Groh | Pinguine lieben nur einmal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

Groh Pinguine lieben nur einmal

Roman
20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95818-558-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 384 Seiten

ISBN: 978-3-95818-558-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Liebe geht über die Treppe: Auf gute Nachbarschaft und ein Happy End! Felicitas, genannt Feli, ist ein bisschen kompliziert, zugleich Chaosqueen und Gewohnheitstier. Trotz Anglistik-Studium (nicht auf Lehramt) besitzt sie mit ihren 20 Jahren nicht mal ein Bücherregal. Und sie schämt sich auch nicht dafür, dass sie süchtig nach dem Sat1 'Family Movie' am Dienstag ist, den sie keine Woche verpasst. Denn wenn es im echten Liebesleben schon nicht läuft, dann kann sie sich wenigstens auf das Fernseh-Happyend verlassen. Bis sie eines Tages ihrem neuen Nachbar Janosch vor die Füße fällt, der zwar rein äußerlich Traummann-Potential hat, aber unhöflich und sarkastisch ist. Und so fängt sicher keine große Liebesgeschichte an, oder? 

Kyra Groh wurde 1990 in Seligenstadt am Main geboren. Sie schreibt Geschichten direkt aus dem Leben - immer mit Humor, Tiefgang und authentischen Figuren. Mit ihrer Familie wohnt Kyra in Frankfurt, sie liebt Bücher, Serien und Livekonzerte und gibt zu viel Geld für Kaffee aus. Auf Instagram und Tiktok gibt sie unter @kyraschreibt Einblicke in ihre Bücher und das Leben als Autorin.
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Entschuldigung sagen, Klappe, die Zweite


Dass ich seinen Namen nicht mehr weiß, macht das Grübeln über meinen neuen Nachbarn nicht besser. Ich versuche jedoch, ihn unter keinen Umstanden mit irgendeiner Substantivierung des Wortes blind zu betiteln, weil ich das abwertend finde und nicht will, dass mich jemand als behindertenhassende oder diskriminierende Person beschimpft. Weil ich das nun mal nicht bin. Nichts davon und auch sonst nichts Faschistisches. Also bitte. Mein Mitbewohner ist ein schwuler Türke, der Frauenarzt werden will! Das zeugt doch von einer sehr liberalen Lebenseinstellung, oder?

Am Samstag komme ich mit Sophie und unserer gemeinsamen Freundin Kirsten von meinem Wocheneinkauf zurück. Die beiden haben mich begleitet, weil wir heute Abend zusammen kochen wollen. Ich habe ihnen soeben eine Geschichte aus meiner Schulvergangenheit erzählt und versucht in Worte zu fassen, wie sie mit meinen jüngsten Erfahrungen mit unserem neuen Nachbarn verzahnt ist.

»Es ist schon ein bisschen klischeemäßig, dass er dich angemeckert hat, weil du das Wort sehen verwendet hast, oder?«, fragt Kirsten und nimmt mir die Tragetasche ab, während ich in meiner Handtasche nach dem Hausschlüssel krame. Kirsten ist ein ziemlich intelligenter Mensch, sie kombiniert gut und stellt an den richtigen Stellen die richtigen Fragen. »Er muss doch wissen, dass er damit den Menschen in seiner Umgebung Unbehagen bereitet!«

»Ja, vielleicht. Aber … es ist doch auch irgendwie scheiße.«

»Schon, trotzdem muss er das nicht an dir auslassen«, wirft Sophie ein.

»Die Menschen sind nun mal empfindlich. Entweder weil man sie mit Samthandschuhen anfasst oder weil man sie eben normal behandelt. Manche meinen auch, es mache sie zu einer erhabeneren Person, wenn sie jedem schlechte Absichten unterstellen.«

Ich finde eine beruhigende Wahrheit in Kirstens Worten. Das ist eine ihrer Gaben. Egal wie scheiße man sich fühlt – ein Gespräch mit ihr, und sie schafft es, die Sachlage aus einer ganz anderen, klareren und positiveren Perspektive zu beleuchten.

»Warum grübelst du eigentlich immer noch darüber?«, fragt Sophie berechtigterweise.

