E-Book, Deutsch, Band 338, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Guth Perry Rhodan Neo 338: In tödlicher Tiefe
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8453-5538-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Primat
E-Book, Deutsch, Band 338, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5538-2
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im Jahr 2116: Nachdem die Menschen auf der Erde und den Kolonialwelten zahlreiche Schwierigkeiten überwunden haben, hoffen sie auf eine friedliche Zukunft. Doch dann taucht ein mysteriöser Junge mit blauen Haaren auf, der Laumae heißt und in dem sich eine Macht namens Primat verbirgt. Er kann Materie und Energie mit der Kraft seiner Träume zu tödlichen Waffen formen. Das Ziel seiner mörderischen Angriffe ist Perry Rhodan. Der Versuch, Laumae auf dem Erdmond zu ergreifen, scheitert. Stattdessen kapert er ein Raumschiff und nimmt Kurs auf die Erde. Als das Raumschiff havariert und in den Fluten des Ozeans versinkt, heften sich Perry Rhodan, Thora und Reginald Bull an Laumaes Fersen. Ihr Konflikt mit Laumae und dessen Helfern wird ausgetragen IN TÖDLICHER TIEFE ...
Autoren/Hrsg.
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Track 1
Stepdaughter: Shallow Deep
»Let the water come, let the ground collapse, let me fall inside ...«
Mit einer Kieferbewegung regelte Lukas Jonas die Lautstärke seines Ohrimplantats herunter und warf einen Blick durch das Bullauge vor dem Eingang zur Zentrale. Wie erwartet, sah er nichts. In 1500 Metern Wassertiefe drang kein Lichtstrahl mehr von der Oberfläche zur mobilen Forschungsrig JACQUES PICCARD durch. Draußen herrschten für Menschen tödliche Bedingungen: Kälte, Dunkelheit und starker Druck.
Wir sind hier unten so einsam wie ein Raumfahrer irgendwo im Kuipergürtel, auch wenn wir nicht so weit von der Zivilisation entfernt sind wie er, dachte Lukas und öffnete die Tür.
Sofort war er froh, die Musik seiner privaten Playlist gedämpft zu haben, denn in der Zentrale herrschte Disziplin – und Kommandantin Stina Beotius, die penibel darauf achtete, war anwesend. Eine weitere Kieferbewegung, und die Musik verstummte vollständig. Gerade rechtzeitig, denn Beotius drehte sich zu Lukas um.
»Mister Jonas, pünktlich wie immer zum Dienstantritt. Sie kommen genau richtig.«
Beotius war die Einzige an Bord, die Lukas beim Nachnamen nannte, und irgendwie kam ihm das auch sechs Monate nach seinem Dienstantritt noch seltsam vor. Er fühlte sich zu jung, um gesiezt zu werden. Und natürlich war er das auch: Bei seinem Abschluss an der Akademia Terrania vor knapp einem Jahr war er fünfzehn Jahre alt gewesen. Ein Wunderkind, das mit zwei Examen glänzte und darauf brannte, von der öden Theorie endlich in die Praxis zu wechseln.
Wunderkind – wie er dieses Wort hasste! Er war jung, ja, aber kein Kind mehr. Das Leben hatte ihn gezwungen, schneller erwachsen zu werden als die anderen. Trotzdem fühlte es sich merkwürdig an, wenn er seinen Nachnamen hörte.
Aber die Kommandantin korrigierte man nicht. Sowieso war er nicht der Einzige, den sie korrekt und höflich ansprach – das tat die Terranerin mit den silbernen Strähnen im kurz geschnittenen, rotbraunen Haar mit allen Mannschaftsmitgliedern, außer mit ihrer Ersten Offizierin Katya Houot. Die beiden kannten einander angeblich schon sehr lange und waren eng befreundet.
Houot war ebenso in der Zentrale zugegen wie der Steuermann Han To-Tren und die Sicherheitsoffizierin Bethany O'Brannon. Wie immer, wenn O'Brannon in der Nähe war, fühlte sich Lukas leicht unwohl, was vor allem daran lag, dass die Frau mit den langen, honigblonden Haaren und hellblauen Augen ausgesprochen hübsch war, obwohl sie mehr als dreißig Jahre und damit in Lukas' Augen bereits alt war.
