Hammer | Die Nordwind-Saga - Die Rivalen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 218 Seiten

Reihe: Die Norwegen-Saga

Hammer Die Nordwind-Saga - Die Rivalen

Roman | Die Norwegen-Saga, Band 3: Ein folgenschweres Geheimnis kommt ans Licht
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-363-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Die Norwegen-Saga, Band 3: Ein folgenschweres Geheimnis kommt ans Licht

E-Book, Deutsch, Band 3, 218 Seiten

Reihe: Die Norwegen-Saga

ISBN: 978-3-98952-363-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Dramatische Geständnisse drohen, die Familie für immer auseinanderzureißen ... Norwegen, im 19. Jahrhundert: Nur dank des Vogts Ask Bergan konnte Rakel Ovreid, die Tochter eines Großbauern, einem schrecklichen Schicksal entgehen. Durch seine Hilfe gewinnt Bergan ein Stückweit ihr Vertrauen - und ihre Zuneigung ... Rakels Großmutter jedoch, die den Hof in die Hände des Nachbars Svartangen geben wollte, offenbart ein altes Geheimnis und bricht endgültig mit der Familie. Rakels Vater ist erschüttert und schwört Svartangen Rache. Zwischen all dem steht Rakel - und kann ihrem Vater doch nicht helfen, denn eine Andere braucht ihre Unterstützung sehr viel dringender: Ihre gute Freundin Jenny, die fälschlich des Diebstahls bezichtigt wurde und deren Leben nun in Gefahr schwebt ... Eine junge Großbäuerin - ein Schicksal, bestimmt von Liebe, Intrigen und den Schatten der Vergangenheit ... Der dritte Band dieser bewegenden Familiensaga wird Fans von Ines Thorn und Arabella Meran begeistern.In Band 4 kommt Rakel dem attraktiven Vogt näher - und ihrer eigenen Vergangenheit ...

Elisabeth Hammer ist eine norwegische Autorin, die sich für ihre Geschichten von Natur, Musik und Träumen inspirieren lässt. Sie setzt sich für die Schwachen in der Gesellschaft ein und hat ein großes Herz für Tiere und Kinder. In ihrer Freizeit liest sie gerne alles von Fantasy bis hin zu Kriminalromanen, schaut Fernsehserien oder Fußball und unternimmt lange Spaziergänge. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Norwegen-Saga mit den Bänden »Die Nordwind-Saga - Das Findelkind«, »Die Nordwind-Saga - Die Verlobung«, »Die Nordwind-Saga - Die Rivalen«, »Die Nordwind-Saga - Das brennende Haus« und »Die Nordwind-Saga - Das Vermächtnis«.
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Kapitel 1


Borre, 29. Juli 1855

Rakel glaubte, sich verhört zu haben. Befand sich die Stimme, die gerade ihre Vermählung unterbrochen hatte, vielleicht nur in ihrem Kopf? Doch dann hörte sie die versammelten Gäste ungläubig nach Luft schnappen und verstand, dass es wirklich geschah. Jemand war zu ihrer Rettung gekommen. Sie wirbelte herum, um zu sehen, wem die Stimme gehörte. Zu ihrer Überraschung war es Ask Bergan.

»Wir müssen reden, Herr Ovreid«, fuhr der Dorfvogt fort. »Und zwar, bevor Ihre Tochter ihr Jawort gibt.« Obwohl er sich an ihren Vater richtete, sah er unverwandt Rakel an.

»Was soll der Unsinn?« Ingvald Svartangen sprang von der Bank auf. »Wie können Sie es wagen, die Vermählung zu unterbrechen?«

Der Dorfvogt überhörte seinen Einwurf, wandte ihm den Rücken zu und trat näher an Rakels Vater heran.

»Die Sache ist wichtig und wird nicht lange brauchen«, fuhr er eindringlich fort.

»Nun gut«, antwortete der Vater und erhob sich. »Entschuldigen Sie, Pastor Førland, aber sicher sind wir in ein paar Minuten fertig. Ich bitte Sie darum, den Rest der Vermählung aufzuschieben, bis ich zurück bin.«

Ein Gemurmel ging durch die Versammlung, als er in den Mittelgang trat und dem Vogt aus der Kirche folgte.

»Da hört sich doch alles auf!« Svartangen kam nach vorne zum Altar gestürmt. »Machen Sie gefälligst mit der Hochzeit weiter.« Er trat einen Schritt auf den Pastor zu. »Los, fahren Sie fort, und zwar auf der Stelle!«

»Aber ...«, stammelte der Pastor. »Ich, äh, also gut. Wo war ich? Fräulein Ovreid, wollen Sie ...«

»Nein«, unterbrach Rakel ihn. »Nein, das will ich nicht.«

Damit raffte sie ihren Rock und lief ebenfalls durch den Mittelgang nach draußen.

