E-Book, Deutsch
Reihe: Joffe by dp
Härtl Angst auf Föhr
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-068-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein aufregender Nordseekrimi über dunkle Geheimnisse auf der Insel
E-Book, Deutsch
Reihe: Joffe by dp
ISBN: 978-3-98778-068-4
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Wie sicher ist das Insel-Idyll wirklich?
Der fesselnde zweite Teil der Nordseekrimi-Reihe
Trotz ihrer Suspendierung wird Zielfahnderin Kari Lürsen von ihrem früheren Vorgesetzten gebeten, auf Föhr einen heiklen Auftrag zu übernehmen. In einem Safehouse auf der Insel soll sie gemeinsam mit einer anderen Beamtin für die Sicherheit einer Kronzeugin und deren Tochter sorgen. Doch dann droht der Auftrag außer Kontrolle zu geraten und schnell ist klar: es muss einen Maulwurf im BKA geben. Oder weiß die Zeugin vielleicht mehr als sie zugibt? Das Netz der Lügen verdichtet sich immer weiter und plötzlich geraten Kari und ihre Kollegin selbst in tödliche Gefahr. Finden sie die Wahrheit heraus, bevor es weitere Opfer gibt?
Weitere Titel dieser Reihe
(ISBN: 9783987780677)
Erste Leser:innenstimmen
„Auch dieser Nordseekrimi ist unglaublich spannend und hat mich von Anfang bis Ende gefesselt!“
„Der Kampf gegen die Zeit und die Ungewissheit darüber, wer auf welcher Seite steht, macht den Krimi zu einem nervenaufreibenden Lesevergnügen.“
„Die Beschreibung der Insel Föhr und ihrer Bewohner verleiht dem Krimi eine authentische und atmosphärische Note.“
„Hochgehaltene Spannung, unerwartete Wendungen – ein echter Pageturner!“
Cornelia Härtl stammt aus Süddeutschland. Bereits während ihres Betriebswirtschaftsstudiums begann sie, Fachartikel und Beiträge für Frauenzeitschriften zu schreiben. Inzwischen konzentriert sie sich auf Unterhaltungsliteratur und veröffentlich sowohl Krimis als auch gefühlvolle Romane. Sie lebt mit ihrem Mann südlich von Frankfurt.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
»Moin«, grüßte die Taxifahrerin. Sie nahm Kari die Reisetasche ab und verstaute sie im Kofferraum. »Wohin geht die Fahrt?«
»Utersum«, instruierte Kari sie, das Handy mit der noch offenen Verbindung gegen die Brust gedrückt. Sie öffnete die Tür und setzte sich in den Fond des Wagens. Dort nahm sie das Gespräch wieder auf. Während der folgenden fünfzehn Minuten briefte Jo sie für den Einsatz. Die beiden zu schützenden Personen waren Mutter und Tochter. Sie sollten am Donnerstag nach Hamburg zurückkehren, wo die Aussage der Mutter bei einem Prozess erwartet wurde.
»Die Frau ist unsere Kronzeugin. Sie geht mit der fünfzehnjährigen Tochter danach in den Zeugenschutz. Wir müssen sie bis dahin vor dem Zugriff des Angeklagten bewahren.« Jo gab ihr am Ende die Koordinaten des Schutzhauses durch. Sie beendeten das Gespräch, als das Taxi in den Ort einfuhr. Kari stieg in Utersum-Mitte aus. Sie lief die wenigen Meter durch die verwinkelten Straßen zu Fuß bis zu dem ebenerdigen, reetgedeckten Haus mit der blauen Tür und den ebensolchen Schlagläden, das ihr von ihrem Großvater Hein vererbt worden war. Hier hatte sie die letzten Wochen verbracht. Sie warf die Reisetasche auf das Bett und packte die meisten Sachen wieder aus. Eine zweite Jeans, einige T-Shirts, einen leichten Pullover, Nachtkleidung und ihren Kulturbeutel ließ sie drin, legte eine Baumwolljacke dazu. Anschließend holte sie ihr Rad aus dem Schuppen im hinteren Teil des Gartens und machte sich auf den Weg. Es war nicht weit. Das fragliche Gebäude lag unterhalb von Witsum in der Nähe der Godelniederung. Ein ehemaliger Hof, der schon lange verlassen war. Das einsam stehende Haus inmitten eines großen und übersichtlichen Geländes war ein ideales Versteck im Nirgendwo, dem sich ungesehen so schnell niemand nähern konnte.
Eine Stunde später nahm eine jüngere Beamtin, die sich ihr als Marlies Pietschmann vorstellte, Kari in Empfang. Sie verglich ihr Aussehen sorgfältig mit dem, was Jo ihr in der Zwischenzeit geschickt hatte – vermutlich Foto und Personenbeschreibung. Schließlich nickte sie und ließ Kari ein.