Ich entziehe mich einer Antwort, indem ich den mittlerweile gefundenen Schlüssel ins Schloss stecke, aufschließe und die Tür mit dem Hintern aufdrücke.

»Grüß dich, Feli«, höre ich hinter mir eine bekannte Stimme.

Simon hält mir die Tür auf und winkt uns ins Haus.

»Ähm, hallo.« Seine Freundlichkeit erschlägt mich fast ein bisschen. Wie schafft er es nur immer, so ungezwungen rüberzukommen?

Er trägt ein T-Shirt, verwaschene Jeans und eine Jacke über dem Arm, er sieht sportlich und gut aus. Wirklich ein bisschen wie ein Werbemodel für Zahncreme oder andere Pflegeprodukte. Simon ist groß, schlank, dunkelblond und hat einen von diesen Beatles-nur-cooler-Haarschnitten, die bei Frauen meist Fantasien von Händehineinkrallen auslösen. Auch bei mir, das möchte ich nicht bestreiten. Kurz: Simon ist einer von diesen smarten Typen, die alle Mädchen gerne heiraten möchten, die von mir aber rein gar nichts wollen.

Vielleicht sollte ich weniger Gedanken an unsere Haar-Hände-Kompatibilität verschwenden und besser versuchen, mit seiner Hilfe mehr über den noch Namenlosen herauszufinden. Aber ich traue mich nicht.

»Hallo, Simon«, sage ich noch mal, damit er merkt, dass ich mich noch an ihn erinnere. »Ähm, das hier ist Sophie, und das ist Kirsten.«

»Oh, ihr habt wohl eine Shoppingtour gemacht?«

Wir nicken. Wir wechseln einen Blick.

, sagen Sophies Augen. , lügt mein Blick. , weist uns Kirsten zurecht.

»Das steht heute bei mir auch noch an.« Er klopft sich über die Jeanstaschen. »Vergesst ihr auch so oft eure Schlüssel?« Er lacht.

»Ähm.« Ich sage oft Ähm. Es ist ein tolles Wort, ein Ausdruck universeller Ahnungslosigkeit und Wortungewandtheit. Besser als Ähm ist nur Häh. Während ich mich noch frage, warum Simon einen Schlüssel zu einer Wohnung besitzt, in der er gar nicht lebt, schlage ich vor: »Warum klingelst du nicht einfach?« Ja, das ist doch wirklich mal ein Geistesblitz.

Aronal-Lächeln, dann: »Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Aber es ist niemand da.«

»Wirklich nicht? Warum?«, platzt es aus mir heraus, was mir einen Wimpernschlag später auch schon peinlich ist.

Simon lächelt weiter (und er lächelt und er lächelt und wenn er nicht gestorben ist …) und antwortet dann, als gäbe es an meinem Ausbruch nichts zu beschämen: »Ja, Janosch ist im Sport. Schwimmen.«

Janosch.

Sport.

Schwimmen.

Mit dieser Menge an Informationen bin ich überfordert. Dabei waren es nur sechs Wörter. Mein Gehirn hat allerdings derzeit Semesterferien. Die letzte Hausarbeit habe ich vor einer Woche beendet, daher ist es auf Energiesparmodus eingestellt.

»Echt?«, ist meine nächste echt saublöde Frage.

»Natürlich«, ist Simons natürliche Antwort.

Ich setze ein Lachen auf und versuche mich dabei an der Unbefangenheit, die Simon stets ausstrahlt. Es gelingt mir nicht. Bei mir wirkt es in etwa so, als habe mir gerade eine Taube auf den Kopf gemacht und ich würde versuchen, der Situation etwas Humoristisches abzugewinnen.

Da nimmt Sophie die Situation in die Hand, und dafür liebe ich sie. »Das ist ja interessant. Macht er das auf Leistungssportebene?«

Auf diese Frage wäre ich in tausend Jahren nicht gekommen. Aber ich habe ja auch keine Ahnung, was Darwin-Finken sind.

»Oh, also, er ist richtig gut, soweit ich weiß. Ich bin ja nicht dabei. Janosch ist da … speziell.«

Wieder entgeht mir sein Zögern nicht. Daher frage ich nach: »Wie meinst du das?«

Ich kann Simon ansehen, dass er mir nicht zu viele Informationen geben will, während er antwortet. »Er braucht viel Zeit für sich. Er will niemanden dabeihaben. Nur seine Schwester.«

»Verstehe«, behaupte ich, obwohl ich rein gar nichts verstehe.

