Gregor / Lentz | Silvia-Duett - Folge 11 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 11, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

Gregor / Lentz Silvia-Duett - Folge 11

Hochsaison für Amor/In jener Nacht am Meer
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1083-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Hochsaison für Amor/In jener Nacht am Meer

E-Book, Deutsch, Band 11, 128 Seiten

Reihe: Silvia-Duett

ISBN: 978-3-7325-1083-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Hochsaison für Amor.

Was hatte sich der steinreiche alte Volker Elfenberg bloß gedacht, als er sein Testament verfasst hat? Darin hat er nämlich verfügt, dass seiner drei Töchter das gesamte Erbe verlieren, wenn sich auch nur eine von ihnen zum Jawort hinreißen lässt. Dann müssten die drei Schwestern ihren Lebensunterhalt mit ihrer eigenen Hände Arbeit verdienen.

Ein schauderhafter Gedanke für die drei!

Aber wie geht ein Mann wie Patrick von Falkendorf mit diesen Fakten um, nachdem er sich Hals über Kopf in Celine, die jüngste der drei Schwestern, verliebt hat? Noch dazu, wenn sie ihm zwar ihr Herz schenkt, nicht aber ihre Hand?

In jener Nacht am Meer.

Ein warmes Glücksgefühl steigt in Jana auf, während sie aus ihrem neuesten Buch vorliest. Gelegentlich schaut sie auf und lässt den Blick durchs Publikum gleiten, ohne jedoch in der Geschichte innezuhalten. Sie kennt ja jedes Wort, jede Zeile auswendig. Doch auf einmal stockt Jana der Atem. Der Mann dort drüben! Sie kennt dieses Gesicht, diese Augen und das unverkennbare Lächeln: Das ist Thomas Endrin, der Freund aus Jugendtagen, der jahrelang im Ausland war! Tapfer liest Jana weiter, aber es fällt ihr schwer, denn immer wieder schweifen ihre Gedanken zu jener Nacht am Meer ab ...

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»Auch das noch«, murmelte Patrick von Falkendorf, als er vorne auf der langen Buchenallee eine Frau erblickte, die offensichtlich eine Autopanne hatte.

Patrick war in Eile, deshalb hatte er statt der Bundesstraße diesen schönen, alten Schleichweg nach Gut Uhlenhorst gewählt. Der junge Mann transportierte den zweiten und dritten Gang eines Dinners, das heute Abend bei einem Fest auf Gut Uhlenhorst serviert werden sollte.

Die Vorspeisen, der Nachtisch und die Weine waren schon vor einer Stunde von Lübeck aus mit einem anderen Kleintransporter gestartet.

Die Fahrt über die Schlaglöcher der alten Allee bereitete Patrick, der sonst flotte Sportwagen fuhr, Schwierigkeiten. Er war jetzt schon unter Zeitdruck, und was wäre erst, wenn er anhielte, um dieser Frau bei ihrer Panne zu helfen?

Er wollte und musste seine Aufgabe gewissenhaft erfüllen, denn der Catering-Betrieb gehörte seinem Freund Jens, der mit diesem Auftrag in die Welt der Neureichen an der Ostsee aufsteigen wollte.

Außerdem fühlte sich Patrick schuldig.

Vor lauter Wiedersehensfreude hatten die beiden Männer herumgealbert und im Hof der Catering-Firma Fußball gespielt. Jens war dabei so unglücklich gestürzt, dass er sich eine Sehnenzerrung zugezogen hatte.

Ein Fahrer für Gut Uhlenhorst hätte sich auf die Schnelle finden lassen, aber niemand, der in einem dunklen Anzug und der Weste der Catering-Firma als »Butler« den Ablauf des Dinners überwachte, mehrere Hilfskräfte dirigierte und dabei noch eine gute Figur machte. Da war es Ehrensache gewesen, dass Patrick eingesprungen war.

Allzu fremd war ihm die Arbeit nicht, denn als künftiger Chef einer deutschen Hotelkette hatte er einiges über Catering gelernt. Das Wichtigste erschien ihm, pünktlich mit dem Hauptgang auf dem Gut vorzufahren.

Allzu viel Zeit blieb ihm also für seine Rolle als barmherziger Samariter nicht, wenn er der jungen Frau mit der Autopanne helfen wollte.

