Gunn | SCHREI VOR DER TÜR | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 234 Seiten

Gunn SCHREI VOR DER TÜR

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6554-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 234 Seiten

ISBN: 978-3-7487-6554-7
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Nebelnacht in London... In einer einsamen Straße im Hafenviertel zerreißt der verzweifelte Schrei einer Frau die Stille. Als die Reporterin Lorna West und ihr Verlobter Andrew Ferguson dort auftauchen, ist jedoch niemand zu sehen. Nur rote Flecken auf dem Pflaster: Blut! Die Spur verliert sich im Nebel. Sie gehen ihr nach. Bis zu einem versteckten Winkel in einer finsteren Gasse. Und dort... Der Roman Schrei vor der Tür von Victor Gunn (eigentlich Edwy Searles Brooks; * 11. November 1889 in London; ? 2. Dezember 1965) erschien erstmals im Jahr 1965; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1966. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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  Erstes Kapitel
    »Es ist Blut - frisches, feuchtes Blut!« Die Stimme des Mädchens, von Natur sonst weich und wohlklingend, klang rau vor Entsetzen. Ihre schmale, behandschuhte Hand klammerte sich an den Arm ihres Begleiters. »Ruhig, Lorna! Blut? Du musst dich irren.« Der junge Mann sprach nervös. »Der Teufel hol’ diesen Nebel! Du bist sicher bloß in irgendeiner Pfütze hier ausgeglitten.« »Nein, es ist keine gewöhnliche Pfütze«, unterbrach ihn das Mädchen erregt. »Es ist ganz nass und glitschig. Oh, Andrew, wie schrecklich!« Mit einem ungeduldig gemurmelten Ausruf zog Andrew Ferguson eine Taschenlampe aus seiner Manteltasche und richtete ihren Strahl auf den Bürgersteig. Ein eisiger Schreck durchfuhr ihn, als er auf eine Blutlache hinunterstarrte. Das Blut war noch nicht geronnen, ein Beweis, dass es erst vor wenigen Minuten vergossen worden war. »Mein Gott!«, entfuhr es Andrew. »Jemand muss eine Kugel abbekommen haben, kein Zweifel.« Er blickte sich beunruhigt um, während er Lorna ein bisschen näher zu sich zog. Es war nichts zu sehen, außer den wirbelnden, brodelnden Nebelschwaden im Lichtstrahl seiner Taschenlampe. Bei diesem Wetter machte die String Lane in Stepney einen wenig erfreulichen Eindruck. Selbst bei schönstem Sonnenschein war sie schon eine hässliche, verrufene Seitengasse im Londoner Osten. Was hatten diese beiden jungen Leute in einer solchen Gegend zu suchen? Was führte Lorna West, eine junge Journalistin, und den Ingenieur Andrew Ferguson um acht Uhr eines nebligen Oktoberabends durch diese verrufene Straße? Ihr Verlobter war von Anfang an gegen dieses Unternehmen gewesen; aber Lorna war ein eigenwilliges Mädchen, das genau wusste, was es wollte, und entschlossen war, seinen Willen durchzusetzen. Sie waren mit seinem Wagen von Streatham, wo Andrew mit seinen Eltern in einem geräumigen Haus wohnte, losgefahren. Schon bald nach ihrem Start hatte sich der Nebel in einem Maß verdichtet, dass Andrew beschloss, die ganze Sache abzublasen. Der Verkehr war mehr oder weniger zu einem Stillstand gelangt. »Du siehst selbst, Lorna, es hat keinen Sinn«, erklärte er ohne Umschweife. »Mit diesem Tempo werden wir nie ankommen. Es ist ohnehin ein verrückter Einfall von dir. Dieser Nebel gibt den Ausschlag.« »Wieso denn? Es ist noch nicht einmal sieben, und ich brauche erst um acht dort zu sein. Bis dahin schaffen wir es noch leicht.« »Mein lieber Dickkopf...