E-Book, Deutsch, 317 Seiten
Hansen Die Libyen-Verschwörung
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-501-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, 317 Seiten
ISBN: 978-3-98952-501-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ole Hansen, geboren in Wedel, ist das Pseudonym des Autors Dr. Dr. (COU) Herbert W. Rhein. Er trat nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker in die Bundeswehr ein. Dort diente er 30 Jahre als Luftwaffenoffizier und arbeitete unter anderem als Lehrer und Vertreter des Verteidigungsministers in den USA. Neben seiner Tätigkeit als Soldat studierte er Chinesisch, Arabisch und das Schreiben, sowie Umweltwissenschaften und Geschichte, wobei er seine beiden Doktortitel erlangte. Nachdem er aus dem aktiven Dienst als Oberstleutnant ausschied, widmete er sich ganz seiner Tätigkeit als Autor. Dabei faszinierte ihn vor allem die Forensik - ein Themengebiet, in dem er durch intensive Studien zum ausgewiesenen Experten wurde. Heute wohnt der Autor an der Ostsee. Von Ole Hansen sind bei dotbooks bereits die folgenden Serien und Einzelromane erschienen: Seine Reihe um den Privatdetektiv JEREMIAS VOSS umfasst aktuell 11 Bände, beginnend mit »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt«. In seiner zweiten Serie um MARTEN HENDRIKSEN, Privatdetektiv und Rechtsmediziner mit Leichenallergie, sind bisher sechs Romane erschienen, beginnend mit dem ersten Fall »Hendriksen und der mörderische Zufall«. Ex-BND-Agent ARNE CLAASEN ermittelt bisher in drei Fällen in der Hamburger Abteilung für Cold Cases, beginnend mit »Arne Claasen und die vergessenen Toten«. CLAASEN & HENDRIKSEN klären gemeinsam die brisantesten Verbrechen Hamburgs, beginnend mit ihrem ersten gemeinsamen Fall »Die Tote von Pier 17«. Weitere Bände sind in Vorbereitung. Einige seiner Kriminalromane sind auch in Sammelbänden erschienen. In seiner vierbändige Thriller-Serie »Der Journalist« deckt Investigativjournalist Tom Porter auf der ganzen Welt Intrigen in den höchsten Rängen der Politik auf. Außerdem erschienen seine Thriller »Die Libyen-Verschwörung« und »Die Akte Panama«. Unter seinem Klarnamen Herbert Rhein veröffentlichte der Autor bei dotbooks auch die folgenden eBooks: »Todesart: Nicht natürlich. Gerichtsmediziner im Kampf gegen das Verbrechen.« »Todesart: Nicht natürlich. Mit Mikroskop und Skalpell auf Verbrecherjagd.« Als Hörbuch bei AUDIOBUCH und Thalia sind außerdem verfügbar: »Jeremias Voss« Band 1 & 2 »Marten Hendriksen« Band 1 - 5 »Claasen & Hendrksen« Band 1 & 2 Folgende Bücher von Ole Hansen sind auch als Printausgabe erhältlich: »Jeremias Voss und die Tote vom Fischmarkt. Der erste Fall« »Jeremias Voss und der tote Hengst. Der zweite Fall« »Hendriksen und der mörderische Zufall.«
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 1
Auf der Kuppe der höchsten Sanddüne lag ein Mann. Er hatte die Arme am Boden aufgestützt, um festeren Halt für den Feldstecher zu haben, mit dem er das Gelände absuchte. Mit seinen Fingern schützte er die Objektive gegen die Strahlen der untergehenden Sonne, damit sie sich nicht in den Linsen widerspiegelten und so seinen Standort verrieten. Es war eine unnötige Vorsichtsmaßnahme. Die Wüste breitete sich weit und leer vor ihm aus. Kein Mensch, kein Tier, nichts war zu sehen.
Aaron Goldsteen ließ das Fernglas sinken und blickte mit besorgter Miene auf seine Armbanduhr. Es war fünf Minuten nach sieben. Bald würde es stockfinster sein, und noch immer war niemand von der Einsatzgruppe aufgetaucht. Nach seinen Berechnungen hätten sie schon vor einer Stunde eintreffen müssen. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn. Hoffentlich war nichts passiert, was die Kommandoaktion gefährdete und einen Rückschlag für das gesamte Unternehmen bedeuten konnte.
