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E-Book, Deutsch, Band 3332, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Haensel Perry Rhodan 3332: Das Haus im Methanmeer
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6332-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
E-Book, Deutsch, Band 3332, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6332-5
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut 4000 Jahre in der Zukunft: Auf der Erde und auf Tausenden von besiedelten Welten leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Zu den Sternenreichen der Milchstraße besteht ein freundschaftlicher Austausch. Mit dem Projekt von San will Perry Rhodan die Verbindungen zu anderen Galaxien verstärken. Das kleine Raumschiff PHOENIX soll dabei als Kurierschiff dienen. Doch da taucht eine Fremde namens Shrell auf. Sie fordert von Rhodan, in die Agolei zu reisen. In diesem weit entfernten Sternenband soll er seinen ältesten Freund töten: Reginald Bull. Um diese Forderung zu unterstreichen, zündet sie das Brennende Nichts auf der Erde und dem Mond - wenn man das Verhängnis nicht stoppen kann, droht beiden Himmelskörpern die Vernichtung. Während Rhodan in die Agolei reist, bahnen sich in der Milchstraße einige Veränderungen an. Unter anderem sucht der Haluter Icho Tolot nach neuen technischen Möglichkeiten. Einen Hinweis liefert womöglich DAS HAUS IM METHANMEER ...
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1.
Kurs Eastside
Cameron Rioz schlug mit der flachen Hand auf die Schaltfläche der Außenbeobachtung. Er argwöhnte, dass er keine Reaktion erzielen würde, trotzdem wollte er mehr sehen als die wenigen Sonnen, die das Holo zeigte.
Im Hintergrund dröhnte Tolots Stimme. Jasper Cole antwortete hastig. Cameron hörte genauer hin: Nein, Jasper antwortete nicht, er hantierte an den Flugkontrollen und bestürmte den Haluter mit Fragen.
Cameron war das egal; er hatte Tolots Angebot ignoriert, ihn ebenfalls in die Führung des Kugelraumers einzuweisen. Mochten der Haluter und Jasper die Zeit während der Flugetappen auf ihre Weise bewältigen, Cameron selbst hatte andere ...
... Träume?
Albträume, die immer wieder aufbrachen, obwohl er sie bewältigt geglaubt hatte. Aber als Student der Kosmopsychologie wusste er genau, dass es sehr lange dauern konnte, bis die Wunden seiner Seele verheilt sein würden.
Vieles war ihm abverlangt wurden: der Tod seiner Eltern, das abrupte Ende seiner Trividder-Karriere, der Tod seiner Freundin, der Sirenengesang des Brennenden Nichts, die Verfolgung durch Shrell, sein freiwilliger Opfergang, die Schattenhand, die er anfangs nicht beherrschte, und die ihn, als er sie endlich beherrschte, zum Mörder an Aurelia Bima gemacht hatte, das Ränkespiel der Geheimdienste und Wirtschaftsmächte ... dann der Wahnsinn, in dem sich seine Freundin im Inneren des Brennenden Nichts verlor, auflöste und schließlich final starb ... Wie viel musste er ertragen?
Er hatte mehrmals versucht, die Schuld bei anderen zu suchen – bei Shrell, bei Bonnifer, bei Icho Tolot, bei Monkey, bei Wylon Hypertech, bei Reginald Bull ... seine Gedanken zerfaserten. Schuld war, das wusste er eigentlich längst in der Theorie, kein hilfreicher Begriff, um ein konstruktives Leben zu führen. Aber er war so verdammt bequem.
Wieso musste das Leben nur so verdammt unfair sein?
Nein: Auch das war nicht sinnvoll. Das Leben war, und er musste die Möglichkeiten erkennen, die sich ihm boten. Ja, mochte sein, dass er nur zufällig von Bull als Träger der Schattenhand auserkoren worden war. Aber nun musste er damit umgehen: Nur eine Schattenhand und eine bestimmte Menge Vitalenergie – genauer: eine Aufladung durch eine Zelldusche – ermöglichten es, ein Brennendes Nichts zu schließen.
