E-Book, Deutsch, Band 2015, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2015: Mein Freund, der Tod
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2014-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Die Solare Residenz"
E-Book, Deutsch, Band 2015, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2014-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
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1.
… sekundenlang schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf die dezente Hintergrundmusik, die eine Saite in meinem Innern mitschwingen ließ. »Five hundred miles away from home«. Nur noch wenige Tage vor dem Start zur ersten Mondlandung, hätte ich Bobby Bares sonorer Stimme endlos lauschen können.
Sehnsucht und Abenteuerlust hielten mich im Griff. Gedankenverloren hatte ich meinen Kognakschwenker mit beiden Händen bewegt, nun kippte ich den spanischen Brandy und ignorierte, dass die Freunde mich amüsiert musterten. Sollten sie ruhig lästern, auch ihre Nerven waren zum Zerreißen angespannt.
»Einmal Mond und zurück«, sagte ich sehnsuchtsvoll und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: »Die Sterne werden uns gehören!«
Die Musik endete in einem schrillen Crescendo. Stille folgte. Eine unheimliche, atemraubende Ruhe. Nur mein eigenes hastiges, rasselndes Atmen war zu vernehmen.
Filmriss!
Die Zeit schien stillzustehen. Ich starrte über den Tisch hinweg auf die leeren Plätze, auf denen vor Sekunden meine Freunde gesessen hatten, Astronauten der U.S. Space Force wie ich, ausgebildet, den Mond zu erobern.
Sie waren verschwunden, als hätten sie nie existiert. Nur ihre halb geleerten Gläser standen noch da. Daneben lag das Foto, das Clark G. Flipper und seine Frau auf den Bahamas zeigte. In den höchsten Tönen hatte Flipp von den Flitterwochen geschwärmt, von der himmlischen Ruhe unter Palmen, dem sanften Meeresrauschen und dem warmen Wind …
Das durfte nicht vorbei sein – niemals! Vielleicht, wenn ich die Augen schloss, sie so fest zudrückte, dass es fast schon schmerzte …
Stimmen … das Lachen einer Frau im Hintergrund an der Bar … und die Musikbox plärrte los, dröhnte Bill Haleys »Rock around the clock« in nahezu unerträglicher Lautstärke. Perry Rhodan bedachte mich mit einem forschenden Blick, und Flipper begann schallend zu lachen. Ich war verärgert, als ich wiederholte: »Die Sterne werden uns gehören! Wir müssen nur daran glauben!«
Unter meiner Schädeldecke dröhnte und hämmerte es rhythmisch. Die laute Musik, dazu das heisere Summen des Ventilators, der Küchendüfte und kalten, abgestandenen Zigarrenrauch verwirbelte und mir ins Gesicht blies; die Freunde, die sich vorbeugten und hastig auf mich einredeten, als wäre keine Zeit mehr zu verlieren. Ihre Stimmen wurden dumpf und unverständlich, und ihre Gesichter verzerrten sich zu Karikaturen, als hätte ich nach durchzechter Nacht mit zitternder Hand versucht, sie aus dem Gedächtnis zu skizzieren – das alles verwischte zu einem Wirbel der Empfindungen, einem Sog, der mich mitzureißen drohte.
Heiß stieg es in meinem Magen auf, erreichte die Speiseröhre, quoll pulsierend höher …
Einatmen! Die Luft anhalten! Vergeblich stemmte ich mich gegen das würgende Gefühl und den bitteren Geschmack, der mir Tränen in die Augen trieb. Das alles erschien wie ein böser Traum. Meine Rechte verkrampfte sich um den Kognakschwenker, die Finger krallten sich in das Glas, das knirschend zerbrach. Splitter stachen in die Handfläche und die Fingerkuppen. Das lärmende Dröhnen überschlug sich, vermischt mit dem Pochen des Pulsschlags in meinen Schläfen.
Abrupt herrschte Stille. Eine wohltuende Oase nahezu völliger Lautlosigkeit, irgendwo, auf jeden Fall nicht mehr im »White Horse House«, in dem wir Mondfahrer einige unserer letzten Abende verbracht hatten. Die Anspannung fiel von mir ab. Ich fühlte, wie sich die verkrampften Muskeln zu lösen begannen.
Immer noch würgte mich der Geschmack von Galle. Ein Rinnsal tropfte aus dem Mundwinkel übers Kinn. Ich wollte es ignorieren, mich von dem kühlen Untergrund hochstemmen, auf dem ich halb zusammengekauert lag, aber ich schaffte nicht mehr, als mich schwerfällig auf den Rücken zu wälzen. Jeder Quadratzentimeter meines Körpers schmerzte; lediglich eine kleine Stelle unter dem linken Schulterblatt schien davon ausgenommen zu sein.
Die wirren Gedanken nährten Zweifel. Mein Gott, so besoffen konnte ich am vorigen Abend gar nicht gewesen sein, denn ich entsann mich düster, was ich getrunken hatte: zwei Brandy, eine Cola und einen Tequila-Sunrise mit dem Versuch, die verheißungsvoll lächelnde Bedienung näher an mich heranzuziehen.
Gestern …?
Ich starrte hinauf zu der stählernen Decke, die massig und bedrohlich über mir hing, so hoch, dass ich sie selbst mit ausgestreckten Armen nie würde berühren können.
Gestern – das lag so verdammt weit zurück, dass es mir fast schon wie aus einem anderen Leben erschien, einem besseren Leben auf jeden Fall.
Andere Erinnerungsfetzen flammten vor meinem inneren Auge auf wie Blitze in finsterer Nacht. Dabei wollte ich diese Szenen nicht sehen. Mit aller Kraft sträubte ich mich dagegen, müde, erschöpft und innerlich bebend.
