E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Haack Der mysteriöse Tote vom Bau
3. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-8746-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Fall für Lerch und van Krall
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-7557-8746-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Toter auf einer Baustelle - zunächst sieht alles nach einem Unfall aus. Doch schnell merken die Kommissare Lerch und van Krall, dass hier mehr im Spiel ist. Denn das gefundene Handy des Opfers wirft Fragen auf, die in die tiefsten Abgründe von Macht, Intrigen und Erpressung führen. Mit Witz, Charme und scharfem Blick stürzen sich die beiden Ermittler in ein Netz aus Verdächtigungen und falschen Fährten. Dabei stoßen sie auf ein Umfeld, in dem jeder etwas zu verbergen scheint - und niemand das eine klare Motiv hat. Die Spurensuche führt mitten hinein ins Herz des Weserberglands, wo regionale Eigenheiten, schräge Figuren und überraschende Wendungen den Fall zum Leben erwecken. Was als scheinbar alltäglicher Unfall beginnt, entwickelt sich zu einem mörderischen Spiel, das selbst die Kommissare ins Visier bringt. Ein Regionalkrimi, der Spannung und Humor auf einzigartige Weise verbindet - für alle, die Krimis mit Lokalkolorit, cleveren Ermittlern und einer Prise schwarzem Humor lieben.
Holger H. Haack wurde in Bremerhaven geboren. Er wuchs dort auf und verließ die Schule mit einem Realschulabschluss. Nach seinem Berufsleben als Agrartechniker, welches ihn durch ganz Deutschland führte, setzte er sich nicht zur Ruhe, sondern fing an Romane zu schreiben.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 6
13:25 Uhr
„Was hältst du von diesem Guske? Der seine Leute antreibt und ihnen die Arbeit sauer macht? Diese Hektiker merken überhaupt nicht, was sie da tun. Sie rennen mit dem Hochgefühl, etwas bewirkt zu haben, von dannen und denken überhaupt nicht daran, dass just durch ihr Tun die Welt hinter ihnen zusammenbricht.“ Manfred guckt kurz fragend zur Seite.
„Erinnert mich irgendwie an Lenz. Aber ich bin nicht bereit, mir darüber eine Meinung zu bilden. Ich bin kein Richter und will nicht urteilen! Wo fährst du denn jetzt hin?“ Das Letzte fragt Lerch beiläufig.
„Kommt drauf an, wohin wir jetzt wollen. Wo wohnt sie oder gibt es keine Sie?“
„Doch, Templiner Weg. Es wird schwer werden bei der Witwe. Wer von uns ist eigentlich dran?“ fragt Lerch zurück und beantwortet sich die Frage dann selber: „Wir werden sehen, wie sich die Situation ergibt, dann wird schon der Richtige von uns das Wort ergreifen. Was hat der Alte gesagt? Du hast doch mit ihm gesprochen.“
„Wenn es ein Unfall ist, sollen wir daraus keinen Fall machen, sondern ihn so schnell wie möglich abhaken, ihm den Bericht auf den Schreibtisch legen und uns um die Diebe kümmern! Ich denke, ihm sitzt der Staatsanwalt oder der Frühling im Nacken!“
„Ja, 180 Grad Wendung. Hätte ich vom Alten nicht erwartet!“ „Polizeirat Lenz hat alle Abteilungen aufgemischt, sagen die Buschtrommeln!“
13:30 Uhr
„Halt an! Da vorne ist die Hausnummer. Mein Gott, das ist ja ein Neubau, gerade fertig. Sieh mal, da stehen noch Büsche mit Ballen. Er war noch am Pflanzen. Na, dann mal los!“
„Mal sehen, ob sie zu Hause ist. Vielleicht arbeitet sie auch.“
Van Krall schließt die Autotür ab. Beide marschieren über einen mit roten Klinkern neu gepflasterten und mit Granitsteinen gesäumten Weg zur Haustür. Am Klingelschild steht Baltes.
„Hier sind wir richtig!“
Van Krall drückt zweimal die Klingel. Ein schwerer Gong ertönt mit einem Ding-Ding-Dong.
