E-Book, Deutsch, Band 2654, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2654: Zeichen der Zeit
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8453-2653-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Neuroversum"
E-Book, Deutsch, Band 2654, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2653-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
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1.
Tormanac da Hozarius hielt in seiner Arbeit inne.
Tief atmete er ein und schloss die Augen. Er hielt die Luft an, doch sein hastiger Puls wurde nicht ruhiger, ebenso wenig verschwand das Gefühl, dass in seinem Kopf alles durcheinanderwirbelte.
Wie viel Zeit bleibt mir?
Er widerstand der Versuchung, auf die Anzeige seines Kombiarmbands zu blicken. Das hätte ihm bestimmt nicht gut getan, sondern seine Zeitnot erst richtig deutlich werden lassen.
Heftig atmete er aus, mehrere hastige Atemzüge folgten. Weitergeholfen hatte ihm die kurze Konzentration nicht, eher im Gegenteil. Wenn er jetzt aufstand und zu der peripheren holografischen Interaktion ging, würde sich erneut alles um ihn herum drehen.
Nur ein paar Augenblicke Ruhe ...
Tormanac lehnte sich zurück. Er verschränkte die Hände im Nacken und zog die Arme nach vorn.
Seine Überlegungen sprangen zurück zu den Anfängen der Antimaterieforschung. Ausgerechnet damit hatte er sich zu wenig befasst.
Er fragte sich, was er eigentlich erwartet hatte.
Ein Abriss der multiversalen Theorie unter besonderer Berücksichtigung chaotarchischer und kosmokratischer Umtriebe ...?
Schwarze Löcher als Totengräber oder Wege zu neuen Unendlichkeiten?
Dunkle Materie und ihre Auswirkung auf Leben und Intelligenz in diesem Kosmos ...?
Das wären naheliegende Themen gewesen, zumal Aktakul da Urengoll diese und ähnliche Forschungsgebiete in den letzten Wochen mehrfach angesprochen hatte.
Stattdessen das breite Feld der Antimaterie. Tormanac vermisste jeden aktuellen Bezug und wusste doch, dass er gerade deshalb darauf hätte vorbereitet sein sollen.
Wenn er scheiterte, musste er das sich selbst zuschreiben.
Ein funktionsfähiger Extrasinn hätte mich gewarnt. Dem Logiksektor wäre es ein Leichtes gewesen, das Thema einzugrenzen.
Sein verdrängtes Problem war wieder da. Er hatte alles darangesetzt, die fehlgeschlagene ARK SUMMIA auf Iprasa zu vergessen, und war in den letzten Jahren wirklich davon überzeugt gewesen, es geschafft zu haben.
Eine gnädige Lüge, denn nun brachen die Wunden wieder auf.
Trotzdem musste er die wissenschaftliche Prüfung zum Abschluss bringen. Das war er schon Ka'Marentis Aktakul schuldig. Dass der Chefwissenschaftler des Kristallimperiums überhaupt auf ihn aufmerksam geworden war und ihn seitdem förderte, war eine große Ehre.
Ich habe einfach Angst ...
Verrückt, das überhaupt zu denken. Wo blieben seine Erfahrung und sein Selbstvertrauen? War beides nichts mehr wert?
... Angst davor, wegen eines unbedachten Fehlers alles bislang Erreichte wieder zu verlieren. Ein logisch denkender Gehirnsektor hätte gut eingreifen ...
Tormanac war versucht, sein Gesicht in den Händen zu vergraben. Stattdessen stemmte er sich auf den Armlehnen des Sessels ab und verkrallte die Finger in dem metallisch knisternden Bezug.
Schwankend kam er auf die Beine.
Ich habe gelernt, niemals aufzugeben, wisperte es in seinen Gedanken. Neunhundertneunundneunzig Augenblicke mögen nicht das vollbringen, was der tausendste vermag.
Vor Jahren hatte Tormanac diesen Ausspruch von seinem Ausbilder Cregon gehört. Erst später war ihm bewusst geworden, dass der Satz von Shallowain stammte. Shallowain der Hund, einer der berühmtesten Kralasenen überhaupt, der Bluthund des Imperators.
Seit fünfeinhalb Standardjahren war Shallowain nun tot. Er hatte seinem Leben selbst ein Ende gesetzt, und genau das würde Tormanac wohl nie verwinden. Shallowain, der eiskalte Profi, von dem jede Biografie sagte, er sei emotionslos über Leichen gegangen, war sein Mentor gewesen, vielleicht sogar sein Freund, obwohl sie das beide wohl nie so empfunden hatten. Und Shallowain hatte tief in Tormanacs Innerem ein zweites Ich bewahrt, das im Gegensatz zu aller äußeren Härte dieses Mannes mehr als nur einen Ansatz von Gefühlen hatte erkennen lassen.
Tormanac schreckte auf, als eine Stimme neben ihm erklang. Es handelte sich um eines der Akustikfelder, die nach dem Zufallsprinzip Fragen stellten.
»In frühen Experimenten erzeugten viele raumfahrende Völker Spuren schwerer Anti-Elemente, indem sie in Teilchenbeschleunigern Atomkerne aufeinanderschossen. Nimm als Beispiel die Atome von Gold ...«
»In dieser Konstellation entstand Antihelium-4, wenn auch nur als spärlicher Nachweis.« Tormanac antwortete hastig. »Derartige Versuche wurden und werden jedoch nur von Völkern organisiert, die in den Anfängen interplanetarer Raumfahrt stehen. Diese Verfahren sind aufwendig und schneiden in der Relation von Aufwand und Nutzen denkbar schlecht ab. Erst die Entdeckung aller Möglichkeiten des Einsatzes von Antigravitation, vor allem die Einführung in die Grundkenntnisse der Hyperphysik, bietet deutlich bessere Nachweise im antimateriellen Bereich. Ich beziehe mich auf die ersten arkonidischen ...«
»Das genügt«, bestätigte die Stimme. »Du beantwortest bereits weitergehende Fragen, die nicht gestellt wurden.«
Tormanac leckte sich über die Lippen.