Mit dem Vorsatz, sich nicht lange aufhalten zu lassen, bremste Patrick den Wagen ab und hielt kurz vor dem liegen gebliebenen Auto an.

Die junge Frau hatte inzwischen die Heckklappe geöffnet und einen Wagenheber herausgeholt. Jetzt wandte sie sich Patrick zu und lächelte erfreut. Sie musste Mitte zwanzig sein, aber sie wirkte auf Patrick sehr viel mädchenhafter.

Der Eindruck war mit Sicherheit auf ihre schlanke Figur zurückzuführen. Auch ihre Kleidung, die aus einer marineblauen Hose und einer weißen Bluse mit hochgekrempelten Ärmeln bestand, schmeichelte ihrem Alter.

Jung und sommerfrisch erschien ihm die Frau mit dem dunkelblonden, halblangen Haar und den aparten bernsteinfarbenen Augen. Die Farbe passte in diese Landschaft mit der stürmischen See, den weißen Stränden und dem hohen blauen Himmel.

»Fünf Minuten, mehr nicht«, beschwor sich Patrick selbst, stieg aus und trat neben die junge Frau. »Kann ich Ihnen helfen?«

Sie deutete mit dem Kopf nach vorne.

»Ja, wenn Sie einen Reifen wechseln können.«

Patrick blickte auf seine Armbanduhr.

»Ich kann einen Reifen wechseln, aber ich habe es eilig. Ich fahre einen Catering-Wagen mit einem Abendessen.«

Er zeigte auf die Wagentür, auf der Jens’ Logo prangte: eine gebratene Taube, die gerade in den Mund eines Mannes flog – genau die Zeichnung, wie man sie aus dem Märchen vom Schlaraffenland kannte. Jens hatte einen etwas eigenwilligen Sinn für Humor.

Die junge Frau lachte auf.

»Catering-Wagen? Dann wollen Sie nach Gut Uhlenhorst. Da wüsste ich noch einen anderen Schleichpfad, der den Weg abkürzt. Ich muss ebenfalls dorthin und möchte auch pünktlich sein.«

»Ach, dann sind Sie eine der jungen Damen, die mir heute Abend zur Seite stehen werden?«

»Sollte ich das?«, fragte die junge Frau, und der Schalk blitzte in den schönen Augen auf.

»Ich kann das ja nicht alles alleine bewältigen. Es sind über hundert Gäste geladen … Wo ist der Reifen?«

Die junge Frau zuckte mit den Schultern.

»Das ist das Problem. Ich finde ihn nicht«, gab sie zu. »Diese modernen Autos, die überall nur verschachtelte Metallboxen haben! Vielleicht verbirgt sich der Reifen in einem dieser Kästen …« Sie bückte sich. »Soll ich mal unter dem Wagen nachschauen?«

Patrick hielt sie am Arm fest.

»Nein, bitte nicht. Wir haben keine Zeit für so etwas. Eines Tages werde ich Sie zwar fragen, was sich eine Frau beim Kauf eines solchen Wagens denkt, aber …«

»Es ist der Wagen meiner Schwester. Außerdem hätte mich das Reserverad normalerweise wenig interessiert. Was machen wir jetzt?«

»Wir stellen das Warndreieck auf, und ich nehme Sie zum Gut mit«, schlug Patrick vor. »Wir können ja später nach dem Reifen schauen.«

Während Patrick das Warndreieck in sicherer Entfernung aufbaute, holte die junge Frau eine große Ledertasche an langem Riemen aus dem Wagen und setzte sich kurze Zeit später vergnügt auf den Beifahrersitz neben Patrick.

»Mm, das riecht gut«, sagte sie und schnupperte nach hinten. »Sie sind also Jens Claasen?«

»Nein, Jens ist mein Freund. Er hat sich den Fuß verletzt, deshalb habe ich dieses Dinner übernommen.«

»Nett von Ihnen«, kommentierte sie und öffnete das Seitenfenster.

Es war Sommer, der Fahrtwind war angenehm. Da ihr warm war, hob sie das Haar mit einer hübschen, natürlichen Bewegung.

Patrick bemerkte es, genauso, wie er bemerkte, dass sie nach Wind und Sonne roch und – wenn ihn nicht alles täuschte – nach Terpentin. Hatte sie etwas mit Malen zu tun?

