Gunn | INSPEKTOR CROMWELL ÄRGERT SICH | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 193 Seiten

Gunn INSPEKTOR CROMWELL ÄRGERT SICH

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6776-3
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 193 Seiten

ISBN: 978-3-7487-6776-3
Verlag: BookRix
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Lord Cloverne, ein pensionierter Londoner Richter, war in den langen Jahren seiner Tätigkeit gefürchtet und verhasst wegen seiner unerbittlichen Strenge. Es wird ein Anschlag auf ihn verübt, und Chefinspektor Cromwell hat sich mit dem Fall zu befassen. Dabei muss er manches einstecken, ohne sich in gewohnter Weise Luft machen zu können... Der Roman Inspektor Cromwell ärgert sich von Victor Gunn (eigentlich Edwy Searles Brooks; * 11. November 1889 in London; ? 2. Dezember 1965) erschien erstmals im Jahr 1943; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1958. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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  Erstes Kapitel
    Ein altmodischer Landauer, von zwei Schimmeln gezogen, rollte über den Blount Square. Die wenigen Passanten blieben trotz des beißenden Windes stehen und lächelten amüsiert. Das altertümliche Vehikel war den Bewohnern von Blount Square durchaus vertraut. Lord Cloverne unternahm mit ihm seine tägliche Ausfahrt in den Park. Das Wetter war schön, trotz des kalten Nordwinds, und die Sonne zeigte sich nur von einem leichten Dunstschleier verhüllt. Gute Vorboten für den kommenden Abend, an dem die Londoner Kinder zahllose Feuerwerkskörper in die Luft jagen wollten. Man schrieb den 5. November - den Guy-Fawkes-Tag, zur Erinnerung an die Pulververschwörung im Jahre 1605. Lord Cloverne, in einen dicken Mantel gehüllt, eine Decke über den Knien, saß hochaufgerichtet im Fond. Sein von tiefen Falten zerfurchtes Gesicht wirkte beinahe furchterregend, und die Mütze auf seinem weißen Haar schien aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen. Der Kutscher, ein großer älterer Mann mit glattrasiertem Gesicht und geröteter Haut, saß mit würdevoller Gelassenheit auf dem Kutschbock, ohne von den vorbeifahrenden Autos Notiz zu nehmen. Die Pferde trotteten gemächlich dahin. In dieser stillen Westendgegend herrschte trotz der Nähe der vielbefahrenen Bayswater Road nur wenig Verkehr. Aber wie aus heiterem Himmel veränderte sich die friedliche Szenerie. Ein schmutziger alter Ford überholte den trägen Landauer, zwischen den Beinen der Pferde gab es eine ohrenbetäubende Explosion - zweifellos die Entladung eines gedankenlos hingeworfenen Feuerwerkskörpers vom Typ Kanonenschlag. Die entsetzten Pferde stiegen hoch, während der Kutscher hilflos an den Zügeln zerrte. Der Landauer geriet ins Schwanken, schien einen Augenblick lang umzukippen und raste dann in wilder Fahrt davon. Lord Cloverne, wie eine Puppe hin und her geworfen, suchte verzweifelt nach festem Halt. Die wenigen Passanten blieben mit offenem Mund stehen. Der Kutscher hatte die Kontrolle über das Gespann gänzlich verloren, und schon schien sich das unglückliche Ende abzuzeichnen. Am Ende des Platzes führte die Straße in einer scharfen Biegung nach rechts, und der Landauer musste in dieser Kurve den Gesetzen der Schwerkraft folgen und seine Insassen unter sich begraben. Der Kutscher schrie erschrocken auf. Sein Hilferuf verhallte nicht ungehört. Ein junger Mann in einem Sportmantel mit Pelzkragen beobachtete das kleine Drama