Seine holografische Umgebung veränderte sich fortwährend. Abzuschätzen, wohin ihn die nächsten Schritte führen würden, fiel ihm schwer.
Vor ihm gähnte plötzlich das Nichts. Eine andere Umschreibung hatte er nicht für den Eindruck eines lichtlosen, aber keineswegs schwarzen Raumes. Sein Verstand riet ihm, einfach einen Schritt weiterzugehen, um die vermeintliche Leere schnell zu überwinden, doch ein Prallfeld hielt ihn zurück.
Im Nichts erschien das Abbild eines einfachen Atoms, dazu Fragmente von Messwerten.
»Antiwasserstoff«, sagte Tormanac spontan. »Der Kern besteht aus einem Antiproton. Dieses wird von einem Antielektron umkreist, einem positiv geladenen Elektron oder auch Positron.«
Allmählich wurde er ruhiger; er spürte, dass die Anspannung von ihm abfiel. In seinen Augenwinkeln standen letzte Tränen als Zeichen seiner Erregung.
Rund sieben Arkonjahre lagen die Prüfungen der ARK SUMMIA hinter ihm. Er hatte sie mit Bravour bestanden. Warum sollte es diesmal anders sein? Dass die Aktivierung seines Logiksektors damals fehlgeschlagen war, hatte mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten nichts zu tun. Davon durfte er sich keinesfalls beeinflussen lassen.
Tormanac beantwortete alle ihm gestellten Fragen. Er reagierte spontan und dachte nicht einen Moment lang darüber nach, sondern sagte, was ihm jeweils in den Sinn kam. Warum sollten auf Iprasa nicht wenigstens ein paar Millionen seiner ansonsten brachliegenden Gehirnzellen aktiviert worden sein?
Er fand sich in einer medizinischen Holoprojektion wieder.
Erst stutzte er, dann wurde ihm bewusst, dass es um vergessene Anwendungen ging. Medoroboter und Nanomaschinen bestimmten das Bild der angewandten Medizin. Manche Forschungen waren zweifellos in eine Sackgasse geraten und danach ignoriert worden, weil es unnötig war, sich darüber weiterführende Gedanken zu machen.
Eine Zeit lang hatte Terra – genauer gesagt, das Solare Imperium als Vorgänger der Liga Freier Terraner – Forschung mit Blick auf biologische Anwendungen von Antimaterie betrieben. Antiprotonen waren in der terranischen Onkologie eingesetzt worden, zweifellos auch, um das Monopol der Galaktischen Mediziner zu brechen. Während diese längst mit Injektionen von Nanorobotern sogar freie Radikale aus dem lebenden Organismus herausfilterten, hatten terranische Ärzte die Spielwiese der Antimaterie entdeckt. Eine Totgeburt zwar, aber trotzdem ein interessanter Denkansatz.
»... gegen die Wirtschaftlichkeit serienproduzierter Antigene und Nanobots kam das Solare Imperium nicht an. Wie manche technische Entwicklung aus jener Zeit geriet die medizinische Anwendung der Antimaterie ebenfalls nahezu in Vergessenheit.«
Tormanac da Hozarius lachte leise. Er redete schnell, und es bereitete ihm mittlerweile Vergnügen zu beweisen, dass Ka'Marentis Aktakul den Richtigen unter seine Fittiche genommen hatte.
»Die biologische Zerstörungskraft von Antiprotonen erwies sich als beachtlich. Selbst eine einzelne Tumorzelle im Kern zu treffen und zu sprengen zeigte sich als machbar, wenngleich mit entsprechend großem Aufwand. Letztlich scheiterte genau an diesem Aufwand das Projekt.«
Und die Accalauries, jene Wesen aus einem antimateriellen Universum, die vor rund eineinhalb Jahrtausenden in der Milchstraße erschienen waren? Tormanac wartete vergeblich darauf, dass sich eine Fragestellung mit ihnen befasste.
Seit gut zweieinhalb Jahren weilte er auf Urengoll, dem zwanzigsten Planeten des Arkon-Systems. Urengoll war Aktakuls persönliches Lehen – eine für die Forschung ausgebaute kleine Welt. Sie durchmaß nur wenig mehr als fünfeinhalbtausend Kilometer, die Schwerkraft lag bei 0,30 Gravos. Mit den ausgedehnten subplanetaren Forschungs- und Entwicklungsstätten barg Urengoll ein Refugium für Wissenschaftler aller Fachrichtungen.
Bevölkerung und wissenschaftliche Teams rekrutierten sich aus Angehörigen ziemlich aller bekannten Völker. Tormanac hatte schnell erkannt, dass der Ka'Marentis keine Vorurteile pflegte. Für ihn zählte allein, dass ihm loyale und fachlich versierte Mitarbeiter zur Seite standen. Natürlich ersetzte diese Anschauung nicht die vorherige ausgiebige Überprüfung all jener, die nach Urengoll kamen.
Tormanac war gekommen, um sich in vielen Bereichen weiterzubilden, und nicht, um sich zu spezialisieren. Er strebte einen breiten Überblick über die arkonidischen Forschungen zwischen tiefer Vergangenheit und Gegenwart an. Seine Nachforschungen nach Shallowains Tod hatten es ihm geraten erscheinen lassen, flexibel zu sein.
Warum...




