E-Book, Deutsch, Band 4, 382 Seiten
Reihe: Tödliche Liebe und romantische Spannung der US-Bestseller-Autorin
Griffin Wer den Tod ruft
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2528-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 4, 382 Seiten
Reihe: Tödliche Liebe und romantische Spannung der US-Bestseller-Autorin
ISBN: 978-3-7517-2528-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wenn aus der Jägerin die Gejagte wird ...
Die FBI-Profilerin Elaina McCord ermittelt in ihrem ersten Fall: In einem idyllischen Badeort in Texas werden mehrere Leichen blutjunger Frauen gefunden. Ein Killer setzt sie erst unter Drogen und richtet sie dann auf brutalste Weise hin. Elaina entwirft ein präzises Täterprofil, welches auf einen seit Jahren aktiven Serienmörder passt - aber die örtliche Polizei ignoriert ihre Theorie. Lediglich der attraktive Krimiautor Troy Stockton glaubt der jungen Profilerin und verspricht ihr Unterstützung. Obwohl ihm sein Ruf als Frauenheld vorauseilt, fühlt Elaina sich zu Troy hingezogen und die beiden kommen sich gefährlich nahe. Aber kann sie ihm wirklich vertrauen?
'Ein spannender Thriller mit einem sexy Helden und einer sympathischen Protagonistin.' RT Book Reviews
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
Laura Griffin arbeitete als Journalistin, bevor sie sich entschloss, spannende Thriller für Frauen zu schreiben. Ihre Artikel sind in vielen Zeitungen und Zeitschriften erschienen, und sie gewann den »Booksellers Best Award 2008«. Laura Griffin lebt in Austin und schreibt derzeit an ihrem neuen Thriller.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Lito Island, Texas
26° 14.895 Nord, 097° 11.280 West
24 Stunden später
Auf der Wache war es ruhig. Verdächtig ruhig.
Elaina McCord fuhr auf den leeren Parkplatz und stellte ihren Wagen in der Nähe des Eingangs ab. Das schwache Lüftchen, das sie beim Aussteigen umwehte, ließ sie aufatmen. Für einen Augenblick blieb sie neben ihrem Ford Taurus stehen, um sich zu sammeln.
Das Nackenhaar band sie zu einem Knoten zusammen. Der Hosenanzug aus Polyester, den sie in einem Schnäppchenmarkt gekauft hatte, verbarg zwar den Pistolenhalfter, ließ aber keine Luft durch. Sie hätte sich etwas aus Seide spendieren sollen, aber als sie ihr Arbeitsoutfit zusammenstellte, hatte sie von Washington oder New York geträumt. Nie hatte sie auch nur den kleinsten Gedanken daran verschwendet, einmal in einer Stadt wie Brownsville, Texas, zu landen. Das Büro dort war eine Klitsche. Sie fühlte sich vollkommen fehl am Platz.
Heute allerdings zum ersten Mal nicht.
Denn Polizeichef Matt Breck von Lito Island hatte in Brownsville um bundesstaatliche Unterstützung in einer Mordserie gebeten. Wahrscheinlich erwartete er zwei altgediente Beamte mit Bürstenhaarschnitt, die in dunklen Anzügen steckten.
Stattdessen bekam er eine blutige Anfängerin in einem Donna-Karan-Imitat.
Sie rückte das Revers zurecht, sammelte sich innerlich, sperrte den Wagen ab und stieg ein halbes Dutzend Holzstufen hoch, wo ihr ein Schild verriet, was sie schon wusste.
Hier war niemand.
BIN BALD ZURÜCK. Die Zeiger der Pappuhr hatte jemand auf halb elf gestellt. Elaina sah zur Sonne hoch, die direkt über ihr stand und auf sie niederbrannte. Dann spähte sie durch die getönte Glastür. Alle Büros lagen im Dunkeln. Als ob das Polizeirevier dichtgemacht hätte.
Doch wo konnte man sich erlauben, ein Polizeirevier stillzulegen?
An welches Fleckchen Erde hatte das Schicksal sie da verschlagen?
