Groh | Tage zum Sternepflücken | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

Groh Tage zum Sternepflücken

Roman
20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95818-555-5
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 480 Seiten

ISBN: 978-3-95818-555-5
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Liebe im Dreivierteltakt: Die wunderbar witzige Story von Julius und Layla. Layla studiert Musik und ist absolut keine Rampensau, sondern eher der Typ zweite Geige. Oder besser gesagt: zweites Saxofon. Beziehungsstatus: Nein, danke. Denn Laylas letzte Beziehung ist so grandios den Bach runtergegangen, dass sie eigentlich von Männern imd Allgemeinen und von Musikern im Besonderen erst mal die Schnauze voll hat. Eigentlich ... Julius ist Gitarist und Songwriter mit eigenem YouTube-Kanal, also nicht gerade schüchtern und beliebt bei Frauen noch dazu. Beziehungsstatus: Kompliziert. Eigentlich ...  Alles ändert sich, als Layla nach einem feucht-fröhlichen Abend in Julius' Bett stolpert - und am nächsten Morgen feststellen muss, dass sie wieder mal nur die Zweitbesetzung ist ...

Kyra Groh wurde 1990 in Seligenstadt am Main geboren. Sie schreibt Geschichten direkt aus dem Leben - immer mit Humor, Tiefgang und authentischen Figuren. Mit ihrer Familie wohnt Kyra in Frankfurt, sie liebt Bücher, Serien und Livekonzerte und gibt zu viel Geld für Kaffee aus. Auf Instagram und Tiktok gibt sie unter @kyraschreibt Einblicke in ihre Bücher und das Leben als Autorin.
Groh Tage zum Sternepflücken jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Layla, der dämonische Hiwi mit dem Saxofonkoffer


Innerlich grinsend streiche ich über die drei dicken, schweren Notenhefte in meinen Händen. Ich mochte es schon immer, wie sich Notenpapier anfühlt. Klar: Streng genommen ist es auch nur Papier. Aber es hat die bestmögliche Karriere hingelegt, die einem gefällten Baum jenseits des Lebens auf der grünen Wiese widerfahren kann. Es ist zu einem Stück Musik geworden. Und das ist immerhin besser, als ein Dasein als -Zeitungs-Seite zu fristen. Oder als Poster einer Boyband. Oder als Infobroschüre über sexuell übertragbare Krankheiten.

Ich tätschele den Notenstapel, als wollte ich sagen:

»Keine Sorge, lieber Baum. Du hast dein Holz für eine gute Sache gelassen. Bald schon wird ein Student der Stage and Music School die Noten für die Hauptrolle im Musical von dir ablesen.

Sorgfältig reihe ich die Hefte einzeln vor mir auf und stapele je einen CD und einen DVD-Mitschnitt des Musicals darauf. Nachdem ich die letzten beiden Tage damit verbracht habe, diese Noten (ebenso wie die dreißig anderen Sätze für die Nebenrollen) zu kopieren und zu binden, warte ich nun gespannt vor den verschlossenen Türen unserer Uni-Aula auf den »Vorentscheid« und all die Sänger und Sängerinnen, die in den »Recall« kommen. Ich setze diese Begriffe bewusst in Anführungszeichen, weil sie nicht zu meinem Vokabular gehören. Sie stammen von Jochen Hecker, seines Zeichens Professor für Saxofon an der Stage and Music School, der die musikalische Leitung der Musicalaufführung übernimmt und gewissermaßen mein Chef ist. Das heißt, er beauftragt mich, wenn es zum Beispiel mal wieder dreiunddreißig Notenhefte zusammenzustellen gilt. Oder wenn er Appetit auf etwas Leckeres vom Bäcker hat.

Professor Hecker war es auch, der mich gebeten hat, vor der Aula zu warten, während er und sein Kollege Jagdmann den »Vorentscheid« durchführen. In den letzten zwei Stunden sind schon eine Menge enttäuschte Studenten durch die großen Schwingtüren getreten und davongezogen, ohne dass sie eines meiner liebevoll erstellten Notenhefte mitnehmen durften.

Gelangweilt male ich Fingerkreise auf den Tisch vor mir und singe dabei gedankenverloren eine zentrale Melodie des Musicals vor mich hin, als sich die Türen endlich öffnen.

