E-Book, Deutsch, Band 2, 288 Seiten
Reihe: Der letzte Sonnenfunke
Hammer Der letzte Sonnenfunke
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-9148-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
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E-Book, Deutsch, Band 2, 288 Seiten
Reihe: Der letzte Sonnenfunke
ISBN: 978-3-7597-9148-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tanja Hammer ist ein Frühlingskind aus dem Jahr 1982 und kam in Essen zur Welt. Kindheit und Jugend verbrachte sie mit der Nase in Büchern, wann immer sie die Gelegenheit dazu bekam. In dieser Zeit erwachte ihre Leidenschaft für das Phantastische. Schon damals entstanden ihre ersten eigenen Abenteuer. Allerdings blieben sie lange Zeit nichts weiter als ein Erlebnis in ihrem Kopf. Die Idee, etwas davon aufzuschreiben, kam erst viel später. Genauer gesagt dauerte es bis zum Jahr 2012, ehe sie damit begann, ihre Geschichten auf Papier zu bannen. Seither sind zwei Fantasy-Reihen, zwei Einzelbände und zwei Kurzgeschichten entstanden. Weitere Bücher werden folgen. Ihr Leben abseits von Schwertern und Magie verbringt sie mit Mann und Hund im schönen Bochum und arbeitet als Rechtsanwaltsfachangestellte. Sie liebt das Lesen noch immer, malt gerne, tobt sich hin und wieder an der Spielkonsole aus, mag Serien und Filme und versucht, beim Bogenschießen in die Fußstapfen ihrer Charaktere zu treten.
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OPFER UND BÜRDE
Tighan riss die Hände in die Höhe und schlug sie zur Schutzgeste zusammen. Sofort schoss vor ihm, Ira, Siobhán und Flint eine Lichtwand aus dem Boden. Knirschend traf Neal Mortons Armbrustbolzen auf das Hindernis. Ein Geräusch wie das Bersten von Glas wurde laut, als der gleißende Wall explodierte. Ein Schauer aus goldfarbenen Funken stob durch die Luft, aufgewirbelt von der entfachten Druckwelle. Sie raubte den drei Gefährten, dem völlig überrumpelten Gastwirt Sullivan Lonville, dem Hund sowie diversem Mobiliar den sicheren Stand und verteilte sie allesamt kreuz und quer im Schankraum. Abermals schepperten Glas und Holz. Über den mit Scherben und Splittern bedeckten Boden hastende Gestalten infiltrierten die Stube, während O'Brannick sich vor dem Schanktisch liegend wiederfand. Sofort versuchte er, auf die Beine zu kommen. Allerdings machte ihm ein scharfer, seiner Brust entspringender Schmerz einen Strich durch die Rechnung. Träge schaute er an sich herunter, registrierte das unregelmäßig harte Pochen seines Herzens. Erkenntnis, gekleidet in den Mantel eines heißen Schauderns, brachte seinen Leib zum Zittern.
Der Armbrustbolzen.
Ungeachtet des Schutzzaubers hatte er sein Ziel nicht verfehlt. Der Bolzen ragte aus Tighans Brustkorb hervor, bohrte das tödliche Ende genüsslich in seinen Leben spendenden Muskel. Angespomt von dem darin verwahrten Sonnenfunken kämpfte das Herz des Lichtzauberers verbissen um jeden Schlag und jeden Tropfen Blut, den es durch Tighans Adern zu pumpen galt. O'Brannick schnappte nach Luft. Atemzug für Atemzug schien vergebens zu sein, und allmählich bemächtigte sich schwarzer Nebel seines Blickfelds. Er wusste, dass ihn jetzt nur noch die Macht der Sonne am Leben hielt. Ohne sie wäre er längst tot. Erschossen durch Neal Morton. Aus seiner Existenz gerissen von dem kaltblütigsten Menschen, der den Kreisen der Nachtzauberer jemals entsprungen war. Stöhnend vor Qual hob Tighan die rechte Hand, krallte die Finger um das freiliegende Ende des Bolzens. Wenn er sich nicht beeilte, dieses verdammte Ding loszuwerden, dann würden selbst seiner Magie bald die Kräfte schwinden. Sie war stark, das ja, aber keineswegs allmächtig. Versiegte ihre Gegenwehr, war es endgültig aus. Mit ihm. Mit der letzten Hoffnung auf die Heilung der Sonne. Mit allem, wofür die Zunft der Dharoi'Sola, der Zirkel der weißen Katze und ihre Verbündeten je gekämpft hatten. Als schlimmste der denkbaren Möglichkeiten bedeutete es vielleicht sogar eines viel zu nahen Tages das Ende der Völker des gesamten Weltenrunds.