Nur ihm stand diese Möglichkeit gegenwärtig überhaupt offen.
Nach dem Tief, in das ihn sein Mord an Aurelia und die Auflösung aller Bindungen gestürzt hatte, wäre es leicht gewesen, sein Schicksal nun als vorherbestimmt anzusehen. Stattdessen legte Cameron Rioz immer wieder bewusst Pausen ein, in denen er sich selbst Rede und Antwort stand. Das war schmerzvoll, mühsam ... und heilsam.
Er entschied, was er tun würde. Nicht die Schattenhand, nicht Bull, nicht Tolot, nicht eine namenlose Schicksalsmacht. Er selbst.
Gegenwärtig hatte er entschieden, alles daranzusetzen, das durch Shrell begonnene Zerstörungswerk zu beenden. Falls seine Überlebenschancen hoch genug waren. Er würde kein Opfer sein, keine Schachfigur. Er war er selbst, aber seine Verantwortung ging darüber hinaus.
Und um diese Selbstbestimmtheit musste er immer wieder kämpfen. Gegen seine seelischen Schmerzen und gegen alle, die glaubten, ihm sagen zu können, was er zu tun hatte.
Cameron fröstelte bei dem Gedanken daran, wie zornig er anfangs auf Icho Tolot gewesen war – ausgerechnet auf den Haluter, der ihm ebenso vorurteilslos zur Seite stand wie Jasper mit seinem Honiglächeln. Diese beiden respektierten ihn. Und deswegen vertraute er ihnen.
Tolots letztes Flugziel war eine namenlose Welt im Grenzbereich zwischen galaktischer East- und Southside gewesen.
Cameron starrte auf das Holo. Er dachte an Bonnifer.
Ihm hatte er auch vertraut und zu spät erkannt, dass der Wyconder von seinen eigenen Dämonen und Traumata getrieben gewesen war. Hätte er ihn retten können?
Nein, das war die falsche Frage. Retten konnte jeder nur sich selbst.
Dieser Gedanke sollte Hoffnung machen, aber er weckte auch eine tiefe, kreatürliche Angst: Falls er versagte, falls er seine eigenen Dämonen nicht überwinden konnte ...
Nein.
Das würde nicht geschehen. Er würde sich ihnen stellen, wieder und wieder, und er würde sie nicht siegen lassen.
Ich bin der Meister meines Schicksals, wiederholte er ein ziemlich abgedroschenes Mantra, das er in den letzten Wochen für sich neu entdeckt hatte. Ich entscheide, was ich mit meiner Lebenszeit anfange. Und ich übernehme dafür die Verantwortung – zunächst vor mir selbst und dann auch vor allen anderen.
In einem Seitenbereich der Zentrale hockte er in dem für ihn überdimensionierten Sessel. Tolot hatte an dieser Stelle noch keine Größenanpassung vorgenommen. Cam lehnte mit angezogenen Beinen auf einer Seite der Sitzfläche und musste sich weit nach vorn beugen, um die Schaltflächen überhaupt zu erreichen.
Dieses Schiff ist nicht für dich gemacht, raunte es wie ein fernes Echo in seinen Gedanken.
Er kniff die Augen zusammen. Das muss es auch nicht sein. Aber es wird mich nicht einschüchtern.
Camerons Linke fiel um einiges fester als zuvor auf den Sensor.
Es ist alles gut!, mahnte er sich. Die Schattenhand ist ein Werkzeug. Mein Werkzeug. Ich beherrsche sie, nicht sie mich.
Und dann wieder das höhnische Gedankenecho eines Cameron, den er hinter sich zu lassen geglaubt hatte:
Hoffentlich.
*
Hoffentlich.
Hoffnung.
Wirre Erinnerungsfetzen wirbelten durch seine Gedanken: seine ureigenen Gespenster, in einer Endlosschleife immer wieder verschlungen vom Brennenden Nichts:
Aufgelöst.
Zurückgekehrt.
Gestürzt.
Verschlungen.
Aufgelöst.
Cameron atmete tief durch.
Es war geschehen, und er hatte keinen Einfluss darauf gehabt.