Die Zentrale war hochmodern ausgestattet, allerdings beengt und niedrig. Der 1,90 Meter große Han To-Tren stieß, wenn er aufrecht stand, fast an die Decke. Momentan saß er jedoch entspannt an seinem ganz vorn gelegenen Steuerpult. Insgesamt gab es nur fünf Arbeitskonsolen, die dicht beieinanderlagen. Zwar passte erforderlichenfalls die gesamte, gegenwärtig dreizehnköpfige Mannschaft der JACQUES PICCARD in den Raum, aber dann war es wirklich kuschlig.
»Habe ich etwas verpasst?« Lukas ging zögernd zu seinem Platz, dem des diensthabenden Wissenschaftsoffiziers. Die JACQUES PICCARD war eine Forschungseinrichtung, die zu großen Teilen von der Akademia Terrania finanziert wurde, aber dennoch über militärische Strukturen organisiert war. Das kam, weil der Rest der Finanzierung aus Mitteln der Terranischen Union floss.
Lukas indes hatte keinen Rang, er galt als Wissenschaftliche Hilfskraft in einem Sonderprojekt der Universität und war dem Chefwissenschaftler Samarit Barton zugeteilt. Der hatte derzeit Pause, Lukas sollte ihn solang in der Zentrale vertreten.
Lukas war das eigentlich nicht recht – er hätte lieber wieder an seinem regulären Arbeitsplatz im Forschungslabor gesessen und an seinem aktuellen Projekt geschraubt. Aber Dienst war Dienst – und in der Zentrale ging es zumindest immer interessant zu.
Er blickte aus dem großen Frontfenster. In dieser Richtung gab es tatsächlich etwas zu sehen. Der Ozean vor ihnen war von den Scheinwerfern der Rig ausgeleuchtet. Die JACQUES PICCARD war zurzeit nicht fest verankert, sondern bewegte sich im Schneckentempo über den Grund des Kerguelenplateaus. Das tat sie die meiste Zeit, denn ihre Aufgabe war es, das Gebiet rund um die Unterwasserstele zu untersuchen, die bereits vor etlichen Jahren dort entdeckt worden, aber erst seit ein paar Monaten durch eigenartige Aktivitäten aufgefallen war.
Der Begriff Rig war ein wenig irreführend, denn die JACQUES PICCARD war keine Bohrplattform – dafür war die Bezeichnung ursprünglich gedacht gewesen. Ihr primärer Zweck waren jedoch die Beobachtung und Forschung sowie der Einsatz von neuartiger Unterwassertechnologie und Datenerhebung.
Etwas Auffälliges konnte Lukas draußen nicht erspähen. Der Meeresboden war eine Melange aus Sand und vulkanischem Gestein. Andererseits reichten die Scheinwerfer nicht besonders weit. Fragend wandte er sich zu der Kommandantin um.
Beotius rief ein Hologramm auf und schnippte es Lukas mit dem Finger zu. »Wir haben etwas geortet, in dreihundert Metern Entfernung. Wir sind auf dem Weg dorthin.«
Lukas musterte das Ortungsholo. »Sieht aus wie ein U-Boot, oder?«
»Ich vermute eher eine kleine Bohrinsel von illegalen Goldsuchern.«
Stirnrunzelnd sah Lukas auf. »Illegale Goldsucher? Hier?«
Die übrige Crew lachte leise, wodurch sich Lukas wieder mal wie ein dummer Junge vorkam.
»Weißt du, wie Gold entsteht, Lukas?«, fragte Houot. Die Katzenaugen der Plophoserin schienen im Halbdunkel der Zentrale aufzuglühen, als sie Lukas anblickte. Sie war etwa im gleichen Alter wie die Kommandantin, trug ihre schwarzen Haare lang und zu einem Knoten im Nacken geschlungen.
