E-Book, Deutsch, Band 3012, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Grimm Perry Rhodan 3012: Totenschiff
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-6012-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Mythos"
E-Book, Deutsch, Band 3012, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6012-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Die Rückkehr von seiner letzten Mission hat ihn rund 500 Jahre weiter in der Zeit katapultiert. Eine Datensintflut hat fast alle historischen Dokumente entwertet, sodass nur noch die Speicher der RAS TSCHUBAI gesichertes Wissen enthalten. Was sich seitdem ereignet hat, ist Perry Rhodan bisher nahezu unbekannt, da es zu beinahe allem mehrere unterschiedliche Aussagen und Quellen gibt. Die Geschichte eines Geschwisterpaares kann dazu mehr verraten. Erstaunlicherweise ist aber ihr Leben eng verknüpft mit dem Tod, insbesondere dem TOTENSCHIFF ...
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4.
Ghabar
16. Mai 2020 NGZ
»Bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?« Odin sah Dva entgeistert an. Seine Reaktion wunderte sie nicht.
»Es ist unsere einzige Möglichkeit. Wer weiß, wann das Totenschiff zurückkehrt?«, antwortete sie unbeeindruckt und warf einen Blick auf die Zeitanzeige über der Tür. Sie mussten pünktlich starten.
»Totenschiff ...«, wiederholte Odin und blinzelte. »Das klingt richtig vertrauenerweckend.«
»Der Kapitän wird uns helfen«, versicherte Dva und sah erneut zu den blinkenden Ziffern. Die Zeit drängte. »Vertrau mir! Ich habe das Gespräch der Wächter belauscht. Sie sagten, der Kapitän des Schiffes würde gegen die richtige Bezahlung alles liefern.«
»Wir haben aber nichts, womit wir ihn bezahlen könnten«, erinnerte Odin sie, hob dabei die leeren Handflächen nach oben. »Wir sind im Prinzip nichts anderes als Gaivharis Gefangene.«
»Das können wir regeln, sobald wir an Bord sind.«
»Wieso erzählst du mir erst jetzt von deinem Plan?«, wollte Odin wissen. So leicht war er nicht zufriedenzustellen.
»Weil du sowieso Nein gesagt hättest«, antwortete Dva und zwinkerte ihm zu. Dann warf sie einen weiteren Blick auf die Zeitanzeige. »Aber jetzt hast du keine Wahl mehr. Der Wächter kommt.«
Wie jeden Tag kam der Wächter mit dem Essen pünktlich. Er war ein Mann mit leerem Blick, offensichtlich ein Mensch wie sie. Sie wusste nicht, wie er hieß, und sie hatte nie nach seinem Namen gefragt. Er war ihr so gleichgültig wie das Essen, das er ihnen brachte.
Gerade als er die Hand hob, um mit dem diskusförmigen Impulsgeber das Schloss zu entriegeln, tat Dva es ihm gleich. Sie spielte ihre Gabe aus, spürte dabei, wie sie wirkte, wie sie auf ihn zugreifen konnte. Und wenn sie sich auf ihn einstellte, musste sie sich mit ihm bewegen.
Ihre Konzentration lag dabei ganz auf seinen zarten Fingermuskeln. Sie waren komplex und schwer zu steuern, aber Dva brauchte keine präzise Bewegung. Sie benötigte lediglich den Impulsgeber.
Als sie ihre Hand nach vorn schleuderte und die Finger öffnete, tat der Wächter es ihr gleich. Der Impulsgeber fiel zu Boden.
Erstaunt sah der Wächter sie an. »Sehr witzig.«
Es war nicht das erste Mal, dass Dva sich einen Spaß mit ihren Kräften an ihm erlaubte. Sie hatte damit angefangen, sobald sie von dem Totenschiff gehört hatte. Alles als Teil ihres Plans.
Ihren vorangegangen Streichen war es zu verdanken, dass der Wächter nun keinen Verdacht schöpfte. Normalerweise hätte er aufgeschlossen, das Essen abgestellt und wäre wieder gegangen. Nun aber stand er vor verschlossener Tür und runzelte genervt die hohe Stirn.
