Gunn | ZWISCHENFALL AUF DEM TRAFALGAR SQUARE | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 273 Seiten

Gunn ZWISCHENFALL AUF DEM TRAFALGAR SQUARE

Der Krimi-Klassiker!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6689-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Krimi-Klassiker!

E-Book, Deutsch, 273 Seiten

ISBN: 978-3-7487-6689-6
Verlag: BookRix
Format: EPUB
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Jeder in England kennt Rosalind Tresham. Sie ist die Kandidatin für die große Preisfrage im Fernseh-Quiz. Aber jemand scheint daran interessiert zu sein, dass sie an der nächsten, entscheidenden Runde nicht mehr teilnehmen kann. Inspektor Cromwell übernimmt den Fall... Der Roman Zwischenfall auf dem Trafalgar Square von Victor Gunn (eigentlich Edwy Searles Brooks; * 11. November 1889 in London; ? 2. Dezember 1965) erschien erstmals im Jahr 1958; eine deutsche Erstveröffentlichung erfolgte im gleichen Jahr. Der Apex-Verlag veröffentlicht eine durchgesehene Neuausgabe dieses Klassikers der Kriminal-Literatur in seiner Reihe APEX CRIME.

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  Erstes Kapitel
    Es begann am frühen Nachmittag des 08. Dezember, einem Sonntag, im Herzen von London, auf dem Trafalgar Square... George Wentworth schlenderte sorglos an dem Becken eines der großen Springbrunnen entlang und genoss den schönen Wintersonnenschein. In den letzten Tagen war das Wetter ungewöhnlich mild gewesen, und viele Londoner nutzten die schönen Tage aus. George machte dabei keine Ausnahme. Als er mit seinem alten Sportwagen hier vorbeikam, war er unfähig gewesen, der Verlockung des von Leben erfüllten sonnigen Platzes zu widerstehen. So war er also aus seinem Wagen gestiegen und spazierte nun, mit sich und der Welt zufrieden, über den Platz. In diesem Augenblick geschah es... Er sah das junge Mädchen im Pelzmantel erst, als sie nach seinem Arm griff und ihn halb zu sich herumdrehte. Nur flüchtig konnte er ein kleines, vom Zorn gerötetes Gesicht wahrnehmen, aus dem ihn braune Augen wütend anblitzten. Dann fuhr die Hand des Mädchens hoch, und klatschend fiel der Schlag auf seine Wange. Es klang fast wie eine kleine Explosion; der Zorn musste dem Schlag die Triebkraft von Dynamit verliehen haben. Denn der unglückliche George verlor das Gleichgewicht, wankte, stolperte über den niedrigen Rand des Brunnenbeckens und verschwand in dem eisigen Schaum, der nun aus dem Wasser des Beckens aufspritzte. »Oh!«, stieß das Mädchen verwundert aus. Offenbar hatte sie eine solche Wirkung ihrer Tat nicht beabsichtigt; sie wandte sich um und rannte, so schnell sie ihre Füße trugen, fort. Nass bis auf die Haut stieg George, noch ganz verdutzt, aus dem Wasser; seine Wange brannte noch von dem heftigen Schlag. Das Wasser hatte ihm die klare Sicht genommen, sodass er die Gesichter um sich herum nur undeutlich wahrnahm. Wie durch Zauberei hatte sich nämlich schon eine Menschenmenge angesammelt, die Georges Auftauchen aus dem Wasser mit schadenfrohem Gelächter begrüßte. Aber obwohl George das Schauspiel, das er bot, höchst peinlich war, so überwog sein Zorn doch noch sein Schamgefühl. War das Mädchen verrückt, ihm einen solchen Schlag zu versetzen, dass er ins Wasser fallen musste? Hatte sie es etwa aus Freude am Schabernack getan? Als er wieder klarsehen konnte, bemerkte er, wie sie, schon in erheblicher Entfernung, ein vorbeifahrendes Taxi heranwinkte. Nun rannte er auch noch. Noch lauter lachten die Menschen hinter ihm her. Sein Hut schwamm sogar immer noch im Wasser des Beckens. Als er endlich die Straße erreicht hatte, war das Taxi mit seiner Angreiferin schon abgefahren. »Oh nein, so leicht entkommst du mir nicht, mein Kind!