Gsell | Immer wieder Fernweh | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

Gsell Immer wieder Fernweh

Logbuch eines Inselsammlers
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7431-9869-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Logbuch eines Inselsammlers

E-Book, Deutsch, 296 Seiten

ISBN: 978-3-7431-9869-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Geschichten aus Mikronesien, Erzählungen aus Indonesien. Blogeinträge und Reportagen aus Französisch-Polynesien und den Weiten des Pazifiks. Tagebucheinträge und Reiseprotokolle aus der Karibik und Ägypten. Ergänzt mit einem Ratgeber für Fernreisen, ist daraus das Logbuch eines Inselsammlers entstanden. Die kurz gehaltenen Geschichten eignen sich perfekt gegen den kleinen Wissensdurst zwischendurch. Unterhaltend, humorvoll, mit bitter-heiterer Ironie, frech und frisch, gut gewürzt und abgehangen, lehrreich, eigenwillig in Stil und Ausdruck. Ein Muss für Fernreisende und solche, die es werden wollen.

Hanspeter Gsell, geboren 1951, lebt in der Schweiz. Dort ist er jedoch selten anzutreffen. Auf der Suche nach neuen Zielen reist er mehrmals pro Jahr durch die Welt. Seine Kolumnen erscheinen in Tageszeitungen, seine süffisant geschriebenen Reisetagebücher und Reportagen findet man in Fachzeitschriften. Gsell war: Drogist, Musiker, Kaufmann, Gastronom, Weinhändler, Autor und Kolumnist. Aufgewachsen in Weinfelden, lebte und arbeitete er in der Region Basel sowie in Italien, mit längeren Aufenthalten in der Westschweiz, in Israel, im Libanon und in Mikronesien. Gsell ist: Rentner, Kolumnist, Autor und Reisender. Heute lebt er in Sissach.
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Autoren/Hrsg.


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Die Komoren

Auf der Suche nach dem Quastenflosser

Ein eiskalter Morgen

Es war ein eiskalter Montagmorgen im Januar. Und als ob dies nicht genügt hätte, mir den Tag zu versauen, begegnete ich auf meinem Weg ins Büro dem alten Kaderli. Ich bin zwar nicht wirklich jünger, doch er sieht einfach viel älter aus. Da nützte ihm auch die ungesunde Studiobräune nichts, die viel zu grosse Sonnenbrille sah schlicht lächerlich aus, sein roter Anorak aus der Boutique verlieh ihm den Charme einer alternden Diva.

Kaderli stand vor dem Schaufenster eines Reisebüros und betrachtete die bunten Plakate.

Im Grunde genommen wollte ich ihn überhaupt nicht ansprechen. Die Kälte hatte meinen Atem gefrieren lassen, messerscharfe Eiskristalle überzogen meine Lippen. Trotzdem konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und tippte dem Wichtigtuer auf die Schultern.

«Hallo Kaderli. Wie geht’s, wie steht’s? Na, schon Ferien gebucht, wohin geht’s denn?»

Nachdem er sich vom Schrecken erholt hatte, plusterte er sich auf und antwortete wie gewohnt überheblich.

«Bambi und ich fahren dieses Jahr zum Heliskiing nach Kanada.»

«Ach du Ärmster! Dort ist es ja saukalt und selbst Bären leben dort!»

«Ich weiss. Aber Bambi ...»

Bevor er weiterreden konnte, fiel ich ihm ins Wort.

«Wir fahren nach Moroni!»

«Hä? Nie gehört! Hat’s dort ebenfalls Bären?»

«Nein. Quastenflosser.»

Es gibt Menschen, die sammeln Briefmarken, Paninibilder oder Bierdosen. Ich sammle Inseln.

Nein, weder hänge ich diese auf, noch klebe ich sie in ein Album. Ich bereise sie und stecke anschliessend farbige Nadeln in eine «Hier-war-ich-schon-Weltkarte».

Es gibt gelbe Nadeln (war ich nur wenige Tage), grüne Nadeln (mehr als eine Woche) und rote Nadeln (da will ich hin).

