E-Book, Deutsch, 188 Seiten
Haack Bruderfeindschaft
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-2852-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Western
E-Book, Deutsch, 188 Seiten
ISBN: 978-3-7534-2852-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Holger H. Haack wurde im Ortsteil Lehe von Bremerhaven geboren. Im Vorschulalter spielte er in den Ruinen der Stadt. Er schloss die Schule mit der Mittleren Reife ab. Als Agrartechniker und Meister im Garten- und Landschaftsbau arbeitete er in der ganzen nördlichen Hälfte Deutschlands. Nach seiner beruflichen Tätigkeit setzte er sich nicht zur Ruhe, sondern begann das Schreiben. Bis jetzt veröffentlichte er vier Bücher.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Bruderfeindschaft
| Ann McCrea | Sie muss durchhalten. |
| Abraham Moses | Er steckt viel ein, teilt aber auch aus. |
| Ben Wynn | Er verliert und gewinnt. |
| Bruce Cabot | Hat alle Fäden in der Hand, denkt er. |
| Don Collier | Der Major ist völlig von der Rolle. |
| Emilio Fernandez | Er will sein altes Leben zurück. |
| Frank McGrath | Hat auch er alle Fäden in der Hand? |
| Laremy und Noah | Sie lernen nicht dazu. |
| Morgan Wynn | Alles kommt anders als erwartet. |
Ben sieht die fünf Reiter kommen. Sie reiten auf ihn zu. Er zügelt sein Pferd und bleibt unter einem Baum im Schatten stehen. Die Gruppe will ganz offensichtlich zu ihm. Er kneift die Augen zusammen und betrachtet sie, versucht sie einzuschätzen.
Es sind höchstwahrscheinlich kleinere Farmer und der eine könnte ein Rancher oder Pferdezüchter sein. Alle fünf haben ein Gewehr in der Hand, anscheinend sind sie auf der Jagd oder sie sind es gewesen. Er fragt sich, was sie für ein Interesse an ihm haben könnten. Vielleicht brauchen sie eine Information oder wollen ihm eine geben. Obwohl ihn sein Instinkt warnt, eine Gefahr sieht er in den fünf Männern nicht, es sind auf jeden Fall keine Banditen.
Sie haben ihn erreicht und umkreisen ihn. „Ein schönes Pferd haben sie da!", ruft der Mann, der wohl ein Rancher ist. Ben will gerade antworten und fühlt nur noch einen fürchterlichen Schlag und fällt in ein schwarzes Loch.
Als Ben wieder zu sich kommt, dauert es ein paar Sekunden bis er wieder Herr über seine Gedanken ist und sich an das Geschehen erinnert. Rechts und links von ihm steht je ein Reiter, sodass er nicht vom Pferd fallen konnte. Ben will nach seinem Kopf greifen, aber seine Hände gehorchen ihm nicht, bis er begreift, dass sie gefesselt sind. Sein Hals kratzt. Er bemerkt nun den Strick um seinen Hals. Die fünf Männer starren ihn hartäugig an.
„Lass ihn erst einmal zu sich kommen, damit er auch weiß warum er aufgehängt wird", knurrt einer der Männer.
Ben ist sich nun seiner Lage bewusst, seine Intuition war also doch richtig, aber er hatte nicht auf sie gehört. Das wird ihm nicht noch einmal passieren, schwört er sich.
Ihm wird klar, sie werden ihm nicht zuhören, wenn er versucht zu reden, in seinem Kopf wird das Dröhnen weniger. Seine Stimme krächzt, als er bittet: „Einen Wunsch können Sie mir noch erfüllen. Geben Sie mir noch eine von meinen Zigaretten. Sie finden sie in meiner oberen Hemdtasche. Die Männer stehen um ihn herum und schweigen. Das Seil schnürt an seinem Hals. Die Sonne brennt im Zenit. Sein Pferd steht ruhig unter ihm, noch…
„Okay", sagt einer der Männer: „Was soll's, geben wir ihm noch eine Zigarette. Das wird seine letzte sein…"
Der Mann links von ihm auf dem Pferd greift in die Hemdtasche von Ben und holt etwas hervor. Er guckt es sich an und knurrt.
„Freunde, das sind keine Zigaretten, das sind ein Sheriffstern und ein Steckbrief über den Kerl den wir hier gerade hängen wollen. Guckt es euch mal an."
Die Männer drängen sich um den Sprecher. „Ich glaube wir hängen gerade einen Sheriff auf. Warum haben Sie uns nichts gesagt, Fremder?"
„Hätten Sie mir denn zugehört?" Immer noch ist da der Strick und die geringste Störung oder wenn sein Appaloosa sich nur um einen Meter bewegen würde, wird ihm der Hals zugeschnürt.
„Sie sehen, ich bin Sheriff und ich bin auf der Jagd nach einem Banditen, also schneiden Sie mich los und lassen Sie mich meinen Job machen!"
„Ich bin mir nicht sicher ob der wirklich ein Sheriff ist, guck ihn dir doch an. Er sieht genau aus wie der Mann den wir suchen. Er kann uns viel erzählen."
Es ist ein alter Mann, der da spricht und er sieht sehr skeptisch aus. „Hängen wir ihn einfach auf und dann sehen wir schon ob die Überfälle aufhören."
Der Mann mit dem breiten Ledergürtel, der ihn als Schmied ausweist, dirigiert sein Pferd an den Gefangenen und schneidet das Lasso um seinen Hals durch.
