E-Book, Deutsch, 296 Seiten
Reihe: beTHRILLED
Hafermeyer Paradiesapfel-Schwindel
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7517-5533-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schwabenkrimi
E-Book, Deutsch, 296 Seiten
Reihe: beTHRILLED
ISBN: 978-3-7517-5533-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kommissarin Elsa Dorn hat einen Vorsatz: Sie will es im Kommissariat für Betrugsangelegenheiten ruhig angehen lassen. Von Mord will sie nichts mehr wissen, seit sie im Einsatz beinahe von einem Mafia-Killer umgebracht worden wäre. Stattdessen ermittelt sie gegen einen Liebesbetrüger, der einige Frauen in Augsburg um ihr Vermögen gebracht hat.
Eine von ihnen, Pia Lotter, heuert Privatdetektiv Sven Schäfer an, um den Betrüger zu finden. Doch dann wird ein Hacker ermordet, der Schäfer Infos über den Mann beschaffen sollte. Ein klarer Fall für die Polizei - und Elsa ist schon wieder in einen Mordfall verwickelt!
Der siebte Augsburg-Krimi mit Schäfer und Dorn - für alle Fans von Regionalkrimis und coolen Ermittlerduos. Geschrieben von einem echten Kommissar!
Ebenfalls in der Reihe 'Schäfer und Dorn' erschienen:
Tote lächeln nicht (Band 1)
Das Spätzle-Syndikat (Band 2)
Der Brezen-Trick (Kurzkrimi, Band 3)
Das Extrawurscht-Manöver (Band 4)
Die Schampus-Verschwörung (Band 5)
Die Datschi-Connection (Band 6)
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung.
Franz Hafermeyer heißt in Wirklichkeit Thomas J. Fraunhoffer. Unter diesem Namen schreibt er nicht nur weitere Krimis, sondern arbeitet auch für die bayrische Polizei. Er lebt mit Ehefrau, zwei Miniponys und einer Krimikatze auf dem Land in der Nähe von Augsburg.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Dienstag, 17. Juni
Drei gegen eins!
Kein Verhältnis, das Schäfer Sorgen bereitete. Langsam bewegte er sich rückwärts und tat gleichzeitig einen Schritt zur Seite, während er seine Gegner nicht aus den Augen ließ.
Wie hungrige Hyänen näherten sie sich ihm, fächerten auseinander, um ihn von mehreren Seiten gleichzeitig anzugreifen. Halbstarke, in deren Blick die Lust auf eine Schlägerei flackerte. Ein Blonder, ein Rothaariger mit Sommersprossen und ein Schwarzhaariger. Was für eine Mischung!
Der ehemalige Polizist in ihm riet zur Deeskalation. Doch was hatte ihm diese Strategie in der Vergangenheit gebracht? Die Entlassung vor einigen Jahren, als man ihn aufgrund des Komplotts eines korrupten Bullen rausgeschmissen hatte! Wäre er damals offensiver vorgegangen, wäre er vielleicht immer noch Polizist.
Scheiß drauf, Deeskalation ist Mist! Das sagte ihm sein Instinkt als erfahrener Straßenschläger. Schäfer machte deshalb einen Satz nach vorne und rammte in einer wahren Kraftexplosion mit seiner rechten Schulter den Blonden.
Das Leichtgewicht riss vor Überraschung die Augen weit auf, wurde nach hinten katapultiert und überschlug sich auf dem Boden, wo er benommen liegen blieb. Der Schwarzhaarige stürzte sich sogleich mit gefletschten Zähnen auf Schäfer. Eine Drehung nach rechts, und der Angreifer lief ins Leere. Schäfer packte ihn von hinten mit einem Ringergriff, hob ihn problemlos hoch und schleuderte ihn wie einen Kartoffelsack durch die Luft. Der Kerl landete genau neben seinem blonden Partner. Schäfer beachtete sie nicht weiter, ihr keuchender und pfeifender Atem verriet ihm, dass von dieser Seite keine Gefahr mehr drohte.
Der Rothaarige schien für einen Moment geschockt, doch er fing sich erstaunlich schnell wieder und kam mit erhobenen Fäusten auf Schäfer zu. Der parierte die Schläge und konterte mit einer rechten Geraden gegen das Kinn des Angreifers, dessen Sommersprossen ordentlich durchgeschüttelt wurden. Mit einem Leberhaken setzte Schäfer nach und hieb seinem Gegner zum krönenden Abschluss die Faust in den Nacken, als der Rothaarige sich vor Schmerzen nach vorne beugte. Nun lagen alle drei Möchtegernschläger nebeneinander und japsten.
