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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Hagstrom Warren Buffett: Das ultimative Mindset für Investoren
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86470-754-4
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-86470-754-4
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Robert G. Hagstrom ist einer der bekanntesten Börsenbuch-Autoren und Warren-Buffett-Kenner weltweit. Der erfahrene Portfoliomanager hat zahlreiche erfolgreiche Bücher rund um das Thema Geldanlage verfasst, darunter den Millionen-Bestseller 'Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.'
Autoren/Hrsg.
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PROLOG
Omaha im US-Bundesstaat Nebraska, den 6. Mai 2017.
Es ist der erste Samstag im Mai, und für diejenigen, die sich an Warren Buffett orientieren, bedeutet das nur eines: die Jahreshauptversammlung von Berkshire Hathaway. In der Welt der Geldanlage gibt es nichts Vergleichbares.
Fünf Stunden am Stück (abgesehen von einer einstündigen Mittagspause) beantworten Warren Buffett und Charlie Munger, der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende von Berkshire Hathaway, Fragen von anwesenden Aktionären und von Finanzjournalisten im Auftrag ihrer Leser und Zuschauer sowie von Wertpapieranalysten. Die Fragen werden vorher nicht überprüft, und jede wird vollständig, aufrichtig, herzlich und mit dem sanften Witz beantwortet, der das Markenzeichen beider Männer ist. Auf dem Tisch stehen lediglich Wassergläser, Coladosen, Süßigkeiten von See’s Candies, Erdnusskrokant und zwei Mikrofone. Keine Notizen, keine Aufzeichnungen, nur zwei Männer, die mit Vergnügen Fragen beantworten und über ihre Ideen sprechen. Um die 30.000 Menschen lauschen auf jedes ihrer Worte. Und ich bin einer von ihnen.
Am Morgen war ich von meinem Hotel zum Century Link Center in der Innenstadt von Omaha gefahren, wo die Veranstaltung stattfindet. Der Parkplatz war fast voll. Die Arena mit 20.000 Sitzplätzen war schon mit Tausenden Aktionären von Berkshire Hathaway gefüllt, und weitere Tausende strömten in die Festsäle um die Arena. Viele hatten seit vier Uhr morgens Schlange gestanden und auf den Einlass um sieben Uhr gewartet. Viele hasten gleich nach dem Eintreten zu den Stuhlreihen um die elf Mikrofone herum, die über die Arena und die umgebenden Säle verstreut sind. Mit etwas Glück bekommen die Menschen auf diesen Plätzen Gelegenheit, ihre Frage zu stellen.
Es gab eine Zeit, da hätte ich in aller Frühe mit ihnen Schlange gestanden. Aber ich habe es schon seit Jahren aufgegeben, im Morgengrauen aufzustehen, und bin sicherlich zu alt, um durch das große Foyer zu rennen, um einen der begehrten Plätze zu erhaschen. Jetzt folge ich einer entspannteren Routine.
Sobald ich drin bin, nehme ich mir die Zeit, durch die riesige Ausstellungshalle zu schlendern, an deren Ständen sich alle Unternehmen präsentieren, die Berkshire Hathaway gehören. Sie ist wie eine Shopping Mall. Man kann sich Snacks besorgen, zum Beispiel See’s Candies, Eiscreme von Dairy Queen und Coca-Cola. Man kann modulare Häuser, Boote und Wohnmobile besichtigen. Man kann sich die neuen Farben der Marke Benjamin Moore und die neuesten Kirby-Staubsauger anschauen. Man kann sogar bei GEICO eine Versicherung abschließen.
Gegen halb neun steige ich in den ersten Stock hinauf und gehe in den „Grand Ballroom B“, wo ich gewohnheitsmäßig Platz nehme. Die mehreren Tausend Stühle in diesem Saal sind in zwei Abteilungen aufgeteilt, jede mit einem riesigen Fernsehbildschirm ausgestattet, auf dem bald der traditionelle Berkshire-Hathaway-Film zu sehen sein wird, bevor die Beantwortung von Fragen durch Warren und Charlie aus der benachbarten Arena live übertragen wird. Ich lasse mich in der letzten Reihe der rechten Seite nieder, strecke mich bequem aus und lächele.
Bis dahin wirkt alles ganz normal. Nichts deutet darauf hin, dass heute etwas Bemerkenswertes geschehen wird.
Das Format der Fragestunde ist fest etabliert. Auf der einen Seite des Tisches, an dem Warren und Charlie sitzen, sind Plätze für drei Journalisten vorgesehen – Carol Loomis von , Becky Quick von und Andrew Ross Sorkin von der . Sie legen Fragen ihrer Leser und Zuschauer vor. Auf der anderen Seite sitzen die Aktienanalysten: Jonathan Brandt, Analyst bei Ruane, Cunniff & Goldfarb; Jay Gelb von Barclay’s; Gregg Warren, leitender Analyst bei Morningstar. Und um die erwähnten elf Mikrofone herum sitzen Dutzende begieriger Aktionäre unruhig auf ihren Plätzen und gehen im Geiste ihre Fragen durch.
Warren fungiert als Zeremonienmeister. Zuerst ruft er einen Journalisten auf, dann einen Analysten, dann jemanden aus dem Publikum, in numerischer Reihenfolge: Und dann beginnt die nächste Runde wieder mit einem der Journalisten.
