E-Book, Deutsch, Band 1887, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 1887: Unsichtbare Siganesen
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1886-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Heliotischen Bollwerke"
E-Book, Deutsch, Band 1887, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1886-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
Autoren/Hrsg.
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1.
Übergangslos wich das Abbild des Hyperraums auf den Schirmen der Sternenpracht des Orion-Armes. Ein syntronisch eingeblendeter Schriftzug zeigte die verbliebene Entfernung bis zum Ziel: zweitausendachthundert Lichtjahre.
Rosa Borghan schreckte aus leichtem Halbschlaf auf, weil die Geräuschkulisse sich geringfügig veränderte. »Was ist geschehen?« Sie gähnte verhalten. »Wir haben Sol noch nicht erreicht, oder?«
Der Blick ihrer grünen Augen taxierte die Holowand. Mit einer beinahe ärgerlichen Bewegung löste sie die energetischen Gurte und beugte sich in ihrem Kontursessel nach vorne, stützte die Ellenbogen auf die Armlehnen und das Kinn auf die Handflächen und fixierte Domino Ross.
Der Kommandant der Space-Jet aktivierte soeben den Ortungsschutz.
»Was ist los?«, wiederholte Rosa. »Gibt es Probleme?«
Domino stemmte sich aus dem Sessel hoch, er verschränkte die Hände im Nacken und streckte sich. Das Spiel der Muskeln unter seiner Bordkombi war deutlich. Ross wusste um die Wirkung seiner athletischen Figur auf Frauen.
»Stundenlanges Sitzen ist ungesund«, erklärte er. »Dagegen sollten wir etwas tun.«
Langsam wurde Rosa ärgerlich: »Ich will wissen, was los ist!«
Domino Ross lächelte. Er war ein Hüne mit breiten Schultern, kräftigem Brustkorb und muskulösen Beinen. Sein Gesicht wirkte kantig, mitunter sogar hart und verschlossen, aber gerade das machte ihn für viele interessant und geheimnisvoll.
»Nichts von Bedeutung«, sagte er leichthin. »Nur ein Orientierungsmanöver.« Er orderte einen Vurguzz an der Versorgungseinheit. »Willst du auch einen Drink, Rosa?«
Sie überhörte die Frage bewusst. Trotzdem – oder gerade deshalb? – entnahm der Kommandant ein zweites Glas.
»Außerdem haben wir etwas Zeit für uns«, stellte er unumwunden fest. »Wir haben uns lange nicht gesehen.«
»Ich sollte dir den Vurguzz ins Gesicht schütten …«
»Das tust du doch nicht.«
Verdammt, dachte sie, warum ist der Kerl nur so von sich überzeugt?
Domino Ross war ein Draufgänger, ein Abenteurer, wie es heutzutage nur noch wenige gab. Er war keiner von denen, die sich hinter ausgefeilter Technik versteckten und abwarteten, dass Maschinen den Job erledigten – er war nur froh, wenn er selbst zupacken konnte.
Ganz nahe kam er ihr, als er ihr das Glas reichte, der Blick seiner schwarzen Augen tastete ihren Körper ab, als hätte er eine unbekannte Spezies vor sich. Rosa empfand sein Verhalten schlichtweg als aufdringlich, doch zugleich gefiel es ihr, ausgerechnet von Ross begehrt zu werden. Arno Wosken, der dritte an Bord, gab sich in der Hinsicht so penibel zurückhaltend, dass sie sich mitunter schon fragte, ob er überhaupt ein Mann sei.
Domino schien ihre Gedanken lesen zu können. »Keine Sorge«, betonte er. »Arno wird uns nicht stören.«
Hastig trank Rosa nun doch von ihrem Vurguzz, verschluckte sich und musste husten. »Falls wir beim Einflug ins Solsystem aufgehalten werden …«, brachte sie ächzend hervor.