Vor zwei Monaten hatte er von Oberst Menachim Julep, seinem Chef beim israelischen Geheimdienst Mossad, den Auftrag erhalten, die Fabrik südlich von Mizdah in Libyen zu zerstören. Offiziell handelte es sich bei der Anlage um eine Fabrikationsstätte für Werkzeugmaschinen, gebaut von französischen Ingenieuren im Auftrag der libyschen Regierung. Durch einen Zufall waren israelische Agenten auf die Anlage aufmerksam geworden, und ihre gezielten Nachforschungen hatten ergeben, dass hier keine Werkzeugmaschinen, sondern Marschflugkörper für die libysche Luftwaffe montiert werden sollten. Die Einzelteile für diese Spezialwaffe, mit der neben hochexplosiven Sprengköpfen vor allem Giftgas verschossen werden konnte, kamen aus verschiedenen westlichen Ländern. Die Spezialabteilungen des Mossad vermuteten, dass es vor allem Firmen in Deutschland, England, Frankreich und den USA waren, die die mit neuesten Technologien hergestellten Einzelteile lieferten. Über Details wusste der israelische Geheimdienst noch nichts, allerdings wollte er auch nicht darauf warten. Da diese neue Geheimwaffe von Jagdbombern aus großer Entfernung abgeschossen werden konnte, stellte sie eine gefährliche Bedrohung dar, die ungeachtet möglicher politischer Folgen sofort beseitigt werden musste. Angesichts eines potentiellen Gasangriffs gab die politische Führung grünes Licht für eine Kommandoaktion. Noch am selben Tag wurde der israelische Geheimdienst mit der Planung und Durchführung des Unternehmens beauftragt. Der Chef des Mossad hatte daraufhin Aaron Goldsteen, den fähigsten Mann für solche Unternehmungen, aus dem Urlaub geholt und ihn mit der Aufgabe betraut.
Zwei Monate hatte Aaron für die Vorbereitungen benötigt. Er war persönlich nach Libyen gefahren, um die Einsatzmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen. Dabei war er sorgfältig und gründlich vorgegangen und hatte sich nicht von der nervösen Ungeduld seiner Vorgesetzten hetzen lassen.
Vor einer Woche hatte er den Angriffszeitpunkt auf heute Nacht festgelegt. Nur während dieser einen Nacht wurde innerhalb der nächsten Wochen in der Fabrik nicht gearbeitet, und das hieß, dass sich bis auf eine Wachmannschaft von etwa fünfzehn Mann niemand auf dem Gelände aufhielt.
Aaron stand auf, streckte seine Glieder und stieg von der Düne zu dem trockenen Flussbett eines Wadis hinunter. Er schlug die Plane, mit der sein Motorrad getarnt war, zur Seite und holte aus der rechten Packtasche eine Wasserflasche. Nachdem er seinen Durst mit einem langen Schluck gelöscht hatte, verschloss er sie wieder und steckte sie zurück.
Plötzlich hielt er inne und lauschte. Da war ein leises Motorengeräusch. Geschwind kletterte Aaron wieder nach oben. Auf dem Wüstenpfad, der zur Straße Mizdah-Al Qaryat führte, sah er eine Staubwolke, die schnell näher kam. Er nahm sein Fernglas an die Augen und erkannte einen dunklen Punkt, der sich nach einigen Minuten auflöste und sich in zwei nebeneinander fahrende Motorräder verwandelte. Erleichtert atmete er auf, als er seine eigenen Männer erkannte.
Aaron wartete, bis die Fahrer bei einer halbverdorrten Tamariske, etwa fünfhundert Meter südlich von ihm, anhielten. Ein letztes Mal suchte er den in die Abenddämmerung getauchten Horizont ab. Als er sicher war, dass niemand seinen Männern gefolgt war, kletterte er in das Wadi hinab und brach auf. Er ließ die Maschine das Flussbett entlangrollen, bis er an einer weniger steilen Stelle die Uferböschung hinauffahren konnte.
Als er sich der Tamariske näherte, sah er nur einen Mann, der an seiner Maschine lehnte und ihm neugierig entgegensah.
Aaron hielt an und stieg ab.
»Verdammt, ich dachte schon, ihr würdet überhaupt nicht mehr kommen. Was war los? Wieso kommt ihr so spät? Ich warte schon seit Stunden auf euch.«
Uri Sidon grinste, drehte sich nach hinten und rief: »Komm raus, David, es ist nur unser geliebter Chef!«
Es hätte dieser Aufforderung nicht bedurft, denn sobald David ben Massa Aaron erkannt hatte, schlug er die Plane, mit der er sich und sein Motorrad getarnt hatte, hoch und kam auf die beiden zu. In den Händen hielt er die Maschinenpistole, mit der er Uri gedeckt hatte.
»Hallo, Boss, wie geht’s?«, begrüßte er Aaron.
