Haensel | Mythor 126: Die Toteninsel | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 126, 64 Seiten

Reihe: Mythor

Haensel Mythor 126: Die Toteninsel


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-9878-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, Band 126, 64 Seiten

Reihe: Mythor

ISBN: 978-3-8453-9878-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Mythor, der Sohn des Kometen, begann vor rund zweieinhalb Jahren seinen Kampf gegen die Mächte des Bösen in Gorgan. Dann wurde der junge Held nach Vanga verschlagen, der von Frauen beherrschten Südhälfte der Lichtwelt. Und obwohl in Vanga ein Mann nichts gilt, verstand Mythor es nichtsdestoweniger, sich bei den Amazonen Achtung zu verschaffen und den Hexenstern zu erreichen, wo er endlich mit seiner geliebten Fronja zusammenkam. Inzwischen haben der Sohn des Kometen und seine Gefährten, zu denen neben Fronja, der ehemaligen Ersten Frau von Vanga, eine beachtliche Streitmacht zählt, Carlumen, die fliegende Stadt des legendären Caeryll, in Besitz genommen und mit diesem ehemaligen Fahrzeug des Lichts eine wahre Odyssee durch die Schattenzone hinter sich, bevor sie in den Süden Gorgans gelangten. Gegenwärtig, nach der Begegnung mit den Luminaten von Lyrland, befindet sich Mythor wieder an Bord der fliegenden Stadt. Necron, Sadagar und Aeda, die drei Nykerier, sorgen dafür, dass Carlumen Kurs auf Tata nimmt. Denn dort liegt das Zentrum von Catrox, jenem Dämon, mit dem die Steinleute unbedingt abrechnen müssen, um ihr Volk von großem Ungemach zu befreien. Auf dem Weg von Carlumen liegt auch DIE TOTENINSEL ...

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1.


Eine auffrischende Brise zauberte weiße Schaumkronen auf die Wogen, die im Schein der hochstehenden Sonne wie flüssiges Blei glänzten. Noch lag die See verhältnismäßig ruhig, doch die ersten rasch wachsenden Wolken kündeten den nahen Sturm an.

Seit Tagen zog Carlumen hoch über der endlos scheinenden Wasserwüste dahin, die sich bis an den fernen Horizont erstreckte. Das einzige Land, das man zu Gesicht bekommen hatte, waren mehrere winzige Inseln gewesen, die schroff und unwegsam aufragten. Zum Teil von aufsteigenden Dämpfen eingehüllt und von zuckendem Feuerschein umspielt, hatten sie den Eindruck erweckt, bis hinab in die endlosen Tiefen der Unterwelt zu reichen.

Gedankenverloren stand Mythor auf der Brücke der Fliegenden Stadt und starrte in die schäumende Gischt. Er hatte die Arme vor der Brust verschränkt, sein Atem ging kurz und stoßweise. Um seine Mundwinkel hatte sich ein nachdenklicher Zug eingegraben. Er spürte jene endlose Einsamkeit, die vor ihm lag.

Carlumen tauchte hinein in eine schmutzig graue Wolkenwand. Winzige Schneekristalle schlugen sich nieder und behinderten vorübergehend ebenfalls die Sicht.

Zögernd, als müsse er sich erst inmitten einer fremden Umgebung zurechtfinden, wandte Mythor sich um. Er war allein auf der Brücke, was selten vorkam. Nur die Gegenwart der Schlange Yhr ließ sich nicht leugnen.

Unwirkliche Schemen huschten durch den Raum, entstanden aus einem Wechselspiel von Licht und Schatten, als wollten sie sich um den Steuertisch und die dort liegenden DRAGOMAE-Kristalle zusammenballen.

»ALLUMEDDON«, murmelte der Sohn des Kometen gedankenverloren. »Bist du wirklich der Lichtbote?«

Vorsichtig schob er einen der Kristalle an einen anderen Eckpunkt des Siebensterns.

»Yhr«, flüsterte er. »Zeige dich, du heimtückisches, dämonisches Biest.«

Ein leises Zischen wurde hörbar, aber die Schlange des Bösen, die Carlumen in sich trug und doch selbst im tillornischen Knoten gefangen war, blieb weiterhin unsichtbar.