Dva sah flehend zu ihrem Bruder. Falls er nicht tat, worum sie ihn gebeten hatte, wäre ihr Plan umsonst. Ihre Blicke hakten sich ineinander. Odin seufzte. Wenige Augenblicke später fiel der Terraner mit einem dumpfen Laut zu Boden.
Dva grinste triumphierend. »Du wolltest mir also helfen«, sagte sie und schnappte sich den Impulsgeber.
»Bild dir bloß nichts drauf ein. Ich habe sein Hormonsystem schon vor Ewigkeiten sondiert. Zur Sicherheit.«
Dva hob die Augenbrauen und lächelte vor sich hin, während sie den Impulsgeber bediente. Ein leises Klicken: Freiheit.
Glück durchflutete ihren Körper, als sie die Tür aufstieß und in den leeren Gang trat.
»Klar«, sagte sie. Damit die Kraft ihres Zwillingsbruders wirkte, musste er zunächst den Hormonhaushalt seines Opfers erforschen.
Odin eilte ihr hinterher. »Und nun?«, fragte er.
»Holen wir Mama und hauen ab.«
Endlich erwiesen sich die zahlreichen Übungskämpfe, zu denen Gaivhari sie gezwungen hatte, als nützlich. Sie begegneten auf ihrem Weg drei Wächtern, die sie alle mühelos ausschalteten.
Dva grinste Odin triumphierend an. »Du bist gut«, lobte sie ihn, nachdem der dritte Mann zu Boden gefallen war.
»Ich mag es nicht«, sagte Odin und warf seinem letzten Opfer einen mitleidigen Blick zu.
Dva verdrehte die Augen. »Gegen mich hast du deine Kraft schon oft eingesetzt«, erinnerte sie ihn und suchte den Wächter auf dem Boden nach dem Codegeber ab, mit dem sie ihre Tür zur endgültigen Freiheit öffnen konnten.
»Das ist etwas anderes.« Odin legte den Kopf in den Nacken und atmete tief ein. »Du bist meine kleine Schwester. Ich habe dich mit meinen Kräften beschützt. Vor anderen oder dir selbst.«
»Soso«, murmelte Dva. Sie stieß einen triumphierenden Laut aus, als sie den Codegeber fand, einen schmalen, kurzen Kristallstab. »Fühlte sich eher wie Rache an.«
»Manchmal auch das«, gestand Odin und grinste.
Dva berührte mit dem Kristallstab die Kante der Tür, die sich sofort öffnete. Alles ging ohne Probleme, sie war selbst verblüfft darüber.
Als sie nach draußen trat, atmete sie tief die staubige Luft ein. Sie hätte nie gedacht, dass sie sich einmal über Ghabars Atmosphäre hätte freuen können. Der leuchtend rote Himmel sah noch genauso aus wie in ihrer Erinnerung. Die Gebäude waren klein und schmiegten sich in den Sand. Nachdem Odin ebenfalls ins Freie getreten war, schloss Dva leise die Tür.
»Wir sind draußen«, flüsterte Odin und sah sich ungläubig um.
Dva nahm seine Hand und zog ihn mit sich. Ihr Herz raste.
Wenn Gaivhari uns erwischt, war alles umsonst, schoss es ihr durch den Kopf. Er wird uns wegen Vertragsbruchs bestrafen, und wir werden Ghabar niemals verlassen.
Als sie ihre Füße wieder in den feinen Staub setzte, den sie so viele Jahre vermisst hatte, fürchtete sie sich mehr denn je davor, in ihrem Leben niemals etwas anderes zu sehen als die rote Einöde, die Ghabar zu bieten hatte.
Ihr Plan musste gelingen.
*
Sie erreichten Yerinas Haus ohne weitere Zwischenfälle. Die wenigen Einwohner, denen sie begegneten, nahmen sie nicht einmal wahr. Als Dva anklopfte, spürte sie einen Kloß im Hals.
Die Tür schwang auf. Das Haus, das jahrelang ihre Heimat gewesen war, kam ihr kalt und leer vor. Staub schimmerte überall, Zeichen von Niedergang und Ohnmacht.