Wie alle Sammler dieser Welt habe ich mich spezialisiert. Ich sammle ausschliesslich tropische oder mindestens subtropische Inseln. So ab 25 Grad Celsius aufwärts. Inseln, auf denen ich Kaderli und Bambi garantiert nie begegnen würde.

Moroni ist die Hauptstadt der «Union des Comores». Dieser Inselhaufen liegt vor der afrikanischen Küste; zwischen Mozambique und Madagaskar, im Indischen Ozean.

Die Komoren sind die Heimat des urzeitlichen Quastenflossers. Dieses Vieh, von dem die Wissenschaft bis vor kurzem glaubte, es sei ausgestorben, ging vor einigen Jahren einem Fischer ins Netz.

Doch nicht nur im Wasser, auch in der Luft tummeln sich eigenartige Lebewesen. Die komorischen Flughunde sollen locker die Grösse eines Bernhardiners erreichen …

Welch’ grandioses Abenteuer wartete auf uns!

Die Komoren

Zürich / Dubai

Puffärmel und der fliegende Teppich

Für unsere Reise auf die Komoren hatten wir Plätze bei der besten Fluggesellschaft der Welt gebucht. Sie gehört einem alten Beduinen und hat in den letzten Jahren sämtliche Auszeichnungen der Welt abgeräumt.

Und so standen wir eines schönen Morgens auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Vor dem Gate hatten sich nur wenige Menschen eingefunden und ich träumte von einer freien Sitzreihe. Da könnte ich mich dann hinstrecken und ein kleines Nickerchen halten. Was jedoch jeder Traumdeuter weiss: Solche Träume sind nichts wert, gar nichts.

Unsere Begegnung mit dem Morgenland war äusserst heftig. Des Emirs fliegender Teppich kam nämlich aus Manchester und war mit Hunderten von orientalisch anmutenden Menschen auf dem Weg an den arabischen Golf besetzt. Pakistanische Grossfamilien spielten Cricket in den Gängen, ein indischer Wahrsager bot in Reihe 12 seine Dienste an und ein alter Afghane spielte auf seiner Flöte eine unpassende Melodie.

Ein Bild biblischen Ausmasses! Welch‘ herrliches Völklein würde mit uns in den Orient fliegen. Denn dort mussten wir auf unserer Reise zum Quastenflosser zuerst hin, nach Dubai. Vorerst hingegen waren noch einige Prüfungen zu bestehen!

Eine Stewardess in Puffärmeln (ich mag die Berufsbezeichnung nicht, tönt einfach vertrauter) begleitete uns zur Reihe 21 und bat uns, Platz zu nehmen.

Allerdings war da kein Platz. Die Sitzreihe war von einer Schar grimmig blickender Jungbeduinen belegt. Unsere Sitzplätze hatten sie mit Hilfe von zwei Schwimmwesten und einer Fensterabdeckung zu einer Anrichte für das kalte Buffet umgestaltet. Exotische Salate und Früchte verströmten einen verführerischen Duft, die kleinen getrockneten Fischchen liessen mich an den Quastenflosser denken.

Selbst das spielerische Element kam nicht zu kurz: Mithilfe kleiner Fleischbällchen spielten sie Korbball. Kreativ, wie nur Jungs sein können, benutzten sie die Kotztüten als Fangkörbe. Wirklich eine liebenswerte Truppe!

Wir versuchten uns bemerkbar zu machen, baten sie höflich, das Buffet abzubrechen und wedelten diskret mit unseren Bordkarten. Sie dachten indessen nicht daran, uns zur Kenntnis zu nehmen. Da sie eine vorbildliche Erziehung genossen hatten, wussten sie, dass man nicht mit jedem dahergelaufenen Fremden sprechen soll. Ich wandte mich deshalb an die nette Flugbegleiterin mit den Puffärmeln und bat sie um Hilfe. Sie zuckte bedauernd mit den Schultern und wies uns andere Sitze zu.

«Please sit down!», meinte sie orientalisch unterkühlt.

«No. Nein. Auf Sitz 22E liegen Windeln!»

«Uindel? No ploblem, sit down!»

