E-Book, Deutsch, Band 1, 192 Seiten
Reihe: Geisterhaft
Haas Geisterhaft verpflichtet
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7526-6587-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 192 Seiten
Reihe: Geisterhaft
ISBN: 978-3-7526-6587-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tanja Haas, Jahrgang 1992, lebt mit Freund und Katzen unweit des höchsten Kaltwassergeysirs der Welt. Tagsüber arbeitet sie in ihrer gelernten Tätigkeit als Bürokauffrau, nach Feierabend sind Vampire, Götter, Hexen und Dämonen ihre ständigen Begleiter. Auch die Vorliebe für Animes und Mangas ist in ihren Geschichten spürbar. Als Autorin liebt sie es, Magie in unserer Welt zu erschaffen und Leser in einer Achterbahn der Emotionen mitzureißen. Geisterhaft verpflichtet ist ihre erste Veröffentlichung und der Auftakt zu einer paranormalen Regional-Fantasy-Reihe, die in Andernach am Rhein spielt. Weitere Informationen zur Autorin und ihren Büchern gibt es unter www.tanja-haas.jimdosite.com.
Autoren/Hrsg.
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KAPITEL 1
Der Zeiger unter ihren Fingern regte sich nicht. Das Holzbrett wartete auf die Kräfte aus einer anderen Welt, bereit, jede Antwort direkt an die Fragenden zu übermitteln. Kiara starrte das kleine Dreieck mit dem Loch in der Mitte gebannt an.
„Spürt ihr was?“ Suzanne betonte das ‚S‘ wie eine zischende Schlange. In ihren vom Alkohol erhitzten Wangen zeichneten sich rotglühende Grübchen ab. Sie kicherte, nickte in Richtung ihrer Hände und beugte sich zu Kiara. Diese rümpfte die Nase.
„Nein.“ Sie schluckte und schüttelte den Kopf. „Ich spüre gar nichts.“ Im Gegensatz zu ihrer Freundin war ihre eigene Stimme klar. Den Fusel, den die Jungs in der Küche ausschenkten, rührte sie nicht an.
Ein Luftzug kitzelte Kiaras Arme. Auf dem Dachboden herrschte die perfekte Grusel-Atmosphäre für eine Séance zu Halloween. Leider passte ihr dünnes Schlauchkleid nicht zu den eisigen Temperaturen dieser Herbstnacht.
„Ich merke auch nichts.“ Der Gastgeber grinste frech, seine Augen leuchteten gebannt. Julian hatte das unheimliche Brett aus einem der Kartons hervorgezogen. Ein gezackter Riss zog sich durch die Mitte des Boards, ein verwässerter Glanz zeugte von einer Schicht Kleber dazwischen.
„Nö“, fügte Marlon hinzu, dessen Blick fortlaufend zu Celine huschte. Die Langweilerin, die Unscheinbare, die es zu dieser Party verschlagen hatte. Sie verschmolz förmlich mit den flackernden Schatten hinter dem Kerzenlicht. Kiara schnaubte und das Mädchen erschrak. Ihre Lockenmähne zitterte dabei.
„Also, wer stellt eine Frage?“, nahm Kiara das Wort an sich, um diesen Quatsch hinter sich zu bringen. Alles an dieser Situation war falsch. Nichts lief nach Plan.
„Wie wäre es mit dir?“ Julian zwinkerte Kiara zu, woraufhin Suzanne empört schnaubte und ihm einen Stoß gegen die Schulter verpasste.
„Du flötest zu viel! Kia, pass bloß auf“, lallte sie und verfiel in ein Kichern.
Julian lachte zuckersüß, was ein Kribbeln in Kiaras Magen sandte. Mit seinem Charme hatte er sie in dieses eiskalte Loch unter dem Dach gelockt. Nun war es an der Zeit, ihn zu ködern.
„Ich finde ja, der Gastgeber sollte anfangen.“ Sie schenkte ihm einen reizvollen Augenaufschlag. Diesen Ausdruck hatte sie gemeinsam mit Suse vor dem Spiegel geprobt.