Auf der Eingangstreppe blieb sie stehen und sah sich um. Ihr Vater und Ask Bergan unterhielten sich in der Nähe und sie ging auf die beiden zu.

»Damit die Besitzurkunde gültig ist, muss sie ins Grundbuch eingetragen sein«, hörte sie den Dorfvogt sagen. Er blickte hoch und sah sie auf der Treppe, fuhr jedoch ohne Unterbrechung fort: »Ich habe Zeit gebraucht, um herauszubekommen, wo sich die alten Grundbücher befinden. Aber schließlich ist es mir gelungen. Und dort ist nirgends verzeichnet, dass Svartangen das Recht hat, die Hälfte von Ovreid zu übernehmen.«

»Soll das heißen, die Urkunde ist ungültig?«, fragte der Vater.

Rakel stand ganz still. Hinter ihr ging die Kirchentür auf, und sie blickte kurz über die Schulter, um zu sehen, wer herauskam. Überrascht stellte sie fest, dass es Herr Disen war. Sie hatte ihn in der Kirche nicht bemerkt, allerdings hatte sie auch anderes im Kopf gehabt, als sie den Mittelgang entlanggeschritten war.

Er warf ihr ein zögerndes Lächeln zu und stellte sich an ihre Seite.

»Ganz genau«, sagte der Vogt, und Rakel konzentrierte sich wieder auf das Gespräch zwischen ihm und ihrem Vater. »Ich habe auch Svartangens Anwalt aufgesucht und nach vielem Hin und Her hat er mir die Urkunde ausgehändigt.« Er reichte dem Vater das Blatt, das er in der Hand hielt. »Wie man sehen kann, ist das Dokument fehlerhaft. Abgesehen vom fehlenden Eintrag ins Grundbuch gibt es auch keine Unterschrift von Zeugen. Mit anderen Worten, die formalen Ansprüche sind nicht erfüllt, und die Urkunde ist ungültig.«

Der Vater ergriff das Dokument und studierte es mit großem Ernst. »Wie es aussieht, haben Sie recht«, sagte er nachdenklich. »War dem Anwalt klar, dass sie ungültig ist?«

»Ja«, antwortete der Dorfvogt. »Sowohl er als auch Svartangen waren sich dieser Tatsache bewusst. Im Übrigen hatte der Anwalt ihn vorgewarnt, dass er verlieren würde, wenn er vor Gericht ginge.«

»Also hat Svartangen versucht, uns zu betrügen?«

»Anscheinend«, antwortete der Dorfvogt und sah in Rakels Richtung. »Nun braucht das Fräulein Ovreid nicht zu heiraten, damit Ihre Familie den Hof behält.«

Der Vater sagte nichts. Er blickte sehr nachdenklich drein.

»Sie haben mich gebeten, eine Lösung zu finden, damit Sie kein Arrangement mit Ihrem Nachbarn eingehen müssen«, fuhr Bergan fort. »Das habe ich getan. Auch wenn ich länger als erwartet gebraucht habe, um die Wahrheit aus dem Anwalt herauszuholen.«

Rakel hatte einen gewissen Verdacht, wie es ihm gelungen war. Mit Gewalt, Drohungen oder vielleicht Erpressung, nahm sie an. Aber diesmal konnte sie sich nicht dazu bringen, ihm seine Methoden vorzuwerfen.

»Ich bin Ihnen dankbar für die Anstrengungen, die Sie unternommen haben«, antwortete der Vater. »Und tatsächlich bin ich in Versuchung, die ganze Hochzeit abzublasen, aber wir haben schließlich zu einer großen Gesellschaft geladen. Alle Leute aus der Umgebung kommen, und wenn wir die Feier absagen, wird daraus ein riesiger Skandal. Besonders für Rakel würde die folgende Zeit hart werden.«

»Ich denke, Syver als Ehemann zu bekommen, wäre bei Weitem schlimmer für sie«, erwiderte Bergan kühl.

»Möglich«, sagte der Vater, »aber hier geht es nicht länger nur um meine Tochter. Wenn die beiden Höfe zusammengelegt werden, bekommen wir ein Anwesen, dessen Größe in der Umgebung seinesgleichen sucht. Ich glaube nicht, dass ich mir eine solche Möglichkeit einfach durch die Finger rutschen lassen kann.«

Rakel hätte über diese Bemerkung wütend sein können, aber vor allem war sie tief verletzt. Also hatte sie richtig vermutet: Großbauer zu werden, war ihrem Vater wichtiger als das Schicksal seiner Tochter. Gerade wollte sie auf ihn zumarschieren und ihn deshalb zur Rede stellen, als ein warnender Blick des Dorfvogts sie zögern ließ.