vom Bürgersteig aus. Als der Landauer herankam, lief er auf die Straße, ergriff das Halfter des Außenpferdes und stemmte sich mit grimmiger Entschlossenheit gegen die kopflose Flucht. Angesichts des nicht unbeträchtlichen Risikos erforderte solches Eingreifen einigen Mut, und ein paar Augenblicke lang hatte es auch den Anschein, als seien alle Bemühungen fruchtlos, als werde das Unglück noch ein drittes Opfer fordern. Aber der junge Mann ließ nicht locker; und nach einigen Sekunden hatte er die Pferde unter Kontrolle. Zitternd und mit geblähten Nüstern kamen sie endlich zum Stehen. »Na, nur schön die Zügel festhalten«, meinte der junge Mann gelassen, als er zurücktrat. »Sie sind schon wieder brav.« Er tätschelte dem zunächst stehenden Pferd den Hals. »Nicht wahr, ihr Hübschen?« »Das ist ja gerade noch mal gutgegangen«, sagte der Kutscher, dem der Schweiß in kleinen Tröpfchen auf der Stirn stand. »Ich hab’ schon gedacht, Sie kommen unter die Hufe.« Er drehte sich um und erkundigte sich besorgt: »Alles in Ordnung, Mylord?« »Sie können jedenfalls nichts dafür, Broome«, sagte dieser mit schnarrender Stimme. »Das haben Sie gut gemacht, junger Mann.« Er sah den Unbekannten durchdringend an. »Sie haben allerhand riskiert. Wieviel schulde ich Ihnen für den Dienst?« Dem jungen Mann stieg das Blut ins Gesicht. »Ich mache so etwas nicht gegen Bezahlung, Sir«, versetzte er kurz angebunden. Seinem Gesicht war die Verärgerung deutlich anzumerken, als er sich umdrehte, um wegzugehen. »Einen Augenblick«, rief Lord Cloverne. »Sie haben mir einen großen Dienst geleistet, ja vielleicht sogar mein Leben gerettet. Ich bestehe darauf, das entsprechend abzugelten.« Der junge Mann zögerte einen Augenblick, sah Lord Cloverne starr ins Gesicht und marschierte davon. Ein Polizeibeamter, der gerade dazugekommen war und dabei das kurze Gespräch mit angehört hatte, gab dem jungen Mann im Stillen recht. »Das war aber recht knapp, Mylord«, meinte er. »Warum sind denn die Pferde durchgegangen?« »Worauf das auch zurückzuführen sein mag, ich habe mich bei einem unhöflichen Unbekannten zu bedanken, dass er sie zum Stehen gebracht hat«, raunzte Lord Cloverne. »Sie haben ja selbst gesehen, wie er auf mein Angebot reagiert hat. Wieder einmal typisch für die Londoner Polizei, dass sie erst dann erscheint, wenn man sie nicht mehr braucht.« »Das war ein Kanonenschlag«, sagte der Kutscher aufgebracht. »Irgendein Hanswurst hat ihn zwischen meine Pferde geworfen.« »Ah ja, natürlich, heute ist ja Guy-Fawkes-Tag«, meinte der Polizeibeamte. »So etwas kommt eben immer wieder mal vor, Mylord. Manche Leute halten das für witzig. Am Blount Square sind diese Faxen freilich nicht üblich.« »Dem Mann, der das Ding geworfen hat, ging es nicht um einen Spaß«, sagte Broome überzeugt. »Ich habe ihn beobachtet. Er ist mit seinem alten Wagen an uns vorbeigefahren, hat sich zum Fenster hinausgebeugt und das Ding zwischen die Beine meiner Pferde geworfen. Das war reine Absicht. Seine Lordschaft hätte ums Leben kommen können.« »Im Ernst?«, fragte der Polizeibeamte. »Was für ein Wagen war es denn?« »Er sah aus wie ein Ford.« »Und der Fahrer?« »Ich habe ihn nicht deutlich gesehen, so schnell ging alles. Jedenfalls hat er das absichtlich gemacht.« »War sonst noch jemand im Wagen?« »Ich habe niemand gesehen.« »Haben sich die Pferde wieder beruhigt, Broome?«, fragte Lord Cloverne ungeduldig. »Warum trödeln Sie dann noch herum? Fahren Sie weiter!