Die sah sich gleich darauf der erwachsenen Zeugin gegenüber. Sandrine Leonhardt, genannt Sandra, war eine der Frauen, die aufgrund ihrer Zierlichkeit und ihres Aussehens – nicht im landläufigen Sinne attraktiv, aber apart – bei Männern Beschützerinstinkte und bei ihren Geschlechtsgenossinnen zwiespältige Gefühle auslösten. Sie trug das lange dunkle Haar offen. Ihre moosgrünen Augen blickten den beiden Beamtinnen streng und misstrauisch entgegen, als sie den Wohnraum betraten. Sie stand dort gegen einen Tisch gelehnt, ganz in Schwarz gekleidet, die Hände vor der Brust verschränkt.
»Die Mutter ist schwer zu deuten, die Tochter angefressen. Sie ist oben, verlässt ihr Zimmer kaum«, hatte Marlies kurz zuvor gemurmelt.
Kari hatte diese knappe Beschreibung schweigend aufgenommen. Jetzt musterte sie die Frau im Wohnzimmer. Sie wirkte keineswegs nervös, eher so, als halte sie all das, was hier stattfand, für eine Zumutung. Dabei diente es einzig und allein ihrem Schutz. Klarer noch: dem Schutz ihres Lebens. Das war, um mit den Worten zu sprechen, die Jo benutzt hatte, keinen Pfifferling wert, seit sie beschlossen hatte, ihren eigenen Ehemann der Justiz auszuliefern. Als Kronzeugin gegen ihn auszusagen und damit einen der einflussreichsten und gewieftesten Drogenpaten Hamburgs hochgehen zulassen. Warum sie sich nach sechzehn Jahren Ehe und einer gemeinsamen Tochter dazu entschieden hatte, war Kari nicht bekannt. Ihr Job war es, zusammen mit Marlies dafür zu sorgen, dass Gereon Leonhardt seine Frau nicht vor dem Prozess aufspüren und liquidieren ließ. So wie mutmaßlich den früheren Zeugen.
Leonhardt war skrupellos. Nachdem einer seiner führenden Mitarbeiter über eine Geldwaschanlage gestolpert war und sich, im Gegenzug für eine Strafmilderung, als Kronzeuge gegen seinen Chef angeboten hatte, saß der in Untersuchungshaft. Sein offizielles Gewerbe umfasste eine Importgesellschaft für Lebensmittel und eine Spedition mit Niederlassungen in Süd- und Ostdeutschland. Dazu kamen, neben der Hamburger Villa, Wohnsitze auf Formentera und in der Schweiz. Ein Mann so glatt wie ein Aal. Man warf ihm Drogenschmuggel in großem Stil, Geldwäsche und Bestechung vor. Jedes Mal wenn die Behörden bisher gedacht hatten, sie könnten ihn festnageln, hatte er sich mithilfe eines teuren Anwaltsteams wieder herausgewunden. Beweise waren bislang zerpflückt worden oder auf nicht mehr zu klärende Weise verschwunden. Zudem wurde er verdächtigt, den Mord an einem bekannten Enthüllungsjournalisten in Auftrag gegeben zu haben. Der Mann hatte sich mit seinen Artikeln über das organisierte Verbrechen einen Namen gemacht. In diesen Berichten war er Leonhardt sehr nahe gekommen. Man sprach von Insiderwissen. Bevor er alles, was er wusste, publik machen konnte, war er am helllichten Tag vor seinem Haus in einem Hamburger Vorort erschossen worden. Ein Fall, der für Aufsehen gesorgt hatte, selbst in die bis dahin weitgehend ahnungslose Öffentlichkeit hinein. Zeigte er doch, wie sicher sich der Drogenpate der Hansestadt – wie ihn der Journalist getauft hatte, ohne ihn bei seinem richtigen Namen zu nennen – fühlte. Eine Ansage auch an Polizei und Justiz. sollte die Tat ausdrücken.
Natürlich hatten Kari und ihre Kollegen im BKA sofort gewusst, wer hinter dem Anschlag steckte. Nachweisen konnten sie Leonhardt jedoch nichts. Der Frust hing damals in den Fluren der Dienststelle wie dicker Sirup. Und jetzt kam Sandra, liebende Ehefrau und Mutter von Leonhardts einzigem bekannten Kind, und gab an, über Beweise zu verfügen, die ausreichen würden, ihrem Gatten endlich den Prozess machen zu können. Zeugenschutz für sich und die gemeinsame Tochter hatte sie verlangt. Es musste das ganz große Besteck ausgepackt werden, das war allen klar. Denn schon allein aufgrund von Sandrines Aussehen – einer Mischung aus den Genen ihres marokkanischen Vaters und ihrer südfranzösischen Mutter – und der Tatsache, dass sie in Begleitung ihrer fünfzehnjährigen Tochter Beatrice, genannt Bea, reiste, würde es schwierig sein, die beiden dauerhaft zu verstecken.
