Guterson | Winterhaus | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 408 Seiten, GB

Guterson Winterhaus


Novität
ISBN: 978-3-7725-4323-4
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 408 Seiten, GB

ISBN: 978-3-7725-4323-4
Verlag: Freies Geistesleben
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Diese Geschichte hat alle Zutaten, die man sich für ein besonderes Buch mit viel Winteratmosphäre wünscht: ein zwielichtiges Paar (gefährlich?), einen netten Hotelbesitzer (nur manchmal verdächtig) mit langem Stammbaum, Riesenpuzzles und codierte Botschaften, eine sensationelle Bibliothek und ein magisches Buch, geisterhafte Erscheinungen und tolle Ausflüge in die verschneite Landschaft. Und mittendrin Elizabeth, die einen guten Freund sucht und ihre Eltern nicht kennt. • Heimliche und unheimliche Entdeckungen in einer Familiengeschichte. • Prickelnd abenteuerlich, magisch und rätselhaft. • Mit verlockenden Herausforderungen für alle, die gern puzzeln und Schriftcodes knacken.

Ben Guterson, war ein Jahrzehnt Lehrer an der Mittelschule und an der Highschool, bevor er als Programm-Manager zu Microsoft ging. Er lebt in der Nähe von Seattle, in den Ausläufern der Cascade Mountains. 'Winterhaus' ist sein Romandebüt.
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ERSTER TEIL HINAUF IN DEN NORDEN KAPITEL 1 EIN BEUNRUHIGENDER ZETTEL KAPITEL 2 EINE MERKWÜRDIGE BEGEGNUNG IM BUS KAPITEL 3 ENDLICH – DAS HOTEL KAPITEL 4 RÄTSEL IN DER HALLE KAPITEL 5 EINE BEGEGNUNG UND PASSENDE TEILE KAPITEL 6 APRIKOSEN UND NÜSSE KAPITEL 7 DIE BIBLIOTHEK – MITTEN IN DER NACHT KAPITEL 8 EIN SPIEL AM FRÜHSTÜCKSTISCH LEISE KAPITEL 9 EIN SPRECHENDER VOGEL KAPITEL 10 DAS BUCH HINTER DEN BÜCHERN KAPITEL 11 EIN GEDICHT UND VIELE WÖRTER KAPITEL 12 EINE SEHR BEUNRUHIGENDE BEGEGNUNG KAPITEL 13 EIN SAAL VOLLER BILDER KAPITEL 14 EIN ZAUBER AM ABEND KAPITEL 15 NOCH EIN BESUCH IN DER BIBLIOTHEK ZWEITER TEIL WEIHNACHTEN STEHT VOR DER TÜR – UND DUNKEL SIND DIE NÄCHTE KAPITEL 16 EIN UNLÖSBARER CODE KAPITEL 17 DIE VORBEREITUNGEN FÜR EIN SPIEL KAPITEL 18 SCHNITZELJAGD IM HOTEL KAPITEL 19 DER DUNKLE GANG KAPITEL 20 EINE ALTE LEGENDE KAPITEL 21 DIE KARTE DES BUCHHÄNDLERS KAPITEL 22 EIN FESTLICHER ABEND KAPITEL 23 DREI MAL MUSST DU RUFEN DRITTER TEIL ZWISCHEN ZWEI FEIERTAGEN – UND DER MOND NIMMT ZU KAPITEL 24 EINSAME WEIHNACHTEN KAPITEL 25 EINIGE SEITEN IN EINEM DICKEN TAGEBUCH KAPITEL 26 DIE STATUE AM RAND DES SEES KAPITEL 27 TEE UND KEKSE KAPITEL 28 DIE DUNKLE HÜTTE IM WALD KAPITEL 27 TEE UND KEKSE KAPITEL 28 DIE DUNKLE HÜTTE IM WALD KAPITEL 29 EIN UNHEIMLICHES LICHT KAPITEL 30 EIN SCHLIMMER VERLUST VIERTER TEIL DIE LETZTE STUNDE SCHLÄGT KAPITEL 31 EINE WAGHALSIGE SUCHE NACH HINWEISEN KAPITEL 32 DIE ECKE DES PORTRÄTS KAPITEL 33 EINE VERZWEIFELTE BITTE KAPITEL 34 DER SCHLÜSSEL TAUCHT AUF KAPITEL 35 EIN BLUTROTES LICHT IN DER BIBLIOTHEK KAPITEL 36 EIN BUCH FÄLLT ZU BODEN KAPITEL 37 EINE KETTE AUS SILBER KAPITEL 38 EIN BRIEF UND EIN GESCHENK DANKSAGUNG


