E-Book, Deutsch, Band 2542, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2542: Shandas Visionen
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8453-2541-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Stardust"
E-Book, Deutsch, Band 2542, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2541-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
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11. Februar 1463 NGZ
5:35 Uhr
»Was ist mit dir?«
Shanda Sarmotte überhörte den drängenden Tonfall. Herman – Onkel Herman, wie sie ihn gelegentlich nannte – war sehr besorgt um sie. Mitunter wusste sie nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Seine Fürsorge engte sie ein und machte sie hilflos. Irgendwann hatte sie sich angewöhnt, seine besorgten Fragen zu überhören und hartnäckig zu schweigen.
Wie in diesem Moment. Obwohl Herman auf eine Antwort wartete.
»Ist es so schlimm, Shanda?«
Er fragte immer nach, wenn sie nicht schnell genug mit der Sprache herausrückte. Dieses »Immer-alles-wissen-Wollen« mochte sie nicht an ihm, aber er konnte wohl nicht anders. Herman redete mit den Leuten, die zu ihm kamen, über Geld. Darüber, wie sie möglichst viel davon für sich behalten konnten.
Shanda kaute mühsam an ihrem Frühstück. Ihre Kiefergelenke schmerzten, weil sie immer fester zubiss. Die Erinnerung quälte sie.
Aufspringen und davonlaufen ...
Das war es, was sie eigentlich wollte. Aber wohin hätte sie fliehen sollen, vor sich selbst und ihren Erinnerungen?
Sie starrte auf den Tisch. Die Einschlüsse in der kristallinen Schwebeplatte schienen sich permanent zu verändern. Schwache Lichtquellen im Innern sorgten dafür.
Leere Augenhöhlen in einem halb faustgroßen Schädel, der scheinbar auf einer Knochenkette balancierte, blickten ihr entgegen. Ein aufgerissener Vogelschnabel reckte sich in die Höhe – mehr war von diesem Gerippe nicht erhalten. Ein kleines Lebewesen, das irgendwann auf Aveda gelebt hatte. Lange bevor die Menschen auf diese Welt gekommen waren.
Das Vogelskelett wuchs. Shanda hatte den Eindruck lederhäutiger Schwingen, die sich knisternd streckten, eines kantigen Schnabels, der nach ihr hackte ...
Sie schrie gurgelnd auf. Ihre Hände krachten auf die Tischplatte und wischten hastig darüber. Was sie erst zehn Minuten zuvor akribisch genau platziert hatte, wirbelte durcheinander. Ihr Teller klirrte zu Boden, der Krug mit dem Solbeerensaft kippte um und ergoss seinen blutroten Inhalt über den Tisch.
Shanda versuchte in ihrem Schrecken, die Lache aufzuhalten, dabei verschmierte sie die klebrige Flüssigkeit vollends. Erst in dem Moment wurde ihr bewusst, was sie angerichtet hatte.
In ihrem Kopf dröhnte es. In ihrer Vorstellung sah sie wieder die Berge auf Katarakt, die angreifenden Schemen, und sie hörte das Kreischen und Bersten, mit dem der Gleiter über den Fels schrammte.
Die Erinnerung quälte sie, seit sie aufgewacht war. Inzwischen konnte sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Von krampfhaftem Husten gewürgt, fürchtete sie schon, an dem Zyxlachs zu ersticken.
Erst ein kräftiger Schlag, der sie zwischen die Schulterblätter traf, half ihr, die Reste des Fischhappens auszuspucken. Zitternd krümmte sie sich vornüber.
»Beruhige dich, Kind ...«
Hermans Finger schlossen sich um ihre Oberarme. Als wollte er sie daran hindern, noch mehr Schaden anzurichten.
Kind.
Sie atmete hastig. Vater hatte sie oft so angeredet, und das tat ihr noch immer weh.
Shanda, ich heiße Shanda. Ich bin kein Kind mehr.
Als sie ruckartig aufschaute, begegnete sie Hermans forschendem Blick. Er lächelte, doch das war ein verlogenes Lächeln.
Sie las Mitleid in seinen Augen. Mitleid, das er eher mit sich selbst hatte als mit ihr.
»Es wird alles gut«, sagte er leise. »Soll ich einen Medoroboter rufen?«
Shanda schüttelte den Kopf.
Herman griff nach ihrer Hand und wischte die klebrigen Finger mit der Serviette ab. Sie sträubte sich nicht dagegen, war viel zu überrascht und in Gedanken schon wieder sehr weit weg.
An diesem Morgen brachen alle Erinnerungen an jenen schrecklichen Tag in ihr auf.
*
Sie fror. Eingeklemmt in den Trümmern des Gleiters, wurde das Tosen des Sturmes für sie zum schaurigen Heulen. Eishagel prasselte auf das Wrack. Sie spürte die Nähe ihrer Mutter und dass Miranda sich ebenfalls nicht aus eigener Kraft befreien konnte. Die Schmerzen und die Verzweiflung wurden stärker ...
... und verwehten kurz darauf.
Shanda verstand nicht sofort. Bis ihr endlich klar wurde, dass Miranda tot war, schmerzte nicht einmal mehr die beißende Kälte.
In der Düsternis glomm ein Hauch von Licht. Die aufgehende Sonne brachte Wärme. Shanda blinzelte in den Glutball, der über den zerklüfteten Horizont heraufstieg.
Die Sonnenstrahlen kitzelten in der Nase, und das süße Aroma von Tanisblüten breitete sich aus. Sie mochte die knorrigen Bäume in greller Farbenpracht, wenn ein sanfter Windhauch genügte, Wolken von Blütenstaub aufzuwirbeln. Das Ashawar-Delta wurde immer dann zum Meer aus Duft und Farben.