Simon findet schließlich seinen Schlüssel in einer Innentasche der Jacke und steckt ihn ins Schloss. »Ah, ja, warte einen Augenblick.« Er geht kurz in die Wohnung und kommt dann mit einem roten Teller heraus, den ich als meinen eigenen erkenne. »Das war ein super Kuchen. Wirklich. Total lecker. Wie gekauft.« Lachenlachenlachen. »Tut mir übrigens leid, wie das alles gelaufen ist.«

»Dir tut das leid? Du hast doch damit am allerwenigsten zu tun. Das ist komplett auf meinem Mist gewachsen. Ich bin ein totaler Tollpatsch, weißt du, und dann hab ich mich auch noch ein bisschen doof ausgedrückt gegenüber … Janosch.« Janosch.

»Mach dir keine Gedanken. Er meint es anders, als er es sagt.«

Komisch. Er benutzt nicht die Floskel: Er meint es nicht, wie er es sagt.

Ich mache mir Gedanken. Von mir zu verlangen, mir keine Gedanken zu machen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Man könnte genauso von mir wollen, dass ich spontan einen Marathon in weniger als zwei Stunden laufe. Das geht einfach nicht.

»Okay.« Okay. Was für ein toller Standpunkt. Okay ist fast schon Ähm, und Ähm ist fast schon Häh.

Ich gehe langsam die Treppe hoch.

»Einen schönen Tag euch dreien.« Simons Freundlichkeit trifft mich geballt im Genick. »Der Kuchen war wirklich toll.«

Oben in unserer Wohnung erwischen wir Cem dabei, wie er sich um fünf Uhr nachmittags (für meteorologisch Unwissende: Zu dieser Zeit ist es hell) das letzte Stück Aufbackpizza in den Mund stopft (für unaufmerksame Leser: Cem ist Moslem und macht Ramadan).

Nachdem Sophie und Kirsten nach unserem gemeinsamen Essen gegangen sind, liege ich auf meinem Bett und starre an die Decke.

Es nervt mich, dass mich unbedeutende Dinge nicht loslassen. Meine Gedanken sind Klettverschlüsse, die ständig an Sachen heften bleiben, an die sie sich gar nicht erst heften sollten. Heute haben sie sich an den Informationen festgeklettet, die Simon mir geliefert hat.

Janosch.

Janosch. Schon der Name macht mich ganz konfus. Der einzige Mensch, der neben dem Tigerenten-Janosch noch Janosch heißt, entspringt Benjamin Leberts Roman und ist in meiner Vorstellung Tom Schilling. Weil der ihn in der Verfilmung gespielt hat. Als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe, war ich ungefähr zwölf, saß mit meiner Mama vor dem Fernseher und habe mich furchtbar geschämt, als Janosch Benjamin (das ist im Film Robert Stadlober) beim Onanieren erwischt und ihn passenderweise »Na, schon mal gefickt?« fragt. Wenn man den Film nicht gerade zwölfjährig mit seiner Mutter guckt, ist er übrigens sehr gut.

Fakt ist: In meiner Welt heißen wirklich existierende Menschen nicht Janosch.

Janosch, der gerne schwimmt.

Ich wusste nicht, dass das geht, und schäme mich wieder dafür, dass ich es mir nicht vorstellen kann. Dabei ist Schwimmen wirklich kein Sport, für den man ein gutes Augenlicht braucht. Ich bin ohne Brille fast...


Groh, Kyra
Kyra Groh wurde 1990 in Seligenstadt am Main geboren. Nach einem kleinen Umweg über die Uni Gießen, verschlug es sie 2012 nach Frankfurt. Sie behauptet gerne, neben dem Schreiben keine weiteren Talente zu haben – daher veröffentlicht sie nicht nur Liebesromane, sondern treibt auch hauptberuflich als Texterin ihr Unwesen. Sie hat eine Schwäche für gutes Essen, Instagram und Bilder von gutem Essen auf Instagram. Außerdem liebt sie Schachtelsätze, Erdnussbutter, Netflix und Sport.



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