Ich hab die Schnauze voll vom Versagen, brachte er stumm seinen Trotz zum Ausdruck.
Der Lichtzauberer bemerkte nur am Rande, dass um ihn herum das Chaos ausbrach. Schwerfällig den Blick hebend, nahm er verschwommene, durch die Schankstube hastende Silhouetten wahr. Er fühlte das sandige, aus gewirkten Zaubern geborene Kribbeln auf der Haut. Als würden sie durch dicke Federkissen gedämpft, drangen Schreie an sein Ohr, geprägt von Schmerz und Angst. Vor allem aber von Zorn.
O'Brannick sammelte jedes Quäntchen der ihm noch verbliebenen Kraft für eine einzige Bewegung und zog an dem Bolzen. Bei des Henkers Bart! Das verfluchte Ding blieb starr an Ort und Stelle stecken. Offenbar war es magisch verstärkt, und zwar mit einem Zauber der besonders hartnäckigen Sorte. Ächzend zerrte der Dharoi'Sola fester an dem Stück metallbesetzten Holzes, das ihn über des Todes Schwelle treiben wollte. Doch das Ergebnis blieb dasselbe. Der Bolzen klebte förmlich in seinem Fleisch fest und dachte gar nicht daran, Tighans stetig schwächer werdendes Herz freizugeben.
Für den Bruchteil einer Sekunde setzte seine Wahrnehmung aus. Sämtliche der ihn einhüllenden Kampfgeräusche verwandelten sich in einen flüsterleise tosenden Strudel, zerrten Tighan hinab in ein Meer gewebt aus Finsternis. Friedliches, sorgloses Schweigen umfing ihn. Stille, derer er mit einem verzweifelten Aufschrei ebenso jäh entsagte, wie sie über ihn gekommen war. Zum dritten Mal zwang er den immer fahriger agierenden Muskeln seinen Willen auf. Er packte den Armbrustbolzen fester. Legte nicht nur jedwede physische, sondern auch sämtliche mentale Kraft in sein Vorhaben. O'Brannick zweigte so viel der lichtemen Magie von seinem Herzen ab, wie er entbehren konnte, ohne augenblicklich zu sterben. Das Mal auf seiner Hand erstrahlte in hellem Gold. Es spendete ihm das letzte bisschen notwendige Kraft, um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, und endlich bewegte sich der Bolzen.
Tighan schrie auf, als die Spitze sich widerstrebend aus seinem Herzen löste, das raue Material Stück für Stück an Fleisch, Muskeln und Sehnen entlang schabte. Zugleich spürte er, wie sein Licht ihn zu heilen begann. Hinter seinen Rippen erwachte neuer Tatendrang. Panisches Hämmern wandelte sich in einen gesunden, regelmäßigen Takt, der die dazugehörigen Adern mit frischem Lebenssaft tränkte. Sein ermatteter Leib entstieg einem Sumpf der Lethargie. O'Brannicks nahezu versiegte Sinne erinnerten sich wieder ihres Amtes. Undefinierbare Geräusche klarten auf. Konturlose Bilder gelangten zu alter Schärfe. Er blinzelte, scheuchte die letzten Ausläufer des vor seinen Augen schwebenden Todesschleiers fort. Tighan wurde Zeuge, wie Siobhán und Ira vehement versuchten, sich gegen die Attacken der in die Schankstube eingefallenen Gerechten zu wehren. Erleichtert erkannte er, dass ein milchiger Dunst den Fiagi umgab. Es war ein Schildzauber, den er zweifellos der Dharoi'Chairas zu verdanken hatte und dessen Wirken ihm half, den zaubereibefähigten Gegnern trotz ungleicher Machtverteilung die Stirn zu bieten. Als müsste er sich vor seinem alten Freund beweisen, veranschaulichte O'Mally diese Tatsache und trieb einem der Angreifer sein Schwert durch den Hals.
