Greig | Ein karibisches Märchen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

Greig Ein karibisches Märchen


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-7339-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 130 Seiten

Reihe: Digital Edition

ISBN: 978-3-7337-7339-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf einer Kreuzfahrt in der traumhaften Karibik möchte der reiche Manager Ryan Daniels die widerspenstige Laura verführen. Hier könnte er sie auch vor der Gefahr schützen, in der sie sich befindet, und ihr endlich seine Gefühle gestehen. Wenn sie es zulässt ...

Greig Ein karibisches Märchen jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


2. KAPITEL

Am nächsten Morgen erwachte Laura in einem unbekannten Zimmer. Ein junges Mädchen in der Uniform einer Bediensteten stellte ein Teetablett auf den Nachttisch neben Lauras Bett. Da erinnerte sie sich wieder – das elektronisch gesteuerte Tor, das sich lautlos hinter dem Mercedes geschlossen hatte und vor ihnen der Daniels-Sitz mit seinen schattigen Umrissen aufgetaucht war. Trotz ihrer Verwirrung und Aufregung waren Laura die diskret versteckten Kameras nicht entgangen, die die Auffahrt überwachten.

„Mr Ryan möchte mit Ihnen gemeinsam frühstücken. Haben Sie irgendwelche Vorlieben?“, fragte das Mädchen.

„Wie bitte? Oh, nur Orangensaft.“ Laura warf einen Blick auf den Wecker. Es war gerade sieben Uhr.

„Frühstückt Mr Daniels immer um diese Zeit?“, erkundigte sie sich. Das bestätigte lediglich ihren Eindruck, dass er ein Workaholic war.

„Normalerweise ist er um diese Zeit bereits im Büro“, meinte das Mädchen ehrfürchtig. „Er arbeitet sehr hart.“

Laura konnte sich unschwer vorstellen, dass er einer von diesen unermüdlichen Geschäftsmännern war, der jede Minute seiner Arbeitszeit nutzte, um gewinnbringende Abschlüsse zu tätigen. Schon der bloße Gedanke daran ermüdete sie.

Nachdem sie geduscht und sich angezogen hatte – sie trug eine schwarze Hose aus feiner Wolle mit hoher Taille, ein Seidenhemd und eine dazu passende kirschrote Jacke –, fühlte sie sich für die Begegnung mit Ryan Daniels gewappnet.

„Guten Morgen“, begrüßte er sie. Sein Frühstück bestand aus einer Tasse Kaffee, sonst nichts.

„Guten Morgen.“

Lauras Orangensaft wurde sofort gebracht, zusammen mit einer Kanne frisch gebrühten Kaffee, den das Mädchen vor Ryan hinstellte.

Er war legerer gekleidet als am Tag zuvor, was darauf schließen ließ, dass er relativ entspannt aufgelegt war.

„Was hatten Sie für heute geplant?“

„Heute ist Samstag … Im Allgemeinen gehe da ich einkaufen und erledige den Haushalt“, antwortete Laura ein wenig zögernd. Diese häuslichen Details erschienen ihr etwas zu profan.

„Ich hatte eigentlich eher im Hinblick auf die Suche nach Ihrem Bruder gedacht“, sagte Ryan trocken.

Laura zog die Brauen zusammen. „Aber er ist übers Wochenende weggefahren … Ich wüsste nicht, wo ich anfangen sollte zu suchen.“

„Wo verbringt er denn normalerweise seine Wochenenden? Hat er irgendwelche Lieblingsorte?“

„Ja, aber …“

„Laura, wir müssen damit rechnen, dass Derek vielleicht nicht ganz aufrichtig gewesen ist.“ Ryans Ton war leicht ungeduldig. „Finden Sie es nicht seltsam, dass er Ihnen weder Telefonnummer noch Adresse hinterlassen hat, damit Sie ihn erreichen können?“

„Er ist ein großartiger Mann“, meinte sie. „Ich bin stolz auf ihn.“

Ryan presste gereizt die Lippen aufeinander.