»Schäääfer!«, schrie jemand. Die Stimme näherte sich der Tonlage, bei der normalerweise Gläser zersprangen. »Schäääfer!«, wiederholte die penetrante Stimme. »Was habe ich gesagt? Nicht hart zuschlagen, nur ein bisschen Training. Das Ganze sollte eher eine Art Rollenspiel werden, du solltest Vorbild sein und deeskalierend wirken.«
Da war es wieder, das Zauberwort Deeskalation. Schäfer hob entschuldigend die Schultern. »Das war Training! Hätte ich richtig zugeschlagen, bräuchten die drei jetzt einen Notarzt. So sieht eben meine Art von Deeskalation aus. Nenn es Deeskalation mittels Schmerzen.« Das Wortspiel gefiel ihm, er grinste, während er die Boxhandschuhe auszog und in die Ringecke warf.
Der Geruch von Schweiß lag in der Luft. Obwohl alle Fenster der Trainingshalle offen standen, herrschte brütende Hitze im Inneren. Kein Wunder, ächzte Augsburg doch bereits den ganzen Juni unter einer sengenden Sonne. Nicht einmal jetzt, am Abend nach acht Uhr, gab es eine Abkühlung. Schäfer schnappte sich ein Handtuch und wischte sein nasses Gesicht trocken.
Dragomir Ilic, der Inhaber des Boxstudios, sah zu ihnen herüber. Er übte gerade mit einem seiner Mitglieder Schattenboxen. Dragomir war dick wie eine Tonne, knapp fünfzig Jahre alt und hatte rabenschwarzes Haar. Früher ein klasse Boxer, war er jetzt ein hervorragender Trainer. Schäfer trainierte gerne in seinem Boxstudio, das in einem Industriegebiet von Lechhausen lag. Es wirkte von außen leicht gammelig mit dem abbröckelnden Putz und der verblassten Fassadenfarbe. Drinnen sah es auch nicht gerade modern und einladend aus. Schäfer erinnerte es ein bisschen an die Rocky-Filme, in denen die Hauptfigur Rocky Balboa in einem ähnlichen Schuppen trainierte.
Außer Dragomir und dessen Boxpartner war nur noch eine Frau anwesend, die gerade einen Sandsack bearbeitete und sich wortstark selbst anfeuerte. Normalerweise war mehr los, aber die auch jetzt noch annähernd dreißig Grad machten die Beine von Dragomirs Mitgliedern offensichtlich zu müde fürs Training. Ein Biergarten war da bestimmt verlockender. Die Frau, eine Brünette Anfang dreißig, stöhnte während der Schläge wie einst Tennisspielerin Monica Seles beim Aufschlag. Angeblich dreiundneunzig Dezibel hatte man damals gemessen. Immerhin machte die Sandsackschlägerin Lärm für ein halbes Dutzend Leute.
Schäfers Freundin Tanja stieg hoch zum Boxring, bückte sich unter den Ringseilen durch und sah nach den drei Jugendlichen.
»Felix, Robin, Enrico, braucht ihr einen Krankenwagen?«, säuselte sie.
»Brauchen sie nicht«, brauste Schäfer auf.
Manchmal übertrieb Tanja es mit ihrem Job. Sie arbeitete im Jugendamt und kümmerte sich mehr um ihre Schützlinge, als ihm lieb war. Bei seinem letzten Fall als Privatdetektiv, als er zusammen mit Elsa Dorn von der Augsburger Kripo vor einem halben Jahr die Datschi-Connection zerschlagen hatte, war er Tanja nähergekommen. Sie war neununddreißig Jahre alt und damit nur fünf Jahre jünger als er selbst.
Besonders auffällig an ihr waren die raspelkurzen roten Haare und die zahlreichen Tattoos. Die Fingerknöchel beider Hände waren mit den römischen Zahlen von eins bis zehn tätowiert. Die Handgelenke und beide Arme waren von unten bis oben mit Tierköpfen und allerlei antikem Kram wie dem Kolosseum, Amphoren und Gladiatoren in Kampfstellung verziert. Außerdem schlängelte sich ein Tattoo in Form eines Feuersymbols aus dem T-Shirt nach oben quer über den Hals und verschwand im Nacken. Schäfer, der Tanja natürlich bereits nackt gesehen hatte, wusste, dass das Feuer den Atem eines Drachen darstellte, der auf dem Rücken Tanjas abgebildet war. Im schwülwarmen Boxstudio trug sie kurze Hosen, sodass man auch die Tattoos von den Oberschenkeln bis hinab zu den Knöcheln sehen konnte. Links gab es einen Rosenstrauch, der auf der Vorderseite begann und seitlich nach unten führte. Rechts ein Efeugewächs.
