E-Book, Deutsch, Band 2633, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2633: Der tellurische Krieg
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8453-2632-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Neuroversum"
E-Book, Deutsch, Band 2633, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2632-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
Autoren/Hrsg.
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1.
Ich bin tot!
Das zu akzeptieren, fiel Nachtaugs Beisohn unglaublich schwer. Der Gedanke an sich erschien ihm schrecklich irreal.
Tot!
Und dann?
Er entsann sich nicht, jemals über die Folgen eines derartigen Vorfalls nachgedacht zu haben.
Wie würde es sein – danach? Als hätte es ihn nie gegeben? Oder als hätte das Universum nie existiert?
Sein Leben lag in Trümmern. Die Überreste des Schiffes waren weit verstreut niedergegangen, das Gros der Wrackteile im Meer versunken.
Stets bin ich mit solchen Überlegungen an eine Grenze gestoßen. Sie war unüberwindlich.
Und nun?
Die Grenze gibt es nicht mehr, ich kann über meinen Tod spekulieren. Allerdings ist es zu spät: Nichts lässt sich ungeschehen machen ...
*
Geronimo Abb drehte die Hand so, dass das Streulicht der Photonencracker DaySchas Gesicht traf.
Er gab sich hart, dabei war ihm miserabel zumute. Nichts hätte er lieber getan, als sich herumzuwerfen und davonzuhasten. Keineswegs nur zurück bis zum Geodät, sondern weiter, sehr viel weiter. Die regennasse Nacht allein bot kaum Schutz vor dem Unheimlichen, das auf Terra herabgestürzt war.
Warum rannte er nicht einfach los?
Weil DayScha noch mehr Angst hatte als er. Ihr eigentlich dunkles Fell schimmerte bleich wie verfilzter grauer Draht. Ihre Augen, sonst groß und leuchtend rot, waren zu schmalen Schlitzen verengt. Dayszaraszay Schazcepoutrusz hatte einen Arm gehoben und den Ellenbogen so angewinkelt, als müsse sie sich gegen blendendes Sonnenlicht schützen.
Dabei gab es die Sonne seit Tagen nicht mehr. Außerdem hielt die Cheborparnerin den Kopf gesenkt, eine Abwehrhaltung, die ihre beiden spitzen Hörner zur Verteidigungswaffe werden ließ.
Geronimo biss die Zähne zusammen. DayScha war als Au-pair-Mädchen gekommen. Ihr Anblick hatte ihn an jene Legenden erinnert, die von einem Himmel mit Engeln und von Teufeln in der Feuerhitze der Hölle erzählten. Mittlerweile wusste er, dass Cheborparner trotz ihres Aussehens, das an einen aufrecht gehenden Ziegenbock erinnerte, von liebenswertem Wesen waren. Wenngleich er das mit dem liebenswert DayScha keinesfalls verraten würde. Sie war älter und größer als er und fühlte sich ihm schon deshalb überlegen. Ein dritter Grund wäre mit Sicherheit einer zu viel geworden.
Dayszaraszay Schazcepoutrusz war also eine Art gute Teufelin. Was es mit Engelsgestalten auf sich hatte, verrieten die jüngeren Geschichtsdateien. Wesen, die ätherisch schön wie Engel beschrieben wurden, waren mit der Terminalen Kolonne TRAITOR in die Milchstraße eingefallen – und sie waren das Böse an sich gewesen.
Die ganze Welt ist irgendwie verdreht.
Der Regen lief ihm durchs Haar und übers Gesicht. Fahrig wischte Geronimo sich mit der linken Hand über die Stirn. Seine Rechte mit den Crackern zitterte leicht.
Lauf weg!, dröhnte es in ihm. Wir haben genug gesehen. Sobald dieser Gigant auf die Beine kommt ...
»Weißt du überhaupt, wovon du redest?«, fragte DayScha.
