Grey | WILD CROW - Die Rache der Weißen Witwe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Die Wild Crow-Reihe

Grey WILD CROW - Die Rache der Weißen Witwe


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-21670-2
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 3, 304 Seiten

Reihe: Die Wild Crow-Reihe

ISBN: 978-3-641-21670-2
Verlag: cbt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Junge, der mit den Raben fliegt

Caw hat den Spinnen-Mann besiegt und die Herrin der Fliegen entmachtet. Doch nun droht ein neuer, der schrecklichste aller Feinde. Die Weiße Witwe hat nur ein einziges Ziel: Caw und seine Raben zu vernichten und die Stadt Blackstone unter ihre Herrschaft zu bringen. Das bedeutet Tod und Verderben für alle ihre Bewohner. Alle, die Caw am liebsten sind, befinden sich in tödlicher Gefahr. Werden Caw und seine Raben sie auch diesmal noch beschützen können?



Von dem geheimnisvollen Jacob Grey ist wenig bekannt. Angeblich lebt er in den USA in einer großen Stadt, wo er nachts durch die Straßen streift, immer auf der Suche nach neuen dunklen und wunderbaren Geschichten. Er liebt alle Tiere, und ebenso wie sein Held spricht er mit Raben — aber niemand weiß, ob er ihre Antworten versteht.

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Erstes Kapitel

Die haben ja keine Ahnung, dachte Caw. Keinen Schimmer, dass sie in höchster Gefahr schweben.

Er zog den Kragen hoch, obwohl er bereits bis auf die Haut nass war, und ließ den Blick über die Straße schweifen. Wegen des abscheulichen Wetters war es ruhig, nur wenige Menschen gingen ihren Geschäften nach. Ein Mann in einem schwarzen Anzug aß unter einer tropfenden Markise ein Sandwich und Autos schossen über die glatte Straße. Ein Junge lief an der Hand seiner Mutter in ein Schuhgeschäft, um sich vor der Sintflut in Sicherheit zu bringen.

Obwohl es seit Tagen regnete, machten die Wolken nicht den Eindruck, als könnten sie jemals austrocknen. Die Straßen konnten kein Wasser mehr aufnehmen und das Dach, auf dem Caw stand, war voller Pfützen. Er sah auf die Schuhe herunter, die er aus einem Altkleidercontainer gefischt hatte. Sie waren schon längst völlig durchweicht und seine Zehen schmatzten beim Gehen, doch Caw war schon so oft bis auf die Haut nass geworden, dass es ihm nichts mehr ausmachte. Da er in einem Rabenhorst, einer Art Baumhaus, im Blackstone-Park aufgewachsen war, hatte er viele Stürme überstanden, die über die Stadt hinweggefegt waren und seine schützende Plane abgerissen hatten. Wenn sie das Loch nicht reparieren konnten, hatten Caw und seine Raben sich dicht an den Boden gekauert, schutzlos dem peitschenden Wind und Regen ausgesetzt. Er hatte es gehasst, doch er hatte sich immer darauf verlassen, dass es wieder aufhören würde.

Ich habe vergessen, wie die Sonne aussieht, sagte Screech. Caws jüngster Rabe saß mit auf dem Dachvorsprung und plusterte sich auf, um sich gegen den Regen zu schützen. Die beiden anderen Vögel hockten neben ihm.

Sollen wir nicht lieber nach Hause fliegen?, fragte Glum hoffnungsvoll. Er hielt den Schnabel auf die Brust gedrückt und die Augen geschlossen.

Schimmer legte den Kopf schief. Hört auf zu jammern, sagte sie. Das bisschen Wasser schadet nicht.

Passanten auf der Straße würden die drei Raben nicht beachten, dachte Caw. Und nur Wildstimmen wie er selbst würden bemerken, dass er die Vögel verstehen konnte.

»Crumb will, dass wir hier warten, während er die Bank überprüft«, sagte Caw und wies mit dem Kopf auf das Gebäude auf der anderen Straßenseite.

In Blackstone gibt es zwanzig Banken, sagte Glum. Die Chance, dass sie sich ausgerechnet diese aussuchen, ist gering.

Caw zuckte die Achseln.

Ich kann runtergehen und nachsehen, wenn du willst, sagte Schimmer und hüpfte unruhig hin und her.

Caw dachte darüber nach. Möglicherweise befanden sich dort unten ihre Feinde; ein Rabe, der sich auffällig verhielt, könnte sie warnen.

