Grumley | In der Tiefe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Breakthrough-Serie

Grumley In der Tiefe

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-641-21339-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, Band 2, 496 Seiten

Reihe: Breakthrough-Serie

ISBN: 978-3-641-21339-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Meeresbiologin Alison Shaw hat mit ihrem Team einen unglaublichen wissenschaftlichen Durchbruch erzielt: Tiere mit menschlicher Intelligenz sind kein Märchen mehr. Sie will weiterforschen, doch dann taucht in Südamerika ein lange verschollen geglaubtes russisches U-Boot auf. Welches Geheimnis hat es vom Meeresgrund geborgen? Die Navy schickt ihre Sonderermittler John Clay und Steve Cesare, um Licht ins Dunkel zu bringen. Schon bald stoßen die beiden auf erste Ungereimtheiten, die sie nur mit Alisons Hilfe lösen können. Eine atemberaubende Jagd quer über den Globus beginnt.

Michael C. Grumley arbeitet in der Informationstechnologie in Nordkalifornien, wo er auch mit seiner Familie lebt. Er ist ein begeisterter Leser und träumt seit Jahren davon einen Science-Thriller zu schreiben, der eine einzigartige Geschichte erzählt. Breakthrough ist der Auftakt zur Science-Fiction-Serie von Michael C. Grumley.
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3

Lee Kenwood war von dem neuen Labor sehr angetan. Endlich war er in der Lage, ihre Systeme vom Beobachtungsbereich zu trennen, was ihm die dringend erforderliche Ellenbogenfreiheit verlieh, um an der Hardware für ihr nächstes Projekt zu basteln. Es sollte allererste Sahne werden.

Er schätzte die zusätzliche Hilfe von Juan Diaz, einem puerto-ricanischen Informatik-Ingenieur, der erst vor wenigen Jahren sein Studium beendet hatte. Er war schnell und hatte eine messerscharfe Auffassungsgabe.

Als Alison eintrat, blickten Lee und Juan von dem großen Tisch auf, an dem sie standen. Das laute Grölen einer Kinderschar drang durch die geöffnete Tür an ihre Ohren.

»Hi, Ali«, begrüßten die beiden sie gleichzeitig. Lee gab etwas auf seiner Tastatur ein und überprüfte das Resultat auf dem Monitor. Juan hielt einen großen Ausrüstungsgegenstand vorsichtig in den Händen, von dem ein dünnes Computerkabel baumelte.

»Hallo«, gab Alison zurück, schloss die Tür hinter sich und durchquerte den Raum. »Und? Wie sieht es bei euch aus?«

»Gar nicht schlecht. Das meiste ist schon hochgeladen und getestet. Wenn das so weiterläuft, sollten wir Donnerstagmorgen fertig sein.«

Er blickte vom Monitor auf. »Ich nehme an, dass Dirk und Sally wieder zurück sind?«

»Und wer hat dir das verraten?«

»Das klingt wie in einem Zoo dort draußen.«

Der »Zoo« bestand aus ungefähr vierzig vor Begeisterung brüllenden Kindern. Als Alison und ihr Team nach Puerto Rico gezogen waren, wurden sie aus irgendeinem unerklärlichen Grund ein großer Hit für die Presse vor Ort. Es dauerte nicht lange, ehe sie eine Art VIP-Status innehatten. Vor einigen Monaten hatte ihr Team die sensationellen Ergebnisse des ISIS-Übersetzungssystems anhand einer Demonstration in Anwesenheit einiger Journalisten vorgeführt. Es hätte sie eigentlich nicht überraschen sollen, dass die Schlagzeilen um die ganze Welt gegangen waren, sodass Menschen aus aller Herren Länder sie besuchten, um das Unglaubliche mit eigenen Augen sehen zu können. Ihre Kommunikation mit den Delfinen wurde von diversen Magazinen einem Wunder gleichgestellt, das vielleicht einmal in einem Menschenleben auftrat. Für die nächsten zwei Monate wurden sie und ihr Team von Hunderten von Fernsehsendungen und Radiosendern zu Interviews eingeladen. Natürlich stellte es sich als überwältigend heraus, bildete aber eine willkommene Abwechslung nach all dem, was sie und ihr Team hatten mitmachen müssen. Letztendlich aber schien der Ansturm und die Aufmerksamkeit überhaupt nicht mehr nachlassen zu wollen, sodass ihr Umzug nicht nur Forschungszwecken geschuldet war, sondern auch ihrer Privatsphäre und nicht zuletzt auch ihrem seelischen Wohlergehen.