»Phassafulbuli! Dein Regenriese.«
»Das ist nur ein Name für dich.« Ihr Flüstern war fester geworden. Trotzdem klang sie eher ablehnend. »Sprich nicht über Dinge, die du nicht verstehst«, glaubte Geronimo herauszuhören. »Auf Terra gibt es keine Regenriesen.«
... und sie fallen schon gar nicht vom Himmel! Er schloss die Hand zur Faust. Die Lichtflut verblasste und drang nur mehr fahl zwischen den Fingern hindurch.
Aus der Ferne erklangen die Schreie von Brüllaffen. Andere Tierstimmen fielen ein. Dazu das Trommeln des Regens im Blätterdach. Das war nach dem grellen Blitz des in großer Höhe explodierenden Raumschiffs, nach dem tosenden Lärm und den Erschütterungen schon wieder mehr Normalität, als er eigentlich erwarten durfte.
»Der Schazce' Phassafulbuli, der Regenriese ...«, wiederholte DayScha beinahe meckernd. Sein Schweigen dauerte ihr offenbar zu lange. »Wir sind hier nicht auf Pspopta ...«
Zum Glück nicht!, ging es ihm durch den Sinn. DaySchas Heimat mochte wie die Hölle sein: ein Planet der Vulkane, des Feuers, unerträglicher Hitze.
»... sondern auf Terra. Das ist deine Welt, Geronimo.«
Eben! Und auf Terra gab es keine Riesen. Abgesehen von Halutern, die hin und wieder zu Besuch kamen. Die größten lebenden Tiere waren Wale – Giganten mit mehr als dreißig Metern Länge, die gemächlich die Ozeane durchpflügten.
Tief atmete Geronimo ein. In Gedanken zählte er bis drei – bis fünf, weil es ihm sinnvoller erschien, seine aufgewühlten Gedanken erst einmal zu beruhigen. Der Lärm und das grelle Licht hatten ihn aus ohnehin unruhigem Schlaf aufgeschreckt. DaySchas bizarre Erzählungen schienen jäh Realität geworden zu sein.
Das kann kein Lebewesen sein. Viel zu gigantisch ...
Ein splitterndes Geräusch fraß sich in seine Überlegungen. Er sah einige halb entwurzelte Bäume vollends stürzen. Ihr dumpfer Aufprall vermischte sich mit einem unheimlichen Laut. Ein Wimmern? Stöhnen?
Geronimo Abb riss die Faust hoch, öffnete die Finger. Gleißend stach die Helligkeit der Photonencracker durch den Regen. Ganz in der Nähe, mit schwerfälligem Flügelschlag, stiegen mehrere dunkle Schemen auf. Königsgeier, die Beute gewittert hatten?
Das Kunstlicht machte die Spur der Verwüstung sichtbar. Wenige Bäume waren im Wipfelbereich abrasiert worden. Was da abgestürzt war, schien beinahe wie ein Stein gefallen zu sein, nur im unmittelbaren Aufschlagbereich hatte es Bäume und Unterholz zur Seite gedrückt.
»Ein Nest!«
DaySchas Ausruf ließ Geronimo zustimmend nicken. Nest war ein treffender Vergleich. Der Riese hatte sich, halb nach vorn gekrümmt, eine Ruhestätte geschaffen.
Ein Grab?
Geronimos Neugierde verdrängte seine Furcht. Das Licht zeigte ihm zerfetzte Maschinenteile. Seltsam transparente Fragmente lagen weit verstreut und hingen sogar in den Bäumen; sie verrieten sich nur durch ihr metallisches Glitzern.
Wenige Meter vor ihm hatte sich ein ausgezacktes Bruchstück in den Boden gebohrt. Es steckte fast senkrecht drin, von Rissen und Sprüngen durchzogen, und seine leichte Wölbung war deutlich zu erkennen.
Metall?
Glas?
Keine Ahnung. Auf Geronimo wirkte es ohnehin eher wie der Splitter einer gigantischen Eierschale.
