Gunn | DIE ERPRESSER | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 267 Seiten

Gunn DIE ERPRESSER

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6276-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 267 Seiten

ISBN: 978-3-7487-6276-8
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Lärmende Musik dröhnt aus dem Motorboot, das in der Nähe von London vor Anker gegangen ist. Die Besitzer der Silver Queen scheinen ein rauschendes Fest zu feiern. Doch niemand ist an Bord - bis auf zwei Tote.... Der Roman Die Erpresser von Victor Gunn (eigentlich Edwy Searles Brooks; * 11. November 1889 in London; ? 2. Dezember 1965) erschien erstmals im Jahr 1952; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1958. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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  Erstes Kapitel
    Dr. Philip Harding lächelte zufrieden vor sich hin, während er den Zufahrtsweg des alten Landhauses hinabging. Es war bereits neun Uhr, aber er schien nicht ungehalten darüber, dass man ihn an diesem unfreundlichen Oktoberabend noch zu so später Stunde gerufen hätte. Mrs. Pilkington war sein wichtigster Patient - wichtig darum, weil sie ihre Rechnung pünktlich bezahlte. Die alte Dame konnte man nicht eigentlich krank nennen, Dr. Harding hielt sie sogar für sehr gesund. Aber sie gehörte zu jenen eigensinnigen Leuten, die nichts mit dem Staatlichen Gesundheitsdienst zu tun haben wollten. Mrs. Pilkington fühlte sich, erst dann richtig wohl, wenn sie glauben konnte, an einer schrecklichen, beunruhigenden Krankheit zu leiden. Dr. Harding war noch jung - erst zweiunddreißig -, und er war nicht sehr ehrgeizig. Das bewies allein schon die Tatsache, dass er vor eineinhalb Jahren eine vernachlässigte Landpraxis gekauft hätte und sich mit dem ruhigen! eintönigen Leben eines Dorfarztes zufriedengab. Spezialistentum, mit einer Praxis in der Harley Street als höchstem Ziel, hatte ihn nie beeindruckt. Er hasste London und alle anderen Großstädte. Seine Vorstellung von einem gesunden, vollkommenen Dasein gipfelte in einem ruhigen Leben auf dem Lande, das ihm reichlich Zeit ließ, Golf zu spielen und im Garten Blumen zu ziehen. Gewiss, seine Verlobte hatte in der City eine gute Stellung als Geschäftsführerin eines großen Unternehmens, aber das hübsche, geräumige Haus, das Dr. Harding bewohnte, gefiel ihr. Er war überzeugt, dass auch sie sich an das geruhsame Leben auf dem Lande gewöhnen würde. Trotzdem runzelte der junge Arzt jetzt unmutig die Stirn, während er weiter den dunklen Garten entlangging. Der Gedanke an Doris kam nicht von ungefähr. Sie hatte ihm in letzter Zeit schwer zu schaffen gemacht. Erst bei ihrem letzten Zusammensein hatte sie ihn wieder gedrängt, doch endlich den Lehm von den Füßen abzustreifen - wie sie sich ironisch ausdrückte - und eine elegante Praxis im West End zu kaufen. Er besaß einiges Vermögen und sie ebenfalls - damit ließe sich schon etwas Ordentliches kaufen. Harding hoffte indessen, dass sie es nicht so ernst meinte, wie sie sich den Anschein gab. Der Kummer mit Doris war allein der, dass sie ihn maßlos überschätzte. Er hielt sich nicht für übermäßig klug - er wollte es auch nicht sein. Aber die Art, wie sie ihn immer wieder zwingen wollte, etwas darzustellen, was er absolut nicht sein wollte, ärgerte ihn. Ohne Zweifel würde sie noch vernünftig werden. Wenn sie erst einige Monate auf dem Land gelebt hatte, würde sie ihm zustimmen müssen, dass dies die einzig richtige