E-Book, Deutsch, Band 2718, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2718: Passage nach Arkon
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8453-2717-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Das Atopische Tribunal"
E-Book, Deutsch, Band 2718, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-2717-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
HUBERT HAENSEL Die Tiefen des Alls erschlossen sich dem 1952 in Waldershof geborenen Hubert Haensel schon mit acht Jahren. Die Comic-Reihe 'Nick, der Weltraumfahrer' beflügelte die Fantasie des jungen Mannes, der heute zu den Veteranen im Autorenteam von PERRY RHODAN gehört, der größten Science-Fiction-Serie der Welt. Diese faszinierende Zukunftsgeschichte, die seit 1961 erscheint, lässt Haensel seitdem nie mehr los. PERRY RHODAN, das ist die Geschichte der Menschheit, die auf der Suche nach den Rätseln des Universums viele außerirdische Kulturen kennenlernt. Diese Begegnungen verlaufen oft friedlich, führen manchmal aber auch zu Konflikten, die Jahrtausende andauern. 'Der Traum, selbst einmal Geschichten zu erzählen, wurde auf dem Gymnasium geboren', sagt Haensel heute, 'doch erst nach der Ausbildung zum Bankkaufmann und einigen Berufsjahren habe ich versucht, diesen Traum umzusetzen.' 1978 erschien sein erster Roman 'Das Geisterschiff' als Band 379 der Reihe TERRA ASTRA, und bald folgten viele weitere in verschiedenen Genres. Unter Pseudonymen wie Jan J. Moreno, George McMahon oder Hubert H. Simon schrieb er an den Serien 'Seewölfe', 'Dämonenkiller' und MYTHOR mit. Für 'Die Abenteuer' verfasste er nicht nur Romane, sondern war außerdem als Exposé-Autor tätig. Egal, ob es sich um Kriminal-, Abenteuer- oder Science-Fiction-Stoffe handelt, Hubert Haensel schafft es immer wieder, die Leser mit seinen spannenden und humorvollen Erzählungen zu begeistern. 1979 stieg er in die ATLAN-Serie ein, und 1994 wurde er Mitglied im Team der PERRY RHODAN-Autoren. Seitdem gestaltet er selbst die Geschicke jener kosmischen Figuren, die ihn seit seiner Kindheit begleiten und auch seine Lebenseinstellung entscheidend geprägt haben. 'Weder Hautfarbe noch Aussehen eines Wesens sind entscheidend', sagt Haensel heute, 'sondern ausschließlich seine geistige Haltung. Vielleicht besinnt sich die Menschheit eines Tages darauf und begreift, dass wir alle zusammen in einem winzigen Boot durch Raum und Zeit driften - in einem Boot, das wir Erde nennen.' Mit der Zeit übernahm er für PERRY RHODAN weitere Aufgaben wie die Koordination der Risszeichnungen, die Redaktion des PERRY RHODAN-Reports ab Band 1824 und die Bearbeitung der Silberbände ab Buch 81. Er verfasste die zwei 'Kosmos-Chroniken', die das Leben von Reginald Bull und Alaska Saedelaere verfolgen, wichtigen Wegbegleitern Perry Rhodans. Auch bei den Taschenbuchreihen, die im Heyne-Verlag erscheinen, ist er regelmäßig mit eigenen Romanen vertreten. Auf die Frage, welche Person der Zeitgeschichte er gerne gewesen wäre, antwortet Haensel verschmitzt: 'Neil Armstrong. Dann hätte ich wenigstens schon den Mond betreten, auch wenn das nur ein kleiner Schritt für einen SF-Autor ist.' Ganz irdisch lebt Hubert Haensel mit seiner Ehefrau in einer kleinen Stadt im Fichtelgebirge, wo das Leben zwar nicht so exotisch wie auf dem Mond, aber zweifellos angenehmer ist.
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1.
»Angriff!«
Für den Imperator des Kristallimperiums gab es keine andere Entscheidung. Abwarten ... auf eine Veränderung der Situation hoffen oder darauf, dass sie sich von selbst bereinigt ... Solche Sätze hatten in Bostichs Wortschatz nie existiert und würden auch künftig keinen Eingang finden, davon war Ronald Tekener überzeugt.
Der Befehl war eindeutig: Angriff auf die CHUVANC, die sich anschickte, den Schutzschirm des Arkon-Systems zu durchdringen, und die zugleich der Flotte der Onryonen den Weg öffnete. Bostichs Prämisse dabei: Jede Bedrohung beseitigen, solange sie klein und beherrschbar war.
Klein?
Die Zahl von achtzigtausend Raumschiffen als klein zu bezeichnen war Irrwitz. Aber nicht darüber zerbrach sich Tekener den Kopf, sondern über die Frage, woher die Onryonen ihr Aufgebot bezogen. Quasi aus dem Nichts waren sie erschienen und bedrängten mittlerweile das Zentralsystem des arkonidischen Imperiums.