Unwichtig, entschied er. Für ihn zählte allein die gewaltige Gestalt im Zentrum der Verwüstung. Woher war der Riese gekommen? Gehörte er zu den Angreifern oder brauchte er einfach nur Hilfe?
Geronimo merkte, dass er gerade davor zurückschreckte. Was konnte er schon ausrichten? Nicht einmal drei Monate lag sein fünfzehnter Geburtstag zurück. Was seit Kurzem auf Terra geschah, hatte ohnehin eher die Anmutung einer virtuellen Holoexistenz. Realität wirkte anders. Und selbst wenn: Die einzige außerirdische Intelligenz, zu der Geronimo bislang näheren Kontakt gehabt hatte, war DayScha. Vor einigen Jahren waren zwar Topsider und später sogar eine Gruppe von Blues auf der Hazienda erschienen und hatten mit seinen Eltern über Antiquitäten verhandelt, doch er hatte sie nur auf den Monitoren der Hausüberwachung gesehen.
Aus gut achtzig Metern Entfernung musterte Geronimo Abb den Riesen. Bedeckt von abgerissenen Ästen und Schlingpflanzen lag der Koloss zwischen zersplittertem Turbobambus und entwurzelten Bäumen. Die Wucht des Aufpralls hatte den Boden aufgewühlt.
Wieder erklang dieses dumpfe Stöhnen. Zwei der vier Arme – Geronimo fehlte ein richtiger Vergleich für ihre Größe – wischten fahrig über den Leib.
DayScha stand plötzlich neben ihm. »Er ist nicht vollständig ... Er wächst aus dieser Maschine hervor.« Was sie sagte, machte ihn erst aufmerksam. Der Riese hatte keinen Unterleib, ab der Hüfte steckte er in einem gewaltigen Aggregatblock.
»Was ist das?«, fragte Geronimo.
»Keine Ahnung«, antwortete DayScha.
»Das ist dein Regenriese.«
»Nein. Vielleicht ... Ich weiß nicht ... Aber er ist verletzt.«
»Das sehe ich auch.«
»Wir können ihn nicht einfach so liegen lassen.«
Ruckartig fuhr Geronimo Abb herum. Er starrte die Cheborparnerin an. »Natürlich können wir ihn nicht liegen lassen«, sagte er spöttisch. »Fass mit an, wir tragen ihn ins Zelt!«
»Terranischer Besserwisser!«, rief DayScha.
Geronimo ging weiter. Er dachte nicht daran, der Cheborparnerin die Initiative zu überlassen.
*
Stille herrschte. Für Nachtaugs Beisohn war sie wie die schmeichelnde Ruhe zwischen den Sternen. Ihm fehlten schon jetzt das lautlose Dahingleiten an der Spitze des Utrofarischen Ovoids, der Geschmack des endlosen Nichts und der brodelnde Sonnenduft.
Aus geringer Höhe fiel etwas auf seinen Leib. Halb in Trance, versuchte er, es mit einer hastigen Bewegung wegzuwischen, doch ein stechender Schmerz jagte bis zu seiner Schulter hoch.
Nachtaugs Beisohn schrie ...
... zugleich wurde ihm bewusst, dass sein Schrei nicht mehr war als ein kaum hörbares Gurgeln.
Der Tod kam auf Raten. Erst war das Schiff nach den gegnerischen Treffern auseinandergebrochen, nun tobte der Schmerz immer heißer durch seinen eigentlichen Leib.
Mit beiden rechten Armen tastete er um sich. Ein dünnes Geflecht brach unter seinem Griff auseinander. Er wischte die Überreste zur Seite – wahrscheinlich Pflanzen, die seinen Absturz aufgefangen hatten. Ein Handstummel schlug gegen den Aggregatblock. Er spürte, wie messerscharfe Metallsplitter sein Fleisch...




