E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten
Reihe: Via dell'Amore
Gregorio Alles Glück beginnt auf Capri
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8437-3595-7
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Liebesglück auf der romantischsten Insel Italiens
E-Book, Deutsch, Band 2, 320 Seiten
Reihe: Via dell'Amore
ISBN: 978-3-8437-3595-7
Verlag: Ullstein Ebooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roberta Gregorio wurde 1976 im schönen Fürstenfeldbruck in Bayern geboren und ist dort direkt an der Amper aufgewachsen. Auch heute lebt sie mit ihrer Familie am Wasser, nur nicht mehr am Fluss, sondern am Meer, genauer in Süditalien. Gleich geblieben ist ihre große Leidenschaft für Worte, Texte und Manuskripte. Wenn sie nicht schreibt oder liest, übersetzt sie auch gerne. Braucht sie trotzdem mal eine kurze Pause, dann geht sie an den Strand und lässt die Seele baumeln, denn die Sache mit dem Dolcefarniente, die kann sie besonders gut.
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Kapitel 1
Es war ein wundervoller, sonniger Morgen auf Capri. Von Letizias Balkon aus war das Meer zu sehen. Es hatte auch an diesem Tag eine ganz besondere Farbe. So eine Mischung aus allen Schattierungen von Blau und Grün.
Türkis?
Ja und nein.
Letizia wusste selbst nicht so recht, welche Bezeichnung am besten passte. Sie wusste nur, dass ein Blick darauf wie Balsam für ihre Seele war. Noch mehr, da das Meer sich an diesem Tag so hübsch bewegte, dass es den Wellen weiße Krönchen aufsetzte. Krönchen bis zum Horizont, Krönchen ins Unendliche. Ein Anblick, der sie immer wieder aufs Neue erfüllte. Sie war mit dem Meer groß geworden. Daran sattsehen konnte sie sich aber nicht.
, sagte Liberato, ihr Nachbar, der mit seiner Familie den Sommer über das Häuschen ihr gegenüber bewohnte. Anders als Letizia hatte er eine Dachterrasse, die zu dieser Uhrzeit exklusiv von ihm genutzt wurde. Seine Frau Anna und die beiden Söhne frühstückten lieber in der Küche, wie er Letizia mal erzählt hatte. Nicht so Liberato, der mit seinem ersten an diesem Tag dasaß und verträumt den Ausblick genoss.
Letizia war ein bisschen stolz, dass Meer für so viel Entzücken sorgte. Sie verstand ihn gut …
Nun nickte sie und winkte ihm. Der Wind rüttelte sanft an ihrem Rock, schob ihr ein paar lose Locken ins Gesicht und transportierte hoffentlich auch ihren Gruß direkt zu Liberato.
Letizia gab sich schließlich einen Ruck, pflückte eine noch unreife Zitrone von dem Bäumchen, das schon seit mindestens sechs Jahren im großen Terrakotta-Topf auf ihrem Balkon wuchs. Sie musste es aus Platzgründen immer wieder stutzen, und irgendwann würde sie sich schweren Herzens davon trennen müssen. Bäume waren nicht geschaffen für ein Leben auf Balkonen.
Sie schlüpfte durch das Balkonfenster zurück in die Küche und warf ihrer Schwester die Zitrone zu, um die sie sie gebeten hatte. Angelina trank ihren Tee morgens immer mit einer Scheibe davon. Doch jetzt blickte sie nur gelangweilt der Frucht hinterher, die durch die Luft flog und mit einem dumpfen Aufprall gegen die Küchenwand schlug, auf den Boden plumpste und sich noch ein paarmal auf den hellen Fliesen mit farbenfrohem Muster im Kreis drehte, bevor sie liegen blieb.
