E-Book, Deutsch, Band 1873, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 1873: Zerstörte Zellen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1872-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Tolkander"
E-Book, Deutsch, Band 1873, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1872-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Bericht Perry Rhodan
Er ruht sich aus, liegt einfach da und hofft, dass ich für ihn den Job tue. Ist zu faul, selbst einen Finger krumm zu machen, der Dicke.
Sein Anblick reizt mich zur Weißglut. Wie er versucht, mich geflissentlich zu übersehen. Dabei weiß ich, dass er irgendeine Schweinerei ausbrütet. Sonst würden ihm nicht die Schweißperlen auf der Stirn stehen.
Schmarotzer!
Vergeblich versuche ich, mich zu entspannen. Doch solange ich Bully in Reichweite neben mir weiß, darf ich nicht unvorsichtig werden. Er wartet nur darauf, dass meine Aufmerksamkeit nachlässt.
Den Gefallen tu' ich dir nicht, Dicker. Alles, aber das nicht.
Tief in mir flüstert eine Stimme, dass die Linearetappe der Kapsel bald beendet sein muss.
Egal. Das interessiert mich momentan herzlich wenig.
Ich lausche den eigenen hastigen Atemzügen, meinem Keuchen, und das Blut pulsiert heiß wie Feuer durch die Adern. Zeig's ihm!, hämmert es unter meiner Schädeldecke. Unaufhörlich. Als ich die Zähne zusammenbeiße, habe ich den Mund voll klebrigem, metallischem Geschmack. Blut.
Ich muss den Dicken aus der Kapsel stoßen, hinaus ins Vakuum, und … In Gedanken sehe ich ihn zerplatzen wie einen Luftballon, der zu heftig aufgeblasen wurde. Aus, vorbei, ein fauler Sack weniger. Das Bild frisst sich in mir fest, aber es kann mich nicht beruhigen. Ich fühle mich immer noch wie ein Wassertropfen auf einer glühenden Herdplatte, ebenso unruhig und zitternd, und möchte mir am liebsten die Haut vom Körper reißen.
»Du warst stets ein Schmarotzer!«
Gurgelnd stoße ich die Wahrheit hervor. Dem Ende meiner Selbstbeherrschung nahe, kralle ich die Finger in den daunenartigen Belag der Kapsel, aber ich schaffe es nicht, das Material zu zerreißen. Ich verwünsche den Dicken, verwünsche seine Art, sich zu bewegen, seine Stimme ebenso wie dieses grässliche rote Haar. Wir haben nichts gemeinsam, ich brauche ihn nicht, seine Nähe ist beklemmend. Er stiehlt mir die Luft, die ich zum Atmen nötiger …
Gefangen in einem rasenden Wirbel der Gefühle, wälze ich mich auf den Rücken und starre auf die transparente Kuppel über mir.
Draußen lauert das Nichts.
Der Tod!
Einfach nur zu sterben ist ein schrecklicher Tod. Vor allem unwürdig. Ich werde kämpfen und viele mit mir ins Verderben ziehen, ich …
… muss versuchen, mich gegen den verderblichen Einfluss zu stemmen, darf jetzt nicht schwach werden und endgültig der Strahlung des Drachen von Galorn erliegen.
»Bully?«, stoße ich schwer atmend hervor.
Der Freund reagiert nicht, auch nicht, als ich mich wieder auf die Seite drehe. Nahezu jede Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen, der Schweiß quillt ihm aus allen Poren, er verkrampft.
Ob ich einen besseren Anblick biete?
Wenn ich den Arm ausstrecke, kann ich Reginald berühren, wenn ich …
»Scher dich zum Teufel, du Armleuchter!«
Aus ihm spricht der Dämon der Galornen, ihre Aggressiv-Quoten, die bis vor kurzem im Drachen von Galorn gefangen waren. Die Strahlung ist wie eine gigantische Woge, die durch das Galornenstern-System flutet und jeden mitreißt in die Niederungen unkontrollierbarer Aggression. Dagegen schützen auch unsere Unsterblichkeits-Chips nicht.
Der Dicke stemmt sich aus der Bauchlage hoch. Er hat sich die Lippen blutig gebissen, das Blut verschmiert sein Gesicht und verkrustet. Auch der Halsansatz des gelben galornischen Schutzanzugs ist befleckt.
Ein stechender Schmerz rast durch meinen Kopf, als Bully sich jäh nach vorne wirft und seine Finger in mein Haar krallt. Er entwickelt eine ungeahnte Schnelligkeit, hängt plötzlich keuchend über mir, und sein linker Unterarm kracht auf meine Kehle herab und raubt mir den Atem.
Meine Gegenwehr bleibt zu schwach, fast mühelos schlägt der Dicke meine Arme zur Seite. Entsetzt erkenne ich, dass ich die ungünstigere Position habe; ihn in der Enge der Kapsel abzuschütteln ist so gut wie unmöglich.
Fester drückt sein Arm zu. Das zur Fratze verzerrte Gesicht scheint in einem Meer aus Farben zu explodieren.
Luft!
Ich ersticke.
Reginald Bull triumphiert. Sein Hohngelächter schwillt zum dröhnenden Orkan an. Gleich wird mein Schädel unter der Geräuschkulisse zerplatzen.
Übelkeit umfängt mich, ich werde herumgewirbelt und glaube, kopfüber in die Unendlichkeit zu stürzen …
Luft!, schreit alles in mir.
Ich kann nicht mehr atmen, kann nicht … Erinnerungsfetzen verdrängen meine letzten Gedanken. Eine Ewigkeit liegt das alles zurück:
Auf kurzen, säulenartigen Landebeinen steht die gigantische, blassrot schimmernde Kugel im Krater, höher als das sie umgebende Ringgebirge. Unheimlich und drohend zeichnet das Schiff sich gegen die Schwärze des Weltraums ab.