Stattdessen überlegte er, ob er Schimmer ins Krankenhaus schicken sollte, damit sie durchs Fenster Selinas Zustand begutachtete. Wenigstens hätte sie dann etwas zu tun. Sie mochte die Tochter der Fliegenflüsterin nicht sonderlich, doch sie würde ihm gehorchen. Außer Caw hatten alle Vorbehalte gegen das Mädchen. Doch Selina Davenport lag seinetwegen im Krankenhaus, denn sie hatte sich in den Lauf einer Kugel geworfen, um ihm das Leben zu retten.

Seit der Schlacht auf dem Dach über der Wohnung der Polizeipräsidentin Cynthia Davenport vor zwei Wochen lag Selina bewusstlos in der Klinik von Blackstone. Die Ärzte wussten nicht, warum sie nicht aufwachte, und glaubten an eine Infektion. Caws Freund Crumb, der Taubenflüsterer, war der Meinung, dass es besser wäre, wenn sie nie wieder aufwachte. Caw sagte nichts dazu, denn Selina war seine Freundin. Sie hatte zu ihm gehalten, als es am meisten zählte.

Hallo?, fragte Schimmer. Was meinst du, Boss? Ich kann den Häuserblock abfliegen. Dabei sieht mich keiner.

»Okay«, sagte Caw. »Aber pass auf.«

Schimmer glitt mit ausgebreitetem Gefieder in einen langsamen Sinkflug und verschwand aus seinem Gesichtsfeld. Caw nahm sich vor, später Glum ins Krankenhaus zu schicken. Er hoffte jeden Tag auf gute Neuigkeiten.

Als er ein Quieken hörte, entdeckte er hinter sich Pip, den jungen Mäuseflüsterer, der mit dem schlaksigen Crumb die Feuertreppe hinaufstieg.

Höchste Zeit, sagte Glum.

Crumb hielt einen zerschlissenen Schirm hoch und Pip blieb dicht bei ihm, während sie übers Dach huschten.

Mit einem unbeholfenen Hüpfer landete eine Taube neben Crumb.

»Halte weiter Ausschau, Bobbin«, sagte der Taubenflüsterer. Trotz des Schirms hing ihm das Haar in nassen Strähnen ins Gesicht und Regentropfen perlten in seinem struppigen Bart. »Wir sind am richtigen Ort.«

Caw blickte über die Straße auf die elegante dreistöckige Sparkasse von Blackstone. »Woher willst du das wissen?«, fragt er. »Alles sieht ganz normal aus.«

»Der Direktor ist eine Wildstimme«, erklärte Pip eifrig. Der Mäuseflüsterer hatte die Augen unter der Kapuze seines Regenmantels weit aufgerissen. Der Mantel war ihm mindestens drei Größen zu groß und ging ihm bis zu den Knien.

Crumb nickte. »Pickwick – der Spatzenflüsterer. Wahrscheinlich haben die ausgebrochenen Gefangenen sich deshalb für diese Bank entschieden – sie holen sich das Geld und rächen sich an den Wildstimmen, die sie aufhalten wollten.«

Caws Herz schlug schneller. Er wusste, wie brutal ihre Feinde waren, denn erst vor wenigen Wochen hatte die Herrin der Fliegen die gefährlichsten Gefangenen freigelassen und sie mit Hilfe des Mitternachtssteins zu einer Armee neuer Wildstimmen geformt. Sie hatte jedem einzelnen eine eigene Tierart zugewiesen, die sie als Gegenleistung für ihren Gehorsam befehligen durften.

Obwohl Caw die Polizeipräsidentin besiegt hatte, waren ihre Wildstimmen noch auf freiem Fuß. Die Stadt wurde von einer Welle des Verbrechens überschwemmt, hundertfach verschärft durch die neuen Wildstimmenkräfte der Kriminellen. Diebstahl, Körperverletzung, Vandalismus … In den Zeitungen erschienen Berichte, dass Tiere an den Tatorten gesichtet worden waren – ein Schwarm Geier war über das Rathaus gezogen, eine Waschbärenplage hatte das Kino heimgesucht –, doch die Polizei hatte keine Schlüsse daraus gezogen. Caw konnte es den Beamten nicht verübeln, sie wussten nichts von der Existenz der Wildstimmen.