„Wenn er ein Sheriff ist und der Stern beweist es, dann kann es sehr viele Probleme geben und die möchte ich nicht haben. Sie werden ihn suchen, und dann haben das Problem. Also lassen wir ihn sprechen und sagen wer er ist."
Der Mann ist hartäugig und groß. Er steckt das Messer wieder ein. Nur die Hände ihres Gefangenen sind immer noch gefesselt.
„Also sag, was du zu sagen hast und dann sehen wir mit dir weiter!"
Immer noch hängt ihm das durchschnittene Lasso am Hals, der Strick ist nach hinten unten gefallen und der Knoten sitzt nun direkt vor seinem Kehlkopf und er muss aufpassen, dass ihn der Knoten an seiner Kehle nicht würgt, während er redet. Seine Stimme ist immer noch rau, als er erklärt: „Sie sehen, ich bin auf der Jagd nach Morgan Wynn. Er ist mein Zwillingsbruder. Sehen sie mich genau an."
Er schiebt mit den gebundenen Händen den Hut in den Nacken.
„Sehen Sie sich die Narbe an, die ich am Kopf habe, wenn ich der Gesuchte wäre, dann wäre das auf dem Steckbrief vermerkt. Also bin ich nicht der Gesuchte".
An seiner rechten Seite ist eine Narbe wie ein Scheitel.
„Also gucken Sie genau hin und dann entscheiden Sie. Aber seien Sie weise. Ich kann Ihnen helfen. Noch etwas, Sie können mich immer an dieser Narbe erkennen. Man wird Sie nicht täuschen können!" Mein Gott, denkt Ben, was würde McGrath, sein momentaner Chef tun, wenn er hier gehenkt wird? Er mag überhaupt nicht daran denken und konzentriert sich wieder auf die Männer.
Der Steckbrief geht von Hand zu Hand. Die fünf Männer sehen ihn sich sehr genau an. Der Anführer sitzt auf seinem Pferd und nimmt nun das Papier an und liest es.
„Also gut, Männer. Er ist ein Sheriff. Er wird ja nicht seinen eigenen Steckbrief mit sich tragen." Er macht eine Geste die andeutet, dass man mit den Pferden zur Seite rückt.
„Eine Frage habe ich noch. Warum haben sie uns nicht gesagt, dass sie Sheriff sind?"
„Nun, zuerst einmal haben Sie mir keine Chance gelassen, und hätten Sie mir zugehört? Sie hätten mir nicht zugehört! Hätten Sie mir geglaubt? Sie waren alle so erpicht mich aufzuhängen, Sie hätten mich nicht zu Wort kommen lassen."
Seine Handfesseln werden nun durchgeschnitten. Er massiert sich die Handgelenke. Die Fesseln waren sehr fest, denn man wollte ihn ja hängen. Was macht da schon eine zu feste Fessel aus. Er nimmt den Strick um seinen Hals ab und lässt sie auf den Boden fallen.
Einer der Männer wirft ihm seinen Revolver zu. Der Sheriff fängt ihn geschickt auf und steckt ihn in seinen Revolverholster. Dann fragt er: „Nun, Sie können mir helfen. Wo haben Sie den Dieb zuletzt gesehen, was hat er verbrochen. Sie sollten mir alles sagen, je besser Sie mich informieren, desto besser kann ich ihn suchen."
Er schiebt wieder seinen Hut nach vorne. Die Sonne brennt. Es ist heiß, der leichte Wind treibt den Staub vor sich hin und alle haben Staub im Gesicht. Die Männer sehen ihn immer noch abweisend an. Der alte Mann spuckt seinen Priem aus und knurrt.
„Erzählen wir es ihm, dann kann er weiter suchen und wir können nach Hause. Mein Geschäft wartet auf mich und er wird dafür bezahlt. Also los, erzähl ihm von deiner Ranch und deiner Frau und deinen Pferden".
Da bricht es aus einem der Männer heraus: „Dieses Schwein. Er hat meinen besten Deckhengst gestohlen, einen Appaloosa. Er hat meine Frau und Kinder gefesselt und alles andere will ich ihnen gar nicht erzählen. Mein Stallknecht ist tot. Ich werde diesen Mistkerl in Stücke schießen!"
Der Mann läuft vor Wut rot an und schlägt mit seinen Hut auf den Sattel. Seine Zähne knirschen. „Und wenn Sie ihn nicht finden, ich finde ihn, wir haben auch Sie gefunden. Ich ziehe ihm die Haut ab. Der wird sich wünschen, nie in diese Gegend gekommen zu sein."
Der Mann holt tief Luft, denn er hat so lange wütend geredet bis er keine Luft mehr hatte. Dann fährt er fort: „Ich höre und sehe, Sie sind auch Texaner, und Sie wissen wie ich, was wir Texaner mit Männern machen, die sich nicht ehrenhaft gegenüber Frauen verhalten, auch wenn wir hier in Idaho sind. Sie haben gerade noch einmal Glück gehabt. Wir werden uns nicht entschuldigen. Wir verlangen von Ihnen, dass Sie ihn fangen und zwar schnell. Wie heißen Sie überhaupt?"
Wieder holt er Luft.
„Mein Name ist Ben Wynn. Wann war der Überfall und wo liegt Ihre Ranch. Ich kann nur helfen, wenn Sie mir sagen wo und wann es war. Also los, wir verschwenden Zeit."
Er lässt sein Pferd einen Schritt vorwärts gehen um näher...