, das Elizabeth hatte, war so, als wüsste man genau, dass gleich irgendetwas geschieht – egal ob etwas Gutes oder Schlechtes, etwas Lustiges oder etwas nicht so Lustiges. Sie konnte nicht erklären, warum sie das in diesem Moment wusste und wo dieses Gefühl überhaupt herkam. Sie wusste nur, dass es in diesem Sommer angefangen hatte und immer stärker geworden war, je weiter das Jahr fortschritt. Merkwürdig daran war, dass es für die Dinge, die passierten, keinen Grund und keine Erklärung zu geben schien. Mal fiel ein Buch aus dem Regal, dann kippte ein Glas in der Spüle um oder ein leeres Tablett rutschte vom Tisch, während sie in der Schulcafeteria saß und ihren Kartoffelbrei mit Soße aß. Und jedes Mal, kurz bevor etwas Derartiges geschah, hatte sie ein Flattern im Bauch, das ihr deutlich ankündigte, dass es geschehen würde. Und das war auch der Grund, warum sie jetzt, als auf dem verschneiten Bürgersteig über sie kam, das Krachen in ihrem Rücken nicht überraschte.

Elizabeth drehte sich um und sah, dass das kleine Gatter, das sie nicht angerührt hatte und das klemmte, weswegen es auch nie und nimmer von allein zufallen konnte, geschlossen war. Erleichtert atmete sie auf. Verglichen mit einem zerbrochenen Teller oder herunterfallenden Büchern war dies hier harmlos. Aber obwohl sie sich schon so sehr an diese merkwürdigen Vorkommnisse gewöhnt hatte, dass sie kaum noch darüber erschrak, wollte sie doch gerne wissen, was dahintersteckte und warum sie hatte.

Sie vergewisserte sich noch einmal, ob nicht irgendjemand etwas bemerkt hätte, aber es war keine Menschenseele zu sehen. Mit einem neuerlichen Seufzen und einem letzten Blick auf das Haus ihrer Tante und ihres Onkels marschierte Elizabeth in Richtung Bahnhof.

Nach einer nächtlichen Zugfahrt und fünf Stunden Warten am Bahnhof in Sternhaven saß Elizabeth im Bus und schaute durch das eisumkränzte Fenster in das Schneetreiben hinaus. Der Abend dämmerte schon. Sie hatte nichts gegessen außer einem halben Erdnussbuttersandwich, das von der Pause am letzten Schultag übrig geblieben war, einer Tüte Studentenfutter für einen Dollar fünfunddreißig, die sie am Bahnhof gekauft hatte, und einem Schokoriegel, der im Zeitungsfach ihres Sitzes im Zug gesteckt hatte. Sie versuchte, nicht allzu niedergeschlagen zu sein. Mit jeder Umdrehung der Räder brachte der Bus sie einem Ort in den Bergen näher, an dem sie ihre Weihnachtsferien verbringen würde, zu einem Hotel, das womöglich eine Kreuzung zwischen einem Pflegeheim und einem Spukhaus wie in war, einem ihrer Lieblingsbücher. Sieben Jahre lang hatte sie gehofft, dass jemand sie aus den Fängen ihrer Tante und ihres Onkels befreien würde. Aber drei Wochen in einem Hotel im hintersten Winkel der Welt waren wohl nichts, worauf sie sich freuen durfte. Eher hatten sich ihre Tante und ihr Onkel die ganze Sache bestimmt als eine Art Strafe ausgedacht. Elizabeth war jetzt elf Jahre alt, und sie hatte sich nicht nur auf ihre vier Taschenbücher aus der Schulbibliothek gefreut, die sie während der Feiertage in der Abgeschiedenheit ihres Zimmers hatte lesen wollen, sondern auch auf das Krippenspiel, das jedes Jahr am 21. Dezember im Gemeindezentrum neben ihrer Schule aufgeführt wurde. Sie hatte ihre Tante und ihren Onkel angefleht, ihr zu erlauben, in den drei Wochen, in denen die beiden nicht da sein würden, allein im Haus zu bleiben. Sie hatte behauptet, sie sei alt genug, um allein für sich zu sorgen, aber jetzt wurde ihr klar, dass sie nie eine Chance gehabt hatte.