«Nein, erstens haben wir keine Kinder und zweitens sind die Windeln gebraucht. Drittens können sie dem Mufti mitteilen, dass die Schwimmwesten und die Kotztüten fehlen!»

«Mufti?»

«Ja, Mufti. Und sagen sie unserm Sitznachbar links, dass er seinen Campingkocher ausblasen soll. Wenn er denn unbedingt einen Pfefferminztee braucht, dann soll er ihn erst über dem offenen Meer köcheln. Aber nur, wenn sie mir endlich die Schwimmwesten bringen!»

Nach gefühlten Stunden hatte Fräulein Puffärmel den orientalischen Teppich einigermassen unter ihre Kontrolle gebracht und schritt zur Ansage. Auf dem Bordmonitor erschien eine Landkarte von Saudi-Arabien und der Stadt Mekka.

«Bevor wir starten, hören sie ein islamisches Gebet.»

Flink schwangen sich dickbärtige Männer in seltsamen Gewändern über die Sitze und warfen sich auf den Boden.

«Allah Akbar», war eine tiefe Männerstimme aus den Bordlautsprechern zu hören.

«Allah Akbar», antworteten die Dickbärte.

«Amen!»

Vor der Landung in Dubai meldete sich der Captain, dankte dafür, dass wir mit ihm geflogen sind (bitte!) und gab uns Ermahnungen mit auf den Weg ins Flughafengebäude.

«Bitte seien sie vorsichtig bei ihrem Gang auf die Toilette und beachten sie die Schilder. Letzte Woche wurde ein besoffener Bayer in der Damentoilette erwischt. Man hat ihn umgehend verhaftet, ausgepeitscht, standrechtlich erschossen und an der nächsten Palme aufgehängt. Zur Abschreckung.»

Die Komoren


Moroni

Rüdiger wartet auf den Quastenflosser

Willkommen in Moroni! Willkommen auf den Komoren! Der Quastenflosser wartet!

Leider wartete auch Rüdiger auf uns. Rüdiger stammt aus Hamburg-Fuhlsbüttel, war seit zwei Wochen hier und erwartete uns an der Rezeption des Hotels.

«Bitte helft mir! Keiner versteht mich! Niemand spricht deutsch! Ich habe gehört, dass ihr Schweizer seid und somit alle Sprachen dieser Welt versteht, bitte helft mir!»

Bevor ich ihn über die Sprachkenntnisse der Schweizer aufklären konnte, offerierte er mir ein Fläschchen .

«Hier, nimm einen Schluck. Wegen der Bakterien und so. Weisst du Emil – ich darf dich sicher duzen? – Heike vom Reisebüro hat mir versprochen, dass es hier eine deutschsprachige Reiseleitung gäbe. Doch die ist unauffindbar. Und jetzt sitze ich die ganze Zeit im Hotel und bin noch nicht auf den Skiern gestanden.»

«Du willst Skilaufen? Auf den Komoren? Du spinnst ja hochgradig! Und wer bitte soll Emil sein?»

«Nein, nicht Skilaufen, Skifahren, Wasserski – wieso, heisst du nicht Emil? Ich dachte, alle Schweizer …»

Das konnte ja heiter werden! Nachdem ich den orientalischen Karawanen entkommen war, versuchte mich ein Wasserski fahrendes Kamel namens Rüdiger zu adoptieren! Ich beschloss etwas dagegen zu tun und nannte ihn ab sofort Adolf. Ehe er mich zu einem weiteren nötigen konnte, verabschiedete ich mich.

«Gute Reise, Herr Adolf! Auf Nimmerwiedersehen! » Der Gruss blieb unerwidert

Nach einer ersten Nacht in der Heimat der Quastenflosser trafen wir Adolf am Frühstücksbuffet.

«Heute fahr ich zum Quastenflosser! Kommt ihr mit?»

«Nein. Und überhaupt, wo soll der denn zu finden sein?»

«Ich habe mit einem Einheimischen gesprochen. Er heisst Mohammed und bringt mich mit seinem Kanu zum Riff. Dort wohnt er.»

«Wer? Mohammed?»

«Nein, der...



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