«, stieß George wütend hervor. Sicherlich hoffte sie, ihm entwischt zu sein; sie konnte ja nicht wissen, dass er seinen Wagen keine zwanzig Meter entfernt geparkt hatte. Er lief zu seinem Auto, sprang hinein, ließ den Motor an und nahm sofort die Verfolgung des Taxis auf. Glücklicherweise war am Sonntag hier wenig Verkehr, sodass George den Wagen ohne Schwierigkeiten erkennen konnte, als er in die Pall Mall einbog. George kochte innerlich vor Wut; aber äußerlich fror er. Denn trotz des Sonnenscheins war es winterlich kalt, und seine total durchnässte Kleidung, die ihm am Körper klebte, ließ ihn laut schnattern. Nun war zwar George Wentworth von Natur ein gutmütiger Mensch, der nicht zu Jähzorn neigte und stets bereit war, die Dinge auch vom Standpunkt des andern aus zu sehen. Aber was zu viel war, war zu viel! In den ganzen siebenundzwanzig Jahren seines Lebens war er kaum je so wütend wie jetzt gewesen. Dass ein Mädchen ihn in ein Wasserbecken auf dem Trafalgar Square gestoßen hatte, erschien ihm der Gipfel der Unverschämtheit! Einen Augenblick lang dachte er daran, die Geschwindigkeit seines Wagens zu steigern, sich dem Taxi quer in den Weg zu stellen und es so zum Halten zu zwingen. Aber damit hätte er ja eine weitere Straßenszene verursacht, und so nahm er von diesem Plan wieder Abstand. Er hielt sich vielmehr ein kurzes Stück hinter dem Taxi, das nun aus der Regent Street in den Piccadilly einbog. Die Kälte hatte auch seinen Zorn abgekühlt. Die erste Welle der Entrüstung hatte sich gelegt, und jetzt war alles wie ein großes Fragezeichen. Warum? Welchen Grund konnte das Mädchen gehabt haben, ihn, der ihr ja absolut fremd war, an einem der belebtesten Punkte Londons zu ohrfeigen? Hyde Park Corner... Knightsbridge... so fuhren sie weiter nach Kensington. Die Fährt, obwohl eigentlich kurz, schien George ewig zu dauern. Aber schließlich hielt das Auto vor einem Block ruhiger, gutbürgerlicher Mietwohnungen, über dessen Eingangstür der Name Altonstoke Court stand. Das Mädchen im Pelzmantel stieg aus, drückte dem Taxifahrer Geld in die Hand und eilte zur Haustür. Aber George hatte ihr diesen Weg abgeschnitten. Er hatte seinen Wagen mit quietschenden Rädern gebremst und war mit einigen großen Sprüngen an der offenen Tür. Als sie den Hauseingang erreichte, stand er schon zerzaust und schmutzig dort. »Jawohl – ich!« Er nickte erbittert. »Sehen Sie doch nicht so verwundert aus – selbstverständlich bin ich Ihnen nachgefahren, um...« Seine Stimme erstarb. Die Worte, die er hatte äußern wollen, kamen ihm nicht über die Lippen. Verdammt! Das war ja das hübscheste Mädchen, das er je gesehen hatte! Jetzt starrte sie ihn mit vor Grauen weit aufgerissenen Augen an. Das Blut schoss ihr ins Gesicht – dann wurde sie wieder blass. »Ach, du meine Güte«, murmelte sie. »Sie sind ja gar nicht der Mann...« »Nicht welcher Mann? Wollen Sie etwa behaupten, dass es mir Vergnügen macht, nass wie eine gebadete Katze herumzulaufen?« »Ich wollte ja gar nicht... Ach!« Das Mädchen im Pelzmantel sah jetzt noch verwirrter aus als zuvor. »Daran ist nur Ihr Sportjackett schuld! Es hat dieselbe Farbe – rostbraun mit großen, grünen Karos!« »Na, so hässlich ist es doch nun wieder nicht!«, protestierte George, dessen frühere Zweifel hinsichtlich dieses Kleidungsstückes jetzt eine weitere unerwartete Bestätigung erhielten. »Aber was, zum Teufel, hat mein Sportjackett überhaupt damit zu tun?