Tek vermochte nicht abzuschätzen, wo in der Milchstraße außerdem Schiffe der Onryonen zugange waren, ohne dass dies schon publik geworden wäre. Schwer zu glauben, dass die annähernd humanoiden Fremden diesen Aufmarsch nur für ein bevorstehendes Gerichtsverfahren betrieben. Selbst dann, wenn die beiden bedeutendsten Männer der Milchstraße als Hauptangeklagte des Tribunals galten: Perry Rhodan und Gaumarol da Bostich.
Plötzlich war der Schmerz wieder da, ein heftiger Stich quer durch die Schulter und den linken Oberarm, begleitet von irritierender Hitze im Brustkorb. Empfindungen wie diese hatte Tek nie gekannt, sie waren eine Ausgeburt der letzten Wochen. Zugleich erinnerten sie ihn daran, dass er weiterleben durfte. Dabei hätte es durchaus anders kommen können.
Nichts an seinem letzten Weg durch das Polyport-Netz nach ITHAFOR-5 war normal gewesen. Ein Kampf gegen die Zeit? Gegen unbekannte Mächte? Im Nachhinein fragte er sich, ob er einen länger andauernden Transport überlebt hätte. Wahrscheinlich wären weitere Organe irreparabel geschädigt worden. Kein SERUN konnte eine Vielzahl ausfallender Körperfunktionen gleichzeitig ersetzen. Also Exitus?
Tek lauschte seinem Herzschlag und konzentrierte sich auf die belebenden Impulse des Aktivatorchips ...
Alles in Ordnung! Kein Anlass für erhöhte Aufmerksamkeit. Sein neues, aus eigenem Gewebe nachgezüchtetes Herz arbeitete perfekt. Er lächelte. Mehr als zweieinhalb Jahrtausende hatte er geglaubt, das Spiel um sein Leben gewonnen zu haben – seit er den Zellaktivator trug, der ihm die potenzielle Unsterblichkeit verlieh. Nun war ihm schmerzhaft bewusst geworden, dass der Gegner allen Lebens, der Tod, von ihm Revanche forderte. Und wennschon ... Er hatte selten eine Partie verloren, höchstens aus Kalkül.
Tekener atmete tief ein. Das beklemmende Gefühl im Brustkorb verschwand.
Er musterte die holografischen Projektionen in Bostichs Wohn- und Arbeitsbereich, die zeigten, was auch in der Zentrale auf den Panoramaschirmen zu sehen war. Ein Pulk onryonischer Kugelraumer kam der GOS'TUSSAN II entgegen. Ortungseinblendungen verrieten, dass die größte Annäherung knapp unter dreitausend Kilometern liegen würde. Also vorerst keine Gefahr, dass die Onryonen Bostichs Schiff trotz der Tarnung im Schattenmodus aufspürten.
Zwei Raumväter flankierten die kleine Flotte. Mit 2100 Metern Durchmesser waren diese Schiffe die größten der gegnerischen Verbände.
Die Bedrohung war präsent.
War sie auch beherrschbar?
Ronald Tekener biss sich auf die Unterlippe. Momentan, so schien ihm, hielt der Gegner das bessere Blatt in der Hand. Oder blufften die Onryonen? Einiges deutete darauf hin, wenngleich die Grundzüge dieser Auseinandersetzung nicht nach einem Bluff aussahen. Die Onryonen bauten auf Stärke und Unbeirrbarkeit.
Tekeners Herzschlag stolperte. Der kurze Aussetzer nahm ihm zwar für Sekunden den Atem, doch das Gefühl, das ihn danach durchflutete, war die pure Herausforderung.
Mit seinem Angriffsbefehl hatte der Imperator den arkonidischen Einsatz in dieser Konfrontation beträchtlich erhöht. Tek lächelte stumm. Ebenso gut hätte Bostich von den Angreifern verlangen können, dass sie ihre Karten aufdeckten.
*
Die CHUVANC, ein gewaltiges tiefblaues Ellipsoid, war in den Wirkungsbereich des Kristallschirms eingeflogen, als böte der Schutzwall des Arkon-Systems nicht den geringsten Widerstand. Innerhalb weniger Sekunden war das Schiff des Atopischen Richters Chuv aus der Ortung der GOS'TUSSAN II verschwunden.
Vom Kristallschirm in irgendeine Pararealität außerhalb des Standarduniversums versetzt. Kurz hatte diese Hoffnung bestanden, nur sehr kurz. Doch die vage in der Schirmstruktur erkennbaren Vorgänge legten nahe, dass die CHUVANC einen Durchbruch schuf.
»Was ist das für ein Schiff?«, fragte Tekener. »Es ist völlig anders als alles, was ich jemals gesehen habe.«
Er blickte auf das eingefrorene Standbild. Es zeigte die Wiedergabe, aber das war nur der optische Eindruck. Tekeners Empfindungen waren andere, sie gingen tiefer, berührten ihn auf eine Art und Weise, für die er keine Erklärung hatte.
