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Hanley Der magische Elfenbund - Zarias Geheimnis
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8387-2681-6
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 446 Seiten
Reihe: Baumhaus
ISBN: 978-3-8387-2681-6
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sehnsüchtig erwartet Zaria ihren 14. Geburtstag. Endlich wird sie ihren eigenen Zauberstab bekommen! Schnell wird klar, dass Zaria und ihre Freundin Leona keine gewöhnlichen Elfen sind. Beide sind mit ganz besonderen magischen Kräften gesegnet. Sie sind Violette - etwas, das es seit vielen Generationen nicht mehr gegeben hat. Von ihrer Mentorin Lily soll Zaria zu einer richtigen Elfe ausgebildet werden. Doch Lily will Zarias magischen Kräfte für ihre eigenen Zwecke nutzen. Nicht nur Zaria und Leona geraten bald in tödliche Gefahr! Mit atemberaubender Fantasie und mitreißender Dramatik nimmt die preisgekrönte Autorin Victoria Hanley ihre Leser mit in eine zauberhafte Welt voller Elfen, Magie und Abenteuer. Eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Macht, Loyalität und Verrat.
Weitere Infos & Material
Elfenflügel und -füße sind magisch verstärkt: Ohne Magie wären die Flügel einer Elfe und die Füße eines Elfs nicht stark genug, um sie zu tragen. Aber alle können fliegen, ganz gleich, welcher Magie-Stufe oder Farbe. Das ist der eine große Ausgleich: Obwohl Fliegen eine magische Tätigkeit ist, verbraucht es keine Radia.
ORVILLE GOLD,
VERFASSER DER CHRONIKEN VON ELFENLAND
Nachdem Blutstein die Fesseln wieder um Leonas Flügel gelegt hatte, befahl er der Klasse, zur Schule zurückzukehren. »Dort werden Frau Danburit und ich eure Stufen und Farben registrieren.«
Kurz darauf stand ich allein mit Andalonus und Leona im Hof. Alle, auch Meteor, waren gegangen.
»Danke, dass du versucht hast, mir zu helfen«, sagte ich zu Leona.
Sie nickte. »Ich wünschte, mein Onkel wäre nicht so ein Trog.«
»Ich habe noch nie von jemandem mit Magie-Stufe zweihundert gehört«, meinte Andalonus. »Ich wusste nicht, dass es das überhaupt geben kann. Und Violett! Du wirst in die Geschichte eingehen, Leona.«
»Was ist mit dir?«, fragte sie ihn. »Öffne deine Uhr!«
Er hüpfte ein wenig auf und ab. »Ich rechne mit keiner hohen Stufe oder starken Farbe. Seit ich vierzehn geworden bin, habe ich keine Veränderung an mir feststellen können.« Er klappte den Deckel der Uhr auf.
»Warte.« Ich legte ihm die Hand auf den Arm. »Was auch immer du bist, für mich ändert es nichts.«
»Gut«, erwiderte er. »Aber es ändert wahrscheinlich eine Menge für mich.« Er blickte auf seine Uhr. Mit einem Seufzer klappte er sie wieder zu und ließ den Arm sinken. »Es ist noch schlimmer, als ich dachte«, sagte er. »Meine Familie hat sich mindestens Stufe sieben Orange erhofft, aber ich bin Stufe vier, volles Rot.«
Andalonus, ein roter Elf? Er hatte nur hundert angeborene Radia-Einheiten und Leona fünf Millionen?
Er ließ die Schultern hängen. »Ich werde nie zur Erde reisen.«
Leona hielt ihren Zauberstab hoch und drehte ihn, als wollte sie jedes kleinste Detail an ihm bewundern. »Wenn alle zur Erde reisen könnten, wäre es nichts mehr Besonderes, oder?«
Warum äußerte sie sich vor Andalonus so abfällig über seine Farbe? Was war heute nur mit ihr los? Ich schüttelte verärgert den Kopf, während Andalonus sich an den Ohren zog und schwieg.
»Jetzt du, Zari«, sagte Leona. »Was ist deine Farbe?«
»Ist mir egal«, erwiderte ich.
