ihres betagten Mannes stützte, zerriss ihm das Herz. Um ihn würde niemand so verzweifelt trauern, wurde Gio plötzlich bewusst. Es war eine schmerzhafte Erkenntnis, aber ohne einen Funken von Selbstmitleid.
Neben dem Elternpaar stand mit gesenktem Kopf und gekrümmtem Rücken ihre Tochter Valentina. Ein schlaksiger Teenager von siebzehn. Das schlecht sitzende schwarze Kostüm ließ erahnen, dass sie sich zu einer aufregenden Schönheit mausern würde. Ihr langes, kastanienbraunes Haar war unter einem schwarzen Schal verborgen.
Er musste ihr Gesicht nicht sehen, um sich an ihre zarten Züge zu erinnern, er hatte sie immer vor Augen. Die samtene, olivfarbene Haut, den weichen Mund und die ungewöhnlichen goldbraunen Augen. Es waren die Augen einer Wildkatze. In ihnen tanzten goldene Fünkchen, wenn sie fröhlich war. Sie konnten allerdings auch gelbe Blitze in seine Richtung schießen, wenn er und ihr geliebter älterer Bruder sich auf waghalsige Unternehmen einließen, die ihr Angst einjagten.
Als hätte sie seinen brennenden Blick gespürt, drehte Valentina Ferranti den Kopf und fixierte die Stelle, wo Gio stand. Es war zu spät, um sich ungesehen zurückzuziehen. Langsam wandte sie sich ihm ganz zu. Das Gesicht totenbleich und vom Weinen geschwollen. Die wundervollen mandelförmigen Augen waren von Schmerz und Trauer umschattet.
Und er hatte ihr das angetan.
In seinem Kopf hallten die sorglosen Worte wider, die er ihr an jenem Abend lachend hingeworfen hatte: „Keine Angst, ich werde ihn noch vor Mitternacht zurück zu seinen Büchern schicken, wie Cinderella …“
Er spürte ihren Schmerz und ihre Verzweiflung geradezu körperlich, als sie langsam und mit steifen Schritten auf ihn zukam, die herabhängenden Hände zu Fäusten geballt. Kalte Verachtung lag in ihrem Blick. Kurz vor ihm blieb sie stehen, so dicht, dass ihn ihr vertrauter, frischer Duft einhüllte – ein bittersüßer Moment, der nicht zu dieser traurigen Situation passte.
„Du bist hier nicht willkommen, Corretti.“ Ihre Stimme war rau und spröde.
Gio spürte einen Druck in der Brust, der ihm das Atmen nahezu unmöglich machte. „Ich …“ Er brach ab, sobald er die gefürchteten Anzeichen spürte, doch dann überwand er sich und sprach einfach weiter. „Ich … weiß.“
Die Tatsache, dass er die beiden Worte hervorgebracht hatte, ohne zu stottern, war ihm ein kleiner Trost in dieser schweren Stunde. Es war ihr Bruder Mario gewesen, der ihm geduldig geholfen hatte, diese chronische Schwäche zu überwinden, die seine Kindheit und Teenagerzeit überschattet hatte.
Selbst mit zweiundzwanzig spürte er die Jahre voller Demütigungen immer noch wie eine Brandnarbe, die irgendwann verblassen, aber nie ganz verschwinden würde. In diesem Moment verlangte es ihn sogar nach dem Schmerz und der Scham der Vergangenheit, um Valentina die Genugtuung zu geben, über ihn zu lachen oder ihn verspotten zu können.
Allerdings … sie würde es nicht tun, hatte es nie getan. Sie war immer süß und freundlich zu ihm gewesen und hatte sein Stottern nie zum Anlass genommen, ihn zu demütigen oder zu verletzen, wie fast jeder andere es getan hatte. Besonders seine Familie.
Unverhofft holte Valentina aus und stieß mit der Faust gegen seine Brust. Das kam so überraschend, dass Gio zurücktaumelte. „Er war alles für uns, und du bist schuld, dass er nicht mehr da ist!“ Ihre Stimme bebte vor Kummer. „Im nächsten Jahr wollte er sein Studium beenden. Und du?“ Ihre Stimme drohte vor Erregung zu kippen. „Was kannst du für uns tun? Nichts! Verschwinde von hier! Du vergiftest diesen Ort mit deiner Anwesenheit. Wenn du ihn in jener Nacht nicht ermuntert hättest rauszugehen …“ Sie brach ab und biss sich auf die Lippe.
Gio war aschfahl geworden. „Es tut mir leid … unendlich leid.“
Das anklagende Funkeln in ihren Augen erlosch, sie sah schrecklich verloren aus. „Ich hasse dich, Corretti … dafür, dass du lebst und er nicht.“
Der Schmerz war so scharf, dass er ihm den Atem raubte. Marios kleine Schwester sah ihn an, als hätte sie ihn am liebsten über die nächste Klippe gestoßen.
