E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Hannay Ein Prinz für Dornröschen
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5818-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5818-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Mann und eine Frau - gestrandet in der Wildnis Australiens. Trotzdem hat die zarte Grace keine Angst, denn sie vertraut ihrem Boss, dem berühmten Regisseur Mitchell Wentworth. Und sie erlebt ein erotisches Abenteuer, das sie nie vergisst!
Die Kreativität war immer schon ein Teil von Barbara Hannays Leben: Als Kind erzählte sie ihren jüngeren Schwestern Geschichten und dachte sich Filmhandlungen aus, als Teenager verfasste sie Gedichte und Kurzgeschichten. Auch für ihre vier Kinder schrieb sie und ermutigte sie stets dazu, ihren kreativen Neigungen nachzugehen. Doch erst als sich die beruflichen Träume ihre Kinder erfüllt hatten, dachte Barbara Hannay ernsthaft darüber nach, ihre eigenen künstlerischen Ambitionen zu verfolgen. Zu diesem Zeitpunkt unterrichtete sie eine elfte Klasse in zeitgenössischer Literatur und entdeckte dabei eher zufällig das Genre Liebesgeschichten. Romances begeisterten sie - sie las sie leidenschaftlich gern, und wenig später begann sie mit ihrem ersten Manuskript. Um hauptberuflich als Autorin zu arbeiten, brach sie sogar ihr weiterführendes Studium an der University of Queensland ab. Der bevorzugte Schauplatz für ihre Romances ist das australische Outback. Wie schön diese Landschaft ist, hat sie bei verschiedenen Campingurlauben und Kanutouren erlebt. Barbaras Ehemann, der früher Journalist und Herausgeber einer Zeitschrift war, hat sie immer sehr unterstützt. Inzwischen wohnen sie auf Magnetic Island, einer paradiesischen Insel, die zum Great Barrier Reef gehört und ein geschütztes Landschaftsdenkmal ist. Für Barbara ist es einer der schönsten, unberührtesten Plätze der Welt und zudem nur 20 Minuten mit der Fähre vom lebhaften Townsville entfernt.
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1. KAPITEL
Grace Robbins griff in ihre große Reisetasche und zog zögernd ihre schwarze Spitzenwäsche heraus. Nervös spielte sie mit der zarten Zierkante. Wie, um alles in der Welt, sollte sie Marias unerhörten Vorschlag in die Tat umsetzen?
„Das Problem ist, dass du von Natur aus prüde bist“, teilte Grace ihrem Spiegelbild mit. Es behagte ihr gar nicht, sich vor einem Mann zur Schau zu stellen. Sie seufzte. Vielleicht sollte sie einfach einen Schritt nach dem anderen tun. Sie war schon in die Wohnung ihres Freundes gekommen, ohne dass er es wusste. Wenn sie jetzt diese Wäsche unter ihrer Kleidung anziehen würde, könnte sie später noch entscheiden, ob sie den verrückten Plan, den ihre Freundin ausgeheckt hatte, weiterverfolgen wollte.
Als sie die Wäsche angezogen hatte, hielt Grace inne und betrachtete sich in dem hohen Spiegel. Der Effekt ihres Körpers im Türrahmen, mit nur einem Hauch sinnlicher schwarzer Spitze bekleidet, war erstaunlich. Vielleicht hatte Maria doch recht. Auch Henry würde überrascht sein.
Grace schnitt dem Spiegel ein Gesicht und versuchte, eine sexy Pose einzunehmen. Sie sah lächerlich aus. Sie probierte eine andere, zurückhaltendere Pose. ‚Du meine Güte‘, dachte Grace, ‚was versuche ich da? Das bin ich einfach nicht.‘ Die femme fatale war einfach nicht ihre Rolle. Grace sah auf die Uhr und entschied, dass sie noch genügend Zeit hatte. Henry würde frühestens in einer Stunde zurückkommen. Sie musste die Angelegenheit ruhig und vernünftig überdenken.
Ruhig und vernünftig? Sie war seit Tagen nicht imstande, einen logischen Gedanken zu fassen. Das war alles Mitch Wentworth’ Schuld! Der neue Chef hatte sie in eine dumme Lage gebracht!
In den letzten zwei Wochen hatte schon der Gedanke daran, dass Mitch Wentworth kommen würde, um die Firma zu übernehmen, jede vernünftige Idee aus Grace’ ansonsten eher klarem Kopf verbannt. Und es waren vor allem Grace’ Wut und ihre Verärgerung über diesen Mann, die Maria auf diese dumme Idee gebracht hatten.