Sie hören ein Knacken und eine fröhliche Frauenstimme kommt aus einem kleinen Lautsprecher: „Ja, bitte wer ist da?“
„Frau Baltes, hier ist die Kriminalpolizei. Wir würden Sie gerne sprechen!“
Van Kralls Stimme klingt ruhig. Wieder erschallt es aus dem kleinen Lautsprecher: „Ja, natürlich. Moment!“
Die weiße Haustür wird schwungvoll geöffnet, und eine wirkliche Schönheit steht in der Tür. Van Krall ist sprachlos. Er betrachtet die blonden Haare, die in leichten Wellen auf ihrer Schulter liegen. Ihr Gesicht ist ebenmäßig mit hohen Wangenknochen. Der Mund ist perfekt geschwungen. Sie hat warme, fröhliche braune Augen und trägt ein farbenfrohes buntes Sommerkleid ohne Ärmel, welches sich an ihre atemberaubende Figur anpasst. Van Krall staunt sie etwas geistlos an. Das automatische routinemäßige Zücken des Dienstausweises beider bringt ihn wieder zu sich zurück. Aber Lerch übernimmt schon: „Ich heiße Lerch, mein Kollege Kriminalkommissar van Krall. Dürfen wir reinkommen? Wir müssen Sie sprechen.“
„Ja, ja natürlich, kommen Sie, was ist denn los?“
Sie geht in die Küche voran. Beide riechen, dass das Haus noch neu ist. Sie bemerken schwarze Granitfliesen, die glitzern und sehr edel aussehen. Die Frau setzt sich und zeigt auf die Chromstühle: „Nehmen Sie Platz, möchten Sie einen Kaffee? Was kann ich für Sie tun? Hat unser Sohn Mist gebaut?“
„Nein, es ist nichts mit Ihrem Sohn!“
„Oh Gott, ist was mit Alina?“
„Nein, auch mit Ihrer Tochter ist nichts!“
Das Gesicht der Frau ist ein einziges Fragezeichen. Weil die beiden Männer nichts sagen, fährt sie mit ruhigerer, aber weiterhin besorgter Stimme fort: „Was ist es dann?“
„Frau Baltes, es ist ein Unglück geschehen.“ Er macht eine kleine Pause und beobachtet sie. „Es gab einen Unfall auf der Baustelle. Ihr Mann ist dabei ums Leben gekommen.“
„Was?“
Die junge Frau springt auf, der Stuhl kippt um. „Was, das kann nicht sein!“ Ihre Stimme wird schrill. „Sagen Sie, dass das nicht wahr ist. Nein…“
Das Nein kommt fast flüsternd. Sie sucht nach Halt und schwankt. Van Krall springt auf und drückt sie auf den Stuhl nieder, auf dem er vorher gesessen hat. Dann hebt er den umgefallenen Stuhl auf und sagt leise, wobei er sich setzt: „Er ist heute auf der Baustelle verunglückt. Leider konnte ihm nicht mehr geholfen werden.“
„Entschuldigen Sie, entschuldigen Sie …“ Sie steht geistesabwesend wieder auf: „…Sie wollten doch einen Kaffee.“ Dabei geht sie zum Kaffeeautomaten, drückt den Knopf und stellt zwei Tassen darunter. Eine der Tassen steht auf dem Kopf. Lerch dreht sie in ihrem Rücken von seinem Stuhl aus um.
Die Frau schwankt etwas und spricht weiter: „Was ist passiert? Wir sind hier erst eingezogen. Oh, Gott. Wie sage ich es den Kindern?“
Sie setzt sich wieder und schaut van Krall mit aufgerissenen Augen an. „Ralf hatte erst Geburtstag, wissen Sie. Die beiden Kinder hatten zusammengelegt und ihm ein neues Handy geschenkt. Er war so stolz darauf.“
Mit einem gequälten Lächeln ist sie wieder aufgestanden. Nun rinnen ihr die Tränen über die Wangen. Dann bricht es aus ihr heraus, die Tränen bekommen freien Lauf. Manfred ist gleichzeitig aufgesprungen und umfasst leicht die Schultern der Frau, die ihren Kopf an seine Brust lehnt und herzzerreißend schluchzt.