Domino nahm ihr das Glas aus der Hand und stellte es zur Seite. Er fasste sie um die Schultern und zog sie an sich. Sein Griff war hart und unnachgiebig, als hielte er ein Stück Eisen in Händen, aber das war seine Art. Rosa kannte ihn nicht anders. Sie hatten sich beinahe vier Monate nicht gesehen, weil sie an verschiedenen Orten in der Milchstraße gegen die Tolkander im Einsatz gewesen waren. Erst Atlans Anforderung von Einsatzkräften hatte sie wieder zusammengeführt.
»In früheren Zeiten wurde jedem zum Tod Verurteilten ein letzter Wunsch erfüllt.« Domino küsste Rosa heiß und leidenschaftlich.
Sie wühlte ihre Hände in sein brustlanges schwarzes Haar, das er zu zwei Zöpfen geflochten hatte, und erwiderte den Kuss. Doch unvermittelt hielt sie ihn mit den Ellenbogen auf Distanz.
»Das nicht, mein Freund«, kam es stockend über ihre Lippen. »Ich habe nicht vor … zu sterben. Also vergiss deinen letzten Wunsch.«
Domino kippte den Rest seines Vurguzz in einem Zug und warf das Glas zielsicher in den Abfallvernichter. Aus einer Außentasche seiner Kombi fischte er eine halbleere Packung Vitaminzigaretten und steckte sich eine an.
Von der linken Stirnseite bis zum Mundwinkel zog sich eine dunkle, hervorquellende Narbe über sein Gesicht. Jeder Mediker hätte die Möglichkeit besessen, das wilde Fleisch abzulösen und mit Gentechnik die Haut narbenfrei verheilen zu lassen. Doch Ross dachte nicht daran, sich deshalb einer Behandlung zu unterziehen. Die Narbe gehörte längst zu ihm, sie erinnerte ihn an einen Kampf auf Leben und Tod im Hanse-Kontor Fornax Anno 1247 NGZ. Erst zweiunddreißig Jahre jung war er gewesen, als das wilde Tier ihn fast getötet hätte. Noch heute litt er deshalb manchmal unter Albträumen.
Rosa nippte nur noch an ihrem Glas. Sie schwieg, fuhr sich mit der Linken über das stoppelkurz geschnittene Haar. Howalgoniumfäden waren am Stirnansatz verknüpft und ringelten sich wie künstliche Locken über ihre Schläfen.
Seit Jahren waren Domino und sie miteinander vertraut; sie hassten oder liebten sich, je nach Bedarf. Mehr würde daraus wohl nie werden, denn sie waren einander zu ähnlich. Immer bestand die Gefahr, dass einer von ihnen von einem Einsatz nicht zurückkam.
Die Vitaminzigarette zerbröselte zwischen Dominos Fingern. Nachdenklich kaute er auf seiner Unterlippe. Zu erkennen, was er gerade dachte, war so gut wie unmöglich.
»Ich glaube, wir treiben schweren Zeiten entgegen«, begann Rosa Borghan stockend.
»Wir?« Eine steile Falte erschien über Ross' Nasenwurzel.
»Ich rede vom Galaktikum …«
»… das de facto ein Scherbenhaufen ist.«
Warum musste er so oft auf Konfrontation gehen? Domino Ross war nicht nur attraktiv, sondern zugleich überaus begabt und phantasievoll. Achtzehn Jahre lang war er als Spezialagent der Kosmischen Hanse im Bereich der Lokalen Gruppe im Einsatz gewesen und hatte Action erlebt, für die Trivid-Produzenten ein Vermögen bezahlen würden. In jener Zeit hatte er sich zum Draufgänger entwickelt.
»Etwas mehr Feingefühl wäre angebracht«, seufzte Rosa.
»Dann würdest du jetzt mit mir schlafen?«
»Dann würde ich dir vielleicht sagen, dass ich dich ganz nett finde.«
»Das ist mir längst klar.«
»Du … du …« Rosa riss beide Arme hoch, wollte mit den Fäusten gegen Dominos Brust trommeln, doch er war schneller, umklammerte ihre Handgelenke und zog sie fest an sich.