Eine kräftige Gestalt stürmt heraus, so schnell, dass ihr blau gestreifter Schal im Gegenwind flattert. Sie bremst vor mir ab, schlingt sich erzürnt den Schal über die Schulter, bedenkt mich mit einem Ausdruck der Niedertracht und raunt mit ausgestreckter Hand: »Gib mir die Noten.«

Mein bester Freund Golo erntet einen verdutzten Blick. Seine Gesichtsfarbe wechselt von Schweinchenrosa zu Ziegelrot, während sich seine Brust vor Anspannung unnatürlich stark hebt und senkt. Ich kann förmlich sehen, wie die Belastung, unter der seine Hemdsknöpfe stehen, ins Unermessliche wächst.

»Sie nehmen dich?«, frage ich erstaunt und reiße die Augenbrauen hoch.

»Ja.«

»Wirklich?«

»Ja, Herrgott!«

»Sie nehmen einen hundert Kilo schweren Bariton für die Rolle des jungen Anthony?«

»Was? Ich … hundert Kilo? Ich … ich … doch keine hundert Kilo!«

Weil ich fürchte, dass sich einer von Golos Knöpfen gleich vom Faden löst und mit mehreren Dutzend km/h durch die Luft gegen meine Stirn donnert, sage ich beschwichtigend: »Ach, Golo, das war doch bloß ganz grob aufgerundet. Es hat mich nur so überrascht, dass sie dir die Rolle eines Tenors geben. Entschuldige.«

Rasch suche ich das Paket für die Anthony-Bewerber heraus und reiche Golo sein Notenheft, die CD und die DVD.

»Ich habe einen Ambitus von fünf Oktaven. Ich könnte fast jede Rolle in diesem Stück singen. Ich habe schon Whitney Houstons gesungen, als du noch Blockflöte gespielt hast, meine Liebe.«

Ich verkneife mir die Bemerkung, dass das lange vor seinem Stimmbruch gewesen sein muss und daher nicht ganz so spektakulär wäre, wie er es sich in diesem Moment vielleicht erhofft.

»Na, dann mal herzlichen Glückwunsch, Whitney! Ich wette, du freust dich auf deine Rolle als romantischer Liebhaber.« Ich zwinkere ihm verschwörerisch zu, weil ich weiß, dass Golo den Part des Anthony in erster Linie wegen dessen Bühnenromanze übernehmen wollte.

»Pirelli«, brummt Golo undeutlich durch die Lippen.

»Bitte?«

»Pirelli!«

»Pirelli? Der hat keinen romantischen Part in «, erkläre ich ihm mit kritischem Blick. »Er ist mehr so der … du weißt schon … der alberne Hampelmann, der von Sweeney plattgemacht wird.«

»Vielen Dank, Layla, reit ruhig noch drauf rum. Ich darf – nein! MUSS – den Signor Pirelli übernehmen, nicht Anthony. Ja, ausgerechnet Adolfo Pirelli, eine Rolle, die ich in meinem ganzen Leben nie haben wollte. Also gib mir die verdammten Noten, und lass mich mit meinem Kummer alleine.« Damit reißt er mir die Noten aus den Händen und rauscht davon.

»Pirelli ist doch super!«, rufe ich ihm noch hinterher, kann mir ein Kichern aber nicht verkneifen.

In der Filmversion (mit Johnny Depp als Sweeney Todd), die das Musical erst bekannt gemacht hat, wird Signor Pirelli von Sacha Baron Cohen dargestellt, den jeder als Borat kennt. Als Pirelli trägt er seltsame, aufgeblasene Kostüme, Schmalzlocken und Schönheitsfleck. Er ist ein Barbierkollege von Sweeney und (Achtung: Spoiler!) wird von selbigem abgestochen. Ich bin mir sicher, dass Golo einen fantastischen Abgang hinlegen wird, nachdem der Held ihm auf der Bühne die Kehle aufgeschlitzt hat, aber es ist zweifelsohne nicht dasselbe wie die Musical-Schönheit Johanna abzuschleppen.

»Ja, echt super! Für … wie hast du noch gleich gesagt? … einen HAMPELMANN!«, brüllt Golo zurück.

Hinter ihm sind in der Zwischenzeit eine Menge weiterer Akteure aus der Aula getreten, und ein Anwärter auf die Hauptrolle sieht mich etwas verstört an.