Er lässt ihr einfach die Zeit, die sie braucht, um den ersten Schmerz herauszulassen.
Nach etwa zwei Minuten hat sie sich gefasst. „Entschuldigen Sie, ich weine Ihnen die ganze Jacke voll!“ Sie blickt sich suchend um. Van Krall reicht ihr ein Päckchen Papiertaschentücher.
„Danke.“ Sie schnäuzt in ein Taschentuch und nimmt ein nächstes, womit sie sich die Tränen abwischt. „Ich sehe sicher furchtbar aus“, versucht sie sich zu entschuldigen. „Was ist denn passiert, bitte sagen Sie es mir.“
Lerch ergreift das Wort und erklärt kurz den vermuteten Hergang. „Sie können Ihren Mann vorerst nicht sehen, weil er zur Untersuchung gebracht worden ist. Möchten Sie, dass wir Ihnen den Polizeipsychologen vorbeischicken? Können wir jemanden benachrichtigen, der Sie jetzt unterstützen kann?“
Sie hat sich gesetzt, schaut etwas verloren und presst das Päckchen Taschentücher fest zusammen. Van Krall legt seine Hand auf die ihre und fragt sanft: „Haben Sie meinen Kollegen verstanden? Sollen wir Ihnen den Polizeipsychologen vorbeischicken? Er könnte Ihnen helfen, das Unglück zu verarbeiten.“
„Was, ach der Kaffee. Was haben Sie gesagt? Entschuldigen Sie, ich bin ganz durcheinander! Ja, ich werde gleich meine Freundin anrufen.“
„Ich nehme schon den Kaffee.“ Van Krall stellt die beiden Tassen auf den Glastisch. Dann setzt er sich wieder. „Ich hatte gefragt, ob wir Ihnen den Polizeipsychologen vorbeischicken sollen!“
„Oh, ja. Ich verstehe. Wegen der Kinder. Ich habe eine große Bitte. Könnten Sie vielleicht, wenn es Ihre Zeit erlaubt, in zwei Stunden noch einmal vorbeikommen? Ich muss jetzt die Kinder von der Schule abholen und es ihnen sagen. Es ist wichtig, dass sie es von mir hören und nicht per Zufall erfahren. Wenn Sie ihnen erklären, was genau geschehen ist, wäre es für mich leichter. Ließe sich das machen? Alles ist durcheinander.“
„Ich denke, es lässt sich machen, Frau Baltes. Soll ich Ihnen ein Taxi bestellen?“ Frau Baltes nickt.
„Es ist jetzt dreizehn Uhr fünfundvierzig. Ich bin um sechzehn Uhr wieder da.
Können Sie mir noch eine oder zwei Fragen beantworten?“
„Ja, in Ordnung.“
„Dieses neue Handy von Ihrem Mann. Was ist es für ein Typ?“
„Warten Sie.“
Sie steht auf und geht in das Wohnzimmer. Die beiden Kriminalbeamten können sehen, wie sie etwas vom Sideboard nimmt und wieder zu ihnen zurückkommt. „Hier ist die Verpackung."
Van Krall nimmt sein Handy heraus und macht ein Foto von der Schachtel, auf welchem der Typ und ein Bild des Handys zu sehen sind.
„Danke, das wird reichen. Gab es auch eine neue Telefonnummer?“
„Ja, das ist richtig. Ich habe die Nummer schon in unser Haustelefon einprogrammiert.“
Sie steht nochmals auf und geht wieder zum Sideboard. Mit einem Telefon in der Hand kommt sie zurück. Lerch hat schon seinen Notizblock gezückt und wartet, während sie in den Telefonspeicher guckt. Sie gibt Lerch die Nummer. Lerch wiederholt die Nummer, sie nickt. Lerch erhebt sich und fragt: „Was ist mit dem alten Telefon geschehen? Da Ihr Mann eine neue Telefonnummer hat, wo ist das alte Telefon mit der alten Telefonnummer?“
„Wir wissen nicht, wo das alte Telefon ist. Ralf glaubt, dass er es verloren hat.“
„Geben Sie mir bitte auch noch die alte Telefonnummer.“ Frau Baltes greift wieder zum Haustelefon. Kurz darauf...