Verärgert sah Elaina sich um. Hinter dem klitzekleinen Parkplatz verlief, umsäumt von hohen Palmbäumen, der Highway 106, den sie hier auch gern Lito Highway nannten, war er doch der einzige auf der Insel. Auf den ersten beiden Meilen drängten sich Motels, Restaurants und Surfshops dicht aneinander. Die restlichen zwanzig Meilen – ja, was war mit denen? Auf der Landkarte schien der Highway sich südlich der Stadt im Lito Island Nationalpark zu verlieren. Gras, Wasser und Sumpfland. Sumpfland – so weit das Auge reichte.
Oder war es eine Flussmündung? Wen interessierte das schon?
Eine verwitterte Holzterrasse umgab das vor sich hin dösende Polizeirevier. Elaina schlich vorsichtig nach hinten, sie wollte sich mit ihren niedrigen Absätzen nicht in den welligen Latten verheddern. Wie ein Spiegel reflektierte das weiße Haus aus Lehmziegeln die Sonne. Hinter dem Gebäude lag Laguna Madre, die Bucht, die Lito vom Festland trennte. Auf dem Wasser entstand plötzlich Unruhe.
Ein Boot fuhr auf die Küste zu. Entweder war das Revier sein Ziel oder die Anlegestelle daneben, die den vielversprechenden Namen Marina von Lito Island trug.
Das Boot kam näher. Elaina erkannte an seinem Bug ein offizielles Logo. Sie zählte vier Passagiere. Als sie an den fünften Passagier dachte, zog sich ihr Magen zusammen. Denn der lag auf dem Bootsboden. Davon war sie überzeugt.
Das Boot jagte am Polizeidock vorbei und beschrieb einen weiten Bogen, bevor es in den Yachthafen einfuhr. Das Kielwasser spritzte so hoch, dass ihre Schuhe nass wurden.
Als sie durch den dicken Teppich aus Büffelgras watete, der das Revier vom Hafen trennte, patschte es ganz ordentlich zwischen ihren Zehen. Der Parkplatz des Yachthafens war mit Pick-ups und SUVs vollgestellt, aber auch zwei Wagen der Polizei und einer der örtlichen Feuerwehr waren darunter.
Elaina spazierte um ein Gebäude aus Wellblech, vorbei an einem Mann mit lederner Haut, der eine Krabbenfalle schleppte, und an zwei Teenagern, die Eimer mit Fischköder trugen. Neben einem brummenden Colaautomaten stand ein Mann, der eine Zigarette rauchte und sie musterte. Ein anderer mit Bart und beginnender Glatze ließ sich durch ihren Anblick vom Abhacken eines Fischkopfs abbringen. Elaina ignorierte die neugierigen Blicke und richtete ihren Blick auf das Ende des Landungsstegs.
Dort raunzte der Bootskapitän – Polizeichef Breck? – einen Mann in Kakiuniform an. Der sprang vom Boot und band es mit einem Palstekknoten fest.
Zwei Männer in Uniform beugten sich gleichzeitig nach unten und hoben etwas vom Bootsboden auf. Sie hievten ein langes schwarzes Bündel auf den Landungssteg und legten es in der prallen Sonne ab. Als Letzter verließ der Kapitän das Boot.
Elaina fasste sich ein Herz. »Polizeichef Breck?«
Der Mann drehte sich sofort um, und ebenso schnell fixierte er sie mit Misstrauen. »Was wollen Sie?«
Sie blieb vor ihm stehen und blickte in seine verschlossenen braunen Augen.
»Zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentar«, sagte er schroff.
»Wie bitte?«
»Sie sind doch von der Presse?« Er sah flüchtig an ihr hinab, blieb an ihren nassen Hosenaufschlägen hängen und blickte wieder zurück in ihr Gesicht. »Oder sind Sie vom Fernsehen? Egal, im Moment kein Kommentar, also ...«
»Ich bin vom FBI.« Sie streckte ihm die Hand entgegen. »Special Agent Elaina McCord.«
Er zog die Augenbrauen so hoch, dass sie beinahe unter seiner Polizeimütze verschwanden.
»Sie haben doch heute Morgen in Brownsville angerufen und uns um Unterstützung gebeten.«
Verdutzt starrte er auf ihre ausgestreckte Hand.
