E-Book, Deutsch, 415 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 215 mm
Hansen Die keltische Verschwörung
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-943416-20-6
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, 415 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 215 mm
ISBN: 978-3-943416-20-6
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thore Dohse Hansen (geb. 1969), diplomierter Soziologe und Politikwissenschaftler, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater. Heute ist er freier Autor und setzt sich vornehmlich mit den ungeklärten und geheimen Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten.
Autoren/Hrsg.
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PROLOG
Sanchunniathon, vor 4000 Jahren
ROM – 1. AUGUST 325 N. CHR.
Nur wenige hundert Meter vom Kaiserpalast entfernt schleppte sich Aregetorix durch die dunklen, modrig riechenden Gassen der Stadt. Der Regen hatte seine Kleider völlig durchnässt, das Leder seiner Socci war durchweicht und vom Schlamm überzogen. An seiner von Falten zerfurchten Stirn klaffte eine Wunde, seine langen grauen Haare waren blutverklebt. Hatten seine Verfolger aufgegeben? Er blickte sich vorsichtig um. Ihn schmerzten die Schläge, mit denen ihn die Wachen des Bischofs Lateros traktiert hatten. Er hatte aus seiner Schreibwerkstatt Pergament gestohlen. Pergament war den Mönchen vorbehalten und für Lehrer wie Aregetorix, die am Hof des Kaisers dienten, so gut wie unbezahlbar. Er presste die ihm verbliebenen Bögen, die er unter seinem Gewand verborgen hatte, noch fester an sich. Doch es war etwas anderes, das ihn in panische Angst versetzte: ein Gespräch zwischen dem Bischof und dem Prätorianerpräfekt Flavius Ablabius, dem engsten Vertrauten des Kaisers, das er erlauscht hatte. Es blieb ihm nicht viel Zeit. Er musste in einigen Stunden wieder am Hof sein, frische Kleidung und Schuhwerk haben, seine Wunde so gut wie möglich versorgt wissen und sich etwas einfallen lassen, wie er mehr über die Vorgänge zwischen dem Kaiser und den Bischöfen erfahren konnte.
Mit zittrigen Beinen erreichte er endlich sein Ziel. Ein Keller in einem kasernenartigen Mietshaus, nur mit einem kleinen Fenster, ohne Toilette und Heizstätte. Mit einem letzten Blick hinter sich öffnete er die Tür und trat ein. Erschöpft ließ er sich auf eine Holzbank fallen.
Aus einem Nebenraum eilte Nara, seine Tochter, zu ihm. »Was ist dir passiert?«
»Hol mir neue Kleider und versorg meine Wunde. Ich habe nicht viel Zeit.«
Nara schaute ihren Vater prüfend, mit zusammengepressten Lippen an. Sie nahm ein Leinentuch, tränkte es im Wasserkrug, setzte sich zu ihm auf die Holzbank und tupfte seine Wunde ab. Blutspritzer befleckten ihre helle Tunica. Für die Öffentlichkeit trugen sie die typische Kleidung des untersten Standes der Römer und hatten römische Namen angenommen. Seit zehn Jahren verbarg sich Aregetorix am kaiserlichen Hof und unterwies die Kinder in Philosophie, Mathematik und Latein. Wie die meisten Druiden gab auch er sich nicht mehr zu erkennen. Wie schon sein Vater betätigte er sich als Spion und versorgte die Druiden in den besetzten Gebieten mit Informationen, um jede Chance zu nutzen, die letzten in Geheimschulen operierenden Druiden und ihre Schüler zu schützen.
»Du musst alle zusammenrufen Nara. Es wird eng für uns!«
»Was ist geschehen?«
»Es kommt großes Unglück über uns. Ich fürchte, der Kaiser hat die christlichen Bischöfe geeint. Mehr kann ich dir jetzt nicht sagen, aber ich muss das, was ich heute gehört habe, aufzeichnen. Es muss der Welt ein Zeugnis hinterlassen werden, sonst war alles vergebens.«
Nara legte das Tuch zur Seite. Sie blickte verzweifelt zum Fenster, das den Raum spärlich mit Licht versorgte. Es war still, nur das Prasseln des Regens war zu hören. Sie versank kurz in Gedanken, sehnte sich zurück in ihr zerstörtes Dorf. Bis sie von den Besatzern aus dem ehemaligen Königreich Noricum endgültig vertrieben wurden, lebten sie in einem Gleichgewicht mit den Jahreszeiten, der Natur und der Sicherheit, die ihnen die Druiden gaben. Reichte es nicht, dass die Römer ihre Felder und Flüsse begradigten, Wälder rodeten, die seit Jahrhunderten Kräuter und Heilmittel gespendet hatten, dem Wild seinen Lebensraum nahmen, dass sie der Natur mehr abzuringen versuchten, als sie auf Dauer bereithalten könnte, dass sie Recht sprachen, um zu strafen, statt für einen Ausgleich zu sorgen?
In den letzten Monaten waren immer mehr Druiden trotz alledem freiwillig den Christen gefolgt und hatten andere Druiden verraten. Der Druck im Reich wuchs täglich. Würden die Christen wirklich an die Macht kommen, dann würden nun auch die Frauen im ganzen Reich endgütig zu Gebärmaschinen, anstatt, wie in ihrer Kultur, als das eigentlich Göttliche geehrt zu werden.