« Der junge Mann unterdrückte sein impulsives schottisches Temperament und schwieg einen Moment. So sehr er Lorna liebte - und er liebte sie mehr als irgendetwas auf Erden - so sehr hing er auch an seinem Wagen, in dem sie nun saßen. Es war sein eigener Pratt-Ferguson-Spezial, ein grandioses Ding mit leistungsfähigem Motor und einer schnittigen Karosserie, ein ganz persönliches Produkt seines Geistes. Einen solchen Wagen in dem immer undurchdringlicher werdenden Nebel zu riskieren, grenzte, seiner Meinung nach, einfach an Wahnsinn. Er fing noch einmal von vorne an: »Wenn du erst um acht dort eintreffen musst, dann bleibt uns noch massenhaft Zeit, die Sache in aller Ruhe zu besprechen. Du bist so verflixt ungeduldig, Liebling! Kommst angerannt und überredest mich, Hals über Kopf nach Stepney zu fahren. Dabei habe ich nicht die entfernteste Ahnung, worum sich das Ganze dreht. Was ist das eigentlich für eine Verabredung, von der du dauernd sprichst?« »Ach, Andrew, ich hab’ dir doch schon alles erklärt!«, sagte das Mädchen ungeduldig. »Fürchtest du dich vor ein bisschen Nebel? Du, ein berühmter Rennfahrer? - Wenn wir hier herumsitzen, kommen wir natürlich nie irgendwo an...« »Na, wenigstens sind wir nun von der Hauptverkehrsstraße weg«, unterbrach sie Andrew. »Der Verkehr ist zwar überall so gut wie gelähmt. Der Nebel wird von Minute zu Minute schlimmer.« Er suchte nach seinen Zigaretten, hielt Lorna das Päckchen hin und zündete sich eine an, nachdem sie abgelehnt hatte. Dann betrachtete er sie in dem gedämpften Schein, der vom Schaltbrett ausging. Ihr leidenschaftliches, schön geformtes Gesicht, mit diesem lebhaften Ausdruck, der so charakteristisch für sie war, verfehlte nie seine Wirkung auf ihn. Wieder einmal - wohl zum tausendsten Mal - dachte Andrew, dass er mit dem hübschesten Mädchen der Welt verlobt war, und, wie schon so oft, überfiel ihn eine seltsame Scheu bei dem Gedanken, dass sie sich aus so einem Durchschnittstyp wie ihm etwas machen sollte. Er konnte ihre dunklen Locken über den wohlgeformten Ohren sehen, ihr reizvolles Profit und das Wissen über ihre gegenseitige Vertrautheit erfüllten ihn mit einem warmen Gefühl des Glücks. »Die ganze Geschichte ist absolut simpel«, sagte sie. »Ich habe mit einem Redakteur vereinbart, eine Artikelserie über den Alltag in Stepney und Wapping und in der Hafengegend ganz allgemein zu schreiben.« »Warum?«, fragte Andrew nüchtern. »Wir wollen es einmal vom Gesichtswinkel der Frau aus bringen«, setzte ihm Lorna auseinander. »Aber wie soll ich den bekommen, wenn ich nicht für eine Weile hier lebe? Ich möchte alles mit eigenen Augen sehen.« Sie redete voller Begeisterung. Als freiberufliche Journalistin mit einiger Erfahrung war Lorna immer begierig, neue Gebiete zu erforschen. Sie war an keine Zeitschrift vertraglich gebunden, aber ein gewisser Redakteur interessierte sich im Augenblick stark für einen Vorschlag, den sie ihm unterbreitet hatte. Ganz abgesehen von der recht einträglichen finanziellen Seite dieser Vereinbarung, hing auch Lornas beruflicher Ehrgeiz an dieser Idee. »Und was hat das mit deiner Verabredung zu tun?« »Ich will Mrs. Dowsett aufsuchen. Vor ein paar Tagen gab ich in zwei Tageszeitungen Anzeigen auf, um hier in der Gegend eine passende Unterkunft zu finden. Eine der Zuschriften, die ich erhielt, kam von Mrs. Dowsett«, erklärte ihm Lorna, sichtlich bemüht, nicht die Geduld zu verlieren. »Ich hatte den Eindruck, dass ihr Angebot das richtige für mich ist. Sie bewohnt eine recht komfortable Wohnung und ist bereit, sie mit mir zu teilen, solange ich will. Und es würde mich nur fünf Pfund pro Woche kosten.