»Das Gute ist: Wenn du den Part kriegst«, sage ich und lächle den Sweeney an, »dann darfst du den da abmurksen.« Der irritierte Sweeney guckt noch entgeisterter, als ich eine Handbewegung zu Golo hin mache.

»Du willst doch Sweeney Todd werden? Der dämonische Barbier aus der Fleet Street? Der die Leute …« Vielsagend fahre ich mir mit dem Finger über die Kehle.

Sweeney schüttelt fragend den Kopf, nimmt die Noten und geht.

Der Kopf meines Professors lugt aus der Tür heraus.

»Layla? Alles in Ordnung? Kann es weitergehen? Dann schick doch bitte die Bewerberinnen für die weiblichen Parts rein.«

Mit einem Nicken plappere ich irgendwas vor mich hin, dann weise ich eine Horde Studentinnen an, in die Aula zu gehen. Ein Mädchen fällt mir besonders ins Auge: Alisa Dobnagel. Eine blonde, klapperdürre Ziege, die sich für die Rolle der Johanna bewirbt. Eine blonde, klapperdürre Ziege, in die Golo leider unsterblich verknallt ist. Eine blonde, klapperdürre Ziege, die mal mit einem Mann geschlafen hat, mit dem ich zu diesem Zeit punkt sozusagen »in einer Beziehung« war. Kurz: eine blonde, klapperdürre Ziege, die ich aus gutem Grund nicht ausstehen kann.

Bevor mich ihr Anblick in einen Hass stürzen kann, der der Vergangenheit angehören sollte, klingelt mein Handy. Es ist meine beste Freundin Mimi.

»Layla, Licht meines Lebens, können wir bitte, bitte, bitte jetzt sofort telefonieren?«

»Oh, Stern meiner dunkelsten Stunden«, säusele ich. Schmierige Kosenamen haben sich bei uns eingebürgert, wir verschleiern gerne durch übertriebenen Witz, wie sehr wir uns mögen. »Ist gerade echt schlecht.« Ich klemme das Handy zwischen Ohr und Schulter.

»Echt schlecht? Aber es ist wichtig!«

»Na, dann schieß los.«

»Wir bekommen heute Ferien. Das heißt, wir müssen heute Abend irgendwas Gutes unternehmen. Feiern, trinken, Disco, ist mir alles egal. Das Dumme ist nur: Tom ist in der Stadt. Das heißt, ich werde jetzt den ganzen Tag so tun, als würde ich nicht wollen, dass er mitgeht, dabei will ich nur, dass du sagst, du fragst ihn, ob er mitgehen will, aber kennst mich ja, ich kann das nicht zugeben, deshalb dachte ich, wir überspringen alles dazwischen, und du fragst ihn einfach direkt.«

»Aha«, erwidere ich knapp, lächle einem der Sweeney-Bewerber vor mir zu und reiche ihm sein Notenpaket. Als er nicht weitergeht, um den Übrigen Platz zu machen, grinse ich noch mal (dieses Mal deutlich gekünstelter), aber er geht immer noch nicht.

»Wann gebt ihr uns Bescheid, wer die Rolle bekommt?«, löchert er mich.

»Das weiß ich nicht«, sage ich.

»Okay. Und wer wird Mrs Lovett spielen?« Es klingt, als wäre die Besetzung seines weiblichen Counterparts relevant dafür, ob er die Hauptrolle überhaupt antreten wird.

»Das kann ich dir leider auch nicht sagen«, brumme ich – nun schon mit etwas mehr Nachdruck.

»Werden die Kostüme...


Groh, Kyra
Kyra Groh wurde 1990 in Seligenstadt am Main geboren. Nach einem kleinen Umweg über die Uni Gießen, verschlug es sie 2012 nach Frankfurt. Sie behauptet gerne, neben dem Schreiben keine weiteren Talente zu haben – daher veröffentlicht sie nicht nur Liebesromane, sondern treibt auch hauptberuflich als Texterin ihr Unwesen. Sie hat eine Schwäche für gutes Essen, Instagram und Bilder von gutem Essen auf Instagram. Außerdem liebt sie Schachtelsätze, Erdnussbutter, Netflix und Sport.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.