»Du willst deine Uhr nicht öffnen?«
»Später.«
Leona warf mir einen verärgerten Blick zu. »Das Ergebnis ist dasselbe, ganz egal, wann du es tust!«
Ich verschränkte beide Hände um meinen schmalen Kunststoffzauberstab und versuchte, die wohlige Wärme meiner Magie in meine eiskalten und schmerzenden Flügel fließen zu lassen.
Andalonus tat sein Bestes, mir und Leona zurück zur Schule zu helfen. Als wir dort ankamen, hatte sich ein qualvoller Dunstschleier über jeden Teil meines Körpers gelegt. Ich versuchte nicht mehr, den Schmerz zu verbergen.
Blutstein und Danburit standen mit Stiften in der Hand vor der Klasse und winkten uns nach vorne. Vor ihnen stand eine Kupferstaffelei, an der eine Schriftrolle mit den Namen aller Schüler sowie ihrer Stufen und Farben befestigt war. Wie erwartet waren die meisten Namen als Rot registriert und verfügten über Magie-Stufe 4 oder 5. Es erschien mir so ungerecht.
»Andalonus?«, fragte Blutstein und klopfte auf die Schriftrolle. »Stufe und Farbe?«
»Stufe vier, volles Rot«, antwortete Andalonus.
Blutstein notierte seinen Rang und wandte sich dann an Leona. Ein zufriedenes Strahlen lag auf seinem Gesicht, so als hätte er ein Stück Seide über seine zerfurchten Gesichtszüge gespannt. »Leona Blutstein. Stufe Zweihundert, Violett halbvoll«, schrieb er schwungvoll. »Unsere Klasse wird in die Annalen eingehen, Beryl. Wir haben einen blauen Elf und eine violette Elfe.«
Beryl sah ihn verdrossen an.
»Zaria hat ihre Uhr noch nicht geöffnet«, verkündete Leona allen.
»Komm her, Zaria«, befahl mir Blutstein und winkte mich mit einem knorrigen grauen Finger herüber.
Ich wankte nach vorne und hielt Beryl mein Handgelenk hin. Sie schüttelte den Kopf über mich, klappte dann aber den Deckel meiner Uhr auf.
Sie starrte für einen wie mir schien endlos langen Moment mit ausdrucksloser Miene auf mein Handgelenk. »Da hol mich doch ein Troll«, murmelte sie. Sie kniff die Augen zusammen, blinzelte, kniff sie wieder zusammen.
»Was ist los?«, fuhr Blutstein sie an. »Schon wieder Rot? Bei Oberons Krone, Frau Danburit, reißen Sie sich zusammen. Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollten nicht mehr erwarten.«
Ich zog meine Hand zurück und blickte in einen funkelnden Kristall, den man so lange poliert hatte, bis er ganz durchsichtig war. Auf dem Zifferblatt waren sechs Farben in sechs gleich großen Abschnitten zu sehen: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. In der Mitte zeigte ein winziges Rechteck die leuchtende Zahl 100 an.
»Welche Stufe?«, fragte Blutstein scharf.
»Ähm. Einhundert«, sagte ich.
Sein zerfurchtes Gesicht erstarrte. »Bist du sicher?«
»Ja«, bestätigte ihm Beryl. »Ich habe es gesehen.«
Er notierte die Zahl und drückte dabei so fest auf, dass ich dachte, sein Stift würde jeden Augenblick entzweibrechen. »Und deine Farbe?« Die Worte kamen ihm wie herabfallende Steinsplitter über die Lippen.
Ich blickte noch einmal auf die Uhr. Zwei schwarze Zeiger gaben die Zeit an: halb drei Uhr nachmittags. Ein dritter Zeiger aus Gold zeigte auf die Linie zwischen dem violetten und dem roten Bereich.
»Deine Farbe, Zaria!«
»Ich bin mir nicht sicher.«
»So ein Unsinn.« Er schüttelte seinen Stift, und Tintentropfen spritzten auf sein Gewand. »Zeig her.«
Widerwillig streckte ich ihm mein Handgelenk hin. Er beugte sich darüber und musste zweimal hinsehen. »Unmöglich.«
»Zeigt er auf keine Farbe?«, fragte ich.