„Sie weichen meiner Frage aus.“

„Nein, das tue ich nicht. Sie wollen mir zu verstehen geben, dass Derek in irgendetwas Undurchsichtiges verwickelt ist, und ich sage Ihnen, dass das nicht stimmt.“

„Also noch einmal von vorne“, stieß er zwischen den Zähnen hervor. „Wo in der Stadt würde Ihr Bruder hingehen, wenn er sich amüsieren will?“

Laura nippte an ihrem Saft und dachte nach. „Er geht gern ins Museum und in Kunstgalerien, solche Sachen.“

„Und was ist mit Freunden? – Hat er eine Freundin?“

„Ich glaube, ja. Ich habe gedacht, dass er dorthin gefahren ist. Aber er hat nie von einer besonderen Frau gesprochen. Und er hat auch nicht gesagt, wo er hin will.“

„Kein Name, keine Adresse, keine Ahnung …“ Ryans Unterton ließ keinen Zweifel daran, was er davon hielt. „Ihr nobler Bruder hält Sie nicht gerade auf dem Laufenden, nicht wahr? Wieso? Sind Sie etwa von der besitzergreifenden Sorte?“

„Bestimmt nicht.“ Laura sträubte sich zuzugeben, dass Dereks Verhalten gar nicht zu seinem sonstigen Wesen passte. Normalerweise sorgte er immer dafür, dass sie ihn erreichen konnte. „Derek ist ein sehr verantwortungsbewusster Mensch. Ich kann mir nur vorstellen, dass dieses Wochenende ein spontaner Einfall gewesen ist, und er wollte mir nichts Genaueres sagen, weil … nun, er ist der Meinung, dass er mir ein gutes Beispiel sein sollte …“

Ryan bedachte sie mit einem vernichtenden Blick. „Nur weil ich mich nicht dazu überwinden kann, Sie hinter Gitter zu bringen, heißt das noch lange nicht, dass Sie mir jede Geschichte auftischen können. Sie sind schließlich volljährig. Ich nehme es Ihnen nicht ab, dass Sie nicht schon eine ganze Reihe Liebhaber gehabt haben.“

Eine feine Röte überzog Lauras Gesicht, sie hielt die Wimpern gesenkt.

„Von einem Bett ins nächste zu hüpfen, ist nicht für jeden zwingend, Mr Daniels, was immer Sie denken mögen.“

Forschend musterte er sie mit einer Mischung aus Neugier und Ungläubigkeit. „Es gibt also keinen Mann in Ihrem Leben?“, beharrte er und ärgerte sich über sich selbst, dass er sein Interesse so deutlich zeigte.

„Nein.“

Er lachte kurz auf und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Das heißt, eine kleine Ecke in Catford befindet sich noch im viktorianischen Zeitalter, ja? Sie halten mich zum Narren.“

„Ich finde Sie zynisch“, entgegnete Laura ruhig. „Und Sie wissen doch, was man über Zyniker sagt?“

„Sagen Sie‘s mir.“

„Ein Zyniker kennt den Preis, aber weiß nichts über den Wert von Dingen.“

„So, tatsächlich?“, fragte er sanft. „Nun, Ihren Preis kenne ich jedenfalls. Ich muss mir nur noch überlegen, ob ich bereit bin zum Kauf.“ Damit erhob er sich und stand hoch über ihr. „Wir fangen mit der National Gallery an“, fuhr er fort. „Ein Kulturtrip an der Seite einer schönen Frau wird mir Spaß machen. Was Sie davon haben, weiß ich allerdings nicht.“

,Schmerzende Füße‘ lag ihr auf der Zunge, aber sie besann sich rechtzeitig. Es war sicher nicht hilfreich, Ryan Daniels noch weiter gegen sich aufzubringen. Ein Teil von ihm wollte ihr offenbar glauben, wobei Laura sich bewusst war, dass er sich für seine Neigung, ihr zu vertrauen, verachtete. Nie zuvor in ihrem Leben war ihr so sehr daran gelegen gewesen, ihre Integrität zu beweisen, und daher kam sie seinen Wünschen ohne weitere Einwände nach.

