E-Book, Deutsch, Band 2960, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 2960: Hetzjagd auf Bull
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8453-5060-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Genesis"
E-Book, Deutsch, Band 2960, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-5060-8
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut dreitausend Jahre in der Zukunft: Perry Rhodan hat nach wie vor die Vision, die Milchstraße in eine Sterneninsel ohne Kriege zu verwandeln. Der Mann von der Erde, der einst die Menschen zu den Sternen führte, möchte endlich Frieden in der Galaxis haben. Unterschwellig herrschen zwar Konflikte zwischen den großen Sternenreichen, aber man arbeitet zusammen. Das gilt nicht nur für die von Menschen bewohnten Planeten und Monde. Tausende von Welten haben sich zur Liga Freier Galaktiker zusammengeschlossen, Besucher aus anderen Galaxien suchen Kontakt zu den Menschen und ihren Verbündeten. Derzeit machen vor allem die Thoogondu aus der Galaxis Sevcooris von sich reden, die vor Jahrzehntausenden ein Sternenreich in der Milchstraße hatten. Dazu gesellen sich die Gemeni, die angeblich den Frieden im Auftrag einer Superintelligenz namens GESHOD wahren wollen. Ohne Vorwarnung erobern die fürchterlich aussehenden Xumushan das Sonnensystem und besetzen die Erde - diese Invasion ist allerdings eine reine Erfindung, eine Täuschung der Menschen und ihrer Rechnersysteme. Wer steckt dahinter? Reginald Bull, Perry Rhodans Gefährte seit der Mondlandung, steht im Zentrum der Ereignisse. Der sogenannte Techno-Mahdi scheint die Erde ins Chaos stürzen zu wollen. Nachdem Bull dies erkannt hat, bläst der Gegner zur HETZJAGD AUF BULL ...
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1.
»Alles halb so schlimm ...«
Ich grübelte über die Worte nach, die mir viel zu schnell über die Lippen gekommen waren. Glaubte ich wirklich, was ich vor einer Viertelstunde zu Icho Tolot gesagt hatte, oder steckte eine gehörige Portion Selbstbetrug in dem Satz?
Wir potenziell Unsterblichen haben stark zu sein. In jeder Situation. Von uns wird erwartet, dass wir das Richtige zum richtigen Zeitpunkt tun, Schwäche dürfen wir nicht erkennen lassen. Das ist der Preis, den wir seit Jahrtausenden für unsere Langlebigkeit zahlen – sozusagen ein stillschweigendes Übereinkommen mit all jenen, die nie die Chance bekommen, nennenswert älter als zwei-, dreihundert zu werden.
Ich verkrampfte die Finger um das Whiskeyglas, das ich in der Linken hielt. Wollte ich es zerbrechen? Damit der Schmerz, sobald die Splitter mir den Handballen und die Finger aufschnitten, mich in die Realität zurückholte.
Was war das für eine seltsame Anwandlung?
Ich stand seit einigen Minuten auf der Dachterrasse meines Hauses am Ostufer des Kleinen Goshunsees und starrte in die Nacht. Sie hatte keine Sterne. Nicht einmal die fahle Sichel des Mondes, der nahezu im Zenit über mir stehen musste, schimmerte durch die Wolken.
Terrania, sonst eine überbordende Orgie bunter Lichtkaskaden und sogar von jenseits der Mondbahn mit bloßem Auge zu sehen, lag in Agonie. Dass ich nicht wie blind durch absolute Dunkelheit tasten musste, verdankte ich dem fluoreszierenden Schimmer des Terrassenbodens. Die Nachbarbungalows lagen in völliger Schwärze. Nur in meinem Haus war die Energieversorgung intakt, ein Vorteil der autarken Bauweise.
Vergeblich suchte ich den Himmel nach Positionslichtern von Gleitern ab. Trotz der halbwegs aufklärenden Ansprache, die ich über das große Infoholo verfolgt hatte, schien in der halben Stunde seither wenig anders geworden zu sein. Die Stadt erstickte unter dem düster brodelnden Wolkenmeer, das am späten Nachmittag die Skyline von Terrania City verschluckt hatte. Alles Leben schien erloschen zu sein.
