E-Book, Deutsch, Band 2220, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2220: Tote leben länger
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-2219-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Der Sternenozean"
E-Book, Deutsch, Band 2220, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2219-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
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2.
Beim Blick auf die Zeitanzeige verdüsterte sich Myles Kantors Miene. Uhren hatten ihn stets fasziniert. Früher. Viele Leben schien das nun schon her zu sein. Jede einzelne war wie ein Schatten, der sich über Myles' Miene legte. Auch Sol verbarg sich hinter dunklen Wolken. Auf Terra spielte die Wetterkontrolle noch immer verrückt. Es war offensichtlich schwerer wieder in den Griff zu bekommen, als die Meteorologen anfangs behauptet hatten.
Unwillig wischte sich der Chefwissenschaftler der LFT mit dem Handrücken über den Mund. »Unnötige Aktionen ... Zeitverschwendung«, murmelte er im Selbstgespräch. »Jeden anderen Ort hätte ich als Treffpunkt verstanden, aber diese Klinik ...?« Sein Blick schweifte zurück zu dem schnellen Gleiter, mit dem er von Terrania Space Port aus nach Klein-Goshun geflogen war. Zu allem Überfluss hatte er nicht vor dem Gebäudekomplex landen dürfen, sondern war angewiesen worden, auf dem Areal außerhalb des umgebenden Parks niederzugehen. Energetische Durchflugsperren sorgten zudem dafür, dass niemand diese Bitte ignorierte.
Ein gewundener Weg führte zwischen Baumriesen hindurch. Hier gab es weder Transportbänder noch Sammelfahrzeuge. »Aber für die Sperre steht genügend Saft zur Verfügung.« Myles Kantors Ärger wuchs. Seit der Landung war er drauf und dran, Homer anzurufen und einen anderen Ort zu vereinbaren.
Ein neuer hastiger Blick auf die Zeitanzeige. Mit weit ausgreifenden Schritten näherte sich Kantor der Gebäudefront. Der auffrischende Wind peitschte ihm Nässe entgegen. Kantor wischte sich unwillig die Tropfen aus dem Gesicht.
Was tat er überhaupt hier? Auf dem Merkur potenzierten sich die Aufgaben. Das war wichtig. Dort wurde er gebraucht. In Volcan-Center wurde unter Ausnutzung aller Kapazitäten und rund um die Uhr an der Erforschung der eigenwilligen Strahlung gearbeitet, die Sol seit kurzem emittierte. Die ersten Ausfälle namhafter Kapazitäten waren quasi vorprogrammiert, und ausgerechnet in diesem Stadium zitierte Adams ihn nach Terra. Zitiert war genau der richtige Ausdruck. Nicht gebeten, geschweige denn nur angefragt.
Es regnete stärker. Myles schlug den Kragen hoch. Sein Ärger wurde dadurch nicht geringer. Für ein Wasser abweisendes Prallfeld über dem Weg reichte die Energie offensichtlich nicht, aber für die Gleitersperre. Und von Homer G. Adams war weit und breit nichts zu sehen. »Vor dem Haupteingang«, hatte er gesagt.
Ungeduldig trat Kantor von einem Fuß auf den anderen, kalkulierte in Gedanken die neuen Schichtpläne, Personalzuteilungen, Projekte. Unwillkürlich versteifte er sich, als er zwei Gestalten auf sich zukommen sah – doch es waren nur Medoroboter. Er wollte sie ansprechen, verpasste aber, halb in Gedanken versunken, den richtigen Moment und schaute ihnen nur wortlos hinterher.
»Fünf Minuten gebe ich dir noch, Homer«, murmelte er stockend im Selbstgespräch. »Ich habe meine Zeit nicht gestohlen.« Er fixierte den Haupteingang. Hinter den transparenten Torflügeln herrschte geschäftiges Treiben. Offensichtlich waren Roboter damit beschäftigt, Weihnachtsdekoration anzubringen. Weihnachten ... Zeit der Besinnung – von wegen!
»Entschuldige, Myles«, erklang es unvermittelt hinter ihm. »Ich wurde aufgehalten.«
»Ach«, machte der Wissenschaftler nur und winkelte den linken Arm an. Anklagend grell schimmerten die Holoziffern der Zeitanzeige über dem Handrücken.
In Adams' Blick blitzte es kurz auf. »Ich verstehe deinen Ärger. Trotzdem wirst du in Kürze einsehen, dass sich das Warten gelohnt hat.« Etwas wie Triumph schwang in seiner Stimme mit. »Ich habe ihn gefunden, Myles!«
Kantor verstand herzlich wenig. »Wen?«, wollte er wissen. »Wen hast du gefunden?«
»... den Leiter für die Waringer-Akademie! Es gibt keinen besseren!«
Für den Moment vergaß Myles Kantor sogar den anhaltenden Regen. Aus zusammengekniffenen Augen blickte er auf den Residenz-Koordinator für Wirtschaft, Finanzen und Strukturwandel hinab. »Schön«, sagte er leise. »Aber ausgerechnet da drinnen, in einer Privatklinik? Wer ist es? Ein Mediziner?«
»Du kennst ihn!«
Der Ärger ließ Kantor verbissen reagieren. Der Leiter der Waringer-Akademie musste nicht nur eine starke Persönlichkeit sein, sondern vor allem ein technisches Allroundgenie; eine medizinische Koryphäe war mit Sicherheit die falsche Personalentscheidung. »Na schön. Ich warte.«
»Worauf?«, drängte Adams.