O'Brannick grinste.
Gut gemacht, Ira.
Dann wurde eine Frage laut.
Wo zur Sonne steckte Morton, der verdammte Hurensohn? Die Antwort kam in Form des Nachtzauberers persönlich, der sich wie aus dem Nichts auf Tighan stürzte. Bevor der überhaupt reagieren konnte, holte Morton aus und verpasste ihm einen deftigen linken Haken gegen die Schläfe. Der Treffer bändigte jegliche Gegenwehr. Benommen fiel der Dharoi'Sola in sich zusammen. Seine kraftlos gewordene Hand gab den beinahe seiner Brust entglittenen, blutbesudelten Armbrustbolzen frei, bevor sie zu Boden sank.
»Hast du ernsthaft gedacht, ich würde dabei zusehen, wie du dir das Leben rettest?«, spottete Morton, während er die Finger um den Bolzen schloss. »Das könnte dir so passen, du dämlicher Scheißer.«
Nachtäther verdichtete sich um die Hand des Ersten Vorsitzenden. Er drang in das Geschoss ein und verlieh dem darauf liegenden Zauber neue Macht. Prompt kam der Bolzen in Bewegung. Morton ließ los und wich zurück. Wie von Geisterhand arbeitete sich das stahl gespickte Stück Holz zum Herzen seines Opfers vor. Langsam, dieses Mal. Genüsslich, so als würde es nicht von Magie, sondern vom Oberhaupt der Gerechten selbst geführt, der das Reißen jeder einzelnen im Weg befindlichen Faser durch die Vibrationen des Armbrustbolzens fühlen wollte. Tighan stieß einen erstickten Laut aus, als die Metallspitze neuerlich durch sein Fleisch glitt. Allerdings hatte die damit verbundene Pein auch etwas Gutes, denn dank ihr kehrte schlagartig sein schwindendes Bewusstsein zurück. Hastig griff er nach dem Bolzen, setzte dazu an, ihn mit einem durch Magie unterstützten Ruck endgültig loszuwerden. Schon glühte das Mal des Sonnenfunken auf. Entfesselte Lichtmagie bot dem von Neal Morton angestachelten Nachtäther die Stirn. Der Bolzen erstarrte. Der Erste Vorsitzende des Zirkels der Gerechten entlud ein raubtierhaftes Geräusch in die von Schwertklingen, Kampf und Magie aufgewühlte Luft. Er warf sich mit seinem gesamten Gewicht auf O'Brannick, um es zu Ende zu bringen, kam aber nicht weit.
Bevor Morton seine Absicht umsetzen konnte, das Herz des Lichtzauberers unter Einsatz roher Manneskraft zu durchstoßen, rauschte ein Schatten aus graurot gestromtem Fell heran und riss ihn mit sich. Die Gelegenheit beim Schopfe packend, entledigte Tighan sich endlich des Bolzens und schleuderte ihn fort, so weit es ging. Sofort ergoss sich ein Schwall Blut aus der klaffenden Wunde, und Wärme strömte in das schwer geschädigte Fleisch. Flink wie eh und je verwob die lichterne Magie die von dem Geschoss geschaffene Verletzung. Sie fügte Faser um Faser zusammen, dämmte Schmerz und Blutung ein. Schwankend kam O'Brannick auf die Beine. Er fuhr herum, als ein schrilles Jaulen an seine Ohren drang.
»Flint!«
Er sah noch, wie der Hund ungeachtet des bis zum Heft in seiner Kehle steckenden Dolches ein letztes Mal nach Neal Mortons Gesicht schnappte. Dunkles Blut troff von seiner Zunge, sprenkelte die vernarbte Fratze des Nachtzauberers. Der stieß Flints erschlaffenden Körper unter einem triumphierenden Ausruf zur Seite. Dann befreite Morton seine Waffe und sprang für einen Mann seines Alters erstaunlich behände auf die Füße.
»Du tausendfach sonnenverfluchter Bastard!«, brüllte Tighan....