»Wir gehen«, erklärte Dva ohne Umschweife und drückte sich an ihrer Mutter vorbei in die Unterkunft. »Sofort.«
Es fühlte sich an wie eine Zeitreise. Seit Jahren hatte Dva diese vier Wände nicht mehr gesehen und doch roch es nach Heimat. Sie fand die Tasche an dem Ort, an dem ihre Mutter sie immer verwahrt hatte. Sie war fertig gepackt. So fest war Yerinas Glaube daran, dass sie mit Gaivharis Hilfe irgendwann Ghabar verlassen konnten.
Endlich wird sich ihr Traum erfüllen, dachte Dva, und ein grimmiges Lächeln stahl sich auf ihre Lippen.
Odin erklärte ihrer überraschten Mutter unterdessen den Plan. Zumindest den Teil, den er kannte.
»Ihr wollt mit dem Totenschiff flüchten?«, wiederholte Yerina tonlos. »Ich habe schon so viel über den Kapitän gehört ...«
»Wie jeder auf Ghabar«, antwortete Dva und eilte mit dem Koffer zum Ausgang. »Los geht's.«
Dva wusste, dass das Schiff schnell wieder abheben würde. Niemand blieb freiwillig lange auf dem Planeten. Die Gefahr war groß, dass die Mannschaft aufgrund des Vital-Suppressors die Motivation verlor, ihr eigenes Schiff wieder ins Weltall zu befördern.
Deshalb erhielt Ghabar nicht viel Besuch. Und deshalb war das Totenschiff mit seinem Kapitän Horbitan so gut bekannt. Kapitän Horbitan lieferte Lebensmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs. Als praktisch einziger Besucher.
Er war zudem derjenige, der Leichen von Deportierten abholte und sie zurück in ihre jeweilige Heimat brachte, sofern die Angehörigen gut genug zahlten. Darum nannten die meisten seinen Raumer nur das Totenschiff, viele Leute kannten nicht einmal mehr den richtigen Namen.
Aber all das kam ihrem Plan letztlich zugute – auf diese Weise hatte Dva herausgefunden, wann das Totenschiff landete. Einer der Wächter, der gerne viel redete, wenn er ihnen etwas brachte, hatte erzählt, dass er es kaum erwarten konnte, die Toten loszuwerden. Zudem freute er sich auf die neuen Lebensmittel, da sein Vorrat an Vurguzz erschöpft war. Also hatte er dem Kapitän etwas zugesteckt, um eine besonders große Ration zu erhalten.
Nach wenigen Schritten hatte Odin sie überholt und führte die Gruppe an. Dva kniff die Lippen zusammen und starrte auf seinen durchtrainierten Rücken. Ihr Bruder tat es nicht absichtlich, aber sie hasste es, dass er sie ständig wie ein Kleinkind behandelte.
Schnell schloss sie zu ihm auf. Ihre Mutter schlurfte mit gesenktem Kopf hinter ihnen her und zog die Tasche durch den Sand.
Sie gingen an einem Unither vorbei, dessen teilnahmsloser Blick an dem Gepäckstück kleben blieb. Sein Rüssel hing lotrecht herunter, als hätte er jegliche Kraft verloren, die Augen schimmerten nur matt.
Dva schluckte. Bei all ihren Überlegungen hatte sie nicht daran gedacht, wie selten die Einwohner von Ghabar einen Koffer sahen. Sie waren viel zu auffällig.
Natürlich erregen wir damit Aufmerksamkeit, dachte sie.
Aber sie brachte es nicht übers Herz, Yerina darum zu bitten, den verräterischen Gegenstand zurückzulassen. Obwohl Dva sich immer gefragt hatte, was Yerina so Wertvolles besaß, dass sie es unbedingt mitnehmen wollte. Sie ging zu ihrer Mutter, nahm ihr die Tasche ab und schwang sie über ihre Schulter.
»Ich trage das«, flüsterte sie. So erregte sie nicht ganz so viel Aufmerksamkeit. Wenn Dva die braune Tasche nahe genug an den Körper presste, würde sie kaum jemandem mehr auffallen.
Sie erreichten den Platz, an dem das Totenschiff landen sollte....