Ein unangenehmes Gefühl? Das hätte er nicht behaupten wollen. Es war keine negative Stimmung, die der Anblick in ihm auslöste, aber auch keine positive. Er empfand nicht einmal besonderes Erstaunen über dieses eigenwillige Schiff. Wie hätte er dann erst über die Existenz einer Kosmischen Fabrik oder eines Chaotenders staunen müssen? Oder einst über die Sporenschiffe der Mächtigen?
Flüchtig wandte er den Blick zu Bostich. Sogar der Imperator des Kristallimperiums schien mittlerweile tief in die Betrachtung dieses fremden Schiffes versunken zu sein.
Es wirkte ... abstrakt. Die surreale Komposition eines genialen Künstlers. Terranische oder arkonidische Kugelraumer oder auch eine Posbi-BOX waren im Vergleich sehr gegenständliche Werke. Dem Schiff des Atopischen Richters haftete eine faszinierende Aura an. Und daran würde sich auch nichts ändern, falls diese Empfindungen keine suggestive Aura des Ellipsoids waren, sondern im Betrachter selbst geboren wurden.
Der einzige feste Bezugspunkt für Ronald Tekener war das zentrale Segment des Schiffs. Eiförmig, glatt und unnahbar. Eingeschlossen von einem schwungvollen lang gestreckten Ring, als habe ein Maler die Konstruktion mit einem einzigen wilden Pinselschwung geplant. Unterschiedlich breit und mächtig war dieser Ring, mal wild, mal sanft geschwungen, aber keineswegs statisch.
Vielleicht war es die Farbe des Schiffes, die diesen Eindruck entstehen ließ, vielleicht seine Bewegung oder beides im Zusammenwirken – jedenfalls entstand für Tekener der Eindruck, als würde alles ständig neu komponiert. Jeder Blickwinkel war anders und setzte neue Proportionen frei. Vor allem wurden die sechs aus dem Heckbereich hervorwachsenden gekrümmten Ausleger erkennbar. Im einen Moment wirkten sie wie monströse Stacheln, mit denen sich dieses Schiffsmonstrum wirkungsvoll verteidigen würde, dann wieder wie die Barteln eines Fisches, in denen sich hochempfindliche Sensorkomplexe verbargen. Womöglich erlaubten sie dem riesigen Ellipsoid den Sprung quer durch die Universen. Tekener hätte sich jedenfalls nicht darüber gewundert.
Zu weit gedacht? Viel zu weit? War die CHUVANC eher das Werk eines dem Wahnsinn nahen Künstlers?
Egal. Wer Lashat-Pocken überstand, den warf der Anblick eines skurrilen Raumschiffs bestimmt nicht um.
»Es ist eigenartig«, stellte Bostich fest. Seine Stimme verriet Nachdenklichkeit.
Tekener wandte sich dem Imperator zu. »Das Schiff eines Atopischen Richters muss etwas Besonderes sein. Zumindest eine blendende Fassade. Wie es innen aussehen mag ...« Er hob die Schultern und lächelte nachsichtig. »Wie viele Völker mögen im Tribunal vereint sein? Wie hält man sie zusammen? Mächtige Symbole wie dieses Schiff haben immer eine nachhaltige Wirkung ...«
»Du meinst, wie die SOL oder die GOS'TUSSAN II?«
»Imposanter«, behauptete Tek. »Keines unserer Schiffe könnte eigenständig in den Kristallschirm eindringen und den Pararealitäten trotzen.«
Ein brodelnder Tunnel war in der funkelnden Kristallstruktur entstanden: der Beginn einer Passage nach Arkon? Ein kleiner Pulk der Onryonen näherte sich bereits dem wachsenden Aufriss, einzelne Kugelraumer flogen ein.
»Weiterhin keine Möglichkeit, das fremde Schiff mit den Sensoren abzutasten ...«
Nur mit halbem Ohr hörte Tekener auf die Meldung aus der Zentrale. Über achteinhalb Kilometer lang und drei Kilometer breit war der Koloss. Geschaffen für spezielle Aufgaben, anderen Raumschiffen weit überlegen.
Der Atopische Richter hatte Einlass ins Arkon-System verlangt. Er wollte verhandeln, aus seiner Position der Stärke heraus. Was ihm verwehrt worden war, nahm Chuv sich nun einfach. Zumindest versuchte er es.
Aber Bostichs Auslieferung war indiskutabel. Die Begründungen der Angreifer blieben schwammig, sie waren eine Farce. Gesprochen werden musste hingegen über die selbstherrliche Vorgehensweise des Tribunals.
Tek konnte sich ausrechnen, dass die von galaktischer Seite zu stellenden Bedingungen dem Richter nicht schmecken würden: Rückzug der onryonischen Flotte und kein neuer Waffeneinsatz. Offenlegung der Hintergründe, die den »Einfall« des Tribunals angeblich rechtfertigten. Und nicht nur das, sondern zudem Anerkennung des Galaktikums als Schiedsstelle.
Seltsam nur, dass Tekener das Gefühl hatte, die eigenartige Rechtsauffassung des Richters und sein rüdes Vorgehen könnten letztlich erfolgreich sein.
Bostich wälzte wohl ähnliche Überlegungen, und ihm...