, hatte Jo gesagt. Sandra war reich. Sie würde sich ein Leben weit weg von Europa einrichten können. Besonders, wenn ihr Mann im Kittchen saß.
»Sind Sie der Ersatz?« Es waren die ersten Worte, die Sandra an Kari richtete. Die Frage der Frau klang wie eine Beleidigung. Kari ließ es an sich abprallen.
»Ich springe für den Kollegen ein«, erklärte sie knapp. Ihr fiel ein, dass sie gar nicht wusste, ob der Grund für ihre Anwesenheit den beiden zu schützenden Personen bekannt war, und hielt sich an ihre Regel, so wenig wie möglich preiszugeben.
»Sind wir hier überhaupt sicher?«, fuhr Sandra fort und Kari verstand, was sie wirklich damit sagen wollte. Sind wir hier mit sicher.
»Dieses Haus ist unbedenklich«, antwortete sie. Sandra starrte einige Augenblicke dumpf vor sich hin, dann warf sie mit einem Ruck ihr Haar nach hinten und stieg gemächlich die Treppe ins obere Geschoss hinauf. Gleich darauf fiel eine Tür dort laut ins Schloss. Marlies seufzte und gab Kari mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass sie ihr in die Küche folgen sollte.
»Sie benimmt sich, als wären wir ihre Bediensteten«, bemerkte sie. »Reich und verwöhnt. Ich bin froh, wenn ich diesen Auftrag hinter mir habe.«
Das konnte ja heiter werden, dachte Kari. Ihre Laune besserte sich auch nicht, als Marlies ihr verriet, dass es erst ihr zweiter Einsatz war.
»Was ist mit deinem Kollegen passiert?« Kari checkte ihr Gegenüber, während sie auf Antwort wartete. Marlies wirkte sportlich. Lange Beine steckten in dunklen Leggins. Als sie sich eine Strähne ihres kurzen hellblonden Haars aus der Stirn strich, zeigten sich unter ihrem Halbarm-Shirt durchtrainierte Oberarme.
Marlies zog die Unterlippe zwischen die Zähne und schüttelte in einer hilflosen Geste den Kopf.
»Es war unser erster Tag hier. Er kam vom Joggen zurück. Brach zusammen. Gott sei Dank habe ich es vom Küchenfenster aus gesehen und bin ihm gleich zu Hilfe gekommen.«
»Von hier aus?« Kari zog zweifelnd die Brauen hoch. Die Küche lag nach hinten raus und erlaubte keinen Blick auf den Weg, der durch die Salzwiesen bis zum Damm führte.
Marlies bejahte. »Er war schon zurück und wollte abkühlen, trabte ums Haus.«
»Wie schlimm ist es?«
»Nicht so übel, dass er in Lebensgefahr schwebt. Aber es war undenkbar, dass er hier weitermacht.« Die Erleichterung darüber, dass es für ihren Kollegen nicht tödlich ausgegangen war, war Marlies anzusehen.
»Im BKA hat Jo es so aussehen lassen, als sei das Ganze an Tobias’ Heimatort geschehen.« Sie schob ihre Hände in die Hosentaschen und blickte aus dem Fenster. Ihre Dienstwaffe trug sie an der Hüfte, was Kari zu der Frage veranlasste, wie man sie ausrüsten würde.
»Jo hat nichts gesagt«, antwortete Marlies zögerlich.
»Ohne Waffe, das geht nicht«, meinte Kari mehr zu sich selbst. »Wo ist die deines Kollegen? Die könnte ich doch nehmen.« Sie hatten ihn ja wohl kaum mit einer Pistole ins Krankenhaus geschafft.
»Ich werde Jo fragen.«
»Das kann ich selbst tun«, erwiderte Kari.
»Leider nein.« Marlies baute sich vor ihr auf. Ihre dunkelbraunen Augen fixierten ihr Gegenüber. »Du weißt ja, dass du ein privates Handy hier nicht benutzen kannst.«
Sie streckte ihr auffordernd die Hand entgegen. Kari, einen Moment lang überrascht vom energischen Auftreten der Jüngeren, zögerte. Aber sie hatte recht. Kari zückte ihr Mobiltelefon, schaltete es aus, entnahm...