Es war natürlich völlig gleich, wohin sie flohen. Sie konnten sich einer gewissen Aufregung um ihre Forschung nicht entziehen, und Puerto Rico bildete da keine Ausnahme. Viel schlimmer noch, die ganze Insel wurde in den Ausnahmezustand versetzt, als sie erfuhr, dass eines ihrer Gebäude im Süden ganz in der Nähe von Ponce zu einem Forschungszentrum für die berühmten Delfine Dirk und Sally umfunktioniert werden sollte. Was das Team aber wirklich überraschen sollte, war die Reaktion der Kinder vor Ort.

In den Vereinigten Staaten – während der Anfangstage ihrer Forschungsbemühungen – hatten sie unzählige Besucher gehabt, die meisten davon Kinder auf Schulausflügen. Viele von ihnen waren tatsächlich begeistert, aber bei mindestens genauso vielen war das nicht der Fall gewesen. Stattdessen hielten sie sich abseits und starrten unentwegt auf ihre Smartphones. Alison war das sofort aufgefallen, und sie hatte die Kinder nicht verstehen können. Als sie dieses Verhalten bei einer Klasse nach der anderen beobachten konnte, begann es sie zu deprimieren.

Eine Schar Kinder jedoch, eine ganz besondere Klasse von der Hedrick Elementary aus Lewisville, Texas, sollte ihr für immer in Erinnerung bleiben. Sie musste jedes Mal an sie denken, wenn puerto-ricanische Kinder aufkreuzten. Die kleinen Texaner waren absolut begeistert gewesen, Dirk und Sally besuchen zu dürfen. Jedes Gesicht war die ganze Zeit über fest an das dicke Glas des Beckens gepresst. Sie konnten einfach nicht genug kriegen. So auch in Puerto Rico, was zur Folge hatte, dass sowohl Alison als auch ihr Team ihre anfängliche Begeisterung wiederfanden. Als Dank dafür wollten sie etwas ganz Besonderes für die Kinder tun.

Eines Tages kam Alison die Erleuchtung, und sie sprach mit Lee und Juan über ihre Idee. Es dauerte eine Weile, aber letztendlich hatten sie eine Reihe kleinerer dedizierter Übersetzungsserver für Besucher aufgestellt. Sie verfügten über einen wesentlich kleineren Wortschatz als das gigantische ISIS-System und konnten sich keine neuen Wörter merken, aber es erlaubte den Kindern etwas Erstaunliches zustande zu bringen: Sie standen vor dem Becken und unterhielten sich mit den Delfinen.

Alison konnte sich noch gut an den Augenblick erinnern, an dem sie das erste Mal den Kindern an der Tastatur zugeschaut und geglaubt hatte, dass einige von ihnen wirklich vor Aufregung explodieren würden. Es war ansteckend. Noch nie zuvor hatte sie Dirk und Sally so erregt gesehen. Sie blieben im Becken und redeten stundenlang mit den Kindern, bis auch das letzte von ihnen seinen Gruß losgeworden war.

Natürlich waren die beiden Delfine jetzt frei, konnten kommen und gehen, wie es ihnen beliebte. Wenn sie also da waren, riefen Alison und ihr Team die umliegenden Schulen an, um Klassen einzuladen. Und weder die Kinder noch Dirk und Sally machten den Eindruck, als ob es ihnen jemals langweilig werden könnte. Es war in der Tat ein »Zoo«, und Alison liebte es.