Lebensform war. Harding erreichte die Straße und ging auf seine Vauxhall-Limousine zu. Überrascht bemerkte er, dass dicht neben seinem Wagen ein kleiner Vorkriegs-Austin stand. Im schwachen Nebel beugte sich ein undeutlicher Schatten über das Heck seiner Limousine, und Dr. Harding fragte sich beim Näherkommen erbost, wer, zum Teufel, sich da an seinem Wagen zu schaffen mache. Der andere war so intensiv in seine Beschäftigung versunken, dass er den Herankommenden weder hörte noch sah, bis dieser dicht vor ihm stand. Philip erkannte mit einem Blick, was vor sich ging. »Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte er mit herausfordernder Höflichkeit. In Wirklichkeit kochte er vor Zorn. Ein junger Bursche war damit beschäftigt, Benzin aus seinem Tank abzuzapfen und in einen Kanister zu füllen, der neben dem Wagen auf der Straße stand. Diese Unverschämtheit nahm Philip fast den Atem. Der Bursche vor ihm schien ein typischer kleiner Schieber zu sein. Er trug einen dunklen Regenmantel mit Gürtel und eine Baskenmütze. Das Gesicht, das sich blitzschnell herumwandte, verriet empörte Überraschung. Philip sah es nur undeutlich, es schien blass - mit vor Schreck geweiteten Augen - und sehr jung zu sein. »Ich liebe solche Stibitzereien gar nicht, mein Sohn«, erklärte er mit grimmiger Ruhe. »Warum, um alles in der Welt, konnten Sie nicht warten, bis ich herauskam, um mich dann auf anständige Art um Sprit zu bitten?« Der ertappte Bursche war offensichtlich viel zu verstört, um auch nur ein Wort herausbringen zu können, aber doch nicht verstört genug, um nicht auf andere Art zu reagieren. Er packte den halbgefüllten Benzinkanister und warf ihn Philip vor die Brust. Dann rannte er davon. Der junge Arzt wurde durch diesen unerwarteten Angriff völlig überrumpelt. Der Kanister war unverschlossen, das Benzin spritzte heraus und drang ihm in Augen und Nase. Er taumelte zurück, halb blind und ziemlich fassungslos. »Du verdammter Bengel!«, schrie er zornig und spuckte kräftig aus. In wütender Abwehr hatte er den Kanister auf die Straße geschleudert. Ein krachender Aufschlag und das gluckernde Geräusch des auslaufenden Benzins - währenddessen hörte er schon das Zuschlagen einer Wagentür und das Aufheulen des Motors. Der altmodische Austin brauste davon. »Nein, zum Teufel, du entkommst mir nicht!«, brüllte Philip ihm nach. Er war maßlos wütend. Im Augenblick wünschte er sich nichts anderes, als diesen jungen Burschen in die Finger zu bekommen und so zu verprügeln, dass er sich noch lange daran erinnern würde. Sein Benzin zu stehlen war schon eine Unverschämtheit, aber ihm das Zeug anschließend noch ins Gesicht zu schütten, das war der Gipfel der Frechheit. Philip riss die Tür seines Wagens auf und sprang hinein. Kostbare Sekunden gingen verloren, während er ungeschickt mit dem Zündschlüssel hantierte. Der kleine Austin heulte indessen die stille Berkshire-Landstraße entlang. Philip hegte nicht den geringsten Zweifel, dass er den Fliehenden in kürzester Zeit eingeholt haben würde. Sein neuer Vauxhall war viel schneller als dieser vorsintflutliche Austin. Allerdings hatte er keine genaue Vorstellung davon, wie er den Burschen zum Halten zwingen sollte. Dunkel kam ihm in den Sinn, dass er den Austin überholen und sich dann querstellen könne - wie ein Polizeistreifenwagen auf Banditenjagd aber diesen Gedanken verwarf er sofort, noch ehe er ihn zu Ende gedacht hatte. Auf seinen neuen Vauxhall war er sehr stolz; er hatte keine Lust, sich die wundervoll