Hambly Star Trek: Der Kampf ums nackte Überleben
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11516-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 0 Seiten
ISBN: 978-3-641-11516-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Bewohner von Elcidar Beta III leben als Sammler und dulden keinerlei Technik oder Hilfe von außen. Doch nun droht ihnen eine Hungerkatastrophe. Eine Gruppe von Föderationswissenschaftlern hat erste Kontakte zu den Eingeborenen aufgebaut. Doch als die Enterprise mit der Xenologin Helen Gordon an Bord eintrifft, wollen die hartgesottenen Traditionalisten jede Einmischung verhindern. Und als Captain Kirk nach seinem Besuch auf dem Planeten auf die Enterprise zurückbeamt, scheint irgendetwas mit ihm an Bord gelangt zu sein. Seltsame Spukphänomene suchen das Schiff heim, auch der Captain verhält sich sonderbar. Und dann wird ein Mordanschlag auf Dr. Gordon verübt ...
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Kapitel 1
Im Blaubeerenmond, im dritten Jahr des zwölften Zyklus des Baumkatzensterns, während der eintausendzweiundvierzigsten Drehung des Rades des Universums, tauchten die Hungrigen zum ersten Mal in den Bindigo-Bergen auf, wo sie auch verschwanden. Anfangs wirkten sie wie Kinder oder die großen Rennaffen. Sie wussten nichts und taten niemandem etwas zuleide. Doch dann fingen sie an, Tiere einzufangen und sie verschwinden zu lassen. Sie wollten auch Menschen einfangen, doch diese liefen davon und versteckten sich in den Kralen. Später gingen die Hungrigen dazu über, Menschen zu töten; sie brieten sie und verzehrten ihr Fleisch. Und so kam es, dass die Jäger aus Bindigo und anderen Kralen in der Umgebung des Ortes, an dem die Hungrigen aufgetaucht waren, sie ebenso erlegten wie die Wühlhäuter und Heuler.
Erst im fünften Jahr des zwölften Zyklus kam Kailin Arxoras, der Patriarch [Bedeutung unklar] und Memmietieffos [Bedeutung unklar; Begriff der Midgwin-Sprache{1}] des Bindigo-Krals den Hungrigen so nahe, dass er in ihre Träume gehen konnte, wenn sie schliefen. Und er erkannte, dass auch sie, auf ihre Art, Menschen waren.
Aus Gesänge der Midgwin,
übersetzt und eingeleitet von Dr. H. H. Gordon,
Oxford University Press
»Was für putzige kleine Geschöpfe!« Mit in die Hüften gestemmten Händen musterte Dr. Leonard McCoy die schweigende Menge der rundlichen, löffelköpfigen Midgwin, die sich nach und nach im blassen Zwielicht am Ende der Felsschlucht abzeichnete, wo die Landeeinheit materialisiert war. Hin und wieder hob ein Midgwin auf seinem ausfahrbaren Hals den Kopf, fügte seiner unbedeutenden Größe vierzig bis fünfzig Zentimeter hinzu und blickte mit leuchtend grauen Augen über seine Gefährten hinweg. Meist allerdings gafften sie nur. Jedes ihrer knochigen, dreifingrigen Händepaare hielt eine Blume. Blumenkränze lagen um viele kleine schmale Schulterpaare oder ruhten auf den langen, gefiederten Mähnen ihres Haars. Vor dem Zwielicht schienen die blassen Blüten körperlos zu schweben. Ihr feiner, süßer Duft war, verglichen mit dem muffigen Geruch, den die Midgwin selbst ausströmten, unerträglich scharf.