»Du solltest dich anstrengen, Yhr, unser Flug dauert sonst zu lange.«

Vor vier Tagen hatten sie Lyrland mit Kurs Nordwest verlassen. Zehn Tagesreisen seien es bis Tata, hatte Tobar erklärt – Mythor hoffte, es in wenig mehr als der Hälfte zu schaffen. Die Anzeichen dafür waren günstig.

An Bord herrschte Ruhe. Selbst Yhr verhielt sich gesittet, nur durfte man bei ihr nie ganz sicher sein, ob sie nicht irgendeine Hinterlist ausbrütete.

»Du glaubst, auf Tata eine Entscheidung herbeiführen zu können«, spottete Mythor. »Wir werden es zu verhindern wissen.«

Ein verächtliches Zischen war ihm Antwort genug. Insgeheim lachte der Sohn des Kometen, weil er wusste, dass er Yhr damit nur anspornte. Aber man würde auch auf der Hut sein müssen. Die Schlange war kein Gegner, dessen Handeln sich vorhersehen ließ.

*

Es gab ein hässliches Geräusch, als der Speer die Schwammscholle ritzte, dann mit dem Schaft gegen eine hölzerne Verstrebung krachte und zu Boden fiel. Einen gellenden Kampfschrei ausstoßend, wirbelte Tertish herum. Ihre Rechte zuckte vor, packte den knapp sechs Fuß großen Mann an der Schulter, und noch während sie blitzschnell ihr Körpergewicht verlagerte, wurde er über sie hinweggeschleudert.

Breitbeinig stand sie dann da und blickte kopfschüttelnd auf den Rohnen hinab, der ächzend versuchte, wieder auf die Beine zu kommen.

»Womit habe ich das verdient?«

Der Mann zuckte verständnislos mit den Schultern. Prüfend fuhr er mit der Hand über die gut einen Finger tiefe Kerbe, die sein Speer hinterlassen hatte.

»Bilde dir bloß nichts darauf ein«, schimpfte Tertish. »Bei uns in Vanga trifft ein fünfjähriges Kind besser. Dabei habe ich dir einen besonders leichten Schaft ausgesucht.«

»Vielleicht liegt es eben daran«, wagte der Rohne zu widersprechen. Wer ihm eine Weile zusah, gewann durchaus den Eindruck, dass er ein Heer von Flöhen beherbergte.

»Du bist zu aufgeregt«, stellte Tertish schließlich fest. »Warum?«

»Ich?« Der Rohne hob seine Waffe auf und kratzte sich.

»Barbar«, fauchte die Kriegsherrin von Carlumen. »Lass das endlich.«

Er nickte eifrig. »Soll ich ...?«

»Ach, gib schon her.« Sie nahm ihm den Speer aus der Hand. Ihr Blick verriet, wie wenig Hoffnung sie hegte. Aber sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die etwa 100 kampffähigen Rohnen an den Waffen auszubilden – ein Vorhaben, das sie inzwischen schier verzweifeln ließ. Zum Glück besaßen nicht alle zwei linke Hände, außerdem erhielt sie von den Wälsenkriegern und Hukender tatkräftige Unterstützung.

»Sieh her!«

Praktisch nur aus dem Handgelenk heraus schleuderte Tertish die Waffe, und der Speer drang krachend mehrere Handbreit tief in die Wand ein.

»Nur so kannst du dich gegen einen gerüsteten Angreifer verteidigen. Oder willst du dich eines Tages erschlagen lassen?«

»Nein, nein«, stammelte der Rohne und mühte sich vergeblich, die Bewegung der Amazone nachzuahmen. Im nächsten Moment kratzte er sich schon wieder.

»Ich habe den Eindruck, nur ein Bad kann dir helfen«, stöhnte sie.

»Wieso?«

Ein wenig begriffsstutzig mochte er außerdem sein. Seine Kleidung stand zwar nicht gerade vor Dreck, doch ließ diese Tatsache kaum Rückschlüsse darauf zu, wie es unter dem faltenreichen Wams aussah.

»Wann hast du dich das letzte Mal gewaschen?«

Er wusste es nicht.

»Vielleicht sollten wir es mit einer anderen Waffenart versuchen«, schlug er vor. »Mit Pfeil und Bogen umzugehen, erscheint mir leichter als mit dem Speer.«

Tertish verdrehte anklagend die Augen.

