Gunn Star Trek - The Original Series 6: Die Glücksmaschine
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86425-326-3
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 6, 360 Seiten
Reihe: Star Trek - The Original Series
ISBN: 978-3-86425-326-3
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Sucht nach dem perfekten Glück ... Timshel war einst das beliebteste Urlaubsziel der Galaxis: voller Kultur, natürlicher Schönheit und liebenswürdiger gastfreundlicher Einwohner. Nun aber hat sich Timshel vom Rest des Universums abgeschottet: Niemand darf mehr hinein oder hinaus. In tiefer Sorge hat die Föderation Agenten entsandt, um Nachforschungen anzustellen. Keiner von ihnen ist bislang zurückgekehrt. Captain Kirk und die Mannschaft der Enterprise sind schockiert, als sie die Wahrheit herausfinden: Die Leute von Timshel sind einer heimtückischen neuen Technologie erlegen, die jedem Bürger totales Vergnügen und dauerhafte Extase garantiert. Kirk und Spock sind schon vielen Bedrohungen begegnet, doch nun werden sie mit der verführerischsten Gefahr von allen konfrontiert: dem perfekten Glück. Und der Rest der Föderation könnte bald der unwiderstehlichen Kontrolle der Glücksmaschine verfallen.
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EINSTimshel |
Der Planet hing wie eine glitzernde Christbaumkugel in der Schwärze des Weltraums. Im weißgelben Glanz seiner 145 Millionen Kilometer entfernten G2-Sonne bewegte sich Timshel langsam auf seiner Umlaufbahn: eine blauweiße Oase in der finsteren Ödnis, eine erlesene Anomalie in der von Leben freien Leere, die der Normalzustand des Universums war.
Wenn die vorbeiziehenden interstellaren Schiffe, die die Galaxis durchfegten, verlangsamten und sich spiralförmig dem Orbit des Planeten näherten, wurde die Welt, die sie vor sich sahen, noch einladender. Die polaren Eiskappen strahlten wie Funkfeuer; dann tauchten unter den wirbelnden Wolken langsam ergrünende Landmassen auf.
Fünf Kontinente, die wie grüne und braune Flecken auf einer blauen Tagesdecke verteilt waren, gerieten in ihr Blickfeld, wenn der Planet sich drehte. Dann kamen die Tupfer der Inseln und Archipele. Von den arktischen bis zu den warmen Tropenzonen vermischten sich die Farben und Formen von Land und Meer und bildeten ein nahtloses Ganzes.
Eine Fähre im Anflug würde Kurs auf die nördliche Halbkugel nehmen. Durch ihre Fenster oder auf ihren Bildschirmen konnten die Passagiere schneebedeckte Berge sehen, die aus den Wäldern herausragten. Diese wiederum öffneten sich zu Ebenen hin, die vom braunen Filigranmuster der Flüsse und Ströme durchschnitten wurden. Endlich tauchten dort, wo die Flüsse miteinander verschmolzen oder die Meere am Land endeten, Gebäudeansammlungen und Straßen auf – bei Tag aus Elfenbein geschnitzte Modelle, bei Nacht eine Handvoll verstreuter Edelsteine. Sie lieferten den einzigen Beweis dafür, dass hier Menschen lebten, und die subtile Antwort auf die Frage: Gibt es Leben auf Timshel?
Wenn die Fähre zur Landung im Hafen von Timshel City ansetzte, der größten Gebäudeansammlung des Planeten, könnte man neben dem dunklen Blau des Westozeans einen leuchtenden weißen Fleck erkennen. Er war von einem saftigen grünen Ring umgeben, der rote und gelbe Punkte aufwies, wie ein impressionistisches Gemälde. Wenn die Fähre näher käme, würden die Flecke und Punkte zu Gebäuden und blühenden Bäumen. Die Gebäude, die meist niedrig und villenartig waren, wurden ausnahmslos von abgeschlossenen Gärten umgeben. In Richtung Stadtzentrum nahm ihre Höhe schrittweise zu, doch keines hatte mehr als fünf Stockwerke. Auch die hiesigen Gärten waren eher traditionell und befanden sich zwischen breiten Gehsteigflächen, als legten die Menschen, die über die von eigener Hand geschaffenen Plätze schritten, um ihren Geschäften nachzugehen, hin und wieder gern eine Pause ein, um sich am Duft und den Farben der Natur zu ergötzen.
