Green | Süße Rache auf Italienisch | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2432, 144 Seiten

Reihe: Julia

Green Süße Rache auf Italienisch


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1401-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 2432, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-1401-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



'Ich will, was mir zusteht!' Ein eiskalter Schauer überläuft die junge Witwe Lara bei Ciro Sant'Angelos harten Worten. Dass ihr italienischer Ex-Verlobter zurückgekommen ist, kann nur eins bedeuten: Ciro will sich an ihr rächen. Dafür, dass sie ihn damals in Stunden größter Not verlassen und einen anderen geheiratet hat. Alles würde sie dafür geben, wenn Ciro sie nicht so hasserfüllt anschauen würde! Aber sie spürt auch instinktiv, wie heiß seine Leidenschaft brennt, als er fordert: Sie soll endlich seine rechtmäßig angetraute Ehefrau werden!



Abby Green wurde in London geboren, wuchs aber in Dublin auf, da ihre Mutter unbändiges Heimweh nach ihrer irischen Heimat verspürte. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe zu Büchern: Von Enid Blyton bis zu George Orwell - sie las alles, was ihr gefiel. Ihre Sommerferien verbrachte sie oft bei ihrer Großmutter in Kerry, und hier bekam sie auch ihre erste Romance novel in die Finger. Doch bis sie ihre erste eigene Lovestory zu Papier brachte, vergingen einige Jahre: Sie studierte, begann in der Filmbranche zu arbeiten, aber vergaß nie ihren eigentlichen Traum: Irgendwann einmal selbst zu schreiben! Zweimal schickte sie ihre Manuskripte an Mills & Boon, zweimal wurde sie abgelehnt. Doch 2006 war es endlich soweit: Ihre erste Romance wurde veröffentlicht. Abbys Tipp: Niemals seinen Traum aufgeben! Der einzige Unterschied zwischen einem unveröffentlichen und einem veröffentlichten Autor ist - Beharrlichkeit!

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1. KAPITEL

Lara Templeton war froh, dass der schwarze Schleier ihre Augen vor neugierigen Blicken verbarg. Die Leute, die um das offene Grab herumstanden, mochten zu Recht vermuten, dass sie nicht wirklich um ihren Ehemann trauerte, den gar nicht Ehrenwerten Henry Winterborne, der ihr in diesem Moment keine Träne wert war. Doch sie würde sich hüten, ihnen den Beweis für die Richtigkeit ihrer Vermutung auf dem Silbertablett zu liefern. Den Triumph gönnte sie ihnen nicht.

Also hielt sie sich vornehm bedeckt, das Gesicht mit einem Schleier verhüllt und von Kopf bis Fuß in tristes Schwarz gekleidet. Ganz wie es sich für eine trauernde Witwe gehörte.

Eine trauernde Witwe, der ihr verstorbener Gatte nichts, aber auch gar nichts hinterlassen hatte. Und die während der letzten drei Monate kaum mehr als eine amtlich besiegelte Sklavin gewesen war. Ein Detail, auf das sich die sensationslüsterne Meute mit Freudengeheul stürzen würde, käme es jemals ans Licht der Öffentlichkeit.

Ihr Ehemann hatte sie nicht ohne Grund leer ausgehen lassen. Doch sie hätte sein Geld ohnehin nicht gewollt. Was immer auch die Leute von ihr dachten, sie hatte Henry Winterborne nicht seines Vermögens wegen geheiratet. Er hatte ihr nichts vererbt, weil er von ihr nicht das bekommen hatte, was er wollte. Sie. Es war ihre Schuld, dass er sich verletzt hatte und im Rollstuhl geendet war.

Nein, es war nicht ihre Schuld! Wenn er nicht versucht hätte …

Sie verdrängte die aufwühlenden Gedanken, als sie merkte, dass die Menge sie erwartungsvoll ansah. Der Pfarrer hüstelte diskret.

Obwohl es das Letzte war, was sie tun wollte, griff Lara nach der bereitliegenden kleinen Schaufel und warf eine Handvoll Erde auf den Sarg. Sie kam sich vor wie eine Betrügerin, als die Erde mit einem dumpfen Geräusch auf dem Sargdeckel landete. Einen irrsinnigen Moment lang glaubte sie, ihr verstorbener Ehemann würde die Hand aus dem Grab nach ihr ausstrecken und sie zu sich hinunterziehen. Sie taumelte, ihr Fuß trat ins Leere …

Ein entsetztes Raunen ging durch die Menge. Der Pfarrer packte Lara am Arm und hielt sie fest.