Beim Mittagessen hatte es angefangen. Maria hatte die Ellbogen auf den Tisch in der Cafeteria gestützt und sich zu Grace hinübergelehnt. „Meine Güte“, hatte sie geseufzt, „hör endlich auf, dich über Mitch Wentworth aufzuregen, und konzentriere dich auf die positiven Seiten. Unser neuer Boss ist ein toller Typ! Er wird bald kommen, um Tropicana Films zu übernehmen, und weil du seine Assistentin bist, wirst du mit ihm zusammenarbeiten. Hast du sein Foto auf der Titelseite von Movie Mag gesehen?“
Aus ihrer riesigen Handtasche zog Maria ein Hochglanzmagazin und warf es auf den Tisch.
„Natürlich habe ich es gesehen“, erwiderte Grace und zog angewidert die Nase kraus. „Ich habe einen Blick auf sein selbstgefälliges Lächeln geworfen, und dann wollte ich schon meine Kündigung einreichen, und zwar fix.“
„Selbstgefällig?“ Maria blinzelte ungläubig. „Nun komm schon, er hat doch ein süßes Lächeln! Mitch ist der Spitzenkandidat auf der Liste der G. D. U!“
„Wie bitte?“
„Groß, dunkelhaarig und unmöglich zu kriegen.“
Grace schob die Zeitschrift beiseite. „Ich bin sicher, dass es in seinem Fall bedeutet: Groß, dunkelhaarig und unsympathisch!“
„Die Hälfte der Frauen in der Filmbranche würde sich darum reißen, deinen Job zu bekommen, nur um dieselbe Luft atmen zu dürfen wie Mitch Wentworth.“
„Das reicht!“ Grace seufzte. „Auch von Henry höre ich nur noch, was für ein Glück ich habe, dass ich für den großen Mitch Wentworth arbeiten darf.“
„Henry?“ Maria schnipste triumphierend mit den Fingern. „Jetzt hab ich’s! Nicht Wentworth ist dein Problem. Es ist dein Freund Henry! Das hätte ich mir denken können.“
Grace verdrehte die Augen. „Ich habe den Fehler begangen, ihm die Handlung von Wentworth’ nächstem Film New Tomorrow zu erzählen, und nun verbringt Henry die Nächte damit, irgendwelche Computeranimationen zu entwerfen, die Wentworth seiner Meinung nach unbedingt brauchen wird.“
„Und somit hat er keine Zeit mehr für dich?“
„Genau.“
Grace hatte Henry kennengelernt, als sie gerade von Sydney nach Townsville gezogen war, und es war schön gewesen, jemanden zu haben, der ihr alles zeigte. Aber während der letzten vierzehn Tage hatte sein Wunsch, Grace’ neuen Boss zu beeindrucken, überhand genommen, und in gleichem Maße hatte ihre Begeisterung für Henry nachgelassen.
Grace’ Erfahrungen mit Männern hatten sie sehr vorsichtig werden lassen. Noch immer quälten sie Erinnerungen an Roger die Ratte, der ihr das Herz gebrochen hatte. Nach dieser niederschmetternden Erfahrung brauchte es nicht mehr viel, um sie davon zu überzeugen, dass es in der Berufswelt nur so wimmelte von Männern, die oberflächlich betrachtet zwar großartig, aber so mit ihrem eigenen Ego beschäftigt waren, dass sie über Frauen hinwegtrampelten und sie mit dem Gefühl zurückließen, gebraucht und missbraucht worden zu sein.
Deswegen war sie mit Henry ausgegangen. Er sah nicht so gut aus, hatte jedoch andere Vorzüge, die Grace im Augenblick mehr schätzte. Er war gebildet, ernst und vor allem zuverlässig.