»Lass sie das bloß nicht hören, Pille«, rügte Captain James Kirk leise den Schiffsarzt. »Bevor wir sie überzeugen konnten, dass es einen Unterschied zwischen uns und den Klingonen gibt, haben sie ein Dutzend unserer Kundschafter getötet.«
Die Vorstellung, mit einem Klingonen verwechselt zu werden, ließ McCoy eine beleidigte Miene aufsetzen. Dr. Helen Gordon, die hinter ihm stand, lachte leise und sagte: »Ich nehme an, für sie sehen wir alle gleich aus.«
»Stimmt«, sagte eine Männerstimme aus dem Schatten der dickschaligen, fast blattlosen Walzenbäume, die dicht zwischen dem Schluchtgestein standen. »Aber nicht so, wie Sie glauben.«
Kirk fuhr schnell herum. Er war überrascht und verärgert über sich. Obwohl das planetare Kontaktteam ihm wiederholt versichert hatte, dass keine Gefahr für die Landeeinheit bestand, war er ohne den Spielraum, den ein Sicherheitsteam bot, leicht nervös. Er hätte, fiel ihm ein, die Ankömmlinge hören müssen, als sie sich dem Landeplatz näherten.
Zwei Vulkanier und ein Argelianer in abgetragenen Khaki-Overalls traten aus der sie umgebenden blauen Düsternis ins Freie – angeführt von einem halben Dutzend Midgwin, von denen der erste so alt war, dass seine glatte, purpurfarbene Haut unter den weißlichen Wulsten der gewundenen Tätowierungsnarben zu staubigem Grau verblasst war. Auch seine Augen waren verblasst. Sie waren gletschergrau, weise und traurig. Die seinen harten kleinen Schnabel umgebende Haut war so weiß wie die seidigen Strähnen der Mähne, die über seine buckligen Schultern hing. Er war zwar der einzige Midgwin, der nichts in den Händen hielt, doch statt sich, wie gelegentlich die anderen, mit einem seiner langen Arme auf dem Boden abzustützen, ging er mit dem für sein Volk typischen rollenden Zweibeinerschritt.
Der männliche Vulkanier, ein kleiner, gepflegter Mann, von dem Kirk wusste, dass er der Anthropsychologe Dr. Shorak war, ging vor dem weißgesichtigen Midgwin her und überreichte ihm, McCoy, Gordon und den beiden restlichen Angehörigen des Föderationskontaktteams je zwei Blumen. »Nehmen sie eine in jede Hand«, riet er ihnen leise. »Hier gilt die Weisheit, dass man die Hand, die eine Blume hält, nicht im Zorn erhebt.«
»Ob man es mir übel nimmt«, sagte McCoy, »wenn ich mir eine hinters Ohr klemme?« Er schnupperte an der winzigen, berauschend duftenden Blüte.
Dr. Gordon lächelte schalkhaft. »Wenn die Midgwin es Ihnen nicht verübeln«, sagte sie, »ich schon.« Kirk unterdrückte ein Lächeln. Im Gegensatz zu Dr. Mei Chu und Dr. Nomias Gzin, den beiden anderen Vertretern des Xenologischen Instituts der Föderation, hatte Helen während der zwei Wochen auf der Enterprise nicht die Einsiedlerin gespielt. Sie hatte sich vielmehr recht schnell mit der Crew angefreundet – nicht nur mit ihm, sondern auch mit vielen anderen. Allmählich fiel es ihm schon schwer, sich daran zu erinnern, wie es ohne ihre knochige, linkische Gestalt in den Freizeiträumen oder den Labors gewesen war – ohne den Klang ihrer leisen, heiseren Altstimme und dem Wissen, dass sie immer irgendwo in der Nähe war, wenn er dienstfrei hatte.