Unglaublich, dachte der Mann, der die Szene aus einiger Entfernung beobachtete, lässig an einen Baum gelehnt, die Arme vor der breiten Brust gekreuzt. Er ließ die trauernde Witwe keine Sekunde aus den Augen, während sie nicht ein einziges Mal zu ihm hinübersah. Kein Wunder, war sie doch vollauf damit beschäftigt, ihre Schau abzuziehen und sich praktisch ins offene Grab zu werfen.

Der Mann presste die Lippen zusammen. Eins musste er ihr lassen: Sie spielte ihre Rolle wirklich gut. Herzzerreißend, wie sie da stand in ihrem eng anliegenden schwarzen Kleid, das sich an ihren gertenschlanken Körper schmiegte, das leuchtend blonde Haar zu einem Knoten im Nacken geschlungen und einen kleinen runden Hut auf dem Kopf, dessen Schleier ihr Gesicht verhüllte.

Oh, er zweifelte nicht daran, dass sie ernsthaft trauerte. Allerdings nicht um ihren Ehemann, sondern um das Vermögen, das ihr durch die Lappen ging.

Der Mann verzog den Mund zu einem bitteren Lächeln. Lara Winterborne, geborene Templeton, hatte es nicht besser verdient.

Lara verspürte ein Prickeln im Nacken. Ein heißes, alarmierendes Prickeln, wie sie es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Sie blickte auf und bemerkte zu ihrer Erleichterung, dass die Trauergemeinde sich leise murmelnd zu zerstreuen begann. Es war überstanden.

Eine Bewegung am Rand ihres Blickfelds zog jedoch plötzlich ihre Aufmerksamkeit auf sich. Sie sah einen großen, breitschultrigen Mann in einer Art Uniform und mit einer Kappe auf dem Kopf, der zügig auf die parkenden Autos zuging. Ein Fahrer, so wie es aussah.

Doch etwas an ihm, an seiner Größe, seiner Statur, machte sie stutzig. Die Art, wie er kraftvoll und doch geschmeidig ausschritt, erinnerte sie an … Nein, unmöglich!

Abgelenkt von dem allgemeinen Getuschel um sie her, verlor sie den Mann aus den Augen. Obwohl sie versuchte, nicht hinzuhören, schnappte sie doch den einen oder anderen Satz auf.

„Ist es wahr, sie kriegt gar nichts?“

„Er hätte sie niemals heiraten dürfen.“

„Sie hat ihn nur benutzt, um ihren guten Ruf zu retten, nachdem sie um ein Haar diesen verrufenen Playboy geheiratet hätte.“

Diese letzte Bemerkung traf Lara an ihrem wundesten Punkt, aber sie hatte im Lauf der Jahre gelernt, gehässige Kommentare zu ignorieren. Egal, was die Leute sagten, sie war froh, dass sie keinen Penny vom winterborneschen Vermögen geerbt hatte.

Wäre sie nicht durch eine abscheuliche Intrige ihres Onkels dazu gezwungen gewesen, hätte sie Henry Winterborne niemals im Leben geheiratet. Sie war nicht kaltherzig genug, um nicht ein gewisses Bedauern über seinen Tod zu empfinden, aber ihr vorherrschendes Gefühl war Leere. Erschöpfung. Scham über die unglückseligen Umstände, in die sie verwickelt war.

Etwas ganz anderes schmerzte sie wirklich. Etwas, das ihr vor langer Zeit genommen worden war, noch ehe es richtig begonnen hatte. Dabei ging es um einen Mann, den sie geliebt hatte wie keinen anderen. Der ihretwegen furchtbar gelitten hatte und fast gestorben wäre. Sie hatte keine andere Wahl gehabt, als zu tun, was sie tun musste, um ihn vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Sie schluckte, wandte sich vom Grab ab und ging langsam auf den Parkplatz zu, auf dem nur noch wenige Autos standen. Nicht sie hatte dieses pompöse Begräbnis arrangiert. Das konnte sie sich gar nicht leisten. In dem Luxusapartment, das sie zusammen mit ihrem Ehemann bewohnt hatte, wartete man vermutlich schon mit ihrem Gepäck auf sie, um sie hinauszubegleiten. Ihr Gatte hatte den schönen Schein aufrechterhalten wollen, bis er unter der Erde lag, aber nun war die Schonzeit vorbei. Von nun an war sie auf sich allein gestellt.