Elaina zog die Hand zurück, während er sie noch einmal gründlich musterte. Sie blickte wieder auf den Leichensack. Daneben stand ein weißhaariger Mann in Straßenkleidung. Der Rechtsmediziner?
»Warum warten Sie nicht da drüben?« Breck zeigte auf das Gebäude. »Jemand wird sich bald um Sie kümmern.«
Elaina biss die Zähne zusammen und machte ein paar Schritte in die gewünschte Richtung. Sicher wäre es unklug, es sich gleich bei ihrem ersten Mordfall mit dem Polizeichef zu verderben. Sie verschränkte die Arme, während Breck ihr den Rücken zuwandte und mit seinen Officern sprach.
Rauch wehte zu ihr rüber. Neben dem Colaautomaten stand noch immer der Mann mit der Zigarette. Er lehnte lässig am Türrahmen. Sein durchdringender Blick jagte ihr eine Gänsehaut ein.
Sie sah weg.
Der Bärtige warf Innereien ins Wasser, um die sich die Seemöwen kabbelten. Ein riesiger brauner Pelikan kam angeflogen, schnappte ihnen die Beute weg und verschlang sie auf dem Kai.
Elaina sah sich um und machte sich im Kopf Notizen. Die Teenager waren verschwunden, der Krabbenfänger war noch da. Er starrte gebannt auf den Leichensack. Sie merkte sich sein Gesicht und hielt nach weiteren Schaulustigen Ausschau. Manche Täter liebten es nämlich, sich dort herumzutreiben, wo sie die Folgen ihrer Verbrechen beobachten konnten. Elaina zählte im Augenblick neun Zuschauer inklusive eines braun gebrannten Mannes Mitte zwanzig mit blonden Dreadlocks. Er trug kein Hemd und hatte den Arm um die Schultern einer jungen Frau gelegt. Auf beide schien das, was ihnen geboten wurde, eine makabre Faszination auszuüben.
Elaina sah auf die Uhr und stieß insgeheim einen Fluch aus. Breck und seine Männer standen immer noch mit zusammengesteckten Köpfen auf dem Pier. Die Minuten vergingen, eine nach der anderen, die Sonne schien weiter gnadenlos, und Elainas Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt.
Ein großer brauner Vogel war auf dem Pier gelandet und wackelte auf seinen spindeldürren Beinen zu dem Leichensack, um ihn zu untersuchen. Mit seinem sichelförmigen Schnabel stach er auf das Plastik ein.
Elaina rannte an den Männern vorbei und wedelte mit den Armen. »Scht! Scht!«, schrie sie und verjagte den Vogel.
»Wo verdammt bleiben die Beamten, die die Leiche abtransportieren?«
Breck sah sie schräg an. »Wer?«
»Die Leiche verschmort hier drin und mit ihr vielleicht wichtige Beweise.«
Breck stemmte die Hände in die Hüften. »Wir warten auf unseren Krankenwagen. Der ist am Strand von einem Unfall aufgehalten worden.«
Elaina atmete tief durch. Sie spürte, dass gut ein Dutzend Augenpaare sie durchbohrten. Sie richtete die Schultern auf und versuchte sich zu beruhigen.
»Wann wird er hier sein?«, fragte sie.
»Wenn er hier sein wird. Stimmt’s, Maynard?« Abrupt wandte sich Chief Breck einem seiner Beamten zu.
»Yes, Sir.«
»Bring Miss McCord ins Revier, damit sie etwas abkühlt.«
Sie ließen sie mehr als vier Stunden warten.
An Elaina war Brecks Rüffel abgeprallt. Stattdessen hatte sie Handy und Aktentasche aus ihrem Wagen geholt, ihre Papiere im Konferenzraum ausgebreitet und sie gewissenhaft durchgearbeitet, als wäre sie heute Morgen mit dem sehnlichen Wunsch aufgewacht, den Freitagnachmittag im Polizeirevier eines Provinznestes zu verbringen. Um halb sechs war sie dennoch mit ihrer Geduld am Ende. Sie war müde und hatte Hunger. Die stickige Luft quälte sie. Es gab nämlich keine Klimaanlage, sondern nur einen tragbaren Ventilator,...