« »Das scheint mir ziemlich teuer zu sein«, wandte Andrew mit echt schottischer Vorsicht ein. »Unsinn! Das ist billig«, beharrte Lorna. »Woher willst du das wissen? Vielleicht ist es irgendein schmutziges Loch in einer üblen Hintergasse...« »...weshalb wir, mein lieber, armer Dummkopf, nach Stepney fahren und uns die Wohnung ansehen«, beendete Lorna gereizt. »Ich bin nicht ganz so naiv, dass ich Mrs. Dowsetts Angebot unbesehen annehme. Wir haben uns heute zur Lunchzeit recht nett in einem Restaurant unterhalten...« »Oh, du hast diese Frau bereits getroffen?« »Natürlich hab’ ich das. Sie ist überraschend nett - ein bisschen zu stark aufgeputzt vielleicht, ein wenig zu viel Make-up, aber das stört mich nicht. Sie hat mir gleich angeboten, sie Millie zu nennen.« »Du lieber Himmel!« »Was ist denn falsch daran? Millie ist ein hübscher Name. Wir haben uns für heute Abend verabredet. Ich versprach, um acht Uhr bei ihr zu sein, so dass sie mir die Wohnung zeigen kann. Andrew, du musst doch verstehen, dass ich sie nun nicht versetzen kann! Ich glaube, sie braucht das Geld.« »Das mag ja sein, aber sie wird gewiss begreifen, dass du bei diesem Nebel nicht kommen kannst«, protestierte er. »Schau dich doch um, Mädchen! Dick wie Bohnensuppe! Es geht einfach nicht, Lorna.« Lorna spähte durch die beschlagene Windschutzscheibe. »Es ist wirklich ein bisschen viel«, gab sie zu. »Was für ein Pech, dass es gerade heute Abend so neblig sein muss!« »Kannst du die Frau nicht anrufen?« »Ich weiß nicht. Sie sagte nichts davon«, antwortete Lorna und biss sich auf die Lippen. »Das habe ich vergessen, sie zu fragen. Komm schon, Andrew - lass uns weiterfahren.« »Schau, Lorna, sei vernünftig, gib es auf!«, drängte er. »Ich bin in jedem Fall ganz und gar gegen diese verrückte Idee von dir. Der Gedanke, dass du hier in diesem finsteren Viertel leben willst, ist mir einfach unerträglich. Wapping! Stepney, Shadwell! Die übelste Gegend im Londoner Osten. Weiß Gott, was einem hübschen Mädchen wie dir hier alles zustoßen kann!« Sie lachte leichtherzig. »Hör mal, Andrew, glaubst du eigentlich, wir leben immer noch im vorigen Jahrhundert? Was für eine Vorstellung hast du bloß? Dunkle Hintergassen mit Gaslaternen und Straßenräuber hinter jeder Ecke? Der Londoner Osten ist heutzutage absolut respektabel.« »Woher willst du das wissen?«, widersprach er heftig. »Das glaubst du bloß, mein Kind. Ich wiederhole dir, mir gefällt die Idee nicht, dass du...« Er brach ab, weil ihm seine Vernunft sagte, dass jeder weitere Protest von seiner Seite sie nur noch widerspenstiger machen würde. In den zwölf Monaten, die er sie kannte, war ihm klargeworden, dass Lorna nicht nur ein Mädchen mit durchaus eigenen Ansichten war, sondern überdurchschnittliche Intelligenz und Unternehmungsgeist besaß. Eine sprühende, kraftvolle Elektrizität lag ihrer Persönlichkeit zugrunde, für die er große Bewunderung hegte. Manchmal, um ganz ehrlich zu sein, hatte er sogar ein bisschen Angst vor ihr. »Wir verschwenden nur Zeit, wenn wir hier herumsitzen und warten«, fuhr Lorna fort. »Ich gebe dir recht, was den Nebel betrifft. Er wird immer schlimmer. Es hat keinen Sinn weiterzufahren. Glücklicherweise befindet sich der Bahnhof Streatham Hill direkt dort über der Straße.« »Was ist das nun wieder für ein Vorschlag?« »Du kannst doch deinen Wagen hier...



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