« »Soll ich wirklich weiterfahren, Mylord? Nach einem solchen Schreck?«, wandte der Kutscher ein. »Wollen Sie nicht lieber umkehren?« »Nein. Denken Sie, ich lasse mich durch diese albernen Späße von meiner Ausfahrt abhalten? Fahren Sie los, Broome!« Der Kutscher sah den Polizeibeamten hilflos an und zerrte an den Zügeln. Die Schimmel setzten sich gehorsam in Bewegung, und der alte Landauer rollte davon. Auf dem Blount Square kehrte die gewohnte Ruhe ein. Der Wachtmeister starrte der Kutsche nach, kratzte sich am Ohr, schüttelte zweifelnd den Kopf und setzte seinen Streifengang fort.   Chefinspektor Bill Cromwell saß mit übereinandergeschlagenen Beinen vor dem Schreibtisch von Colonel Lockhurst in Scotland Yard. Vor wenigen Minuten war er zu seinem Chef gerufen worden. »Sie müssen eine diffizile Sache für mich übernehmen«, begann Lockhurst zögernd. »Nichts Bedeutendes. Es nimmt höchstens eine halbe Stunde in Anspruch.« Cromwell, bei seinen Kollegen als Ironsides bekannt und wegen seiner Erfolge in zahlreichen Mordfällen bewundert, fragte sich, was da wohl kommen mochte. Er hatte seinen Vorgesetzten selten so unsicher gesehen. »Sie wissen wohl, dass ein gewisser Claude Moran vor ein paar Tagen aus dem Zuchthaus Parkhurst entflohen ist«, fuhr Lockhurst fort, anscheinend vom Thema abkommend. »Ein gefährlicher Bursche, Cromwell.« »Jawohl, Sir, ich habe von ihm gehört. Er scheint wohl nicht ganz bei Trost zu sein. Dient elf Jahre von seinen fünfzehn ab, um dann plötzlich zu entwischen. Früher oder später fangen wir ihn doch, dann muss er alles nachholen.« »Mit Vernunft ist diesen Leuten nicht beizukommen«, meinte Lockhurst achselzuckend. »Sobald sich eine Fluchtmöglichkeit ergibt, ziehen sie los, ohne lange nachzudenken. Natürlich ist er dumm. Ich habe aber das unangenehme Gefühl, dass er nicht nur dumm, sondern auch gefährlich ist. Der alte Cloverne hat ihn wegen schweren Raubes zu fünfzehn Jahren verurteilt. Erinnern Sie sich an ihn? Richter Cloverne, berüchtigt für seine drakonischen Strafen. Das Urteil für Moran war damals allgemein als zu hart empfunden worden - vor allem natürlich von Moran selbst. Er hat den Richter noch im Gerichtssaal bedroht.« Bill Cromwell zuckte mit den Achseln. »Das kommt doch beinahe jeden Tag vor, Sir.« »Schon, aber nicht so ausgeprägt wie bei Moran«, erwiderte Lockhurst. »Seine Drohungen kann man nicht so einfach abtun. Er schwor sich, dem alten Teufel, wie er ihn nannte, alles heimzuzahlen. Sein Hass gegen Cloverne scheint auch nicht abgenommen zu haben. Wie ich aus dem Zuchthaus erfahre, scheint er die Drohungen bis zuletzt wiederholt zu haben.« »Richter Cloverne«, wiederholte Ironsides und zog die buschigen Brauen zusammen. »Vor ein paar Jahren ist er doch in Pension gegangen? Lord Cloverne heißt er ja jetzt wohl.« »Gestern Vormittag ist etwas Merkwürdiges passiert, Cromwell«, sagte Lockhurst langsam. »Lord Cloverne wohnt am Blount Square, in der Bayswater Gegend, und er wollte gerade seine tägliche Ausfahrt unternehmen, als vor seinen Pferden ein Feuerwerkskörper explodierte. Er ist ein recht altmodischer Mensch und benutzt einen offenen Landauer. Die Pferde gingen natürlich durch.« »Wollen Sie etwa sagen, dass Moran da die Finger im Spiel hat, Sir?« »Möglich wäre es.« »Das möchte ich bezweifeln, Sir«, entgegnete Cromwell. »Das passt ganz und gar nicht zu Moran. Ob es nicht nur auf den Guy- Fawkes-Tag zurückzuführen war?« »Kaum«, meinte Lockhurst....



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