Grace zuckte die Schultern. „Ich denke nicht, dass Henry nicht interessiert ist. Nur lässt er sich leicht … ablenken.“
„Ablenken? Was kann einen wirklichen Mann von deinen langen Beinen und deinen grünen Augen ablenken, ganz zu schweigen von dem, was zwischen beidem liegt?“
Grace lachte kurz auf. „Computer.“
Maria stöhnte und warf den Kopf zurück. Eine Weile sah sie an die Decke der Cafeteria. Dann senkte sie den Blick. „Ihr beide habt aber schon etwas miteinander, oder?“
Grace fühlte sich unwohl. Sie fuhr sich mit den Fingern durch das dichte dunkelblonde Haar. „Das kommt schon noch, da bin ich sicher. Ich habe Henry wirklich … nun … sehr gern. Es ist nur eine Frage des … des Zeitpunktes.“
„Zeitpunktes?“ Maria schüttelte missbilligend den Kopf. „Mein liebes Mädchen, die Antwort ist klar und eindeutig: Du wirst Henry vergessen und höhere Ziele anvisieren.“
„Höhere Ziele? Wie viel höhere? Was meinst du?“
„Mitch Wentworth natürlich. Du könntest dir den neuen Chef schnappen. Du hast sicherlich alles, was man dafür braucht.“ Maria sah an ihrem etwas rundlichen Körper herab und seufzte. „Wenn ich nur nicht so gern Schokolade essen würde.“
Grace sprang auf. „Der neue Chef? Verflixt noch mal, Maria, wo bleibt denn da die Loyalität? Denk doch mal daran, was er unserem alten Boss, George Hervey, angetan hat. Der Ärmste wurde durch diese Übernahme doch einfach aufs Abstellgleis geschickt. Wentworth stürmt Tropicana Films und erwartet, dass alle sofort ‚Ja Chef! Nein, Chef!‘ sagen.“
Grace setzte sich wieder hin. „Danke, dass du mir zugehört hast, aber du bist wirklich auf dem Holzweg. Ich ertrage nicht einmal den Gedanken, dass ich für diesen Mann arbeiten muss … Ich werde endgültig mit Henry zusammenbleiben.“
„Bist du da sicher?“
Plötzlich war Grace davon überzeugt. „Ich muss nur einen Weg finden, Henry von diesem Computer wegzubekommen.“
Maria lächelte plötzlich. „Keine Sorge, meine Liebe. Ich merke schon, wie mir eine glänzende Idee kommt. Wir werden diesem Unsinn, den Henry treibt, ein Ende bereiten. Heute ist die Nacht der Nächte. Bevor unser Mr. Wentworth hier ist, um Henry völlig abzulenken, werden wir ihn aus dem Konzept bringen. Wir werden dafür sorgen, dass Henry dich bemerkt.“
Grace’ Blick fiel auf Mitch Wentworth’ Gesicht auf dem Cover von Movie Mag, und sie stellte ihn sich in ihrem Büro vor. Wenn ihr neuer Chef erst einmal da wäre, würden dieses freche Lächeln, dieser schalkhafte Blick und diese unanständigen Muskeln unmittelbar vor ihren Augen sein.
Maria sah sie durchdringend an, und Grace hatte den Eindruck, dass ihre Freundin genau wusste, was sie störte! Wie, um alles in der Welt, sollte sie jeden Tag ihre Arbeit tun, wenn ein Mann wie Mitch Wentworth in ihrem Büro herumstolzierte?
Er war noch nicht einmal angekommen, und schon zog er alle ihre Gedanken auf sich. Diese erschreckende Erkenntnis hatte Grace dazu bewegt, zu handeln. „Okay, du hast gewonnen“, hatte sie zu Maria gesagt. „Ich werde Henry eine letzte Chance geben. Was für eine Idee hattest du?“
Sich Marias Plan anzuhören war einfach gewesen. Aber nun, als Grace in Henrys Wohnung ihrem Spiegelbild gegenüberstand, sah sie ihre großen, ängstlich blickenden Augen und ihre nervös an der Wäsche nestelnden Finger, und sie wusste, dass sie der Aufgabe, die ihr bevorstand, nicht wirklich gewachsen war. Die Aufgabe war unlösbar. Sie konnte einfach nicht an der Wohnungstür posieren und den Rest des Planes durchführen.
Das Hochgefühl, auf das Mitch Wentworth bei seiner Ankunft in Townsville gehofft hatte, ließ ihn schwindeln. Das muss der Jetlag sein, sagte er zu sich selbst und strich sich müde über die Augen. Ein Flug von San Francisco mit nur wenigen Stunden Aufenthalt in seiner Heimatstadt Sydney, bevor es weiter nach Norden, nach Townsville ging, würde den meisten Reisenden zu schaffen machen. Und wahrscheinlich war es falsch, sich noch eine weitere Herausforderung zu suchen und so spät bei den Tropicana Filmstudios zu erscheinen.
Er war davon ausgegangen, dass er viele Büros leer vorfinden würde. Schließlich war es halb sieben abends, und so war es nicht erstaunlich, dass alle seine Mitarbeiter schon nach Hause...