Aber nun hatte er ihn.
Er würde ihn nutzen – nicht unüberlegt, zornig, hilflos, panisch, sondern durchdacht und durchfühlt.
Er musste eins werden mit dem Geschehen, mit seinen Möglichkeiten und Grenzen.
Nicht nur das. Ich muss meine Grenzen erweitern. Wachsen.
Er ließ sich in das übergroße Polster zurückfallen und starrte in das Holo vor ihm:
Es zeigte nun endlich das weite Sternenmeer der galaktischen Eastside. Irgendwo dort lag seine Chance.
Icho Tolot suchte für ihn nach einer Zelldusche. In dem Gebiet, das die HALUTA VII anflog, erwartete er wohl, ein Physiotron zu finden. Einzelheiten hatte der Haluter bislang nicht preisgegeben, aber womöglich redete er mit Jasper darüber.
Ich hätte ihm besser zuhören sollen.
Cameron schüttelte den Kopf.
Ich muss auf mich selbst hören. Ich bin nicht einfach nur ein Zuhörer oder Werkzeug.
Ein funktionsfähiges Physiotron würde ihm eine zweite Zelldusche ermöglichen: exakt jene Aufladung mit Vitalenergie, die nötig war, um ein Brennendes Nichts zu löschen und eine Überlebenschance zu haben.
»Warum sollte ich überleben?«, fragte er sich. Um zurückzukehren in ... ein zerfallenes Lebenskonzept? Um als abgehalfterter Retter den Rest seines Daseins einer zweifelhaften Pseudopopularität hinterherzuhecheln?
Nein, es geht nicht ums Überleben. Es geht um mein
»Leben.« Das letzte Wort sprach er laut aus.
»Cam, wovon redest du?« Ein zweifellos freundschaftlich gemeinter Boxhieb Jaspers traf seine Seite »Selbstverständlich wirst du leben. Wir beide werden das. Und mit ein bisschen Glück schaffen wir es sogar, vorher noch unsere Heimat zu retten, Cam!«
»Jasper ...« In Camerons Schläfen rauschte das Blut, die Stimme des Freundes verlor sich im Nichts.
»Cam!« Jaspers Stimme klang plötzlich panisch. »Tolotos! Komm schnell!«
Dass er in sich zusammensackte, nahm Cameron Rioz nur noch kurz wahr.
*
»Probleme, die man hartnäckig ignoriert, verschwinden nur, um geraume Zeit später mit Verstärkung zurückzukehren!«
Die Stimme ist nicht laut, doch sie verschafft sich mühelos Gehör. Die Unruhe im Auditorium ist mit einem Mal wie weggewischt.
Meine Anspannung wächst. Ich bin mir sicher, dass wir beobachtet werden. Und ich gehe davon aus, dass wir alle in diesen Minuten in ein Schema einsortiert werden. Da gibt es Aufmerksame und Träumer, Skeptiker, Macher ...
Wie würde ich mich selbst einschätzen?
Ich denke, ich habe von allem etwas. Auf jeden Fall bin ich sehr flexibel. Weltoffen.
Warum so genügsam? Ich ertappe mich dabei, dass ich mir mit den Fingern die Augenbrauen glatt streiche. Ist das ein leichter Anflug von Unruhe? Das habe ich nicht nötig. Mir wird eines Tages die Milchstraße offenstehen. Weshalb sonst hätte ich mich als Student der Kosmopsychologie an der Universität in Terrania eingeschrieben.
Nur die Milchstraße?
Cameron Theodore Rioz, mahne ich mich leicht amüsiert, du darfst nicht kleinmütig sein. Du weißt, wie viele Galaxien allein im Bereich der Lokalen Gruppe auf dich warten. Für einen eloquenten Kosmopsychologen bedeutet das ein endloses Betätigungsfeld.
Terrania ist dagegen Kleinstadtmief.
Ich darf mich nur nicht unterkriegen lassen.
»Keine Schwäche zeigen, und wenn es noch so schwer sein mag!«, hat Dad mir mitgegeben. Klar, er weiß das: Er ist ja auch...