»Meinetwegen, versuchen wir es.«

*

Unmittelbar nach Beginn des Fluges hatte man drei tatasische Doppelrumpfschiffe gesehen, die Süd-Lyrland ansteuerten. Sie waren mit Sklaven überfüllt gewesen, die sich unter dem Kommando der Dämonenpriester selbst ans Ziel rudern mussten, ohne wahrscheinlich auch nur zu ahnen, was sie erwartete.

Die Situation erlaubte nicht, ihnen beizustehen. Und seither suchte man das Meer vergebens nach weiteren Sklaventransporten ab.

Am Horizont hatte sich eine dunkle Wolkenwand gebildet. Eine steife Brise wehte jetzt nahezu von Süden her. Mythor hörte an den sich verstärkenden Geräuschen, dass die Schleppsegel ausgeworfen wurden und sich vor dem Wind bauschten. Ein merklicher Ruck durchlief die Fliegende Stadt.

Die See geriet in Bewegung. Innerhalb kürzester Zeit wuchsen die Wellen fast doppelt mannshoch auf. Aber Carlumen zog in sicherer Höhe über dem nassen Element dahin.

Drohende Gewitterwolken schoben sich vor die Sonne, und nur vereinzelt huschten flüchtige Strahlen übers Meer. Die Ränder der Wolken schienen aufzuglühen.

Es war ein herrliches Schauspiel, das Mythor lange entbehrt hatte. Die Schattenzone kannte eine solche Farbenpracht nicht.

Der Sohn des Kometen wandte nicht einmal den Kopf, als er leise Schritte die Treppe herabkommen und dann durch die Magierstube die Brücke betreten hörte. Es waren die Schritte einer Frau.

Sie kam auf ihn zu.

»Fronja«, sagte er, noch immer zum Firmament emporblickend, und vollführte eine ausschweifende Handbewegung, »das ist die Welt, wie ich sie liebe. Gorgan muss schön sein ohne die Bedrohung durch die Mächte der Finsternis.«

»Aber Sturm und Unwetter können tödlicher werden als manche Klinge.«

Ruckartig wandte er den Kopf. Sein Blick traf sich mit dem der Frau.

»Ich dachte, Fronja ...«

»Die Tochter des Kometen ist mit Heeva und Lankohr zusammen«, sagte Glair, die See- und Wetterhexe. »Aber ich bin gekommen, um dich zu warnen.«

»Vor dem Sturm? Er wird uns nicht sehr viel anhaben können.«

»Was sich da zusammenbraut, ist kein normales Unwetter. Ich fühle, dass alle Elemente daran beteiligt sind.«

»Verlangst du, dass wir den Kurs ändern?«

»Wenn es nicht schon zu spät ist.« Glair war neben Mythor hingetreten und blickte hinaus in die sich auftürmende Düsternis. Er kannte die Frau mit dem schlohweißen Haar inzwischen gut genug, um zu wissen, wann sie wirklich besorgt war.

»Ich lasse die Segel einholen«, versprach er.

»Das ist nicht genug. Du musst beidrehen. Vor uns lauert das Verderben.«

*

In der Nähe des Schwungrads war ein Übungsplatz eingerichtet worden. An der Wehr hingen verschieden große Scheiben, während die Bogenschützen unter der kundigen Anleitung von Huuk und Soot aus Entfernungen zwischen fünfzehn und zwanzig Schritt ihre Pfeile abschossen. Eine größere Distanz war zwar unmöglich, doch auch so kam es immer wieder zu Fehlern. Die beiden Wälsen hatten es mittlerweile aufgegeben, die verlorenen Pfeile zu zählen.

Gerrek, der Beuteldrache, saß am Rand des nahen Brunnens, ließ die Beine baumeln und tat im Übrigen lautstark seine Meinung kund, die jedoch niemand hören wollte.

»Komm her und mach's besser«, rief Huuk ihm zu.

Gerrek schüttelte heftig den Kopf, dass seine Mähne flatterte.

»Habe ich doch gar nicht nötig.«

Es gab einige Rohnen, auch Frauen unter ihnen, die das erforderliche Geschick aufbrachten, und die bereits während der Auseinandersetzungen am Crusenriff bewiesen hatten, dass sie mit Dolchen und Schwertern umzugehen verstanden. Bei den anderen musste man dafür um so mehr Geduld aufwenden.

»Sieh da«, ließ Gerrek vernehmen, als Tertish mit ihrem Schützling und einem leichten Übungsbogen erschien. »Wieder ein Neuer. Zeig, was du kannst.«

Die Amazone warf...



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