Grunert | Die Geschichten aus der Zukunft (Science-Fiction Sammlung) | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 187 Seiten

Grunert Die Geschichten aus der Zukunft (Science-Fiction Sammlung)

Der Marsspion, Pierre Maurignacs Abenteuer, Ballon und Eiland, Mysis, Die Maschine des Theodulos Energeios
1. Auflage 2016
ISBN: 978-80-268-6922-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Marsspion, Pierre Maurignacs Abenteuer, Ballon und Eiland, Mysis, Die Maschine des Theodulos Energeios

E-Book, Deutsch, 187 Seiten

ISBN: 978-80-268-6922-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Die Geschichten aus der Zukunft (Science-Fiction Sammlung)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Carl Grunert (1865-1918) war ein deutscher Schriftsteller, der Zukunftsgeschichten, Theaterstücke und Gedichte verfasste. Inhalt: Der Marsspion Pierre Maurignacs Abenteuer Ballon und Eiland Mysis Das Ende der Erde? Die Maschine des Theodulos Energeios

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I


»Guten Tag, Pierre!«

»Ei – guten Tag, meine kleine Jeanne! Wie verläufst du dich hierher in die Schmiede Plutos?«

»Muß ich nicht in die garstige, rußige Höhle hineinkriechen, wenn ich dich einmal sehen will, du Böser! Dein Mütterchen ist schon ganz verzweifelt, weil du seit ein paar Tagen Essen und Trinken vergißt – wegen des alten Ungetüms da!« –

»Dann mußt du eigentlich mit deinem künftigen Schwager, meinem aufmerksamen Bruder André, schelten und schmollen, kleine Jeanne! Er hat mir dies kuriose Mittelding zwischen einem Fahrrad und einem Webstuhl geschickt, weil er meine Vorliebe für allerlei mechanische Kunstwerke und Maschinen kennt. Du solltest übrigens mit ein wenig mehr Respekt von dieser Maschine sprechen; sie stammt geradeswegs vom – – Grunde des Meeres!«

»Vom Grunde des Meeres? Hast du mich auch nicht zum besten, Pierre?«

»Aber, – – liebe Jeanne! Direkt vom Grunde des Ozeans, wo die Seejungfern und Wasserteufel sie benutzt haben!«

»Pfui, Pierre! Mußt du denn immer deinen Spott mit mir treiben – –« Und die zierliche, schlanke, schwarzlockige und dunkeläugige Südfranzösin verzog schmollend den Mund.

»Nun – nun, meine kleine Jeanne – – einen Scherz darf man doch machen!«

Der hochgewachsene, blonde junge Mann sprang hinter der seltsamen Maschine hervor und umfaßte das junge Mädchen, ihr einen Kuß auf die halbabgewandten Lippen drückend. Dann führte er sie aus dem Rahmen der Eingangspforte, wo sie noch immer gestanden, näher an das »alte Ungetüm« heran.

»Sieh dir das Wunderwerk nur erst an, kleine Jeanne! Es ist volle Wahrheit: sie stammt vom Grunde des Meeres. Du weißt, daß mein Bruder André bei den Hebungsversuchen des vor einigen Tagen gesunkenen Kanaldampfers »Juno« in der Straße von Calais beschäftigt ist. Bei diesen Taucherarbeiten fand er in der Nähe des gesunkenen Schiffes, fast völlig im Meeresgrunde vergraben, diese Maschine. Da ihren Zweck niemand enträtseln konnte, auch niemand großes Interesse für sie zeigte, sandte er sie mir und wie du siehst, ist es mir gelungen, sie von dem Schlamm des Meeres und von allerlei sonstigen Unreinigkeiten zu säubern. Sieh einmal, wie ihre Teile nun wieder funkeln und blitzen: diese vernickelten Hebel und Stangen und Schrauben, diese Stangen aus Elfenbein und vor allem diese schöngedrehten Wellen aus einer durchsichtigen Substanz – –«