»Eigentlich nicht«, gab er zu. »Ein chemischer Prozess vielleicht?«
»Fast.« Die Geologin und Expertin für Vulkanologie lächelte und zeigte ihre leicht rötlich verfärbten Zähne – eine Folge der für Plophoser typischen kutanen Porphyrie. »Es ist ein physikalischer Prozess, allerdings keiner, der auf der Erde abgelaufen ist. Sämtliches Gold auf Terra stammt aus dem Weltraum. Man nimmt an, dass Gold entsteht, wenn zwei Neutronensterne kollidieren.«
»Diese Reste einer Supernova?«
»Genau. Alles Gold, das bislang auf der Erde gefördert wurde, summiert sich auf eine Masse von nur rund zweihunderttausend Tonnen. Berechnungen nach schlummern im Erdkern aber noch weitere anderthalb Quadrillionen Tonnen.«
Nun ging Lukas ein Licht auf. »Deswegen suchen die hier? Wegen der vulkanischen Aktivität?«
»Exakt!« Beotius nickte anerkennend. »Sie sind wie die Goldsucher, die früher in Nordamerika in Flüssen herumgewatet sind, um im Sand ein paar Nuggets auszubuddeln. Sie hoffen, dass die Vulkane über sogenannte Mantel-Plumes, also Aufströme heißen Gesteins aus dem tieferen Erdmantel, mit dem Erdkern verbunden sein könnten.« Sie wurde ernst. »Allerdings versuchen ein paar Wahnsinnige seit Kurzem auch, mit speziellen Bohrmaschinen künstlich nachzuhelfen, um an ihre Beute zu kommen.«
»Irrsinn!«, kommentierte Houot. »Das Gold im Erdkern ist unerreichbar.«
Han hob die Schultern. »Das wollen die aber nicht wahrhaben. Es ist gefährlich, was sie dort treiben, und wir haben die Befugnis, sie daran zu hindern.«
»Sofern es illegale Schürfer sind«, schränkte Beotius ein. »Außerdem dürfen wir unsere eigentliche Forschungsaufgabe nicht vernachlässigen.«
Das sah Lukas ein. Die Stele, das war ihr Auftrag. Sie sollten nach Hinweisen darauf suchen, was dort vor sich ging. Viele Jahre lang hatte sich die Stele auf dem Meeresgrund des Kerguelenplateaus wie tot an dem Ort befunden, wo sie entstanden war. Vor einigen Monaten war sie aber aktiv geworden. Zuerst hatte man angenommen, dass sie wegen seismischer Verschiebungen in Bewegung geraten war und sich deshalb der Meeresoberfläche näherte. Doch den jüngsten Erkenntnissen zufolge bewegte sich die Stele von ganz allein.
Die Tür öffnete sich, und ein kleiner Schatten huschte herein. Ein braun-grauer Affe sprang Lukas auf den Schoß.
Beotius verzog missbilligend das Gesicht. »Hatte ich Ihnen nicht gesagt, dass Sie Ihr Haustier einsperren sollen, wenn Sie Dienst in der Zentrale haben?«
»Charly ist kein Haustier«, protestierte Lukas, ehe er ein schüchternes »Ma'am!« hinterherschob.
»Dann eben dein Versuchstier!« Han grinste breit.
»Er ist auch kein Versuchstier.« Im Gegenteil, Lukas hatte den Javaneraffen vor zwei Jahren aus dem illegalen Versuchslabor eines asiatischen Positronikkonzerns gerettet. Charly war eins der wenigen Tiere, das die Experimente dort überlebt hatte. Das Labor, ein Relikt der Aphilie, hatte wenig Hemmungen im Umgang mit Tieren oder Menschen gehabt. »Er ist ein Versuchspartner und freiwillig bei mir.«
»Das ist schön. In der Zentrale hat er trotzdem nichts verloren.« Beotius war unnachgiebig.
Lukas nickte bedauernd. »Das weiß ich. Ich hatte ihn im Techniklabor eingeschlossen. Wahrscheinlich ist er Petriko entwischt.« Chefingenieur Petriko Walsh hatte für den Affen genauso eine Schwäche wie für Lukas. Beide hatten geradezu Narrenfreiheit bei Walsh, das wussten alle an Bord. »Ich schicke ihn sofort zurück!«
Lukas wandte sich Charly zu und gebärdete: »Du weißt genau, dass die Chefin dich nicht mag. Also verschwinde, lauf zurück zu Petriko.«
Lukas hatte keine Ahnung, was konkret man mit Charly in diesem Labor angestellt hatte. Tatsache war, dass der Javaneraffe die Gebärdensprache ebenso gut beherrschte wie ein Mensch und sich damit ebenso klar zu verständigen wusste.
»Mir war...