Die Bilder waren hartnäckiger. Quälend langsam stiegen sie aus dem Unterbewusstsein empor und erinnerten mich daran, dass es eine andere Zeit gegeben hatte …
Echsenaugen fixierten mich. Xerkran-Par, Gouberneur von Topsid, verzog die verhornten Lippen seiner weit vorspringenden Mundpartie zu einer herausfordernden Geste.
»Deine Delegation, Reginald Bull, mag aus Vertretern der terranischen Hochfinanz bestehen, aber das Angebot, das du Topsid unterbreitest, ist lächerlich. Ich muss nicht daran erinnern, dass unsere vierundzwanzig Welten von der gewaltigen Liga Freier Terraner umschlossen sind. Gewisse Ausgleichszahlungen …«
Völlig überraschend war die 17. Imperiumsflotte von Arkon über Topsid hereingebrochen. Raumsoldaten und Kampfroboter überall … unser vergeblicher Fluchtversuch … dann meine Verhaftung; Trennung von den anderen Mitgliedern der Wirtschaftsdelegation; Transport nach Arkon I …
Seither fand ich keine Ruhe. Alles hatten die Arkoniden mir abgenommen. Ohne die hilfreichen technischen Spielereien fühlte ich mich wie nackt. Dass ich einmal mein Chronometer vermissen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. Nicht nur Außenstehende hätten es gerne gewusst, auch ich selbst fragte mich hin und wieder, was für einen potentiell Unsterblichen Zeit wirklich bedeutete.
Fröstelnd wälzte ich mich auf die Seite und stemmte mich auf dem Unterarm hoch, verharrte schwer atmend eine Weile auf den Knien, bevor ich schwankend zu der Pritsche mit dem dünnen Bettzeug hinübertaumelte. Wieso ich nicht dort, sondern auf dem kalten, rauen Boden die Nacht verbracht hatte – ich wusste es nicht. Nur vage entsann ich mich an das letzte Verhör, an die Schmerzen und den Zynismus der Arkoniden.
Was ich als Nacht definierte, war die unregelmäßige Spanne zwischen erschöpftem Einschlafen und qualvollem Aufwachen. Dazwischen tobten Albträume.
Ächzend kippte ich vornüber auf die Pritsche. Eine bleierne Müdigkeit steckte mir in den Gliedern. Selbst der Aktivator schaffte es nicht mehr, das Schlafdefizit und andere Mangelerscheinungen auszugleichen.
Meine Tage erschöpften sich in endlosen Verhören. Ohne die Aussicht, dass es irgendwann besser werden würde. Die Gesichter der Fragesteller wechselten – nur mein Schweigen blieb. Hartnäckig. Erhaben und stolz.
Obwohl ich ruhig und gleichmäßig zu atmen versuchte, rebellierte mein Magen. Ich würgte, spuckte einen winzigen Rest von Galle und verkrallte die Finger im Bettzeug. Meine rechte Hand blutete. Hatte ich wirklich versucht, mir das Leben zu nehmen, wie es mir jäh durch den Sinn schoss?
Aber das war Unsinn, verrückt. So etwas würde ich nie tun.
Stöhnend vergrub ich das Gesicht in der Decke und versuchte krampfhaft, die verschütteten Gedanken auszugraben.
Waren da nicht Schritte? Ich lauschte.
Nichts außer meinen eigenen krampfhaften Atemzügen war zu hören. Und bei jedem Ausatmen ein gequältes Husten. Ich sollte versuchen, wenigstens eine oder zwei Stunden lang halbwegs ruhig zu schlafen, denn bald würden die Wärter wieder erscheinen und mich zum nächsten Verhör abholen.
Chancen, irgendwann diesem Gefängnis zu entfliehen, sah ich nicht. Am wahrscheinlichsten erschien mir, dass man mich eines Tages in einer Kiste hinaustragen würde. Die Arkoniden erwarteten Staatsgeheimnisse von mir, doch selbst wenn ich alles verriet, was sie hören wollten, würden ihre Fragen nie enden.
Darauf hoffen, dass sie mich eines Tages als großzügige Geste der Versöhnung freiließen? Das würden niemals geschehen.
Mein eigenes stockendes Kichern überraschte mich. Bully als Graf von Monte Christo. Das war Galgenhumor – aber immerhin. Hundert Jahre in diesem lausigen Verlies. Zweihundert Jahre? Ich konnte warten, ganz im Gegensatz zu meinen Wärtern, an denen der Zahn der Zeit fraß. Alle würde ich überleben.
Mein Kichern wurde zum heiseren Lachen. Das war ein Witz, der mir gefiel. Ich lachte, bis ich krampfhaft nach Luft rang.
Wieder hallten Schritte. Die Zellenwand öffnete sich. Vier Kampfroboter stampften herein, archaische, zweieinhalb Meter große und tonnenschwere Kolosse. Ihre rot, gelb und grün funkelnden Sehzellen fixierten mich.
Die Belustigung verflog. Dennoch versuchte ich ein Grinsen, als ich mich halb aufrichtete und mich bemühte, den Blick auf den beiden Offizieren zu halten, die nach den Kampfrobotern eintraten.
Meine Kehle war ausgedörrt. Es fiel mir schwer, das bisschen Speichel zu schlucken, das sich im Mund gesammelt hatte. Aber anders konnte ich meiner Stimme keinen einigermaßen festen Klang geben.
»Endlich eine Ehreneskorte, wie es sich geziemt, Mivado«, stieß ich hervor.
Beide Männer waren...