Die morgendliche Sitzung beginnt wie gewöhnlich. Es wird eine Frage zu fahrerlosen Lastwagen und dazu gestellt, welche Gefahr sie für BNSF Railway oder GEICO darstellen könnten. Dann eine Frage zu Berkshires Rückversicherungsdeal mit American International Group. Eine Diskussion über Technologie-Aktien, unter anderem IBM, Apple, Google und Amazon. Warren wird nach der Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrtgesellschaften gefragt, nach seinen Gedanken zu Coca-Cola und nach den anhaltenden Kämpfen mit Kraft Heinz.
Dann, gegen Ende der Vormittagssitzung, richtet an Mikrofon 9 ein Aktionär eine Frage an beide, Warren und Charlie: „Sie haben Fehler bei der Kapitalallokation weitgehend vermieden, indem Sie Ideen miteinander ausgetauscht haben. Wird das noch bis weit in die Zukunft von Berkshire so bleiben?“ Oberflächlich bezieht sich diese Frage zwar auf die Kapitalallokation, aber sie zielt eindeutig auf die Nachfolge ab und darauf, wer in Zukunft die Entscheidungen über die Kapitalallokation treffen wird.
Warren antwortet als Erster. „Wenn bei Berkshire ein Nachfolger eingesetzt wird, wird der Verwaltungsrat in allererster Linie die erwiesene Kompetenz der Kapitalallokation bedenken.“ Er weist darauf hin, dass die Vorstandsvorsitzenden vieler Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen an die Spitze aufsteigen, zum Beispiel aus dem Vertrieb, aus der Rechtsabteilung oder aus der Fertigung. Aber sobald jemand als CEO die Führung übernimmt, müsse er über die Verwendung des Kapitals entscheiden. „Es wäre für Berkshire nicht gut, wenn jemand eingesetzt würde, der viele Fähigkeiten auf anderen Gebieten besitzt, aber eigentlich nicht in der Lage ist, Kapital zuzuweisen.“
Nach seiner nächsten Aussage saß ich senkrecht auf meinem Stuhl.
„Ich spreche von dem, was ich als ‚Geldverstand‘ bezeichne. Manche Menschen haben einen IQ von 120 oder von 140 oder was auch immer, und der Verstand des einen ist für etwas Bestimmtes geeignet, der eines anderen für etwas anderes. Sie können alle möglichen Dinge, die andere Sterbliche nicht können. Ich kenne allerdings hochintelligente Menschen, die keinen Geldverstand besitzen und sehr unintelligente Entscheidungen treffen können. Sie sind nicht für diese Fähigkeit [die Kapitalallokation] gestrickt. Deshalb wollen wir jemanden haben, der hoffentlich sehr begabt ist, aber auf keinen Fall jemanden, dem es an Geldverstand mangelt.“
Geldverstand. Noch nie hatte ich Warren dieses Wort sagen hören. In diesem Augenblick wusste ich, dass ich nach all den Jahren, in denen ich mich mit Warren Buffett beschäftigt hatte, nur zur Hälfte richtiglag.
Zum ersten Mal wurde ich im Juli 1984 auf Warren Buffett aufmerksam. Damals machte ich bei einer Brokerfirma im Nordosten eine Ausbildung zum Börsenmakler. Zu meiner Ausbildung gehörte es auch, die Jahresberichte von Berkshire Hathaway zu lesen. Wie so viele war auch ich sofort davon beeindruckt, mit welcher Klarheit Warren Buffett schreibt. Vor allem frappierte es mich, wie intelligent er die Vorstellung darlegte, dass der Besitz einer Aktie wie der Besitz eines Unternehmens sei. In meinem geisteswissenschaftlichen College-Studium hatte ich nichts mit Finanzen oder Buchhaltung zu tun gehabt, und deshalb fiel es mir nicht leicht, Aktien anhand von Zahlenkolonnen in Bilanzen und Gewinn-und-Verlust-Rechnungen zu verstehen. Aber als Warren Buffett erklärte, man solle sich Aktien als Unternehmen vorstellen, die von Managern geleitet werden, die Produkte an Verbraucher verkaufen, ergab auf einmal alles einen Sinn.
Als ich mir meine Sporen als Broker verdient hatte und in die Praxis ging, wusste ich genau, was ich tun würde. Ich wollte das Geld meiner Kunden in Berkshire Hathaway und in die Aktien investieren, die Berkshire in sein Portfolio kaufte. Ich forderte bei der Börsenaufsicht SEC alle früheren Jahresberichte von Berkshire Hathaway und die Jahresberichte der börsennotierten Unternehmen im Besitz von Berkshire Hathaway an. Im Laufe der Jahre sammelte ich alle Zeitungs- und Zeitschriftenartikel über Warren Buffett und Berkshire Hathaway. Ich war wie ein Kind, das Anhänger eines Baseballspielers ist.
Mir ist noch nie jemand begegnet, der mit Warren Buffetts Anlagegrundsätzen nicht einverstanden ist. Diese Prinzipien wurden die Investmentsäulen meines Buches „Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.“. Und wenn ich einen Kunden fragte, ob er sein Geld auf die gleiche Weise anlegen wolle, lautete die Antwort fast immer: „Ja, auf jeden Fall!“ Doch im Laufe der Zeit stieß ich auch auf Anleger, die sich zwar entschieden hatten, wie Warren Buffett zu investieren, aber damit Schwierigkeiten hatten. Für viele war die Kluft zwischen dem Wissen, weshalb man eine Aktie besitzt, und dem emotionalen Rüstzeug, dem Zerren und Schieben des Marktes zu widerstehen, zu groß. Ich begriff,...