Der ging darauf nicht ein, sondern fuhr auch ihn ärgerlich an: »Wo habt ihr beiden gesteckt, und wieso kommt ihr zusammen?«
David warf Uri einen Blick zu und sagte: »Ging nicht schneller. Ich bin froh, dass ich es überhaupt geschafft habe. Im ganzen Bereich südlich von Tripolis und der tunesischen Grenze wimmelt es von Militär. Muss ’ne Großübung sein. Ich musste den Bereich in großem Bogen umfahren.«
»Bei mir war es genauso«, fügte Uri hinzu. »Die halbe Armee scheint auf den Beinen zu sein. Ich hoffe, nicht unseretwegen. David und ich, wir haben uns ganz zufällig kurz vor der Abzweigung nach hier getroffen. Du kannst also beruhigt sein, niemand hat uns zusammen gesehen. Aber was mir wirklich Sorgen macht, ist, ob Roman es geschafft hat. Er muss nämlich quer durch den ganzen Mist hindurch.«
Aaron winkte ab. »Bei Roman ist alles klar. Er hat sich vor zwei Stunden über Funk gemeldet. Wir sollten aufbrechen, damit wir noch vor Einbruch der Dunkelheit unseren Anlaufpunkt erreichen.«
Die Männer nickten. In spätestens zwanzig Minuten würde es finster sein, und sie hatten noch zehn Kilometer zu fahren. Sie stiegen auf und folgten Aaron, der die Führung übernommen hatte.
Ohne Beleuchtung fuhren sie durch die Wüste – es war gefährlich und stellte höchste Anforderungen an Fahrer und Maschine. Immer wieder durchschnitten tiefe Rinnen, die nur mit äußerster Vorsicht überwunden werden konnten, den Boden. Zwar hatte Aaron die Strecke gründlich erkundet, doch das half bei der schnell hereinbrechenden Nacht nur wenig.
Aber weder Uri noch David schien die Fahrt etwas auszumachen. Wie Aaron waren sie hochqualifizierte Spezialisten, die sich schon in manchem gefährlichen Einsatz bewährt hatten. Sie waren ein eingespieltes Team. Jeder wusste, dass er sich hundertprozentig auf seine Kameraden verlassen konnte.
Aaron war mit seinen achtunddreißig Jahren der Älteste und Erfahrenste von ihnen. Er hatte als junger Soldat am Jom-Kippur-Krieg teilgenommen, danach war er als Berufsoffizier beim Militär geblieben. Seine Leistungen waren so herausragend gewesen, dass der Geheimdienst auf ihn aufmerksam geworden war und ihn in seine Dienste übernommen hatte. Über zehn Jahre war er jetzt dabei und war noch immer der Spezialist für Kommandoaktionen hinter den feindlichen Linien. Seine Männer vertrauten ihm blind.
Inzwischen war es dunkel geworden, und Aaron hatte die Geschwindigkeit auf Schritttempo gedrosselt. Uri und David folgten ihm dichtauf. Angestrengt starrten sie auf die wenigen Zentimeter Boden, die sie vor den Vorderrädern ihrer Maschinen erkennen konnten. Hin und wieder mussten sie die Bikes einen steilen Abhang hinunterschieben und dann wieder hinauf. Dann ging es, die Beine nach unten gestreckt, um die Maschine jederzeit abfangen zu können, weiter.
Nach etwa einer Dreiviertelstunde hielt Aaron und stellte den Motor ab. Die anderen beiden folgten seinem Beispiel. Nun mussten sie die Maschinen fünf Kilometer quer durch die Wüste schieben. Das war mühsam, aber sie wollten kein Risiko eingehen und nicht auf sich aufmerksam machen.
Zwei Stunden lang quälten sie sich durch die Wüste, bevor sie ihren Einsatzort erreicht hatten. Erschöpft ließen sich die Männer neben ihre Fahrzeuge auf den Boden sinken. Vor ihnen, in etwa tausend Meter Entfernung, lag die Fabrik. Es war ein mehrere Hektar großes Areal, das durch zwei hohe Zäune gesichert wurde. An jeder Ecke des Bereichs befand sich ein Wachturm, dessen starke Scheinwerfer den Zaun und das Vorfeld hell erleuchteten. In der Mitte des Geländes stand eine riesige Werkhalle, an die im Osten ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude anschloss. Die Halle war, wie Aaron wusste, in zwei Bereiche unterteilt. Der kleinere diente zur Herstellung der Werkzeugmaschinen, der weitaus größere zur Montage der Marschflugkörper. Schräg hinter der Halle, im Nordwesten, gab es drei kleinere Gebäude, in denen sich Hochleistungsgeneratoren befanden. Sie mussten die Fabrik mit Strom versorgen, falls das öffentliche Netz zusammenbrechen sollte. Etwa fünfzig Meter dahinter stand auf einer Anhöhe ein wuchtiger Benzintank. Über ein Rohrsystem wurden von hier aus die Generatoren mit Treibstoff versorgt. Diagonal gegenüber lag die einzige Zufahrt zum Fabrikgelände, gesichert durch ein schweres eisernes Tor. Neben der Einfahrt stand das Wachgebäude, in dem neben dem Wachhabenden fünfzehn Mann als Ablösung und Eingreifreserve Dienst taten. Die Wachmannschaften wurden jeweils um sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends abgelöst.
Als die...