»Bist du dir sicher, Vater? Er ist kein Christ.«
Mit einem tiefen Seufzer legte Aregetorix seine Kleider ab. Nara reichte ihm ein frisches Gewand.
»Wenn es diesem Kaiser nutzt, wird er Christ. Verlass dich drauf.«
Aregetorix trocknete seine Haare und säuberte sein Gesicht mit dem restlichen Wasser. Er dachte kurz an die warnenden Worte seines eigenen Meisters. Der Mensch muss handeln, die Entwicklung des Universums liegt in seinen Händen.
»Wir müssen die Schriften an einen anderen Ort bringen, besonders die von Porphyrius. Wir werden sehen, ob die Allmacht des Geistes siegt oder der Wahnsinn dieses Kaisers. Wir müssen die Philosophen warnen.«
Plötzlich hörten sie Gebrüll und donnernde Hufe. Die Reiterhorden kamen näher.
MAGDALENSBERG, KURZ VOR KLAGENFURT IN ÖSTERREICH – 2. MAI 1945
Ein langgezogener Schrei – erst schrill, dann dumpf. Major Sean MacClary hörte ihn, kurz bevor ein junger Soldat dem Unterstand entgegengerannt kam, in dem er auf weitere Befehle des britischen Oberkommandos wartete.
»Major, Sir, ein Rekrut ist in eine Höhle gestürzt.«
Kein erneuter Angriff, MacClary war erleichtert. »Brillant, meine Herren. Ich fürchtete, meine Männer im Kampf zu verlieren. Stattdessen fallen sie in Löcher. Wahres Heldentum.«
Es folgten schnelle, präzise Befehle für die Rettung. Die letzten deutschen Kampftruppen in dieser Region Kärntens hatten sich verstreut. Es war zu gefährlich, Licht zu nutzen, um das unbekannte Gelände zu erkunden.
MacClary nahm zwei Soldaten und Sanitäter mit auf die Suche nach der Stelle, wo der Soldat in die Tiefe gestürzt war. Sein linkes Augenlid begann zu zucken, eine Eigenart, die er schon als Kind entwickelt hatte, wenn er von seinen Lehrern unter Druck gesetzt wurde. Seit er im Krieg eingesetzt war und mehrere Verwundungen überstanden hatte, überkam ihn dieser Tic immer häufiger. Für ihn war es eine Schwäche, die er vor seinen Männern verbergen musste. Er hielt kurz inne, nahm dem Helm ab und griff sich an die verschmutzte Stirn, um sich zu beruhigen. Seine Augen suchten einen Fixpunkt im Gelände. Nur langsam wich das Zucken; mit einer Hand strich er durch seine kurzen grauen Haare, mit der anderen setzte er den Helm auf und folgte wieder seinen Soldaten.
Am Abgrund angelangt, wagte es MacClary, mit einer kleinen Taschenlampe in die Tiefe zu leuchten, und erkannte einige Meter tiefer den reglosen Mann.
»Soldat, können Sie mich hören?«
Nur ein leises Stöhnen verriet, dass da unten noch jemand am Leben war.
»Smith und Rudy, Sie seilen sich ab«, befahl MacClary den Nächststehenden.
Die beiden folgten umgehend seiner Order. Als sie ihren Kameraden erreichten, hörte MacClary ein Raunen, das kaum dem Verletzten gelten konnte.
»Was ist los? Sie sollen den Mann bergen und keine Höhlenforschung betreiben«, schrie er hinunter.
»Aber Major, das müssen Sie sich ansehen! Hier ist ein Eingang zu einem Raum voll mit altem Zeug.«
»Was? Warten Sie, ich komme runter.«
MacClary seilte sich ab und folgte dem Licht, das einer der Soldaten auf den Boden der Kammer gestellt hatte. Dort angekommen, traute er kaum seinen Augen. Im ersten Moment dachte er an einen geheimen Bunker, doch dann begriff er, dass es sich hier um Hinterlassenschaften handeln musste, die nicht nur Hunderte, sondern sogar Tausende von Jahren alt sein konnten. Er hatte vor dem Krieg als ordentlicher Professor für Archäologie gearbeitet. Beim Anblick dieser Artefakte wurde er schwach in den Knien, und die Sehnsucht nach seiner Arbeit überwältigte ihn.
»Ihr rettet jetzt den Mann«, sagte er schroff. »Ich muss mir das hier genauer ansehen.«
In dem schummerigen Licht konnte er nicht viel erkennen. Es musste sich um eine Art Bibliothek oder eine besondere Grabkammer handeln, das registrierte er sofort. Die Beschaffenheit der Steine, der Figuren und der wenigen Schriftzeichen, die er in der staubgeschwängerten Luft ausmachte, deutete auf keltische, aber auch römische Herkunft.
Das ist eigentlich nicht möglich, überlegte MacClary. Nachdem die Kelten von den römischen Eroberern zum Christentum bekehrt worden waren, hätten sie wohl kaum diese geheimnisvolle Sammlung erschaffen. Nur die Druiden hätten die Kenntnisse und Weitsicht haben können, derartige Schätze zu verstecken, aber das war auch...