»Bist du wahnsinnig?«, zischt Reginald Bull. »Lass den Kopf unten!«
Jemand lacht. Nein, nicht Bully, ein anderer hat das kurze, kaum hörbare Lachen ausgestoßen.
»Jemand benutzt unsere Frequenz. Wir …«
»Wir müssen Kontakt aufnehmen, müssen … den ersten Schritt … auf sie … zu… ge… hen …«
*
Alles ist ruhig und friedlich – ein Zustand, den man erleben, jedoch schwerlich beschreiben kann: als tauchst du aus der lichtlosen Tiefe einer unergründlichen See empor an die lichtumfluteten Gestade des Paradieses.
Ich höre das Rauschen mächtiger Schwingen, spüre den sanften Hauch, den sie verursachen. Aber noch fällt es mir schwer, die Augen zu öffnen, ich bin nicht einmal sicher, ob ich das wirklich will. Weil ich instinktiv ahne, dass ich dann die vermeintliche Geborgenheit einer eisigen und lieblosen Welt opfern muss.
Warum lasse ich mich nicht einfach treiben und genieße das Glücksgefühl? Solche Augenblicke sind ohnehin viel zu selten und zu kurz.
Ich kann die Erinnerung nicht festhalten, weiß nur, dass ich eben noch auf dem Mond zu sein glaubte – ein neugieriger Risikopilot der Air Force, der dem Unfassbaren begegnet.
Was die halbe Welt damals leugnete, habe ich mit eigenen Augen gesehen: Wir sind nicht allein, nicht die Krone der Schöpfung, für die wir uns immer hielten …
Das alles liegt Jahrtausende zurück. Ich darf mich nicht treiben lassen, muss mich wieder der Realität stellen, und sei sie noch so erschreckend.
Das Rauschen wird zum gequälten Husten. Bully hat mich halb unter sich begraben. Er bewegt sich nicht, aber ich schaffe es endlich, ihn zur Seite zu wuchten.
»Eine Projektion unserer Umgebung!«, verlange ich vom Steuergehirn der Kapsel.
Das kugelförmige Boot mit nur fünfeinhalb Metern Durchmesser gehört zur PEGOOM. Die Galornentechnik ist der unseren um Jahrzehnte voraus, doch das schützt nicht vor Unfällen, ebenso wenig vor Sabotage oder Anschlägen. Wir haben es erlebt. Der Drache von Galorn wurde seiner Speicherfähigkeit beraubt, er setzt nun die Aggressions-Potenziale der Galornen frei, die vor Jahrtausenden auf dieser Welt lebten.
Die Strahlung breitet sich offensichtlich mit Überlichtgeschwindigkeit aus. Es gibt wohl keinen Schutz davor, Raumanzüge helfen nicht, auch nicht Schutzschirme. Die Galaxis Plantagoo wird in blutigem Chaos versinken, das Recht des Stärkeren feiert Triumphe.
Bully und ich haben die Aggressionen deutlich gespürt. Ich bin überzeugt, auf Galorn würden wir uns inzwischen gegenseitig umbringen.
Vielleicht bedeuten einige Lichtjahre Distanz schon Sicherheit. Ich hoffe, dass die Strahlung mit zunehmender Entfernung an Intensität verliert.
In dem Hologramm über mir erkenne ich das Ortungsbild der PEGOOM. Das nur achtunddreißig Meter messende eiförmige Schiff driftet einer gelborangefarbenen Sonne entgegen. Zwei Planeten sind in der Darstellung zu erkennen. Möglich, dass sich dort Leben entwickelt hat. Aber was interessiert mich das?
»Funkverbindung zu Foremon!«, verlange ich.
»Mir dröhnt der Schädel, als hätte ich eine Badewanne voll Vurguzz leer gesoffen.« Bully stemmt sich neben mir in die Höhe, verharrt halb aufgerichtet auf den Ellenbogen. Zögernd fährt er sich mit dem Handrücken über die blutigen Lippen und schickt die nächste Verwünschung hinterher, weil seine Hände noch vom gelben Schutzanzug bedeckt werden.
»Hast du das getan?«, herrscht er mich an.
»Gebissen hast du dich selbst.«
Er stöhnt, schüttelt den Kopf, lässt sich wieder zurücksinken. »Ich … kann mich nicht entsinnen. Black-out. Ich weiß nur noch, dass wir uns in die verdammte Kapsel gezwängt haben.« Er starrt das Hologramm an. »Ist es vorbei?«
Keine Funkverbindung zu Foremon. Dabei kommt die PEGOOM unaufhaltsam näher.
»Ob es vorbei ist, will ich wissen«, drängt Bully.
»Vielleicht.«
Er packt zu, umklammert mit einer Hand mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen. »Ich will von dir eine vernünftige Antwort bekommen …« Seine Stimme wird lauter, schrill beinahe, und bricht auf dem Höhepunkt ab. Ich erkenne die Bestürzung in seinen weit aufgerissenen Augen. »Es ist nicht vorbei«, stößt er tonlos hervor, »es wird wohl nie wieder enden. Ich fühle mich, als hätte ich Tausende Ameisen unter der Haut.«
»Warum schweigt Foremon?«, frage ich den Syntron. An den optischen Signalen erkenne ich, dass die Funkverbindung zur PEGOOM steht. »Wir waren im Schacht des Drachen, Foremon, und wir müssen so schnell wie möglich nach Helter Baaken zurück.«
Stille.
»So brauchst du nicht mit ihm zu reden, das wirkt nicht«, keucht Bully. »He, Foremon, du dürres...