Die Gebäude, dies hätte ein frisch von Bord gegangener Besucher bald entdeckt, waren von eleganter Bauart, denn man hatte sowohl auf Kunst wie auf Funktionalität geachtet. Die Stadt war in ihrer Meereslage und mit ihrem milden Klima wie ein Urlaubsort, an dem man sich das ganze Jahr aufhielt. Die Säulen und Sockel, die die hohen, gebogenen Dächer stützten, erinnerten den historisch interessierten Besucher vielleicht an Abbildungen aus dem alten Griechenland. Das Gleiche galt auch für die Statuen, die hier und da auf Plätzen und in Gärten aufragten, sodass man sie schon aus der Ferne erblickte oder plötzlich und überrascht vor ihnen stand. Die von einer Vielzahl von Händen und in unterschiedlichen Stilen erschaffenen Statuen verband jedoch ein gemeinsames Element: Sie stellten keine gewöhnlichen Menschen, Nichtmenschen und Tiere dar, sondern idealisierte Geschöpfe, wie Michelangelos David oder die Venus von Milo – als strebten Timshel City und seine Bewohner nach der jedem Lebewesen innewohnenden Vollkommenheit.
So war er tatsächlich, der Planet Timshel, den man in der ganzen Galaxis als Gartenwelt kannte und der als beliebtester Urlaubsort für Raumschiffbesatzungen galt. Timshel war der Mutterplanet, der die Erde einst hatte werden wollen: das Paradies vor dem Sündenfall. Er lag seiner Sonne etwas näher, hatte eine leicht weniger exzentrische orbitale Neigung, war im Durchschnitt etwas wärmer, kannte weniger jahreszeitliche Unterschiede und hatte eine geringere Masse, sodass Menschen, die an das Gravitationszerren schwererer Planeten gewöhnt waren, sich hier etwas stärker und lebhafter fühlten. Die mit dem Duft einer fremden, unverschmutzten Welt vermischte Luft hatte etwa einen um zwei Prozent höheren Sauerstoffgehalt und ließ das Luftholen auf Timshel wie das Einatmen von Nektar erscheinen.
Im Gegensatz zur Erde war Timshel von der Anstrengung unberührt, sich aus barbarischen Anfängen zur Zivilisation zu erheben. Der fast eineinhalb Jahrhunderte zuvor von einer Gruppe unter Praxiteles Timshel besiedelte Planet war den Fallgruben entgangen, in die andere Kolonien getappt waren. Wo andere die Ausbeutung ihrer natürlichen Umweltressourcen durch Landwirtschaft, Bergbau und Produktion betrieben und ihre neue Welt zu florierenden Export- und Handelszentren gemacht hatten, waren in den gemäßigten Zonen Timshels nur wenige Gebiete dem Anbau von Getreide vorbehalten – durch eine hochmechanisierte Landwirtschaft oder jene, denen es Spaß machte, der Tätigkeit auf der Scholle nachzugehen. Man hatte auf den Gasriesenplaneten, im Asteroidengürtel und auf den öden Monden abgelegene Bergbauunternehmen installiert und begonnen, eine Lebensweise aufzubauen, die sich auf Denken, Diskussion, Kreativität und Kunst konzentrierte. Und Liebe. Timshel war eine Welt der Liebe. Die Bürger Timshels liebten einander, das Universum und das Leben. Dort zu sein, und sei es auch nur für ein paar Wochen, Tage oder Stunden, war wie eine Wiedergeburt.