»Ach, und übrigens«, unterbrach Lee sie in ihren Gedanken und stellte sich hinter ihr auf. »Hat DeeAnn dich ausfindig gemacht? Sie hat nach dir gesucht. Es ging darum, glaube ich, ob du ihr mit ihren Recherchen diesen Nachmittag helfen kannst.«

»Nein. Ich schaue besser gleich bei ihr vorbei.«

Lee nickte und wandte sich wieder Juan zu, der ihm etwas auf einem der Monitore zeigte. Alison wandte sich gerade zum Gehen um, als ihr Handy klingelte. Sie warf einen Blick auf das Display und ging ran.

»Hallo«, sagte sie und lächelte schüchtern.

»Hi«, ertönte eine tiefe Stimme am anderen Ende.

»Wie geht es dir?«

Instinktiv wandte sie sich ab, was Lee und Juan natürlich sofort bemerkten. Sie konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen. Lee formte sogar ein Sprachrohr mit seinen Händen und rief: »Richte ihm schöne Grüße von uns aus.«

Alison winkte ihn lediglich ab und gab ihm zu bedeuten, den Mund zu halten, um sich dann weiter von ihnen zu entfernen. »Tut mir leid.«

John Clay kicherte. »Mir geht es gut. Und dir?«

»Ach, nicht schlecht. Ich habe gerade bei Lee und Juan vorbeigeschaut, um ihnen Tipps für ihre Computer zu geben.«

Clay lachte. »Ich wette, sie hatten sie bitter nötig.«

»Hey!«, wies sie ihn zurecht und tat beleidigt. »Ich habe einen Toaster. Ich weiß, wovon ich rede! Aber egal, wo treibst du dich denn herum?«

»Äh, ich sitze gerade in einem Flugzeug.«

Alison warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. »Schon? Ich dachte, dass du erst heute Abend fliegst?«

»Ja, das … Leider ist etwas dazwischengekommen, sodass ich es nicht schaffen werde.«

Alison schien geknickt. »Das ist aber schade. Ich habe mich so gefreut, dich zu sehen.«

»Ich weiß. Es tut mir leid. Ich habe mich ja auch gefreut. Hoffentlich dauert es nicht allzu lange.«

»Wo geht es denn hin?«

»Nach Brasilien«, antwortete Clay. »Eigentlich gar nicht so weit weg. Quasi auf der anderen Seite der Karibik, von dir aus gesehen.«

»Darfst du sagen, was du da vorhast?«

»Nein, darf ich natürlich nicht. Können wir es dabei belassen, dass ich nach romantischen Urlaubszielen Ausschau halte?«

»Du weißt, dass wir schon bald unseren ersten Jahrestag feiern?«

»Ja, das weiß ich.«

Natürlich wusste er das, dachte Alison. Der Mann vergaß nie etwas. Er hatte ein Gedächtnis wie ein Elefant, war in dieser Hinsicht wirklich bemerkenswert. Nicht nur wusste er, wie man zuhörte, sondern er konnte sich sogar an Gesagtes erinnern, auch wenn es mehr als zehn Sekunden her war.

Alison musste zugeben, dass er so ganz anders war, als sie ihn zuerst eingeschätzt hatte. Er arbeitete für die Navy, einer Teilstreitkraft, die sie hasste, aber wenn sie ganz ehrlich war, hasste sie das Militär an sich. Aber wie sich herausstellte, war John Clay kein gewöhnlicher Nullachtfünfzehn-Soldat. Und auch kein gewöhnlicher Mann, sondern eine echte Anomalie. Er war intelligent, rücksichtsvoll und überwältigend gut aussehend. Und diese Schultern!

»Es tut mir wirklich leid, Alison.« Clay wurde in seinem Sitz hin und her geworfen, als das Flugzeug unsanft Richtung Startbahn rollte. »Ich rufe dich morgen oder übermorgen wieder an. Okay?«

»Okay«, entgegnete sie, noch immer etwas traurig. »Pass auf dich...


Grumley, Michael
Michael C. Grumley arbeitet in der Informationstechnologie in Nordkalifornien, wo er auch mit seiner Familie lebt. Er ist ein begeisterter Leser und träumt seit Jahren davon einen Science-Thriller zu schreiben, der eine einzigartige Geschichte erzählt. Breakthrough ist der Auftakt zur Science-Fiction-Serie von Michael C. Grumley.



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