Julian wandte räuspernd den Blick ab. Im Kerzenschein erkannte sie nicht, ob ihre Geste die gewünschte Wirkung erzielt hatte.
„Wir haben am Anfang schon gefragt, ob jemand anwesend ist“, sprach er in die Runde.
„Ja, aber erst danach haben wir die Kerzen gefunden und aufgestellt.“ Celine stotterte. Ihre zitternde Hand glitt vom Zeiger.
Suzanne griff nach ihrem Handgelenk. „Du bist echt verklemmt.“ Sie gluckste und zog einen Schmollmund. „Willst du etwa kneifen?“
Marlon versuchte, Suzanne mit dem freien Arm anzustupsen. Er verfehlte sie jedoch. Mit vernebeltem Blick fixierte er sie, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt.
„Spaßbremse.“ Sie streckte ihm die Zunge raus und zog ihre Hand zurück.
„Hättest du besser auch einen Schluck getrunken, Schattenlöckchen. Dann würdest du jetzt nicht jammern“, brummte Kiara.
Celine zog den Kopf zwischen die Schultern. Sie öffnete den Mund, schluckte ihren Kommentar dann aber herunter.
„Jetzt stell dich nicht so an und leg den Finger nicht so lasch auf den Zeiger. Wahrscheinlich tut sich deshalb nichts.“ Kiara verdrehte die Augen. Lieber klopfte sie ein paar Sprüche und spielte sich damit in den Mittelpunkt. Sie war schließlich keine Spießerin. So verdrängte sie erfolgreich, dass sie unter normalen Umständen niemals an einem solchen Experiment teilgenommen hätte. Aber für Julian würde sie die ganze Nacht dort oben verbringen.
„I-ich drücke ja gar nicht lasch drauf.“ Celine stammelte, ihre Stimme quiekte. „Ist vielleicht nur keine so gute Idee.“
„Echt ey, hast du zu viele Geisterfilme geguckt?“ Suzanne klopfte Celine auf die Schulter. Ihr heiseres Lachen erfüllte den Raum. Sie hob die Hand vom Zeiger, streckte die Arme und krümmte die Finger. Die Langweilerin zuckte zurück. Dabei stieß sie gegen Marlon, der daraufhin erneut wankte. Kiara prustete los. Mit dieser Nummer konnte ihre beste Freundin nicht mal Kinder erschrecken.
„Oh, mächtiger Geist! Beantworte uns eine Frage“, sprach Kiara mit geschwollener Stimme. „Sag uns, ob unser Löckchen diesen Abend überleben wird.“ Energisch legte sie den Finger auf den Zeiger und fixierte Celine. Eine Sekunde später deutete er auf ‚Nein’.
„Hört auf, das ist nicht fair“, schaltete Julian sich ein. Mit zusammengekniffenen Augen musterte er erst Suzanne, dann Kiara. Suse lehnte sich unbeeindruckt zurück.
„Ernsthaft, wir wollen hier Spaß haben und niemanden fertigmachen. Fangen wir an.“ Julians Ausdruck verfinsterte sich.
„Ok, auf geht’s. Finger auf den Zeiger!“ Marlons Zunge trotzte dem Lallen.
Kiara verdrehte die Augen und gehorchte. Die anderen folgten ihrem Beispiel.
„Warum ist die überhaupt mitgekommen, wenn sie so ein Theater macht? Das ist echt cringe“, murmelte sie vor sich hin.
Marlon fuhr zusammen. Er sagte nichts dazu, schob die Brille auf seiner Nase zurecht und starrte den Zeiger an. Verglichen mit Julian – Kapitän des Fußballteams der Schule und zugleich beliebtester Junge am Gymnasium – war Marlon wie eines der durchgeschwitzten Trikots nach einem erfolgreichen Training. Er erfüllte seinen Zweck in der Gemeinschaft und war ansonsten ein Fall für die Waschmaschine. Kiaras Blick schweifte zu Julian. Sie strich die dunkelbraunen Haare hinter ihr Ohr, dabei ließ sie ihn nicht aus den Augen.