Aber irgendetwas war schrecklich schiefgegangen.
In seinem Quartier auf dem Raumschiff hob Captain James Kirk den Blick vom Bildschirm und schaute seinen Ersten Offizier an. »Wie kann etwas so Vollkommenes so übel werden?«
»Wir wissen nicht, ob es so ist«, erwiderte Spock.
»Wenn ein Urlaubsplanet wie Timshel Besuchern die Landung verweigert oder seinen Bürgern die Ausreise untersagt, stimmt etwas ganz und gar nicht.« Kirk stand auf, um hin und her zu gehen.
Er verglich seine Erinnerung an Timshel mit seiner Umgebung. Normalerweise akzeptierte er die ihm vertraute Umgebung, ohne Fragen zu stellen, doch wenn man sich einer Welt wie Timshel näherte, bekam man ein neues Bewusstsein. Die raste mit dem Warpantrieb so schnell auf Timshel zu, dass die Sterne verwischten. Obwohl das Schiff erst kürzlich auf Sternenbasis 12 überholt worden war, wies es den typischen Geruch seiner Instrumente, seiner Mannschaft und seiner Einrichtung auf: jener einmaligen Mischung, die typisch für jeden lange abgeschotteten Raum war, an dem ein Besatzungsmitglied, auch wenn ihm der Geruch des Schiffes gar nicht mehr auffiel, das Innere anderer Schiffe mit einem Atemzug und manchmal sogar andere Besatzungsmitglieder erkennen konnte. Derart ist die Kraft des Geruchssinnes sogar in Geschöpfen, die so jämmerlich ausgerüstet sind wie Menschen: Wird er gesättigt, schaltet er ab; wird er durch neue Eingaben stimuliert, wird er zu einer unbewussten Informationsquelle, die darauf wartet, angezapft zu werden.
Alles ist einmalig, doch nichts ist vollkommen. Selbst in Schiffen, die ansonsten fast identisch mit der sind, entwickeln sich über Monate und Jahre hinweg Verschleißmuster. Der oberflächliche Blick entdeckt den Unterschied vielleicht nicht, doch das Unterbewusstsein registriert die Umstellung von Möbeln, die leichte Abnutzung des Bodenbelags, den Abrieb von Händen auf Lehnen und die subtile Einkerbung, die Finger auf Tasten hinterlassen.
»Jede Frage hat ihre Antwort, Captain«, sagte Spock gleichmütig. Er stand mit vor der Brust verschränkten Armen neben dem Eingang, durch den er kurz zuvor gekommen war. »Man muss nur die richtige Frage stellen.«
Kirk warf Spock einen entnervten Blick zu. »Ich habe gefragt: Wie kann etwas so Vollkommenes so übel werden?«
»Zu viele undefinierte Begriffe«, sagte Spock. »Zum Beispiel vollkommen und übel. Wir wissen nicht, was sie bedeuten. Ich nehme an, Sie waren schon mal auf Timshel.«
»Zweimal beim Landurlaub und einmal zur Kur, wegen einer Kampfverletzung.«
»Und der Planet war, wie Sie sagen, vollkommen?«
»Nun …«, setzte Kirk an. Dann lächelte er über die logische Falle, die Spock ihm gestellt hatte. »Vielleicht nicht für die Mannschaft, die auf das Nachtleben und die normalerweise dazugehörenden Bekanntschaften aus waren. Möglicherweise nicht im Sinn eines normalen Landurlaubs. Aber er bot ein ideales Leben aus Kunst und Entspannung – in einer idealen Stadt mit idealem Klima. Timshel City war wie eine riesige Universität, die sich ganz dem Lernen und der Selbsterfüllung und der Entdeckung gewidmet hat, wie das Universum anfing, wie es sich entwickelt hat und funktioniert. Und...