»Fangen wäre keine schlechte Idee gewesen«, bemerkte Letizia, bückte sich ächzend, um die noch grüne Zitrusfrucht aufzuheben und zu waschen. Das Waschbecken war noch aus Nonnas Zeiten, ein großes, tiefes Ding aus weißer Keramik, für das Leute heutzutage ein Vermögen ausgeben würden. Es trug Spuren der Zeit, war fleckig, aber auch eines der Stücke, die sie an Nonna sowie an ihre geliebte Mamma erinnerten. Letizia schluckte.
Mamma …
»Du hättest sie mir auch einfach überreichen können«, antwortete Angelina, holte damit Letizia aus ihren tristen Gedanken, blickte sie dabei aber gar nicht an. Angelina war jetzt vertieft in ihre Lektüre, saß mit angewinkelten Beinen am ausladenden Küchentisch in ihrem übergroßen Schlafshirt und der obligatorischen Strickjacke, die sie sich stets um den Körper wickelte. Ganz egal, zu welcher Jahreszeit. Ihre langen schwarzen Haare waren locker in einem hohen, unordentlichen Pferdeschwanz zusammengebunden. Im Gegensatz zu Letizias Locken war Angelinas Haarpracht so glatt wie schillernde Seide.
Blass und dürr war Angelina. Manchmal konnte Letizia gar nicht hinsehen, so krank sah sie aus. Sie drehte sich auch an diesem Morgen weg, wie sie es immer tat, schnitt die Zitrone auf, legte eine Scheibe in Angelinas Tee und reichte ihr die Tasse.
»Hast du …«, setzte Letizia an.
Angelina legte sofort ihr Buch weg und zeigte mit dem Zeigefinger auf Letizia, die vorsichtshalber die Tasse doch lieber wieder abstellte.
»Nein. Nein, nein, nein …«, wiederholte Angelina mit einem genervten, aber auch drohenden Ton. »Du wirst mich jetzt nicht schon wieder fragen, ob ich meine Tabletten genommen habe!« Sie stand sogar auf und wedelte mit den Händen. Eine Angewohnheit, die sie schon als Kind gehabt und nie abgelegt hatte.
Letizia ging mit beschwichtigenden Armbewegungen auf sie zu. »Schon gut, tut mir leid.«
»Ich wünschte, ich könnte sie vergessen, diese bescheuerten Tabletten. Aber meinst du, ich kann das? Hm?« Die Wut hatte Angelinas Wangen eine hübsche Röte verliehen.
Doch obwohl es lebendig aussah, sorgte Letizia sich nur noch mehr. Sie stellte sich nah zu ihrer Schwester, nahm deren Hände in ihre, blickte ihr in die Augen. Angelina war einen Kopf kleiner, jünger und Letizias einzige Familie. »Es tut mir leid. Kannst du dich jetzt beruhigen?«, fragte sie sanft.
Ein paar Sekunden lang sahen sie sich stumm an. Letizia hatte einen Hundeblick aufgesetzt, und Angelina versuchte, nicht zu lachen. Sie wussten natürlich beide, dass alles gut werden würde. Kein Streit würde sie auseinanderbringen. Nie im Leben.
Als Angelina gerade etwas erwidern wollte, klopfte es an der Tür. Letizia bot sich an, aufzumachen, musste dafür über eine steile Treppe mit hohen Stufen in das Erdgeschoss. Dort hingen im kleinen Eingangsbereich unzählige Mobiles, die Angelina aus Strandgut anfertigte. Sie behauptete immer, dass sich darin die Seelen der guten Geister verfingen. Und manchmal, wenn ein Windhauch in der Nacht daran rüttelte, fragte Letizia sich, ob ihre Schwester nicht recht hatte.
Unten öffnete sie die schwere Holztür, die sie erst im letzten Sommer hellblau gestrichen hatte. Donatello stand vor ihr. Einer von Liberato und Annas Söhnen, der in etwa so alt war wie Angelina. Er kam immer mal wieder vorbei. Oft brachte er Angelina seine gelesenen Bücher. Sie kannte ihn zwar schon, seit er ganz klein war, aber die Freundschaft war erst in diesem Sommer so richtig aufgeblüht. Letizia hätte sich nicht mehr darüber freuen können. Ihre Schwester brauchte genau das: einen normalen Umgang mit Gleichaltrigen.