glänzenden Kotflügel bis zur Unkenntlichkeit zerbeulen zu lassen. Im Wagen machte sich jetzt ein unangenehmer Benzingeruch bemerkbar. Philips Mantel war oben völlig durchweicht, die Benzindämpfe bissen ihn in die Augen, und seine Nase revoltierte gegen den penetranten Gestank. Trotzdem fuhr er mit äußerster Geschwindigkeit, aber der kleine Austin blieb tapfer voraus. Plötzlich schoss Philip ein Gedanke durch den Kopf, der ihn mit Genugtuung erfüllte. Der andere Wagen musste sehr knapp mit Treibstoff sein, sonst hätte der Bursche wohl kaum sein Benzin abgezapft. Nach einigen Kilometern würde der Motor des Austin aussetzen, weiter würde er nicht kommen. Wahrscheinlich ein gestohlener Wagen - warum sonst diese Flucht um jeden Preis? Ein Entkommen war jedenfalls unmöglich. Die überlegene Geschwindigkeit des Vauxhall wurde nun offensichtlich. Langsam aber sicher schob Philip sich näher an den anderen Wagen heran. Beide rasten mit etwa neunzig Stundenkilometern dahin - aber der Vauxhall war eine Idee schneller. Der junge Mensch vor ihm musste augenscheinlich vor Angst völlig kopflos geworden sein, anscheinend hatte er das Gaspedal bis unten durchgetreten. Sie mussten jeden Augenblick Farlowe erreichen, das Dorf, in dem Philip wohnte... »Mein Gott!«, entfuhr es dem jungen Arzt entsetzt. Ein schrecklicher Gedanke war ihm gekommen. Die Straße lag teilweise im Nebel. Normalerweise würde er unter diesen Umständen nicht mehr als fünfzig gefahren sein - obwohl er jede Bodenwelle und jede Kurve genau kannte. Der Mann vor ihm war offensichtlich fremd hier in der Gegend, er würde blindlings in die Falle rasen, die weniger als eine halbe Meile vor ihnen lag... Bei Farlowe Reach gab es eine gefährliche scharfe Biegung, eine rechtwinklige Kurve - die Straße bog hier unversehens ab und lief dann parallel zum Fluss. Nicht weit davon stand Philips Haus. Philip kannte deshalb die Heimtücke dieser Kurve genau. So mancher Autofahrer war hier schon zu Schaden gekommen, selbst wenn er nur mit normaler Geschwindigkeit gefahren war. Und an einem Abend wie diesem musste der gefährliche Teil der Straße zudem in dichten, tiefliegenden Nebel gehüllt sein, der vom Flussufer heraufstieg. Der verängstigte Junge da vorn - er war ja wirklich nicht viel mehr als ein Junge, und Philip neigte dazu, ihn jetzt bedeutend milder zu beurteilen als zu Anfang ihrer Bekanntschaft - raste geradewegs in den Nebel hinein, ohne zu ahnen, dass die gefährliche Kurve unmittelbar vor ihm lag. Anscheinend holte er das Letzte aus seinem Wagen, um den Verfolger abzuschütteln. »Mein Gott«, stöhnte Philip abermals und erhöhte seine Geschwindigkeit, während er gleichzeitig das Horn ertönen ließ, um damit eine laute und eindringliche Warnung zu geben. Dass dies sehr unklug war, musste er sich selbst sagen, denn die brüllende Hupe bewies dem Flüchtenden nichts anderes, als dass sein Verfolger ihm dicht auf den Fersen war. Instinktiv würde er noch mehr Gas geben. Philip brach der Angstschweiß aus. Er glaubte die Ahnung des bevorstehenden Unheils direkt körperlich zu spüren, und das Gefühl seiner völligen Hilflosigkeit - er wusste genau, dass er nichts tun konnte, um das Unglück zu verhindern - erfüllte ihn mit Entsetzen. Er fühlte sich verantwortlich, schließlich war er es, der den jungen Burschen in diese Falle hineinjagte. Es war bereits viel zu spät, den Wagen anzuhalten, um damit den Jungen wissen zu lassen, dass niemand ihn mehr...



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