»Abgemacht war ein bisschen Sparring, aber nicht, dass du sie zu Boden schlägst«, warf Tanja ihm vor. »Sie sind viel schwächer als du. Sie zu verkloppen war übertrieben.«
»Das kannst du wohl kaum verkloppen nennen. Ich vermöble doch keine Schwächeren, das ist nicht meine Art.«
»Hahaha.«
»Was?« Er verschränkte die Arme vor der Brust.
»Schäfer, schau dich an. Eins neunzig groß, über einhundert Kilo schwer und eine Statur wie Dwayne Johnson. Es gibt wahrscheinlich in ganz Augsburg keinen Mann, der stärker ist als du. Somit gehört jeder, mit dem du dich anlegst, zu den Schwächeren.«
»Du weißt, wie ich es meine.«
Tanja legte den Kopf schief. »Nein, erklär es mir genauer.«
»Das da sind Kriminelle!«
»Schwer erziehbare Jugendliche«, konterte sie.
»Läuft für mich aufs selbe raus. Und ich habe mich nicht mit ihnen angelegt. Du wolltest doch, dass ich sie etwas ins Schwitzen bringe.«
»Genau, ins Schwitzen bringen, aber nicht mehr. Du solltest ihnen nur ein paar Grundlagen des Boxens beibringen, damit sie ihre Aggressionen abbauen können. Außerdem sollten sie von dir Deeskalation lernen.«
»Davon halte ich nichts.«
»Von was hältst du nichts? Von Deeskalation oder vom Training, um Aggressionen zu vertreiben?« Tanja wollte es wirklich ganz genau wissen.
Jetzt war es Schäfer, der den Kopf schief legte. »Von beidem eigentlich, aber hauptsächlich von deiner Theorie, dass diese Krawallbrüder beim Boxtraining Aggressionen verringern oder so was wie Respekt lernen. Die können danach höchstens besser zuschlagen. Meine Herangehensweise finde ich sinnvoller.«
»Ihnen die Köpfe einzuschlagen?«, brauste Tanja auf.
»Eher den Kerlen beizubringen, was Schmerzen sind, die sie üblicherweise anderen zufügen.«
»Man kann es auch übertreiben.«
»Ach komm«, wehrte er ab und schnaufte genervt. »Deine Schwächlinge tragen Kopf- und Mundschutz. Die haben kaum was abbekommen.«
Tanja deutete auf die drei Jugendlichen, die völlig fertig auf dem Boden des Boxrings umherkrochen. »Sieht mir nicht danach aus.«
»Weil sie es eben gewohnt sind, auf der anderen Seite zu stehen. Glaub mir, denen tut es zur Abwechslung ganz gut, mal am eigenen Leib zu spüren, wie es ist, eins auf die Fresse zu kriegen.«
»Das haben sie doch schon.«
»Wenn du darauf anspielst, dass diese drei Arschgeigen vor ein paar Wochen in der Altstadt einen harmlosen Passanten verdroschen und nur deswegen aufgehört haben, weil ich dazwischengefunkt habe, dann hast du verdammt recht. Drei Kinnhaken von mir, und alle drei krabbelten im Dreck.« Schäfers Puls hämmerte an seinen Schläfen. »Wo sie auch hingehört haben.« Langsam wurde er sauer. »Und dann verlangst du ausgerechnet von mir, dass ich diesen Vollidioten das Boxen beibringe! Bin ich da nicht irgendwie voreingenommen?« Verärgert schlug er die rechte Faust in die linke Handfläche. »In den Jugendknast gehören die Ärsche.« Schäfer schüttelte den Kopf. »Ich kann einfach nicht verstehen, dass du so einem Gschwerl hilfst. Du siehst deine Arbeit als Streetworkerin falsch.«
»Deiner Meinung nach«, gab Tanja zurück.
»Richtig, meiner Meinung nach.«
»Die ich nicht teile....