In der Ferne, jenseits des Canopus-Boulevards, im Bereich von Antares City und des Residenzparks mit der abgesunkenen Solaren Residenz, tobten extreme Gewitter. Die Entfernung war zu groß, ich konnte einzelne Blitze nicht wahrnehmen, nur das unaufhörlich am Horizont flackernde Wetterleuchten. Es erinnerte an Weltuntergangsszenarien, wie ich sie aus uralten Science-Fiction-Schinken in Erinnerung hatte. Sobald verheerende Unwetter tobten, landeten die bösen Aliens. Das waren Stereotype von einst, wenngleich nach wie vor wirkungsvoll.
Warum war mir das nicht eher in den Sinn gekommen? Verriet diese Analogie mehr über die Urheber der Beinahekatastrophe?
Weiter rechts, etwa in Richtung Sirius River City und Gobi-Park, brandete düsteres Rot gegen die Wolken und vermischte sich mit ihnen. Dort schienen ganze Straßenzüge in Flammen zu stehen.
Wie lange würde es letztlich dauern, bis dieses grässliche Szenario erlosch?
Die Sicht reicht keine sechzig Kilometer weit, sagte ich mir. Die vermeintliche Glut hängt also schon über der Beteigeuze Road bis hin zur Dolan-Gedenkstätte.
Irgendwo dort mochte Dario mittlerweile mit seinem eigenwilligen Flitzer Marke Eigenbau nach seinem Sohn Noah suchen. Dario Bechtil, der mich vor dem Zugriff zweier TARA-Kampfroboter bewahrt und anschließend auf meine Bitte hin nach Hause geflogen hatte.
Der extrem wortkarge Mann mit der schiefen Nase und den geröteten Augen verfügte über eine besonders gute Auffassungsgabe. Ich sah sein Gesicht immer noch vor mir, jede Nuance war mir im Gedächtnis geblieben. Dario hatte die Invasion der Xumushan als Simulation durchschaut und sinnbildlich vom Flügelschlag eines Schmetterlings gesprochen, der in letzter Konsequenz Chaos entfachte.
Der vermeintliche Tod über Terra und im Solsystem: nur eine irrwitzig perfekt inszenierte Lüge?
Ich reagierte wütend auf diesen Gedanken. Hastig hob ich das Glas an die Lippen und trank einen kräftigen Schluck.
Original irischer Whiskey. Ich hatte ihn mir in der Bar im Obergeschoss eingeschenkt und das Glas beinah halb gefüllt. Auch den obligatorischen winzigen Spritzer Wasser hatte ich zu allem Überfluss vergessen.
Wunderte mich das nach den Geschehnissen des Vortags, diesem Wechselbad der Gefühle?
Terra als Ziel einer Invasion ... der wievielten eigentlich, seit Perry Rhodan und ich während der ersten Mondlandung das havarierte Raumschiff der Arkoniden entdeckt hatten? So gesehen hatten wir damals in ein Wespennest gestochen. Eine Ewigkeit lag das zurück, über drei Jahrtausende.
Ich war versucht, die Finger zu Hilfe zu nehmen, um abzuzählen, welche Mächte seither die Erde hatten erobern wollen. Der Whiskey schwappte aus dem Glas und lief mir über die Hand. Ausgerechnet der edle Tropfen, den ich beim Einzug in der Bar vorgefunden hatte – das Geschenk eines unbekannt gebliebenen Spenders.
Ich hatte Homer G. Adams im Verdacht. Was wäre unser Aufbruch zu den Sternen ohne sein Finanzgenie geworden? Homer war immer für eine Überraschung gut. Obwohl: Ein handverlesener Earl Grey hätte eindeutig auf ihn schließen lassen.
Auf dein Wohl, alter Freund!
Der nächste Schluck. Ich spürte dem Aroma nach, das sich mit leichtem Brennen auf der Zunge und am Gaumen ausbreitete. Und genau das verriet mir, wie angespannt ich weiterhin war. Obwohl die Invasion, die rund um den Erdball Entsetzen und Panik ausgelöst hatte, gar nicht stattfand. Die Xumushan und ihre Raumschiffe waren eine Illusion, eine Täuschung. Es gab keine Angreifer, keine brennenden Städte. Schon gar nicht Millionen Tote. Nichts von dem, was wir zu sehen geglaubt hatten, war wahr.
Allmählich fühlte ich mich ruhiger.
Eine leichte Brise wehte vom See heran. Der Wind war frisch und brachte das Aroma üppig wuchernder Wasserpflanzen. Längst war von der leicht salzigen Nuance von einst nichts mehr wahrzunehmen. Und schon gar nichts von dem dichten, stickigen Qualm in Flammen stehender Gebäudekomplexe, der sich durch die Straßenschluchten der City gewälzt hatte.