»Das bedeutet nicht keine Farbe, Zaria«, antwortete Beryl ganz gelassen. »Das bedeutet volles Violett.«
Mit einem Schlag befand ich mich in einer anderen Welt, einer Welt voller unbändiger Freude, unter die sich ein Gefühl der Verzweiflung und großer Kummer mischte. Freude, weil Blutstein von nun an Respekt vor mir zeigen musste und Leona und ich jetzt Freundinnen bleiben konnten, ohne uns über unseren Rang Gedanken machen zu müssen. Verzweiflung und Kummer, weil meine Mutter nie erfahren würde, dass ich eine violette Elfe war, und mein Vater nie meine Farbe vom Dach ausrufen würde.
Dann wurde mir wieder die Anwesenheit meiner Lehrer bewusst, wobei Beryl mich ansah, als hätte sich eine gewöhnliche Blume vor ihren Augen in einen Schmetterling verwandelt, während Blutstein aussah, als könnte sein aschfahles Gesicht jeden Moment in tausend Stücke zerspringen.
»Das werde ich nicht aufschreiben«, protestierte Blutstein. »Gib mir deine Uhr, Zaria. Sie ist defekt.«
»Defekt?«, fragte ich.
Auf einmal stand Leona neben mir. »Hör auf, Onkel«, sagte sie. Ihre Stimme knisterte vor zurückgehaltener Wut. »Denk an die Schande, die du über dich bringst, wenn du Unrecht hast.«
Blutsteins Lippen verzogen sich zu einer harten grauen Linie. Leona zwang ihn wegzusehen. Ich dachte, er würde gleich einen schrecklichen Zauber herausschreien, doch er warf mir stattdessen nur einen hasserfüllten Blick zu, bevor er volles Violett neben meinen Namen schrieb.
Ich verneigte mich. Es schien mir die einzige angebrachte Geste. Er ignorierte mich.
Leona durchbrach die peinliche Stille, bevor sie sich weiter in die Länge zog. »Bin ich mächtiger als Zaria, oder ist sie mächtiger als ich?«, fragte sie Blutstein.
Er riss sich zusammen und verfiel für die Klasse in seine Dozentenstimme. »Erinnert euch an eure Lektionen! Leona ist doppelt so mächtig wie Zaria, weil sie Magie-Stufe Zweihundert besitzt. Zaria wird niemals Magie jenseits der Hunderterstufe ausüben können.«
»Aber Zaria verfügt über doppelt so viele Radia-Einheiten«, wandte Beryl ein.
Im Klassenzimmer breitete sich Unruhe aus. Unsere Klassenkameraden flatterten unkontrolliert mit den Flügeln oder hüpften nervös auf und ab.
»Herr Blutstein«, rief Cora, »wie ist es möglich, dass Leona Magie-Stufe zweihundert hat?«
»Meine Mutter hat mir gesagt, dass selbst die fortgeschrittensten Zaubersprüche nur Stufe einhundert benötigen!«, schrie Portia.
Blutstein riss das Zepter wieder an sich. »Deine Verwunderung ist völlig gerechtfertigt. Auch ich weiß von keinen Zaubern, die mehr als Magie-Stufe einhundert bedürfen.« Er verneigte sich in Leonas Richtung. »Wir befinden uns in der Gegenwart wahrer Größe.«
»Aber was wird sie mit einer so hohen Magie-Stufe anfangen?«, quietschte Cora.
»Diese Frage wird sie mit ihrem Mentor besprechen müssen«, erwiderte Blutstein. Er machte eine ausschweifende Armbewegung. »Wir sind für heute fertig. Vergesst nicht, eure Zauberstäbe erst dann zu benutzen, wenn ihr Anweisungen von euren Mentoren erhalten habt. Diese werden euch morgen zugeteilt, an unserem letzten Schultag. Ihr könnt jetzt...