Seit Elizabeth den Brief von ihrer Tante und ihrem Onkel zum ersten Mal gelesen hatte, fragte sie sich immer wieder, wie um alles in der Welt sie es sich leisten konnten, ihr eine Zugfahrt zu bezahlen, von einem dreiwöchigen Hotelaufenthalt ganz zu schweigen. Bereits vor Jahren hatte Elizabeth begriffen, dass ihre Tante und ihr Onkel arm waren. Onkel Burlap sortierte im hintersten Winkel des Postbüros falsch adressierte Briefe aus, und Tante Purdy patrouillierte fünf Tage pro Woche durch die Straßen von Drere, der Kleinstadt, an deren Rand sie wohnten, und sammelte Pfanddosen ein, die sie und Onkel Burlap einmal im Monat in Smelterville, der nächstgrößeren Stadt, gegen Geld eintauschten. Die Fahrt dorthin dauerte eine halbe Stunde. Manchmal nahmen sie Elizabeth mit. Weiter weg war sie noch nie gewesen. Elizabeth konnte grübeln, so viel sie wollte: Dass sie nun eine richtige Reise mit Zug, Bus und Hotel unternahm, passte überhaupt nicht ins Bild.

Der gemächlich tuckernde rot-weiß gestreifte Bus war nach sieben Haltestellen auf dem Weg nach Norden halb leer. Elizabeth saß auf einem weichen Sitz mit einer bequemen Kopfstütze und füllte ein Kreuzworträtsel in einer Zeitung aus, die jemand im Gepäcknetz über ihr liegen gelassen hatte. Sie war gut im Lösen von Kreuzworträtseln. Eigentlich war sie in allen möglichen Rätseln gut: Wörtersuche, Galgenmännchen, Leistenverse, Symbolrätsel – alle Rätsel mit Wörtern. Sie liebte Anagramme und hatte im Geiste schon die Buchstaben der Beschilderung auf dem Bus – «Amos Blake Reisen» – neu sortiert: «Omas Kabelriesen».

An der achten Haltestelle stieg eine pummelige Frau in einem dicken Wollmantel und mit tiefen Grübchen im Gesicht ein, blieb neben Elizabeths Sitzreihe stehen und deutete brüsk auf den leeren Sitz neben ihr.

«Ist da frei?», fragte sie in einem Ton, der Elizabeth an Tante Purdy erinnerte.

Obwohl sie hungrig und müde und immer noch ein bisschen erschüttert über den Brief ihrer Tante und ihres Onkels war, lächelte Elizabeth die Frau freundlich an. «Ja, der Platz ist frei, und Sie können sich gerne setzen», sagte sie, weil sie mit Erwachsenen immer so sprach, wie sie selbst von ihnen gerne angesprochen werden wollte.

Die Frau zog die Augenbrauen hoch und hievte sich dann in den Sitz, wobei sie ausgiebig mit ihren Ellbogen ruderte, um es sich bequem zu machen. Dann prustete sie einmal und schaute Elizabeth an, als ob sie überrascht wäre, dass sie immer noch da war.

«Einen schönen Paletot haben Sie da an», sagte Elizabeth, die es weiterhin mit Freundlichkeit versuchte und sich außerdem freute, ein Wort benutzen zu können, das sie erst kürzlich gelesen hatte.