, grüßte er mit einem Grinsen und hielt ihr ein zerfleddertes Buch entgegen – als wäre es seine Eintrittskarte. Letizia nahm es und konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Er sah ein bisschen wie ein Teenager aus, der sich durch einen Zauber in einen Erwachsenen verwandelt hatte, dabei aber noch immer etwas Schelmisches an sich hatte. Donatello hatte die Zerstreutheit seines Vaters und die Schönheit seiner Mutter geerbt. Mit seinen dunklen Haaren, feinen Gesichtszügen und den beinahe schwarzen ernsten Augen war er ein Hingucker, auch wenn er es gar nicht zu merken schien.
»Komm rein, Angelina ist in der Küche oben«, bot sie ihm an. Und schon war er weg. Mitsamt Buch, das er sich wieder geschnappt hatte.
Letizia schloss die Tür und verharrte einige Augenblicke lang so, angelehnt an den Türrahmen. Manchmal war ihr alles zu viel, manchmal wünschte sie sich ein einfacheres Leben. Aber dieses Gefühl, komplett ausgelaugt zu sein, dauerte zum Glück immer nur wenige Sekunden an. Auch an diesem Tag schüttelte Letizia alle Sorgen von sich, rief ihrer Schwester ein »bis später« zu, nahm die Handtasche vom Haken und machte sich auf zu Mario, dem Lebensmittelverkäufer, dessen gleich an Capris berühmter Piazzetta in der Via Roma lag und der dort allerhand Leckeres und Landestypisches verkaufte. Es war nur ein Katzensprung von ihrem Haus zur Piazzetta, aber ein Tourist würde sich vermutlich verirren. Zumindest die ersten paar Mal. Das Wirrwarr an Gassen, treppauf, treppab, war nicht einfach zu durchschauen. Außer man war wie Letizia in der mittelalterlichen Altstadt geboren.
Ja, sie war ein Inselkind, und sie liebte Capri. Doch manchmal, und in letzter Zeit immer öfter, wurde es ihr zu eng.
Der Kontrast, sobald Letizia aus dem Teil der Insel, der eher von den Einheimischen frequentiert wurde, auf die komplett touristische Piazzetta trat, war meist sehr stark. Wie ein bebender Applaus nach einem Ave-Maria. Nicht unangenehm, eher überraschend, laut und bewegend. Der Andrang hatte in den letzten Jahren sogar noch zugenommen, sodass der kleine Marktplatz manchmal so voll war, dass man nur stehen oder schieben konnte. Noch war es überschaubar, weil die Tagestouristen so früh am Morgen erst allmählich an Land kamen. Die Piazza war natürlich trotzdem bereits gut besucht, die Tische vor den Bars rundherum besetzt mit heiteren Menschen aus aller Welt, die unentschlossen schienen, ob sie sich von der Sonne wärmen lassen oder sich lieber vor ihr schützen wollten. Und je mehr Letizia sich umblickte, umso besser wurde ihre Laune. Sonnenbrillen, Sommerkleider, Sonnenhüte. Lachen, Singen, Tanzen. Sonnencreme, Parfum, Zitronenduft. Wie glücklich sie alle aussahen! Und was für eine Lebensfreude! Diesem locker-leichten Sommergefühl konnte selbst Letizia sich nicht entziehen. Sommer auf Capri war der Moment, in dem alles möglich erschien, alles strahlte, die Magie sich entfaltete.
Angesteckt von der guten Laune, erreichte Letizia Marios Lebensmittelladen. Rechts davor hingen getrocknete Peperoncini, feuerrot, links davon wuchs ein Bougainvillea-Strauch das Gebäude empor und sah mit seinen prächtigen pinkfarbenen Blättern aus wie ein nie...