„Komm, Valentina, es ist Zeit zu gehen.“ Die dünne, matte Stimme ihres Vaters riss sie beide aus dem schwarzen Kokon ihrer Verzweiflung. Sanft legte er eine Hand auf den Arm seiner Tochter. „Dies ist weder der passende Ort noch die Zeit …“
Stumm, und ohne Gio noch einmal anzusehen, ließ sie sich von ihm wegführen. Nach einigen Metern schaute Marios Vater noch einmal zurück. In seinem Blick lag ein namenloser Schmerz, als er traurig den Kopf schüttelte. Die wenigen Tage seit dem Tod seines einzigen Sohnes hatten ihn um Jahre altern lassen.
Für Gio war es schlimmer, als hätte er ihm vor die Füße gespien oder ihn körperlich angegriffen – wie Valentina.
Die schreckliche Wahrheit war nicht zu leugnen. Wären Mario und er, trotz aller Unterschiede, nicht so enge Freunde gewesen, und hätte er ihn an jenem Abend nicht bedrängt, mit ihm rauszugehen, wäre all dies nicht geschehen. Und diese Tatsache war so schwer zu ertragen, dass Gio nur noch sterben wollte.
Alles, was er liebte und was ihm etwas bedeutete, war für immer verloren. Was hoffnungsvoll und vielversprechend gewesen war … zerbrochen und zerstört.
Doch Selbstmord wäre feige und viel zu einfach. Schwerer war es, jeden Tag mit dem unendlichen Schmerz zu leben, eine ganze Familie ins Unglück gestürzt zu haben. Das war die Last, die er für den Rest seines Lebens würde tragen müssen.
Sieben Jahre später …
Es war die Hochzeit des Jahrzehnts. Zwei der mächtigsten Familien Siziliens, vereint im heiligen Bund der Ehe. Valentina schürzte verächtlich die Lippen. Wo doch jeder wusste, dass es keine Liebesheirat war zwischen Alessandro Corretti und Alessia Battaglia! Es hatte etwas von einem Hasardeurspiel oder – besser – einem ultimativen Kraftakt, um auch den kommenden Generationen des Corretti-Clans einen Platz an der Sonne zu sichern. Und wenn das bedeutete, eine Union mit ihren erbitterten Rivalen einzugehen, dann sollte es eben so sein.
Für einen Moment unterbrach Valentina ihre Arbeit und presste eine Hand auf die Brust. Allein der Name Corretti verursachte ihr akute Gallenbeschwerden. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie momentan für diese Leute arbeitete!
So gern sie Carmela Corretti, der Mutter des Bräutigams, ins Gesicht gesagt hätte, sie solle sich den angebotenen Job sonst wohin schieben, konnte sie sich einen derartigen Luxus bedauerlicherweise nicht leisten. Als Besitzerin einer kleinen Catering-Agentur, die noch in der Aufbauphase war und die sie mit einem Minimum an Fremdkräften führte, rang sie ständig ums Überleben. Leider war es die einzige Einnahmequelle, mit der Valentina ihre alten, kränklichen Eltern unterstützen konnte.
Trotz des sagenumwobenen Reichtums der Correttis haftete Carmela der Ruf eines Pfennigfuchsers an, was natürlich auch der Grund war, warum sie eine so kleine, unbekannte Catering-Firma gebucht hatte, die mit günstigen Preisen warb. Im Klartest: lächerlich billig war. Da machte sich Valentina nichts vor.
Worauf sie hoffte, waren das Renommee und die damit verbundenen Folgeaufträge, die ein derartig exklusives Event nach sich zog. Wenn alles so klappte, wie sie es geplant hatte!
Während Valentina die letzten Kanapees mit Belugakaviar auf einer edlen Platte arrangierte, erinnerte sie sich daran, wie herablassend Carmela sie vor wenigen Wochen über ihre klassische Patriziernase hinweg gemustert hatte. „Es ist das Event des Jahrzehnts. Was die benötigten Lebensmittel betrifft, ist dem Budget kein Limit gesetzt. Aber sollte Ihre Präsentation nicht zu meiner Zufriedenheit ausfallen, Signorina Ferranti, dann haben Sie auf dieser Insel keine Zukunft, verstanden?“
Damals war es ihr schwergefallen, nicht so geschockt auszusehen, wie sie sich gefühlt hatte. Die Vorstellung, Sizilien und damit ihre hilfsbedürftigen Eltern verlassen zu müssen, war unvorstellbar. Doch Carmela hatte nicht unrecht. Wenn sie hier versagte, konnte sie froh sein, einen Job als Bedienung in einer neapolitanischen Pizzeria zu bekommen.
„Ich bin mir dessen bewusst, Signora Corretti“, versicherte sie kleinlaut, nachdem sie ihre erste Panik überwunden hatte. Und so waren ihr...