»Wir sollten unser Verhältnis klären«, bestimmte Domino. »Sonst ist es nicht gut, wenn wir gemeinsam in den Einsatz gehen.«
Rosa begann schallend zu lachen und brach abrupt ab, weil sie erschrocken feststellte, dass sie ihre eigene Unsicherheit damit kaschierte.
»Hoffentlich habe ich nichts versäumt«, erklang vom Zentraleschott her eine markante Stimme. »Warum hatten wir den Hyperraum kurzfristig verlassen?«
»Der schöneren Aussicht wegen«, bemerkte Rosa spitz.
Arno Wosken kam grinsend näher. »Ich verstehe«, sagte er. »Störe ich?«
»Nein«, grollte Ross. »Wie kommst du darauf?«
»Das frage ich mich auch«, seufzte Rosa.
*
Schweiß perlte auf der Stirn des LFT-Kommissars, als er die Nachricht las, die ihm ein Servorobot übergeben hatte. Seine Lippen bebten, er knüllte die Folie zusammen und warf sie in den Abfallvernichter.
Die Nacht hing über Terrania City. Nie hatte Cistolo Khan die Metropole anders denn als gleißendes Lichtermeer erlebt – aber dieses trübe Halbdunkel, in dem sogar einige Sterne zu sehen waren, erschreckte.
Fast zum Greifen nahe war das undefinierbare Glimmen des Faktorelements. Dahinter lauerte eine Gefahr, die jeder sträflich unterschätzt hatte. Inzwischen war es längst zu spät, mit allen verfügbaren Mitteln zurückzuschlagen. Die Dscherro zu vernichten hätte gleichzeitig bedeutet, Millionen Menschen und einige zehntausend andere Galaktiker dem sicheren Tod preiszugeben und die Stadt, die seit den Tagen der Dritten Macht Symbol für den Aufstieg Terras war, endgültig in eine Ruinenlandschaft zu verwandeln.
»Sie sind tot …« Abrupt wandte Cistolo Khan sich zu Atlan um, der schweigend vor der großen Panoramawand stand und nichts anderes tat, als ihn zu beobachten.
Es gefiel ihm nicht, dass der Unsterbliche hier war; was auf Terra geschah, ging niemanden etwas an, das waren innere Angelegenheiten. Aber für Geheimhaltung war es längst zu spät. Katie Joannes Filmaufnahmen hatten in der Galaxis neue Betroffenheit ausgelöst. Und wohl auch heimliche Genugtuung. Egal, das Ansehen der Erde stand auf dem Spiel.
Die Terraner schaffen es nicht, ein paar Barbaren aus ihrer Hauptstadt zu vertreiben. Khan hörte schon die Spottreden der Gataser, Arkoniden, Antis und anderer Völker. Insgeheim hatten viele doch nur darauf gewartet, dass der alte Rivale um Wirtschaft und Handel und die Vormacht in der Milchstraße eine Schlappe erlitt. Nichts war mehr wie früher.
»Wer ist tot?«, fragte Atlan leise. Die letzten Tage hatte der Arkonide beim Faktorelement Kalkutta verbracht, jetzt war er im Zentrum der LFT-Macht.
Khan blickte ihn aus tief in den Höhlen liegenden Augen an. Vermisste und Tote, das war seit der Tolkander-Invasion entsetzliches Tagesgeschehen, und irgendwann stumpfte jeder innerlich ab, wollte er nicht den Verstand verlieren. Er ballte die Hände, öffnete sie wieder, verkrampfte die Hände erneut. Schmerzhaft schnitten die Nägel in die Handballen ein. Er stand selbst noch unter dem Schock des Erlebten, ertappte sich zeitweise dabei, dass er anders reagierte, als er es von sich erwartet hätte....