»Auf eine plausible Erklärung«, antwortete Myles Kantor gedehnt. »Das geht mir plötzlich zu schnell, nachdem sich wochenlang gar nichts getan hat.«
»Ich gäbe viel für deine Gedanken, Myles ... Der Mann ist erste Wahl!«
»Wer?«
Adams schüttelte den Kopf. »Noch nicht«, entgegnete er ausweichend. »Ich möchte, dass du mit mir gemeinsam das erste Gespräch führst. Und dass du deinen Einfluss geltend machst, den Mann zu überzeugen.«
»Dann weiß er also noch nichts davon?«, vermutete Kantor, während sie die Klinik betraten.
»So ist es – leider.« Was immer Homer G. Adams noch hatte hinzufügen wollen, es blieb unausgesprochen. Eine Medikerin kam ihnen im Laufschritt entgegen.
»Hoher Besuch«, stellte sie lächelnd fest. »Ich bin Dr. Kompar. Was kann ich für euch tun? Ihr wollt zur Klinikleitung?«
»Es geht lediglich um einen Patientenbesuch«, sagte Adams. »Zimmer 34! Wir brauchen seine Hilfe.«
Das Lächeln auf ihren Lippen gefror, ihr Blick schien die Besucher geradezu zu durchbohren. »Das kann nicht euer Ernst sein!«, brachte sie tonlos hervor.
*
In dreihundert Metern Höhe, auf dem schmalen, nur von einer fahlen Energiebalustrade gesicherten Gerüst, griff der Sturm mit aller Heftigkeit an.
Die Sicht reichte wegen des dichten Regens kaum noch bis zum Wohncenter, das wie der angrenzende See nach einem der größten terranischen Hyperphysiker benannt worden war: nach Prof. Dr. Arno Kalup. Trotz eines Zellaktivators war der Mann nicht einmal vierhundert Jahre alt geworden. Morgem Feburo hatte sich sagen lassen, dass Kalup schon im Jahr 2440 alter Zeitrechnung tödlich verunglückt und sein Aktivator zerstört worden war. Seit er das wusste, hielt er die relative Unsterblichkeit für noch weniger erstrebenswert als schon vorher. Die Furcht vor einem gewaltsamen Tod musste irgendwann jedes andere Gefühl überlagern. Zumindest glaubte er, dass es ihm so ergehen würde. Mit seinem Leben, wie es sich gestaltete, war er vollauf zufrieden.
Der Sturm schwoll allmählich zum Orkan an, der Regen peitschte nahezu waagerecht heran. Das waren miserable Bedingungen für die Endmontage der Tropfenspitze. Noch vor einem halben Jahr wäre das Zentralgebäude unter einen Schutzschirm gelegt worden, der jeden äußeren Einfluss fern gehalten hätte. Aber nun ...? Morgem Feburo hatte schnell gelernt, mit Halbheiten und Provisorien zurechtzukommen, was keinesfalls bedeutete, dass er sie mochte.
Unwillig schüttelte er sich die Nässe aus den Haaren, die im Nacken zu zwei dünnen, bis über die Schulterblätter fallenden Zöpfen geflochten waren, und hastete die Rundung entlang. Auf den glitschig gewordenen Planken sicheren Halt zu bewahren fiel ihm schwer, zumal ihn der Sturm jetzt von der Seite packte und nach innen drückte. Hundertzwanzig Meter durchmaß der Tropfen an der dicksten Stelle. Über die chromglänzende Außenhaut schoss der Regen in die Tiefe. Die Planken aus angeblich rutschsicherem Kunststoff waren Feburo suspekt. Die nach wie vor auftretenden Energieengpässe, der Ausfall von gut drei Viertel aller Spezialroboter, weil ihre Syntroniken bis heute nicht durch geeignete positronische Systeme ersetzt werden konnten – das alles führte auf den weit auseinander liegenden Baustellen zu derart vielen Kompromissen, wie er sie in seiner Zeit als Bauleiter bislang nicht erlebt hatte.
Er zog sich die Datenbrille wieder über die Augen. Ihre Polarisierung ließ die vielfältigen Verbindungsschächte, in denen die »Nervenfasern« des Bauwerks verliefen, wie ein Feuerwerk aus Lichtreflexen erscheinen. Die gleichzeitige Überlagerung und Abgleichung mit den Plänen durch spezielle Syntroniken gab es leider nicht mehr, das Beste, was er erhoffen konnte, war eine – weniger effiziente – Plausibilitätskontrolle.
Das Gerüst schwankte. Breitbeinig glich Feburo die heftigsten Erschütterungen aus.
Sein Blick suchte die Aufsatzkante des noch offenen Haupttropfens ab. Dort, wo bald die Spitze aufragen würde, befanden sich die Aussichtsterrassen mit Hunderten Sitzplätzen und dem Übergang zum zweiten, kleineren Tropfen.
Verrückte Konstruktion, dachte Feburo, als gäbe es nichts Wichtigeres. Trotzdem ... Selbst in den düstersten Stunden, wenn jegliche Bautätigkeit zu Problemen zu führen schien, war der Komplex eine Meisterleistung ästhetischer Architektur. Freilich wäre selbst mit den modernsten Baumaterialien das Konzept des Architekten nicht darstellbar, wenn die Antigravitationstechnologie nicht funktioniert hätte. Wenigstens sie versagt uns nicht den Dienst.
Das Gesamtgebäude – schon in einem frühen Planungsstadium als Regenbogen-Dom bezeichnet – durchmaß bis zu 450 Meter an der Basis und wirkte wie die Momentaufnahme fallender und aufschlagender Wassertropfen, ein ebenso filigranes wie beeindruckendes Bild. Erstarrte Natur. Dem Menschen untertan gemacht. Eine Struktur, die sich überall im Universum wiederfindet. Das war die offizielle Symbolik, und dieser hatte Morgem Feburo im Grunde nichts hinzuzufügen. Obwohl ihm bei der Splash Crown, wie...