Da Laura gewiss war, dass Derek seine üblichen Lieblingsplätze nicht aufsuchen würde, wenn er gesagt hatte, dass er am Wochenende wegfahren würde, empfand sie den Tagesplan als überflüssig. Sie ging davon aus, dass er vollkommen arglos zurückkehren würde, ohne die geringste Ahnung von dem, was ihn hier erwartete. Das sagte sie Ryan, während sie am Themseufer entlanggingen.

„Es ist also alles bloß reiner Zufall?“ Er warf ihr einen spöttischen Seitenblick zu.

Laura fröstelte in dem scharfen Ostwind.

„Ja, ganz genau.“ Ihr Vertrauen in ihren Bruder war grenzenlos, und da Ryan merkte, dass es sinnlos war, mit ihr zu diskutieren, rief er den Wagen.

„Wohin als Nächstes?“ Er blieb unbarmherzig. „Wollen Sie nach Hause fahren?“

„Nach Hause?“ Verständnislos sah sie ihn an.

„Zu Ihrer Wohnung. Sie scheinen sich in Mayfair rasch einzugewöhnen.“

Laura bedachte ihn mit einem abweisenden Blick. „Falls Sie sich erinnern, haben Sie meine Wohnung als verbotene Zone deklariert.“

„Nur, wenn Sie dort allein sind. Ich garantiere Ihnen, mit mir sind Sie sicher.“ Der Blick, den sie ihm daraufhin zuwarf, brachte ihn zum Lächeln. „Was für eine Gefahr sehen Sie in mir, Laura?“

Die Frage traf sie völlig unvorbereitet. Offen sah sie ihm in die Augen und bereute es sofort wieder. Zwar war sie an Anspielungen von männlicher Seite gewöhnt, aber etwas in seinem Blick besaß einen gefährlichen Reiz.

„Wahrscheinlich finden Sie die Vorstellung, dorthin zurückzugehen, ein wenig einschüchternd.“ Ryan strich ihr besänftigend übers Haar, dessen üppige, seidige Fülle eine ausgesprochen verführerische Wirkung auf ihn hatte.

„Schon gut.“ Sie spürte, wie er begann, sie mit den Fingern an ihrem Ohr zu streicheln. „Würden Sie die Güte haben, Ihre Hände bei sich zu behalten?“, fuhr sie ihn an.

Spöttisch presste Ryan die Lippen zusammen und verschränkte die Arme hinter seinem Rücken.

Die Fahrt zu Lauras Wohnung verlief in gespannter Stimmung. Laura zumindest fühlte sich von Ryans totaler Selbstsicherheit erdrückt. Im Vergleich zu der Umgebung Mayfairs wirkte Catford relativ schäbig.

Laura ging voraus nach oben, und zum ersten Mal störten sie die leeren, fleckigen Milchflaschen auf der Treppe und die verstreuten Werbebroschüren, die im Treppenhaus herumlagen. Es verursachte ihr ein deutliches Unbehagen, dass sie ihrer Wohnumgebung auf einmal solch kritische Gefühle gegenüber entwickelte, und sie wünschte, Ryan Daniels wäre im Auto geblieben.

Sie hatten den Treppenabsatz direkt unterhalb ihrer Wohnungstür erreicht, und ein kalter Schauer überlief Laura. Ryan schob sich energisch an ihr vorbei, nahm die letzten drei Stufen im Sprung und betastete prüfend das gesplitterte Holz rund um das Türschloss.

„Gehen Sie zum Wagen zurück“, befahl er.

„Ich denke ja gar nicht daran!“, widersprach sie und trat neben ihn. Sie war außerstande, ein Schluchzen zu unterdrücken. Die Wohnung war ihr gemeinsamer Zufluchtsort gewesen. Als ihre Eltern starben und Derek im Alter von neunzehn Jahren plötzlich zum Familienoberhaupt geworden war, hatte er für Laura...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.