»Daß die nicht zerbrochen sind! – Es sieht doch aus wie Glas, nicht, Pierre?«

»Ja, es ist aber kein Glas! Sieh doch einmal, wie sie funkeln und flimmern, liebe Jeanne! Man könnte beinahe denken, sie seien aus lauter Licht und Sonnenschein gemacht – und nicht aus einem festen, irdischen Stoffe –«

»Aber – was ist das für eine seltsame Maschine, Pierre?«

»– Ja, Liebste, – wenn ich das wüßte! Dann würde ich ja nicht Stunde für Stunde hier in der uralten Schmiede in der Kalksteinhöhle hocken und grübeln, sondern würde dir heute früh schon längst entgegengeeilt sein. Von Mütterchen wußte ich ja, daß du kommen würdest, und kannte ja auch deinen Weg zu uns – – immer am Ufer der Dordogne entlang, bis an unsere Holzbrücke, nicht wahr, Liebling? – Aber – ich weiß nicht, noch nicht, was diese vertrackte Maschine bedeuten soll! – Ich wollte eine Zeichnung von ihr anfertigen und sie an die Redaktion der »Science« einschicken – vielleicht weiß man da eine Auskunft –«

»Aber sagtest du nicht selbst, sie sähe aus – halb wie ein Fahrrad und –«

»– halb wie ein Webstuhl – freilich. Hier ist ja auch ein Sitz, wie der Sattel eines Fahrrads – aber – die Räder fehlen, sind auch, wie die Konstruktion zeigt, nie vorhanden gewesen.«

»Und – du hast noch keinen Versuch gemacht, ob die Maschine geht – ob sie –«

»Nein, Liebste! Eher möchte ich all diese Wellen und Scheiben und Hebel nicht in Bewegung setzen, ehe ich mir nicht im Geiste über die ganze Konstruktion der Maschine klar geworden bin. Sie muß doch einen Zweck gehabt haben, zum Kuckuck! – Ehe du kamst, hatte ich übrigens einen Gedanken: ich glaubte einen Äugenblick, das rätselhafte Ding sei die Gondel irgendeines unserer jetzigen modernen, lenkbaren Luftschiffe. Dafür spricht erstens ihr Fundort – auf dem Grunde des Meeres – wohin sie aus der Luft gestürzt sein mag, zweitens der Sattel und das räderlose Gestell; – dagegen spricht erstens der Mangel eines Motors – aber der könnte ja beim Absturz explodiert und losgerissen sein, obwohl sich an der Maschine nirgends bis auf ein paar verbogene schienen die Spuren äußerer Gewalt zeigten – –«

»Und zweitens, Pierre?« – –

»Zweitens, liebe Jeanne, spricht dagegen die ganze diffizile Konstruktion, diese vielen Finessen in der Mechanik, dies Gewirr von Stangen und Walzen und Rollen und Scheiben – und nicht zuletzt – diese seltsam funkelnden Wellen aus Kristall –«

»Ja – aber, lieber Pierre – dann will ich doch lieber gleich wieder gehen und auf gelegenere Zeit wiederkommen –«

»Aber warum, meine kleine Jeanne?« fragte Pierre, aufs neue den Arm um sie legend.

»Weil du gewiß noch viele Tage darüber grübeln wirst, was das kuriose Ding bedeuten soll, und – weil du dann gar keine Zeit übrig haben wirst für mich, deine Verlobte!«

»Aber – meine liebe kleine Jeanne! Ich verspreche dir –«

»Versprich nichts; ich kenne dich! Aber – einen Rat will ich dir doch noch geben, Pierre: Probieren geht über studieren! Grüble nicht länger, sondern – setz' dich in den Sattel des Dinges und versuch', ob du es von da aus nicht in Gang bekommst – –«

»Dir zu Gefallen, Kleine! Also – aufgesessen!«

Und mit einem gewandten Satze schwang sich der junge Mann in den Sattel der Maschine.