Die Frau senkte das Kinn und schaute auf ihre gelblich grüne Wolljacke, als suche sie nach einem Fettfleck. Dann schaute sie Elizabeth an und fragte pikiert: «Ist das ein Fremdwort für meinen Mantel?»

Elizabeth fühlte sich genauso wie immer, wenn Tante Purdy ihr über den Mund fuhr. Sie erkannte, dass es ein Fehler gewesen war, der Frau den Platz neben sich anzubieten. «Ich bitte um Entschuldigung. Ich meinte ‹Farbton›. Ich bringe manchmal die Wörter durcheinander.» Sie senkte den Blick und wandte sich wieder ihrem Kreuzworträtsel zu.

Fünf Minuten, nachdem der Bus wieder losgefahren war, sagte die Frau: «Und wohin, wenn ich fragen darf, fährt so ein kleines Mädchen wie du ganz allein?»

«Zum Hotel Winterhaus», sagte Elizabeth kurz angebunden. Sie betrachtete weiter das Kreuzworträtsel, wobei sie unwillkürlich an den Prospekt denken musste, den Tante Purdy letzte Woche auf dem Küchentisch liegen gelassen hatte – aus Versehen, wie sich herausstellte. Das einzige Bild, auf das Elizabeth einen Blick erhaschen konnte, zeigte einen Haufen alter Leute in langen Unterhosen und komischen Hüten. lautete die Überschrift.

«Das ist schon was ganz Besonderes», sagte die Frau mit den Grübchen, die bei der Erwähnung des Hotels merklich auftaute. «Da wollte ich auch schon immer mal hin. Du kannst dich glücklich schätzen.»

Elizabeth schaute an der Frau vorbei zu einer Familie, die auf der anderen Seite des Mittelgangs zwei Reihen weiter vorne saß. Immer wieder war ihr Blick dorthin gewandert. Sie hatte zugesehen, wie der Vater die Hand seiner Tochter gehalten hatte – ein Mädchen in Elizabeths Alter – und ihr Dinge gezeigt hatte, die draußen vor dem Fenster im fallenden Schnee vorbeizogen. Und der Mutter machte es offenbar nichts aus, dass der Junge neben ihr mit dem Kopf auf ihrem Schoß einschlief. Im Gegenteil – sie schien es zu genießen, dass sie seine Wange streicheln und ihm die Jacke überlegen konnte, um ihn zu wärmen.

«Ja», wiederholte die Frau neben Elizabeth, «du kannst dich wirklich glücklich schätzen.»

«Kann sein», sagte Elizabeth. Sie hätte so gern neben der Familie auf der anderen Seite des Gangs gesessen.

«Nun, du könntest ruhig etwas zufriedener sein», sagte die Frau neben ihr spitz. «Immerhin ist das ein sehr...


Guterson, Ben
Ben Guterson war einige Jahre lang Lehrer an einer Mittelschule und einer Highschool und dann Programmmanager bei Microsoft. Er lebt in der Nähe von Seattle, in den Ausläufern der Cascade Mountains. Die ›Winterhaus‹-Trilogie machte ihn zu einem weltweit gefeierten Kinderbuchautor.
benguterson.com

Ernst, Alexandra
Alexandra Ernst, geboren 1965 in Wiesbaden, studierte Literaturwissenschaft und war als Presse- und Werbeleiterin in einem Verlag tätig. Seit 2000 arbeitet sie als Übersetzerin von historischen Romanen, Fantasy und Jugendliteratur. Hierfür wurde sie u. a. mehrfach für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und auch mit ihm ausgezeichnet. Neben ihren Übersetzungen veröffentlicht sie auch Beiträge als Journalistin und Literaturkritikerin. Alexandra Ernst lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe von Mainz.

Bristol, Chloe
Chloe Bristol Chloe Bristol lebt als Illustratorin in Los Angeles und arbeitet für Verlage, die Filmbrache sowie das Fernsehen.

Ben Guterson, war ein Jahrzehnt Lehrer an der Mittelschule und an der Highschool, bevor er als Programm-Manager zu Microsoft ging. Er lebt in der Nähe von Seattle, in den Ausläufern der Cascade
Mountains. "Winterhaus" ist sein Romandebüt.



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