An diesem Morgen hatte ein Einbruch im Kasino zwei Wachposten das Leben gekostet. Die Fleischwunden an ihren Kehlen wiesen auf Lugmann, die neue Pantherwildstimme. Es war pures Glück gewesen, dass zwei von Pips Mäusen vor Ort gewesen waren und belauscht hatten, dass man eine Bank überfallen wollte.

Caw ballte die Fäuste. Je besser die Verbrecher mit der Zeit ihre Kräfte meisterten, umso tödlicher würden sie. Jemand musste sie aufhalten.

»Sollen wir den anderen Bescheid sagen?«, fragte Caw. Mrs Strickham und die anderen guten Wildstimmen hatten überall in Blackstone Position bezogen und bewachten sämtliche Banken.

Crumb schüttelte den Kopf. »Es ist immer noch möglich, dass sie es auf eine andere Bank abgesehen haben. Ich fürchte, das müssen wir auf die eigene Kappe nehmen.«

»Pickwick ist aber bereit?«, fragte Caw mit einem Blick auf seine Waffe, das Rabenschwert. Das Schwert mit der kurzen schwarzen Klinge, das in der Rabenlinie vererbt wurde, hing an seiner Seite. Die Scheide hatte er selbst aus den Resten eines alten Lederbeutels gefertigt.

»Ein Kämpfer ist er nicht, unser Pickwick«, antwortete Crumb. »Er spricht sogar kaum noch mit seinen Vögeln. Immerhin wird er alle unbeteiligten Kunden in Sicherheit bringen.«

Caw fand es sonderbar, wenn eine Wildstimme ihre Kräfte nicht nutzte und ein ganz normales Leben führte. Sein eigenes Leben war alles andere als das.

Schimmer kehrte mit einem alarmierenden Krächzen zurück.

Sie kommen!, rief sie. Ein schwarzer Lieferwagen, hält fünf Häuserblocks östlich an einer Ampel.

»Gut gemacht«, sagte Caw und wandte sich an Crumb und Pip. »Gleich sind sie da.« Sowie Crumb eine ausladende Geste machte, kamen mehrere Tauben von den Nachbarhäusern angeflogen. Pip beugte sich über die Dachkante, als Caw von der Straße einen lauten Schrei hörte. Ein Blick nach unten zeigte, wie sich ein kleines Mädchen in die Arme seiner Mutter flüchtete. Als eine Schar Mäuse aus einer Regenrinne krabbelte und über die Straße sauste, wichen die Passanten zurück.

Pip grinste. »Wer braucht schon einen Panther, wenn man ein, zwei Mäuse hat?«

Mit einer flinken Geste schickte er die Mäuse auf die Treppe vor der Bank. Mit der gesammelten Masse ihrer vielen Körper öffneten sie die Automatiktüren und flitzten hindurch. Schreiend rannten die Kunden nach draußen, gefolgt von einem kleinen grauhaarigen Mann, der Anzug und Brille trug und sich fortwährend leise entschuldigte. Dann hob er den Kopf zum Dach und salutierte unauffällig.

Crumb nickte zurück. »Gehen wir runter.«

»Holt die anderen«, sagte Caw zu Screech, und die Raben schwangen sich in die Luft, während er zur Feuerleiter hastete. Als er das Geländer packte und nach unten rutschte, schoss Adrenalin durch seine Adern. Nachdem er hart mit den Fersen auf der nächsten Plattform angelangt war, lief er zur nächsten Treppe und erreichte auf diese Weise innerhalb von Sekunden den Bürgersteig. Dann lief er über die Straße. Nach dem Mäuseüberfall und wegen des schlechten Wetters waren nun noch weniger Fußgänger unterwegs.

Mr Pickwick sah Caw kommen und kniff die Augen zusammen. »Tut mir leid, heute früher geschlossen«, sagte...


Grey, Jacob
Von dem geheimnisvollen Jacob Grey ist wenig bekannt. Angeblich lebt er in den USA in einer großen Stadt, wo er nachts durch die Straßen streift, immer auf der Suche nach neuen dunklen und wunderbaren Geschichten. Er liebt alle Tiere, und ebenso wie sein Held spricht er mit Raben — aber niemand weiß, ob er ihre Antworten versteht.

Brauner, Anne
Anne Brauner studierte Romanistik, Germanistik und Geschichte. Sie übersetzt seit vielen Jahren Literatur aus dem Englischen, Französischen und Italienischen.



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