Es war wieder so weit.
Sie stand auf schwankendem Boden und lauschte dem hohlen Plätschern des Wassers im Untergrund. Die Strahlenfinger der höher steigenden Sonne geisterten über den Himmel. In der Ferne brachen sie sich in den Gebäudefassaden. Einer gigantischen Blüte gleich öffnete sich Stardust City in aller Pracht, und wie winzige Insekten senkten sich mehrere Kugelraumschiffe herab.
Shanda genoss die wärmenden Sonnenstrahlen. Mit ausgestreckten Armen drehte sie sich um sich selbst. Jauchzend wirbelte sie schneller herum. Ihre Füße stampften den morastigen Boden. Wasser spritzte nach allen Seiten, aber Shanda bemerkte es kaum. Gefangen im Rausch der Bewegung, tanzte sie durch den Sonnentag.
Bis sie jäh einknickte und strauchelte.
Einen erschreckten Atemzug lang glaubte sie zu schweben. Dann schlug sie in den Morast, und der eigene Schwung trug sie weiter. Ein schriller Missklang hallte über das Land. Der Versuch, sich abzufangen, ließ sie halb in der schlammigen Brühe versinken.
Shanda fror wieder. Sie glaubte zu sehen, dass ihr Atem wie Nebel vor ihr hing. Die Sonne schwoll blutrot und düster an ...
... dann fraß Schwärze das Land.
Shanda war müde. Und obwohl sie ahnte, dass sie nie mehr aufwachen würde, gab sie dieser Müdigkeit nach. Eine verlockende Stille ergriff von ihr Besitz.
Im nächsten Moment riss ein heftiger Schmerz sie aus der Benommenheit. Raue Hände packten ihren Kopf. Sie spürte Schläge im Gesicht, dann zogen kräftige Finger ihre Lider hoch.
Flackernder Feuerschein hing über ihr, so grell und blendend, als stürze die Sonne aus dem Himmel herab. Shanda schrie.
Aus dem grellen Feuer wurde unruhiger Fackelschein. Er beleuchtete eine riesenhafte Gestalt, die sich über sie beugte. Shanda erschrak.
Gleich darauf waren weitere dieser Riesen bei ihr.
»Bleib ganz ruhig, Menschenkind«, dröhnte eine raue, schwer verständliche Stimme über ihr. »Wir helfen dir.«
Ihr Hals war wie zugeschnürt. »Muss ich ... sterben?«, wollte sie fragen, aber sie brachte nicht ein Wort über die Lippen. Und dann war es ihr schon wieder egal, was geschah, denn sie schaffte es nicht einmal, die Augen offen zu halten.
Die riesenhaften Gestalten versuchten, sie zu befreien. Es waren keine Haluter wie in Hermans großer Geschichtensammlung. Haluter, meinte Shanda sich zu entsinnen, hatten vier Arme und glühend rote Augen.
Kurz bevor sie wieder in Bewusstlosigkeit versank, kam ihr in den Sinn, was sie wohl schon oft gehört hatte. Die großen und kräftigen Gestalten waren Rokinger – Freunde der Stardust-Menschen.
So musste es sein.
Sie merkte sich nicht alles. Das war unmöglich, weil ihre Welt so unendlich viele Eindrücke bereithielt, die sie ablenkten. Aber manches war eben doch da, wenn sie es brauchte.
*
»Shanda! Du darfst nicht so hastig atmen ... Nimm dich zusammen!«
Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie war. In ihren Gedanken überlagerten einander so viele Bilder, dass sie regelrecht wirr im Kopf wurde.
Immerhin erkannte sie Hermans Stimme.
Ruckartig wollte sie sich aufrichten, aber er drückte sie sanft zurück.
»Langsam, mein Kind. Du bist einfach umgekippt. Bleib jetzt ruhig liegen – oder ich rufe einen Medorob...«
»Aber ich muss weiter! Fakan wartet ...«
»Gar nichts musst du in dem Zustand. Und Fakan Noorgeg wird schon eine Ersatzkraft für dich auftreiben. Wofür sonst gibt es Whistler-Aushilfsroboter?«
Herman lächelte mild. Aber Shanda spürte seine Besorgnis und Angst. Er fürchtete, dass sich solche Anfälle wieder häufen könnten.
»Hörst du mir überhaupt zu, Kind? Hast du verstanden, was ich gesagt habe? Du wirst heute nicht arbeiten.«
Sie lag auf dem Schwebesofa, und Herman stand nur ein paar Schritte entfernt. Shanda sah sein weiches Gesicht, die hohe Stirn und das kurze schneeweiße Haar, aber sie nahm das alles kaum bewusst wahr. Eigentlich schaute sie durch ihn hindurch, und ihr Blick verlor sich im Nichts. Es gab so vieles, was sie ablenkte. Schönes und Abstoßendes stürzte wieder auf sie ein.
Bebend zog sie die Arme an den Leib.
»Shanda ...?«, fragte er drängender. »Heraus mit der Sprache!«
Die Erinnerung quälte sie. Shanda versuchte, gleichmäßig zu atmen.
»Ich habe schlecht geschlafen«, brachte sie endlich hervor.
»Vielleicht deshalb dieser Anfall«, vermutete Herman.
Shanda ließ ihn reden. Längst hatte sie herausgefunden, dass sie nichts Besseres tun konnte. Über kurz oder lang gab jeder auf, sie belehren zu wollen.
»Solche Anfälle hattest du schon mit sieben oder acht Jahren. Miranda erzählte mir allerdings erst Monate später davon. – Bleib einfach liegen. Soll ich dir etwas bringen? Hast du Durst?«
Shandas Blick streifte...