»Da entlang!«, rief sie plötzlich, weil er einen Seitenweg übersehen hatte, der hinter einer dicken Buche neben einem hohen Kornfeld verborgen lag. »Der Weg endet genau vor den Scheunen des Gutes, früher wurde er von den Erntewagen benutzt.«

Patrick bog auf den Weg ab.

»Wenn Sie so viel wissen, erzählen Sie mir doch etwas über die Gastgeber heute Abend«, forderte er sie auf. »Es sind doch die Elfenberg-Schwestern, nicht wahr? Die jungen Frauen, die reich, klug und schön sind, aber nach dem Willen des Vaters nicht heiraten sollen, weil sie sonst enterbt werden. Eine recht seltsame Einstellung, die der Vater hatte.«

»Finden Sie? Ich glaube, der alte Herr meinte, dass man in einer Ehe nur unglücklich werden kann – und vermutlich wollte er so seinen Töchtern die Mitgiftjäger vom Hals halten.«

»Wie das?«, wollte Patrick wissen, der sich gerade fragte, wie hoch die Achse eines Erntewagens lag und ob dieser Schleichweg jemals von einem Auto benutzt worden war.

»Wenn man eine Frau nicht heiraten kann, kann man ihr Geld auch nicht erben«, erklärte seine Beifahrerin. »Solange die drei Schwestern nicht heiraten, schwimmen sie im Geld.« Sie wandte sich ihm zu. »Sind Sie jemals in Geld geschwommen?«

Erheitert lachte Patrick auf.

»Sehe ich wie Dagobert Duck aus? Im Ernst, ich wollte es gar nicht. Übrigens wüsste ich eine Lösung für das Problem dieser drei Schwestern.«

Die junge Frau wandte den Blick wieder ab.

»Die Schwestern haben keine Probleme, sie genießen das Leben. Aber wo wäre da eine Lösung?«

»Sie müssten doch nur einen reichen Mann heiraten.«

Seine Beifahrerin lachte seltsam bitter auf.

»Reiche Männer wollen reiche Frauen heiraten – und auch keine Frauen, die ihr Vermögen durch die Hochzeit verlieren.«

Patrick warf ihr einen skeptischen Blick zu. Sie sah plötzlich traurig aus, jedenfalls trauriger als vorhin, als sie die Autopanne hatte.

»Sind Sie da so sicher?«, erkundigte er sich.

»Ja, absolut. Aber ich glaube nicht, dass Sie nachempfinden können, was in einem reichen Mann vor sich geht.«

»Aber Sie können es, Sie nette, kleine Serviererin – wo ist überhaupt Ihre Schürze?« Er zeigte mit dem Kopf auf die Ledertasche, der dieser Terpentingeruch entströmte. »Hoffentlich nicht da drin.« Da die junge Frau ihn immer noch verständnislos musterte, fuhr er fort: »Jens hat von drei Hilfskräften gesprochen, die in hübschen weißen Schürzen …«

»Und was soll ich mit dieser Schürze tun?«

»Mir beim Aufbau des Büfetts helfen natürlich! Und später die Gäste bedienen.«

»Die Schürze bekomme ich bestimmt auf dem Gut«, beruhigte sie ihn. Sie lehnte sich im Sitz zurück und schien vollkommen entspannt zu sein.

Die Landschaft hatte sich wieder geweitet, links und rechts zogen sich lang gestreckte Felder hin.

Patrick und die junge Frau fuhren an einer Gruppe von drei mächtigen Kastanienbäumen vorbei. Das seitlich fallende Sonnenlicht flirrte durch die Baumkronen. Das dunkle Grün der Blätter, das Gelb des reifen Kornes, der blaue Himmel … Am liebsten hätte Patrick den Wagen angehalten, um diese Landschaft in sich aufzunehmen. Es musste herrlich gewesen sein, hier früher auf Erntewagen in den Gutshof zurückzuschaukeln und, hoch oben auf dem Heu liegend, den Wolken nachzuschauen, die über einem vorbeizogen.

»Schön«, meinte Patrick.

»Nett, dass Sie das merken.« Die junge Frau lächelte ihm zu. »Ich finde es auch schön. Jedenfalls habe ich keine große Lust auf dieses Fest. Ich mag diese Leute eigentlich gar nicht.«

»Sie müssen Sie ja nicht mögen, Sie sollen sie ja nur bedienen«, erklärte er etwas gönnerhaft.

Am liebsten hätte er ihr jetzt beruhigend mit der Hand auf die Schulter...



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