„Ist ein Geist anwesend?“ Kräftig echote seine Stimme über den Dachboden. Das Holzstück ruckte abrupt zum ‚Ja‘.
„Krass“, hauchte Suzanne. „Wer war das?“
„Guck mich nicht so an, ich habe nichts gemacht.“ Kiara hob abwehrend die Hände.
Der Blick ihrer Freundin wanderte von ihr zu Marlon. Dabei verengte sie die Augen zu Schlitzen und schürzte die Lippen. Der Streber zuckte zurück, sodass ihm die Brille von der Nase sprang. Celine wich dem Starren aus, das kurz darauf sie erreichte. Stattdessen fokussierte sie das Brett und rührte sich nicht.
Julian lächelte zufrieden. „Stellt eine Frage.“
„Oh du toller Geist! Kommen wir heute Nacht noch von der ollen Fusseldecke unter unseren Ärschen runter, ohne blöde Fragen stellen zu müssen?“ Suzannes Stimme mündete am Ende des Satzes in ein albernes Gackern. Sie lallte, als würde ihre Zunge Purzelbäume schlagen.
Der Zeiger regte sich nicht. Ein Klopfen am Fenster durchbrach die Stille. Ein Schaudern erfasste Kiaras Körper. Sie hatte die dürren Äste, die wie Krallen über das Glas kratzten, schon bei ihrer Ankunft auf dem Dachboden mürrisch betrachtet.
„Du musst wohl deutlicher sprechen, Suzanne, du hast zu viel getrunken.“ Julian stupste seine Nachbarin mit der Schulter an.
„Nö, gebt’s doch zu, ihr wollt nicht, dass ich hier wegkomme und euch das leckere Bier wegschlürfe.“
„Ist wohl doch kaputt, dann können wir ja gehen“, unterbrach der Lockenkopf das Gespräch. Kiara ergriff ihre Hand, ehe der Angsthase den Finger vom Zeiger ziehen konnte.
„Nicht so schnell, ich stelle jetzt meine Frage.“
Ihre Mitschülerin schluckte.
Kiara fragte eilig, ob der Geist das Mädchen mit der Lockenmähne mit in die Totenwelt nehmen würde. Sie schob den Zeiger zum ‚Ja‘.
„Lass das!“, fiepte Celine, die dagegenhielt.
„Mädels!“ Julian ermahnte sie vergeblich.
„Angst, Löckchen?“ Kiara flüsterte. Zu ihrer Genugtuung rutschte die Hand ihres Gegenübers von dem Holzstück.
„Schluss jetzt, das hält doch kein Geist aus.“ Julian erhob seine Stimme. Ein scheues Lächeln legte sich auf Kiaras Lippen. Seinen Einsatz für andere mochte sie besonders. Sie sehnte sich danach, dass er sich auf diese Weise auch um sie sorgte.
versank sie in ihren Träumen. Das Kribbeln in ihrem Bauch breitete sich bis in ihre Fingerspitzen aus.
„Mann, Julian, ich glaube, das wird heute nichts mehr.“ Marlon strich durch sein struppiges Haar und seufzte. Er klang fast klar, schielte aber deutlich über seine Nasenspitze hinweg.
„Spießer“, flüsterte Kiara. Sie verkniff sich das Grinsen. Endlich war der Spuk vorbei.
„Du willst schon abbrechen? Es fängt doch erst an, lustig zu werden. Und ich bin sicher, die Mädels halten sich ab jetzt auch zurück, damit die Geister nicht verschreckt werden.“ Der Gastgeber blinzelte mehrmals und runzelte die Stirn.
Er war einer der wenigen nüchternen Personen auf dieser Party. Sein Team verteilte munter Bier an die Anwesenden, er...