Sie verdrängte die aufsteigende Panik. Mit der Frage, was sie tun und wohin sie gehen sollte, konnte sie sich immer noch beschäftigen, wenn es so weit war.

Also in ungefähr einer halben Stunde.

Einer der Mitarbeiter des Beerdigungsinstituts hielt ihr die Wagentür auf. Sie sah den Chauffeur nur von hinten, doch bei seinem Anblick überkam sie erneut dieses seltsame prickelnde Gefühl. Was natürlich albern war. Wahrscheinlich spukte er ihr nur deshalb im Kopf herum, weil sie nun von der Bürde befreit war, die ihr Onkel ihr auferlegt hatte. Doch in diese Richtung durfte sie gar nicht erst weiterdenken.

„Danke schön!“, murmelte sie und ließ sich auf die gepolsterte Rückbank der Luxuslimousine sinken. Das war der letzte Rest von Dekadenz, den sie sich noch erlauben konnte. Nicht, dass ihr das etwas ausmachte. Sie hatte schon vor langer Zeit auf die harte Tour lernen müssen, wie wenig materielle Dinge noch zählten, wenn man das Liebste verlor, das man auf der Welt hatte: Als ihre Eltern und ihr großer Bruder durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen waren.

Allerdings war die Lektion offenbar nicht nachhaltig genug gewesen, denn sie hatte sich trotzdem verliebt. In ihn.

Nein, sie wollte nicht mehr an ihn denken! Auch wenn der Chauffeur mit den breiten Schultern sie wirklich sehr an ihn erinnerte. Ein Teil seines Gesichts war im Rückspiegel zu sehen, wenn auch halb verborgen unter einer tief in die Stirn gezogenen Schirmmütze und einer dunkler Sonnenbrille. Alles, was Lara erkennen konnte, war die schmale, gerade Nase, der entschlossen wirkende Mund und das markante Kinn.

Ihr Herz schlug schneller. Ihr Verstand sagte, es kann nicht sein, und doch …

Der Mann schien ihren prüfenden Blick zu spüren und ließ die Trennscheibe hochfahren.

Lara fühlte sich ausgesperrt. Gekränkt. Was natürlich lächerlich war. Der Mann war der Chauffeur, sie der Fahrgast. Wahrscheinlich wollte er nur rücksichtsvoll sein.

Doch das beunruhigende Gefühl blieb.

Und es verstärkte sich noch, als ihr auffiel, dass sie zwar in Richtung Kensington fuhren, aber in die falsche Straße einbogen. Sie kannte die von großen, vornehmen Villen gesäumte Allee. Sie war sie in den letzten zwei Jahren oft genug entlanggegangen, wenn es ihr wieder einmal gelungen war, der bedrückenden Enge ihrer Wohnung zu entfliehen.

Als der Wagen vor einer der exklusiven Stadtvillen anhielt, beugte sie sich vor und klopfte an die Trennscheibe. Nichts geschah. Sie klopfte erneut, und die Scheibe fuhr herunter.

Der Fahrer blickte stur geradeaus, eine Hand am Lenkrad.

„Entschuldigung, aber Sie haben sich in der Adresse geirrt“, sagte Lara nervös. „Ich wohne gleich um die Ecke, in der Marley Street.“

Sie sah, wie der Mann die Lippen zusammenpresste. „Irrtum, cara. Wir sind hier richtig.“

Diese Stimme. Seine Stimme!

Lara stockte der Atem. Im selben Moment zog der Mann die Mütze vom Kopf, nahm die Sonnenbrille ab und drehte sich zu ihr um.

Sekundenlang saß sie vor Schreck gelähmt nur da. Seine Worte von vor zwei Jahren schossen ihr durch den Kopf: Das wirst du für den Rest deines Lebens bereuen, Lara. Du gehörst zu mir.

Nun war er hier, um sich an ihrem Unglück zu weiden.

Ciro Sant’Angelo.

Sie erinnerte sich nicht gern daran, was sie damals erwidert hatte: „Ich werde gar nichts bereuen.“ Tatsächlich war seitdem keine einzige Sekunde vergangen, in der sie es nicht bereut hätte. Doch sie war damals völlig verzweifelt gewesen. Ciro war misshandelt, beinahe getötet worden. Und das nur, weil sie es gewagt hatte, ihn zu treffen und sich in ihn zu verlieben. Damit hatte...



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