Systemweit beeinflusste Positroniken ... Nicht einmal unser Mondgehirn NATHAN hatten die eingeschleusten Viren verschont.
Und die optischen Simulationen ... Sie waren ebenfalls Perfektion pur, das musste ich vorbehaltslos anerkennen.
Was immer dahintersteckte, diese Invasion war von sehr langer Hand vorbereitet worden. Keinesfalls von irgendwelchen Freaks, sondern von absoluten Spezialisten. Physiker mussten am Werk gewesen sein, die besten Positronikexperten, die ich mir vorstellen konnte, und nicht zuletzt ausgebuffte Kosmopsychologen. Kein Wunder, dass ich nichts eiliger zu tun gehabt hatte, als die Solare Residenz zu verlassen und mich um meine Familie zu kümmern, um Toio und Shinae. Selten hatte ich so um Leben und Gesundheit mir anvertrauter Menschen gebangt.
Zu meiner großen Erleichterung hatte ich beide schlafend vorgefunden ...
... Toio und Shinae friedlich aneinandergeschmiegt in unserem großen Bett. Ich hatte es nicht fertiggebracht, sie zu wecken, sondern die Schlafzimmertür lautlos wieder zugleiten lassen und mir den Whiskey eingeschenkt.
Alles halb so schlimm ... Die beiden würden früh genug erfahren, dass es keine reale Bedrohung gab – die beste denkbare Nachricht zum Frühstück.
Icho Tolot wusste es bereits. Im Schutz eines einfachen Deflektors hatte er im Garten Wache gehalten und mich abgefangen. An seinem massigen Leib hätte ich mir um ein Haar den Schädel eingerannt, als er jäh vor mir sichtbar geworden war.
»Und?«
Mit allen vier Händen hatte Tolot zugepackt und mich festgehalten. Ein freundschaftlicher Griff, trotzdem spürte ich den Druck seiner Pranken immer noch.
»Nichts Und? Alles halb so schlimm.«
Ein paar Sätze hatten mir genügt, den Haluter zu informieren. Er hatte alle drei Stielaugen ausgefahren und mich eindringlich gemustert. »Der Techno-Mahdi also ...?«
»Dieser Tango Burosch, der über Infoholo sprach, bezeichnete sich jedenfalls als Konstabler des Techno-Mahdi. Ich denke, wir werden bald Einzelheiten erfahren.«
Ich war zum Haus weitergegangen, hatte Toio und Shinae endlich sehen wollen. Erst im Eingangsbereich hatte ich mich kurz umgewandt, da war Tolot schon verschwunden gewesen.
Ich zweifelte nicht daran, dass er weiterhin im Schutz der Unsichtbarkeit Wache hielt.
War da nicht eine Bewegung? Im rückwärtigen Bereich des Grundstücks, wo die nicht allzu hohen Nadelbäume das Flair eines kleinen Wäldchens vermittelten. Hinter den Bäumen verlief die Grundstücksgrenze, dort waren Projektoren des HÜ-Schirms verborgen.
Dass Toio und Tolot darauf verzichtet hatten, den Schutzschirm aufzubauen, verstand ich durchaus. Schon am frühen Nachmittag war es sinnvoll erschienen, keinesfalls die Aufmerksamkeit der Invasoren auf sich zu ziehen. Und ein aktivierter Hochenergie-Überladungsschirm in einer Stadt, in der sonst herzlich wenig funktionierte, hätte die Xumushan womöglich angezogen wie eine offene Flamme die Motten.
Ein Schemen?
Ich kniff die Augen zusammen und sah genauer hin. Wahrscheinlich hatte ich mich getäuscht. Wenn ich nur daran dachte, wie lange ich keinen Schlaf gefunden hatte. Dass ich als Aktivatorträger mit sehr wenig Ruhe auskam ...
Da war es wieder!
Jemand näherte sich dem Haus, als hätte er bis eben zwischen den Bäumen verharrt. War es Tolot? Ich verwarf den Gedanken sofort wieder. Ohne Deflektorfeld hätte nicht einmal die schwarze Nacht den Haluter verbergen können. Und im Schutz der Unsichtbarkeit ...
Ich hielt weiterhin das Glas in der...