»Was ist, wenn ich Ihnen sage, dass Sie ein großes Anwesen bekommen können«, fuhr Bergan fort, »ohne Fräulein Rakel mit Syver zu verheiraten, und ohne den Hof mit Svartangen teilen zu müssen?«

Rakel sah, wie ihr Vater sich kerzengerade aufrichtete. Sie selbst hielt den Atem an und wartete auf die Fortsetzung.

»Was wollen Sie damit sagen?«, fragte der Vater.

»Im Grundbuch fehlt nicht nur dieser Eintrag«, erklärte Bergan. »Die ältere Urkunde lässt sich darin ebenso wenig finden. Ich meine den Vertrag, durch den das Land überhaupt geteilt wurde, sodass der Svartangen-Hof nicht länger ein Teil von Ovreid ist.«

»Soll das heißen …?«

»Allerdings«, gab der Vogt zur Antwort. »Es gibt keinen Beweis dafür, dass Ihr Ururgroßvater einen Teil seines Besitzes überschrieben hat.«

»Wollen Sie sagen, der Svartangen-Hof gehört immer noch Ovreid?«

»Ja«, bestätigte er ernst. »Sie könnten beide Höfe übernehmen und die Svartangens vor die Tür setzen, wenn Sie es so wünschen.«

Der Vater hatte plötzlich die Macht, den Nachbarn ihren Hof wegzunehmen? Rakel konnte kaum glauben, was sie da hörte.

Sie ging auf die beiden Männer zu. »Das kannst du nicht machen, Vater!«, sagte sie. »Wenn du versuchst, sie aus ihrem Zuhause zu vertreiben, werden sie vor Wut ganz außer sich sein. Und Syver ist gefährlich. Er könnte den Entschluss fassen, sich zu rächen.«

»Verdammt«, knurrte der Vater. »Ja, das stimmt schon. Aber Syver ist der Gehilfe des Dorfvogts von Borre. Er wird bestimmt nichts allzu Dummes anstellen.«

»Vater, bitte, hör auf mich! Ich kenne Syver und er …«

»Willst du nun, dass wir diese Ehe vermeiden können, oder nicht?« Der Vater hob die Augenbrauen und sah sie verständnislos an.

»Ja schon, aber ...« Sie wusste nicht, was sie sonst noch sagen sollte. Stattdessen warf sie einen anklagenden Blick auf den Dorfvogt. Er wusste genau, wie unberechenbar Syver sein konnte. Wieso blieb er stumm?

Nun kamen hinter Rakel die Gäste aus der Kirche geströmt. Anscheinend hatten sie genug vom Warten, und ihnen war klar geworden, dass sich das Drama draußen abspielte. Dabei hatten sie keine Ahnung, welche Szenen in naher Zukunft noch bevorstanden, dachte Rakel düster. Sie war sicher, dass der Vater sich diese Chance auf einen ungeteilten Hof nicht entgehen lassen würde.

»Wie muss ich vorgehen?«, fragte er auch schon, übersah Rakel vollständig und starrte den Dorfvogt durchdringend an.

»Zuerst brauchen Sie einen Anwalt«, erklärte Bergan. »Sorgen Sie dafür, dass alle Formalitäten erledigt sind, bevor Svartangen klar wird, was Sie planen.«

Die ganze Zeit hatte Herr Disen kein Wort gesagt, doch nun räusperte er sich und trat vor. »Vielleicht kann ich Ihnen behilflich sein?«, bot er an. »Ich habe eine Ausbildung zum Anwalt und kenne mich mit solchen Fragen ein wenig aus.«

Rakel sah, dass Bergan die Augen verdrehte, doch er mischte sich nicht weiter ein.

»Sie sind Herr Disen, nicht wahr? Der Kollege meiner Schwester an der Bjerke-Schule?«, fragte der Vater.

»Ganz recht«, antwortete Herr Disen, nahm die angebotene Hand und schüttelte sie.

»Dann hoffe ich, dass Sie mit uns nach Ovreid kommen, damit wir näher darüber sprechen können«, sagte der Vater mit einem kräftigen Händedruck.

»Was geht hier draußen vor?« Nun kam Svartangen aus der Kirche gestürmt. Seine Augen waren schwarz wie die Nacht und sein Gesicht starr vor Wut. Hinter ihm drückte sich auch Syver herum. Er hatte einen wilden Blick in den Augen, den Rakel schon kannte. Herausfordernd blickte er umher, bis er sich plötzlich versteifte: Er hatte Bergan ins Auge gefasst und ging auf ihn los.

»Syver, nicht!«, rief sie. Zu mehr hatte sie keine Zeit, doch immerhin war Bergan gewarnt. Er wirbelte rechtzeitig herum, sodass er der geschwungenen Faust ausweichen konnte. So leicht gab Syver jedoch nicht auf. Kaum hatte er sein Gleichgewicht wiedergefunden, warf er sich erneut auf den Vogt. Bald ging es Schlag...



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