»So – liebe Jeanne! Da säß' ich auf meinem neuesten Steckenpferd – und was nun?« –

Jeanne lachte nun doch, als sie ihren Pierre auf dem seltsamen Gestell reitend erblickte. –

»Ja – nun weiß ich auch nicht weiter zu raten, Liebster –«

»Halt einmal! – was ist denn das für eine Art Hebel, den ich hier gerade mit der ausgestreckten Hand fassen kann? – –«

Und Pierre griff mit der einen Hand nach einer halbversteckten kleinen Stange und drückte sie zurück – bis zum Anschlage – –

Wie ein heftiger Schlag ging es durch die kleine Schmiede in der uralten Kalkhöhle des Dordogne-Tales. – Ein Luftwirbel erhob sich – –

Mit einem Aufschrei, so gellend und furchtbar, daß ihn die alte Mutter Pierres in dem anmutigen Landhäuschen am Talrande hörte, sank Jeanne ohnmächtig nieder.

Als sie die Augen wieder aufschlug, lag sie im Arm der Mutter Pierres, und teilnehmend standen die Nachbarn und Nachbarinnen des kleinen, südfranzösischen Ortes um sie her.

»Was ist denn geschehen, meine arme Jeanne?« fragte die Greisin, ihr die Stirn streichelnd.

»– Wo ist Pierre, Mutter?«

»Pierre? – Ja, mein Gott, wir wissen es nicht! Hast du ihn nicht hier in der Schmiede gefunden, Töchterchen?«

»Ja, ich fand ihn – aber dann –«

Und sie erzählte in heftiger Aufregung das Geschehene bis zu dem Moment, wo Pierre verschwand.

»Aber wie ist denn das möglich? Wie ist denn das möglich? Ein Mensch kann doch nicht verschwinden, als ob ihn die Erde verschluckt hätte!«

– Immer größer wurde die Verwunderung und das Kopfschütteln der Umstehenden.

»Liebe Jeanne, besinne dich noch einmal genau! Du erzähltest, Pierre habe sich auf die Maschine gesetzt und habe irgendeinen Hebel daran bewegt – und dann – –-?«

»Dann? – Ja – dann – –«

Aufs neue schluchzte sie und barg das Gesicht im Schoße der Mutter.

»Dann, liebe Jeanne – –?«

»Dann – dann! O, es ist gräßlich! Dann wurde seine Gestalt plötzlich durchsichtig wie ein Schemen, immer durchsichtiger, immer flüchtiger: ich sah nur noch einen Wirbel von glänzenden Metallteilen – eine heftige Luftströmung traf mein Gesicht – eine Wolke aufgewirbelten Staubes umhüllte mich – ich schrie auf – weiter kann ich nichts sagen –«

Sie weinte aufs neue fassungslos.

Kopfschüttelnd entfernten sich einige der Umstehenden und holten den Maire des Ortes.

Ein Protokoll wurde aufgenommen. Der Maire ließ die Schmiede in der alten Kalksteinhöhle genau untersuchen. Zoll für Zoll der Wände und des Fußbodens wurde abgeklopft und geprüft. –

Nirgends fand sich etwas, das den rätselhaften Vorfall erklären konnte. Die Hinterwand der Höhle lief in einen langen, schmalen Gang aus, tief hinein in den Kalkfelsen, am Ende verschüttet von herabgebröckeltem Gestein. –

Aber auch hier keine Spur – –

– Pierre Maurignac war und blieb verschwunden!

Am Abend desselben Tages berichtete schon die »Agence Havas« in einem ausführlichen Telegramm über das seltsame Ereignis, und von ihr übernahmen die meisten größeren Zeitungen des In- und Auslandes die Notiz. Es war diesmal nicht die Zeit der »Enten« oder der »Hundstage«, und so wurde der merkwürdige Vorfall mehr oder weniger wissenschaftlich ernst glossiert. Eine eigentliche zureichende Erklärung vermochte aber keines der Tagesblätter für das seltsame Verschwinden des jungen Mannes zu geben. – Am meisten Wahrscheinlichkeit schien noch ein Erklärungsversuch der »Tägl. Rundschau« zu haben. Der Verfasser dieses Artikels versuchte das Verschwinden Pierre Maurignacs in der Hauptsache mit einem pathologischen Zustande der...



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