»Dies ist Kailin Arxoras«, sagte Dr. Shorak, »der Patriarch des Bindigo-Krals, und …« Er zögerte kurz und entschied sich, Arxoras' etwaige sonstige Titel nicht zu nennen. Statt dessen nahm er behutsam, doch fest, Kirks Hand in die seine, schob gewandt eine der Blumen zwischen seinen knöchernen Fingern beiseite, wie Kirk es auch den Midgwin tun sah, und ergriff Arxoras Hand mit der anderen. »Würden Sie ihm erlauben … in Sie hineinzusehen? Es hat nichts mit Bewusstseinsverschmelzung zu tun … Es spielt sich nur an der Oberfläche ab, damit er erkennen kann, ob Sie gute Absichten haben. – Falls Sie es erlauben … Würden Sie die Augen schließen, an nichts denken, und von zwanzig auf null zählen?«
Als die instinktive Vorsicht des jahrelangen Umgangs mit unbekannten Faktoren in seinem Inneren sich zu Wort meldete, zögerte Kirk. »Und wie verdeutlicht er mir seine guten Absichten?«
Shorak dachte kurz nach. Nach einem achtzehnmonatigen Aufenthalt im Busch hatte er einen dichten Bart, und sein langes schwarzes Haar war zu einem kurzen Pferdeschwanz zusammengebunden. Sein von den honigfarbenen Strahlen der Sonne Elcidar Beta gebräuntes Gesicht war von grotesker Magerkeit, und unter dem abgetragenen Overall wiesen seine Gelenke das beunruhigend bucklige Aussehen eines Lebewesens auf, das kurz vor dem Verhungern stand, obwohl er sonst gesund und munter wirkte. Davon abgesehen war er blitzsauber. Er hatte die Ärmel heruntergekrempelt, die Hosenbeine in die Stiefel gesteckt und sämtliche Schlaufen befestigt. Und das war mehr, als man über Dr. L'jian, seine Gattin, sagen konnte, eine Xenoanthropologin von Ehrfurcht einflößender Reputation und arg zerknittertem Äußeren. Und auch über den Argelianer Thetas, unter dessen hochgekrempelten Ärmeln Kirk einen Blick auf die wulstigen Markierungen von Midgwin-Tätowierungen erhaschte. L'jian und Thetas waren ebenso unnatürlich mager wie Shorak, aber auch sie umgab eine irgendwie unpassende Aura von Gesundheit. Außerdem fiel Kirk auf, dass Shorak im Gegensatz zu seinem vulkanischen Wissenschaftsoffizier und sämtlichen anderen Vulkaniern, denen er je begegnet war, nicht im geringsten zögerte, körperlichen Kontakt mit relativ Fremden aufzunehmen. Er speicherte diese Regelwidrigkeit in seinem Geist und bemerkte die relativ argwöhnische Verwirrung, die McCoy die Augen zusammenkneifen ließ.
»Ich weiß nicht genau, ob Sie es begreifen würden, wenn er es täte«, erwiderte der Vulkanier kurz darauf. »Aufgrund der Natur der einheimischen Raubtiere haben die Midgwin eine Verständigung entwickelt, die im wesentlichen telepathisch ist. Nur wenige Menschen verfügen über die Aufnahmefähigkeit, sie zu interpretieren oder auch nur zu empfangen. Es ist aber nicht nötig, dass Sie ihm einen Blick gestatten.«
Kirk wägte kurz seinen natürlichen Argwohn vor unbekannten – und ehemals feindseligen – Fremden mit bewusstseinssondierenden Kräften gegen seine natürliche Neigung ab, guten Willen zu zeigen. Es war sein angeborener Glaube, dass man guten Willen, wenn man ihn zeigte, in der bedeutenden Mehrheit der Fälle auch zurückerhielt. Aber was tatsächlich siegte, war seine Neugier.
»In Ordnung«, sagte er und schloss die Augen.
Die trockenen, zweigartigen Finger des Vulkaniers schlossen sich um die seinen.
Zwanzig, neunzehn, achtzehn …
Es hätte nicht ganz den Tatsachen entsprochen, wenn er behauptet hätte, nichts gespürt zu haben, aber während es geschah, hatte er nicht die geringste Möglichkeit, sein Empfinden zu beschreiben. Der Sache am nächsten kam eventuell das psychische Äquivalent, mit geschlossenen Augen dazustehen, während ein Pferd an seiner Wange schnupperte.
… drei, zwei, eins.
Kirk öffnete die Augen und blinzelte. Arxoras schaute mit seinem traurigen, grauen Blick zu ihm auf und sagte: »Danke, Ka-pi-tan.« Seine beiden weichen Zungen bildeten die Laute so gut wie möglich – trotz seines harten Schnabels. Er war schwer zu verstehen, aber wenn man gut zuhörte, konnte man die Worte erfassen. »Man hat in dem Kral, der wie ein Flendagnest im Strom durch die Finsternis fliegt, einen gescheiten Krieger zum Patriarchen gemacht.« Und als der alte Midgwin Shoraks Finger losließ, streckte er den Arm aus und streichelte sanft Kirks Handrücken. »Darf...