«, fuhr er fort und kehrte wieder zu seinem Thema zurück. »Sie haben die gleiche Größe, die gleiche Figur... Ach, es tut mir wirklich furchtbar leid!«, fiel ihm das Mädchen ins Wort und sah ihn so ehrlich betrübt an, dass nun George, der sich kaum noch daran erinnern konnte, dass ihm doch ein Unrecht geschehen war, seinerseits verlegen wurde. »Sie müssen mich ja für eine schreckliche Närrin halten!« Er aber dachte gar nicht daran, sie für so etwas zu halten. Ihre Stimme, gerade weil sie so verlegen klang, berührte ihn ganz eigenartig beruhigend und doch aufregend. Ihr Gesicht, das jetzt ihm zugewandt war, war so ungewöhnlich reizvoll, dass er eine Traumvision zu sehen glaubte. Dabei hatte er das unbestimmte Gefühl, es schon früher gesehen zu haben. Was mochte sie sein? Schauspielerin? Mannequin? Fotomodell? »Sie müssen ja fürchterlich frieren!« Ihre Stimme, jetzt voll Mitgefühl, unterbrach seinen Gedankengang. »Sie werden sich ja den Tod holen, wenn Sie nicht in trockene Kleider kommen! Bitte glauben Sie mir, ich hatte nicht beabsichtigt, Sie in das Becken zu stoßen. Ich wollte Ihnen nur ein paar Ohrfeigen herunterhauen...« Sie brach ab. »Nicht Ihnen natürlich! Dem andern... aber Sie können nicht länger so nass herumlaufen! Sie müssen zu mir heraufkommen; ich werde in kürzester Zeit Ihre Kleider trocknen!« »Nein... wirklich...« Er hielt inne. Was war eigentlich mit ihm los? Nur ein Trottel konnte doch eine solche Aufforderung ablehnen! Plötzlich kam ihm zu Bewusstsein, dass er wirklich bis ins Mark fror. So setzte er ihr keinen Widerstand entgegen, als sie seinen Arm ergriff und ihn in das Treppenhaus zog. In diesem Haus gab es keinen Portier, und so konnten sie ohne weiteres die Treppen zu ihrer Wohnung, Nr. 20, hinaufsteigen. Oben angekommen, zog das Mädchen einen Schlüssel aus der Tasche und öffnete die Tür; leicht erregt betrat George ihre Wohnung. Sie kamen in ein gemütlich eingerichtetes Zimmer, in dessen Kamin ein elektrischer Ofen schwach brannte. Das Mädchen eilte sofort hin und schaltete den Ofen voll ein. »Dort ist das Schlafzimmer!«, sagte sie und wies auf eine Tür. »Es ist eine kleine Wohnung – nur dieses Zimmer, das Schlafzimmer, das Bad und eine Kochnische.« Beim Sprechen hatte sie Hut und Mantel abgelegt. »Gehen Sie jetzt ins Schlafzimmer, und werfen Sie mir Ihre Sachen heraus, sobald Sie sie ausgezogen haben. In einigen Minuten werde ich alles am elektrischen Ofen getrocknet haben.« Obwohl dieser Vorschlag ja eigentlich recht praktisch war, zögerte George. Er war offensichtlich mit dem Mädchen allein in der Wohnung, und diese Tatsache machte ihn unschlüssig. Sich ausziehen und seine Kleider durch die Tür hinauswerfen... »Nun, machen Sie schon!«, forderte sie ihn auf. »Stehen Sie doch nicht hier herum! Sie zittern ja vor Kälte am ganzen Körper! Schließlich ist alles meine Schuld, und Sie können sich gar nicht vorstellen, wie peinlich mir das ist.« Es gab jedoch noch einen anderen Grund für Georges Zögern: Nachdem sie ihren Pelz abgelegt hatte, stand sie nämlich in einem blassgrünen, wollenen Kleid da, das ihre schlanke Gestalt wunderbar zur Geltung brachte. Zusammen mit ihrem kastanienbraunen, gewellten Haar und ihrem geröteten Gesicht wirkte dieser Anblick auf George wie Rauschgift. »Vielleicht genügt es schon, wenn ich mich vor das Feuer stelle«, meinte er verlegen. »Dann brauche ich Ihnen nicht so viel Scherereien zu machen...« »Reden Sie doch nicht so dummes Zeug! Auf diese Weise werden Sie niemals trocken! Übrigens muss...



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